Schwarzweiß hat viele Farben

Von Friedhelm Denkeler,

Betrachtungen zum photographischen Bild

Das fotografische Archiv versammelt im Abbild die letzten Elemente der dem Gemeinten entfremdeten Natur [Siegfried Kracauer]

"Robert", Foto © Friedhelm Denkeler 1964
»Robert«, Foto © Friedhelm Denkeler 1964

In der Pionierzeit der Fotografie um 1850 gab es nur die Schwarzweiß-Fotografie. Glasplatten, die mit einer Gelatineschicht mit eingelagerten Silberhalogeniden beschichtet waren, standen ganz am Anfang. Diese einfache Vervielfältigungs-Methode war der Beginn des ersten massenhaft verbreiteten Bildmediums der Kulturgeschichte.

Als Pioniere der Fotografie sind Joseph Nicéphore Nièpce, Louis Jacques Mandé Daguerre und William Henry Fox Talbot zu nennen. 1870 wurde durch John Wesley Hyatt das Zelluloid erfunden, dass die Grundlage für die Roll- und Kleinbildfilme bildete (und natürlich der Kinofilme).

Seit den 1930er Jahren wurde die Farbfotografie zwar technisch massentauglich, aber es war lange Zeit eine finanzielle Entscheidung, ob man in erschwinglichem Schwarzweiß oder in kostenintensiver Farbe fotografierte.

1960 machte ich meine ersten eigenen Aufnahmen mit einer einfachen 6×9-Box meines Vaters, natürlich mit einem Schwarzweiß-Rollfilm und 1962 folgte meine erste eigene 24×36-Kleinbild-Kamera, bestückt mit einem 36er-Schwarzweiß-Kleinbildfilm. Ab 1965 schloss sich ein »Zwischenspiel in Farbe« an: Für zehn Jahre entstanden meine Aufnahmen auf Farb-Dia-Filmen.

Mit der Einrichtung einer eigenen Dunkelkammer, der Ausbildung an der Werkstatt für Photographie in Berlin-Kreuzberg und der ernsthaften Auseinandersetzung mit der Fotografie wurden die Bilder schnell wieder Schwarzweiß. Dieser Begriff ist aber zu einfach und wird den Fotografien nicht gerecht: In Wirklichkeit bestehen die Bilder aus einzelnen Grauwertabstufungen zwischen den beiden Extremen schwarz und weiß.

Die Fotografie ist unser Exorzismus. Die primitive Gesellschaft hatte ihre Masken, die bürgerliche ihre Spiegel. Wir haben unsere Bilder [Jean Baudrillard]

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Aufruhr in Brooklyn als Vorläufer des Punk und Metal

Von Friedhelm Denkeler,

1958 – Link Wray & His Ray Men: »Rumble«, Foto/Collage © Friedhelm Denkeler
1958 – Link Wray & His Ray Men: »Rumble«, Foto/Collage © Friedhelm Denkeler

Es ist mit Sicherheit der einzige Instrumental-Song, der jemals von Radio-Stationen verbannt wurde, ohne Texte über Drogen oder Sex (sic!) zu beinhalten. Der Titel allein, den man mit Aufruhr übersetzen kann und der düstere und bedrohliche Sound, reichten aus, den Song nicht zu spielen, denn er »klang wie die Einladung zu einem Messerkampf» [Rolling Stone]. Um den rauen, verzerrten Klang herzustellen, soll Wray Löcher in den Lautsprecher seines Gitarrenverstärkers geschlagen haben und verwandelte ihn damit in eine »Fuzzbox«, die es damals noch nicht gab.

Aus der heutigen Sicht ist das nicht mehr nachvollziehbar. Aber wenn man sich die Liveaufnahme aus San Francisco von 1974 anhört, wird die Angst der Radiomacher, dass »Rumble« tatsächlich eine Gewalttätigkeit anregen könnte, schon deutlicher. Ein Fan schrieb zum Live-Video »Wray was cool, before cool was cool«. Im Netz findet man ein Video mit dem Original-Song passenderweise mit einem Ausschnitt aus dem Film: »The Delicate Delinquent« (Der Held von Brooklyn, 1957) von Don McGuire mit Jerry Lewis.

Die Musikindustrie präsentierte damals das saubere, gepflegte Lebensgefühl des aufstrebenden Nachkriegs-Amerika. Link Wray dagegen spielten ihre Musik roh und emotionslos; »Rumble« war eine Provokation für das Establishment. Die Ray Men kann man deswegen als Vorläufer von Punk und Metal sehen.

1958 – Johnnie Ray: »Yes Tonight, Josephine«, Foto/Collage © Friedhelm Denkeler
1958 – Johnnie Ray: »Yes Tonight, Josephine«, Foto/Collage © Friedhelm Denkeler

Als Fred Lincoln ›Link‹ Wray im Jahr 2005 starb, spielten Bob Dylan und Bruce Springsteen ihm zur Ehre »Rumble« und Pete Townshend sagte, er hätte nie eine elektrische Gitarre gekauft, wenn es nicht Wrays »Rumble« gegeben hätte.

1958 erreichte der Song Platz 16 der »Billboard Hot 100«. Bei der Zeitschrift »Rolling Stone« landete der Song auf Platz 45 der 100 besten Gitarristen aller Zeiten. Er beeinflusste viele Band wie die Yardbirds oder The Who.

Johnnie Ray war in den 1950er Jahren einer der erfolgreichsten Pop-Interpreten Amerikas. Bei seinen Konzerten gab es regelrechte Krawalle. Er wurde von begeisterten weiblichen Fans bestürmt und bedrängt. Das war damals etwas Neues, später trat es für Elvis und für die Beatles wieder auf. Für mich bleibt für immer mit Johnnie der Song »Yes Tonight, Josephine« verbunden. Und dann kam Im Jahr 1958 noch Elvis Presley mit dem Song »Jailhouse Rock«. Es war dem Titelsong aus dem gleichnamigen Film mit Elvis in der Hauptrolle.

Und auch den ›Sommerhit‹ 1958, den »Summertime Blues« von Eddie Cochran darf ich nicht vergessen. Der ›Sommerhit‹ ist eine Erfindung der Musikindustrie; es geht um Songs, die vielfach in einem bestimmten Sommer intensiv im Radio gespielt wurden. Sex kam bei den jungen Rock ’n‘ Roller in den 1950er Jahren nur in Andeutungen vor, Jerry Lee Lewis war dagegen in »Great Balls Of Fire« freizügiger. Und deswegen wurde der Song ein Nummer-eins-Hit. Er hämmert so sehr auf seinem Klavier herum, dass nur noch ein Schlagzeug nötig war. Der Film »Great Balls Of Fire – Jerry Lee Lewis – Ein Leben für den Rock ’n‘ Roll« von 1989 sichert Lewis‘ Platz in der Rock-Geschichte.

Songtext – Jerry Lee Lewis: »Great Balls Of Fire«

You shake my nerves and you rattle my brain
Too much love drives a man insane
You broke my will, but what a thrill
Goodness gracious great balls of fire

I laughed at love when I thought it was funny
But you came along and you moved me honey
I've changed my mind, this love is fine
Goodness gracious great balls of fire
Kiss me baby, woo, feels good
Well I want to love you like a lover should
You're fine, so kind
Got to tell this world that you're mine! Mine! Mine! Mine!

I chew my nails and I twiddle my thumbs
I'm real nervous but it sure is fun
Come on baby, you drive me crazy
Goodness gracious, great balls of fire! [aus: Great Balls of Fire]           
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In dieser Kategorie finden Sie Beiträge zu Songs und ihren Interpreten aus 70 Jahren Rock- und Pop-Geschichte 1946 bis 2016. In der Regel werden pro Jahr ein Song, manchmal auch mehrere, vorgestellt. Alle im Text erwähnten Songs sind als Video oder Audio auf den bekannten Musik-Portalen wie YouTube, Vimeo, etc. zu finden. In einer Tabelle habe ich die Songs auf die entsprechenden Videos/Audios verlinkt. Die Serie befindet sich zur Zeit im Aufbau und wird nach und nach vervollständigt. Jeder Artikel ist ein Auszug aus meinem für 2027 geplantes Künstlerbuch »Siebzig Jahre – Siebzig Songs«.

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Die Links zu den Videos/Audios der vorgestellten Songs sind in einer Tabelle im Anhang aufgelistet.

Woher kommt das ganze Elend?

Von Friedhelm Denkeler,

»Das ganze Elend kommt daher, dass die Menschen nicht zu Hause bleiben«, Grafik © Friedhelm Denkeler 2014
»Das ganze Elend kommt daher, dass die Menschen nicht zu Hause bleiben«, Grafik © Friedhelm Denkeler 2014
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In dieser Kategorie erscheint am ersten Tag eines Monat öfter ein bildlich umgesetzter Post mit einem Zitat. Das kann eine Photographie mit einem Spruch sein oder ein Bild, das grafisch mit dem Zitat des Monats gestaltet wurde.

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Winter in der Kleingarten-Anlage

Von Friedhelm Denkeler,

Fünftes Kapitel aus dem Portfolio und Künstlerbuch »Neunmal Neukölln – Berliner Stadtgänge», 1984/2020

»Eigenheim mit Maschendrahtzaun«, Foto © Friedhelm Denkeler
»Eigenheim mit Maschendrahtzaun«, aus dem Portfolio und Künstlerbuch »Neunmal Neukölln – Berliner Stadtgänge», Foto © Friedhelm Denkeler 1979

Im Februar 1979 wanderte ich an einem Samstag von meinem Arbeitsplatz bei Sonnenschein (im doppelten Sinne!) in Mariendorf durch Berlins Schrebergärten bis zum Ilsenhof. Damals gab es noch einen richtigen Winter; der Schnee in den Kleingärten-Parzellen lag hoch. Durch Schnee und Sonnenschein wirkten die Anlagen sehr fotogen, das oft Schrottige der Gärten wurde verdeckt.

Von den Problemen, die ein halbwegs vernünftiger Schrebergärtner, der dem Bundeskleingartengesetz unterliegt, war im Winter wenig zu spüren. Wenn im Sommer alles sprießt und wächst, schlägt bei vielen Kleingartenvereinen die Einstellung von Moritz Schreber, dem Namensgeber des Schrebergartens, durch. Er war Begründer der sogenannten Schwarzen Pädagogik. Ein Verfechter von Zucht und Ordnung, Drill und Gehorsam. Und dazu scheint auch das ›Unkraut‹ gehören, das vor dem Gartenzaun wächst; es muss unter allen Umständen ausgemerzt werden.

»Stadgang durch die Neuköllner Kleingarten-Anlage«, Foto © Friedhelm Denkeler
»Stadgang durch die Neuköllner Kleingarten-Anlage«, aus dem Portfolio und Künstlerbuch »Neunmal Neukölln – Berliner Stadtgänge», Foto © Friedhelm Denkeler, 1979

Anmerkung zum Portfolio und Künstlerbuch »Neunmal Neukölln«, 1984

Während meiner Neuköllner Zeit unternahm ich mehrere fotografische Stadtgänge, die im vorliegenden Portfolio mit den folgenden neun Kapiteln mündeten: 1 Der Körnerpark, 2 Schienen und Bauten in wilder Natur, 3 Von Garagen, Tankstellen und Werkstätten, 4 Die High-Deck-Siedlung, 5 In der Kleingarten-Anlage, 6 Stadtgänge im Industriegebiet, 7 An der Mauer und am Teltow-Kanal, 8 Pittoreskes aus Neukölln und 9 Ein Friedhof im Schnee und Epilog. Die Aufnahmen entstanden zwischen 1977 und 1984 in Berlin-Neukölln. Siehe ausführlichen Artikel »Neunmal Neukölln – Berliner Stadtgänge« auf meiner Website LICHTBILDER.

Digitale Abzüge

Das gesamte Portfolio besteht aus 180 Photographien. In einer Übersicht auf meiner Website »Lichtbilder« stehen 45 als Indexprint (je 5 aus den 9 Kapiteln) und 9 als Einzelbilder (je 2 aus den 9 Kapiteln) zur Ansicht bereit. Die Größe der Original-Prints beträgt 30 x 45 cm (Bildmaß = Blattmaß) in einem Passepartout 50 x 60 cm. Belichtet werden sie auf »Fujicolor Crystal Archive Papier« (PE), 250 Gramm.

Analoge Abzüge

Auf Wunsch werden die Schwarzweiß-Photographien im analogen Entwicklungsprozess mit Silbergelatine-Barytpapier (Ilford) archivfest ausgearbeitet. Für eine schwarzweiße Photographie ist Barytpapier die edelste Art von Fotopapier. Die Größe der Fotoabzüge beträgt: Bildmaß: 30 x 45 cm, Blattmaß:  40 x 55 cm. Das kartonstarke Papier ist 315 g/qm schwer. Die Auflage beträgt in der Regel max. 10+2 AP.

Künstlerbuch

Die 180 Bilder sind auch als gedrucktes Künstlerbuch mit 216 Seiten im Format 29,7 x 21,0 cm in einer limitierten Auflage 30 + 4 AP im Selbstverlag erschienen (2020). 
 Gestaltung, Satz: © Friedhelm Denkeler 2020. 
Druck: WhiteWall Media GmbH, 50226 Frechen.


Künstlerbücher sind ein eigenständiges Genre der bildenden Kunst. Sie bewegen sich im Schnittpunkt von Büchern und Kunst, werden in der Regel vom Künstler selbst produziert und im Eigenverlag herausgegeben. Beim Buchobjekt handelt es sich oft um Unikate, ansonsten erwartet der Sammler eine limitierte Auflage, die vom Künstler nummeriert und signiert ist (siehe auch der ausführliche Artikel »Künstlerbücher – Das Buch als Kunstobjekt«

Die High-Deck-Siedlung in Neukölln

Von Friedhelm Denkeler,

Viertes Kapitel aus dem Portfolio und Künstlerbuch »Neunmal Neukölln – Berliner Stadtgänge», 1984/2020

»Die High-Deck-Siedlung an der Sonnenallee«, Berlin-Neukölln, Foto © Friedhelm Denkeler 1978
»Die High-Deck-Siedlung an der Sonnenallee«, aus dem Portfolio und Künstlerbuch »Neunmal Neukölln – Berliner Stadtgänge«, Foto © Friedhelm Denkeler 1978

Spannend war es auch, als ich die High-Deck-Siedlung an der Sonnenallee entdeckte. Die in den 1970er Jahren im Rahmen des sozialen Wohnungsbaus entstandene Großsiedlung mit 6000 Einwohnern sollte ganz anders werden als die aneinandergereihten Hochhäuser im Märkischen Viertel (hier wohnte ich in meinen ersten Berliner Jahren). Die High-Deck-Siedlung setzte auf die Trennung von Autoverkehr und Fußgängern. Den Fußgängern wurde der Bereich im ersten Stock (sic!), den sogenannten High-Decks, zugewiesen. Diese begrünten Decks sind von der ebenen Erde durch Rampen und Treppen zugänglich.

In den Anfangsjahren waren die Wohnungen begehrt und Inbegriff für zeitgemäßes Wohnen am grünen Rand West-Berlins, nahe der Berliner Mauer, aber bereits ein Vierteljahrhundert später galt das Konzept als gescheitert und entwickelte sich zum sozialen Brennpunkt. Die High-Decks sollten eigentlich zur multifunktionalen Kommunikationszone werden, heute sind sie eher menschenleer und zu reinen Hochstraßen für Fußgänger degradiert. Die Anlage wurde auf Berlins größtem, zusammenhängendem Kleingartengelände, gebaut (in den Bereichen Köllnische Heide, Baumschulenweg und Johannisthal). Rund 750 Schrebergartenparzellen mussten weichen.

»Leere Fußgängerzone in der High-Deck-Siedlung«, aus dem Portfolio und Künstlerbuch »Neunmal Neukölln – Berliner Stadtgänge«, Foto © Friedhelm Denkeler 1978
»Leere Fußgängerzone in der High-Deck-Siedlung«, aus dem Portfolio und Künstlerbuch »Neunmal Neukölln – Berliner Stadtgänge«, Foto © Friedhelm Denkeler 1978

Anmerkung zum Portfolio und Künstlerbuch »Neunmal Neukölln«, 1984

Während meiner Neuköllner Zeit unternahm ich mehrere fotografische Stadtgänge, die im vorliegenden Portfolio mit den folgenden neun Kapiteln mündeten: 1 Der Körnerpark, 2 Schienen und Bauten in wilder Natur, 3 Von Garagen, Tankstellen und Werkstätten, 4 Die High-Deck-Siedlung, 5 In der Kleingarten-Anlage, 6 Stadtgänge im Industriegebiet, 7 An der Mauer und am Teltow-Kanal, 8 Pittoreskes aus Neukölln und 9 Ein Friedhof im Schnee und Epilog. Die Aufnahmen entstanden zwischen 1977 und 1984 in Berlin-Neukölln. Siehe ausführlichen Artikel »Neunmal Neukölln – Berliner Stadtgänge« auf meiner Website LICHTBILDER.

Digitale Abzüge

Das gesamte Portfolio besteht aus 180 Photographien. In einer Übersicht auf meiner Website »Lichtbilder« stehen 45 als Indexprint (je 5 aus den 9 Kapiteln) und 9 als Einzelbilder (je 2 aus den 9 Kapiteln) zur Ansicht bereit. Die Größe der Original-Prints beträgt 30 x 45 cm (Bildmaß = Blattmaß) in einem Passepartout 50 x 60 cm. Belichtet werden sie auf »Fujicolor Crystal Archive Papier« (PE), 250 Gramm.

Analoge Abzüge

Auf Wunsch werden die Schwarzweiß-Photographien im analogen Entwicklungsprozess mit Silbergelatine-Barytpapier (Ilford) archivfest ausgearbeitet. Für eine schwarzweiße Photographie ist Barytpapier die edelste Art von Fotopapier. Die Größe der Fotoabzüge beträgt: Bildmaß: 30 x 45 cm, Blattmaß:  40 x 55 cm. Das kartonstarke Papier ist 315 g/qm schwer. Die Auflage beträgt in der Regel max. 10+2 AP.

Künstlerbuch

Die 180 Bilder sind auch als gedrucktes Künstlerbuch mit 216 Seiten im Format 29,7 x 21,0 cm in einer limitierten Auflage 30 + 4 AP im Selbstverlag erschienen (2020). 
 Gestaltung, Satz: © Friedhelm Denkeler 2020. 
Druck: WhiteWall Media GmbH, 50226 Frechen.


Künstlerbücher sind ein eigenständiges Genre der bildenden Kunst. Sie bewegen sich im Schnittpunkt von Büchern und Kunst, werden in der Regel vom Künstler selbst produziert und im Eigenverlag herausgegeben. Beim Buchobjekt handelt es sich oft um Unikate, ansonsten erwartet der Sammler eine limitierte Auflage, die vom Künstler nummeriert und signiert ist (siehe auch der ausführliche Artikel »Künstlerbücher – Das Buch als Kunstobjekt«

Von Garagen, Tankstellen und Werkstätten

Von Friedhelm Denkeler,

Drittes Kapitel aus dem Portfolio und Künstlerbuch »Neunmal Neukölln – Berliner Stadtgänge», 1984/2020

»Die Kranold Groß-Garagen von Willi Donner«, aus dem Portfolio und Künstlerbuch »Neunmal Neukölln – Berliner Stadtgänge«, Foto © Friedhelm Denkeler 1981
»Die Kranold Groß-Garagen von Willi Donner«, aus dem Portfolio und Künstlerbuch »Neunmal Neukölln – Berliner Stadtgänge«, Foto © Friedhelm Denkeler 1981

Auf längeren Stadtgängen, manchmal auch mit dem Fahrrad, stieß ich immer wieder auf verfallene Bahn- und Gleisanlagen in Neukölln. Die Bilderstrecke beginnt in der Nähe des Ilsenhofs mit dem S-Bahnhof Hermannstraße, der an der Ringbahn liegt und mit einem Blick von der Herthabrücke auf die entsprechenden Gleisanlagen. Weiter südlich hat die Natur auf den Industrie-Bahnhöfen an vielen Stellen die Gleisanlagen wieder zurück erobert; die Güterschuppen, Ladestraßen und Stellwerke standen praktisch alle vor dem Verfall. Die großen Bahnanlagen wurden zweckentfremdet und von Unternehmen als Lagerfläche genutzt oder, wie der ehemalige Rangierbahnhof Berlin-Tempelhof, zum Park »Schöneberger Südgelände« umgestaltet.

Auch die Stadt Berlin nutzte einen Teil der Flächen für die sogenannte Senatsreserve. Das war eine gesetzlich verordnete Bevorratung des Senats von Berlin für den Fall einer zweiten Blockade West-Berlins. Jahrzehntelang wurden etwa vier Millionen Tonnen Güter gelagert. Zeitweise bestanden über 700 Lager in West-Berlin und nur relativ wenige Menschen hatten detaillierte Kenntnisse darüber. Ein Kohlelager habe ich bei meinen Stadtgängen entdeckt; die Briketts waren aber schon halb zu Kohlenstaub verfallen. Bekannt bei den Berlinern war das Rindfleisch in Dosen mit der Aufschrift Senatsreserve. Es kam regelmäßig in den freien Verkauf; wir machten daraus herrliche Spaghetti alla Bolognese.

»Alte Metallwerkstatt«, aus dem Portfolio und Künstlerbuch »Neunmal Neukölln – Berliner Stadtgänge«, Foto © Friedhelm Denkeler 1981
»Alte Metallwerkstatt«, aus dem Portfolio und Künstlerbuch »Neunmal Neukölln – Berliner Stadtgänge«, Foto © Friedhelm Denkeler 1981

Anmerkung zum Portfolio und Künstlerbuch »Neunmal Neukölln«, 1984

Während meiner Neuköllner Zeit unternahm ich mehrere fotografische Stadtgänge, die im vorliegenden Portfolio mit den folgenden neun Kapiteln mündeten: 1 Der Körnerpark, 2 Schienen und Bauten in wilder Natur, 3 Von Garagen, Tankstellen und Werkstätten, 4 Die High-Deck-Siedlung, 5 In der Kleingarten-Anlage, 6 Stadtgänge im Industriegebiet, 7 An der Mauer und am Teltow-Kanal, 8 Pittoreskes aus Neukölln und 9 Ein Friedhof im Schnee und Epilog. Die Aufnahmen entstanden zwischen 1977 und 1984 in Berlin-Neukölln. Siehe ausführlichen Artikel »Neunmal Neukölln – Berliner Stadtgänge« auf meiner Website LICHTBILDER.

Digitale Abzüge

Das gesamte Portfolio besteht aus 180 Photographien. In einer Übersicht auf meiner Website »Lichtbilder« stehen 45 als Indexprint (je 5 aus den 9 Kapiteln) und 9 als Einzelbilder (je 2 aus den 9 Kapiteln) zur Ansicht bereit. Die Größe der Original-Prints beträgt 30 x 45 cm (Bildmaß = Blattmaß) in einem Passepartout 50 x 60 cm. Belichtet werden sie auf »Fujicolor Crystal Archive Papier« (PE), 250 Gramm.

Analoge Abzüge

Auf Wunsch werden die Schwarzweiß-Photographien im analogen Entwicklungsprozess mit Silbergelatine-Barytpapier (Ilford) archivfest ausgearbeitet. Für eine schwarzweiße Photographie ist Barytpapier die edelste Art von Fotopapier. Die Größe der Fotoabzüge beträgt: Bildmaß: 30 x 45 cm, Blattmaß:  40 x 55 cm. Das kartonstarke Papier ist 315 g/qm schwer. Die Auflage beträgt in der Regel max. 10+2 AP.

Künstlerbuch

Die 180 Bilder sind auch als gedrucktes Künstlerbuch mit 216 Seiten im Format 29,7 x 21,0 cm in einer limitierten Auflage 30 + 4 AP im Selbstverlag erschienen (2020). 
 Gestaltung, Satz: © Friedhelm Denkeler 2020. 
Druck: WhiteWall Media GmbH, 50226 Frechen.


Künstlerbücher sind ein eigenständiges Genre der bildenden Kunst. Sie bewegen sich im Schnittpunkt von Büchern und Kunst, werden in der Regel vom Künstler selbst produziert und im Eigenverlag herausgegeben. Beim Buchobjekt handelt es sich oft um Unikate, ansonsten erwartet der Sammler eine limitierte Auflage, die vom Künstler nummeriert und signiert ist (siehe auch der ausführliche Artikel »Künstlerbücher – Das Buch als Kunstobjekt«

Ein zeitloser Klassiker aus dem Jahr 1958

Von Friedhelm Denkeler,

1958 – The Kalin Twins: »When«. Eine Erinnerung an die Zeit vor den Beatles.

1958 – The Kalin Twins: »When«

Harold ›Hal‹ Kalin (1934 – 2005) und Herbert ›Herbie‹ Kalin (1934 – 2006) waren die Kalin Twins. In den späten 1950er Jahren hatten sie ihren größten und weltweit bekanntesten Hit »When«. Es sollte auch ihr einziger bleiben. In England waren sie 1958 fünf Wochen auf Platz eins der Charts und auch in Deutschland wurde der Song laufend im Radio gespielt. Das One-Hit-Wonder erschien bei Decca Records, wurde von Paul Evans und Jack Reardon geschrieben und über zwei Millionen Mal verkauft. Ein wunderbarer Klassiker, ein Ohrwurm, der die Erinnerungen an meine Schulzeit zurückbringt. Und er steht gleichzeitig für die Musik des Vor-Rock ’n‘ Roll der 1950er Jahre. Und dazu gehören auch die folgenden Songs.


Die Everly Brothers werden nach ihrer Ankunft auf dem Amsterdamer Hauptbahnhof von einer Frau in Volendamer Tracht mit Tulpensträußen begrüßt, Quelle: Wikipedia
»Varler Schule 1958: Im 5. Schuljahr«, Foto © Archiv Friedhelm Denkeler
»Varler Schule 1958: Im 5. Schuljahr«, Foto © Archiv Friedhelm Denkeler

Am 6. März 1958 veröffentlichten die Everly Brothers den Popsong »All I Have to Do Is Dream«. Das Stück wurde einer der erfolgreichsten Titel des Duos und eroberte Ende der 1950er-Jahre weltweit die Hitparaden. Insgesamt wurden 1,5 Millionen Tonträger verkauft und das Lied belegte Platz 141 der 500 besten Songs aller Zeiten des Rolling-Stone-Magazins. Die Brothers stammen aus einer musikalischen Familie, die nach 1945 live eine Familien-Radioshow im Lokalsender sendete. Sie traten dann alleine auf und ihre ersten beiden Singles »Bye, bye, Love« und »Wake Up Little Susie« eroberten mit ihrem eigenen, gefälligen Sound die Spitze der Hitparaden. Mit der britischen Invasion der Beatles in den USA wurde es 1962 um die Brüder ruhiger.


Für 1958 sind noch Louis Prima mit »Buona Sera« und das Kingston Trio mit »Tom Dooley«, sowie zwei Instrumental zu nennen: Billy Vaughn hatte mit meinem Lieblings-Instrumental »Sail Along Silvery Moon« seinen größten und bekanntesten Hit, der in Deutschland vergoldet wurde. Und das zweite Instrumental ist der »Colonel Bogey And The River Kwai March« von Mitch Miller. Bekannt wurde er durch den Film »Die Brücke am Kwai«. Der Song wurde allein in Deutschland vier Millionen Mal verkauft.

Songtext – The Kalin Twins: »When«

When, when you smile, when you smile at me
Well, well I know our love will always be
When, when you kiss, when you kiss me right
I, I don't want to ever say good night

I need you
I want you near me
I love you
Yes, I do and I hope you hear me

When, when I say, when I say ‹Be mine›
If, if you will I know all will be fine
When will you be mine?
When, when you smile, when you smile at me
Well, well I know our love will always be
When, when you kiss, when you kiss me right
I, I don't want to ever say good night

I need you
I want you near me
I love you
Yes, I do and I hope you hear me

When, when I say, when I say  ‹Be mine› 
If, if you will I know all will be fine
When will you be mine?
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In dieser Kategorie finden Sie Beiträge zu Songs und ihren Interpreten aus 70 Jahren Rock- und Pop-Geschichte 1946 bis 2016. In der Regel werden pro Jahr ein Song, manchmal auch mehrere, vorgestellt. Alle im Text erwähnten Songs sind als Video oder Audio auf den bekannten Musik-Portalen wie YouTube, Vimeo, etc. zu finden. In einer Tabelle habe ich die Songs auf die entsprechenden Videos/Audios verlinkt. Die Serie befindet sich zur Zeit im Aufbau und wird nach und nach vervollständigt. Jeder Artikel ist ein Auszug aus meinem für 2027 geplantes Künstlerbuch »Siebzig Jahre – Siebzig Songs«.

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Zum Weihnachtsfest

Von Friedhelm Denkeler,

»Ein Wunsch zum Weihnachtsfest«, Carmerplatz, Berlin-Steglitz, Foto © Friedhelm Denkeler 2009
»Ein Wunsch zum Weihnachtsfest«, Carmerplatz, Berlin-Steglitz, Foto © Friedhelm Denkeler 2009

Oh, bitte bleib bei mir, Diana!


Von Friedhelm Denkeler,

1957 – Paul Anka: »Diana«. 
Ich bin so jung und du bist so alt, dies wurde mir gesagt.

Das kann einem wahrscheinlich nur in Amerika passieren – wenn man in die Babysitterin seiner Schwester verliebt ist: Paul Albert Anka (*1941, Ottawa) schreibt mit 16 Jahren ein schlichtes Liebeslied und wird zum mehrfachen Millionär. Bereits seit 1957 verzaubert »Diana«, der Paul Anka-Klassiker schlechthin, die Zuhörer. Er gehört zu den zehn meist verkauften Singles aller Zeiten.


Anka ist ein Multitalent: Er schrieb nicht nur Diana, sondern komponierte für viele andere Künstler, wie Tom Jones (»She’s a Lady«), Frank Sinatra (»My Way«), Buddy Holly (»It Doesn’t Matter Anymore«) und Michael Jackson (»This Is It«). Insgesamt über achthundert Songs entstanden während seiner Karriere. Nebenbei war er auch als Schauspieler tätig und wirkte unter anderem in dem Film »Der längste Tag« mit.


Es gibt zahlreiche Popsongs über eine unerfüllte Liebe, aber »Diana« kann man als Vorlage für all diese Songs betrachten. Paul war im Alter von 15 Jahren in die drei Jahre ältere Diana Ayoub verliebt, aber sie wollte von dem Jungen nichts wissen. Und er war zu schüchtern, ihr seinen neuen Song vorzuspielen. Aber ein Jahr später, nach der Veröffentlichung von »Diana«, wollte alle Welt wissen, wer Diana sei. Die Presse fand es natürlich heraus und ein gewaltiger Rummel um Diana brach los. Michael Jackson griff das Thema der unerwiderten Liebe später in seinem Song »Dirty Diana« dann wieder auf.


Als 16-Jähriger reiste Paul Anka mit seinen Eltern nach New York, wo sie eine kleine Bar eröffneten. Von 1963 bis 2000 war er mit der Libanesin Anne DeZogheb und seit 2008 ist er mit der Schwedin Anna Aberg verheiratet. Die Familie lebt auf einer Ranch nahe Monterrey und in Las Vegas, wo er als Entertainer auftritt. Regelmäßig erscheinen neue Alben von ihm.

Die Zusammenarbeit mit Frank Sinatra wurde besonders fruchtbar: Anka komponierte 1969 für ihn den Titel »My Way«, der zum Welterfolg wurde und der heute zu den zentralen Stücken der amerikanischen Unterhaltungsmusik zählt. Weitere bekannte Songs, die Anka gesungen hat sind: Lonely Boy, 1959, Put Your Head on My Shoulder, 1959, Zwei Mädchen aus Germany – in deutsch.


1957 – Paul Anka: »Diana«, Fotos/ Collage © Friedhelm Denkeler
1957 – Paul Anka: »Diana«, Fotos/ Collage © Friedhelm Denkeler

Wann ich den Song das erste Mal im Radio hörte, ist nicht überliefert. Aber 1959 brachten mir meine Nachbarn aus dem Urlaub eine »Tönende Ansichtskarte« aus Nürnberg mit – sie enthielt den Song »Diana« von Paul Anka. Diese sogenannten Schallbildkarten waren in den 1950er- und 1960er-Jahren beliebt. Man konnte sie wie eine normale 45er-Schallplatte abspielen. Auf der Rückseite stand der Hinweis »Bei 10-Platten-Spieler Tonabnehmer mit der Hand auf den Rillenansatz führen«. Ooooh please staaaay by meee, Diaaaana …


Meine Schulzeit in den frühen 1950er Jahren habe ich in Ost-Westfalen verbracht. In den großen Ferien war ich oft zu Besuch bei Verwandten in Lüdenscheid, mitten im Sauerland. In der Wohnung herrschte bereits ein Hauch von Luxus, es gab einen Kühlschrank und einen Polydor-Musikschrank mit Plattenspieler. Darauf lief mein Lieblingssong, der »Lachende Vagabund« von Fred Bertelmann. Erwähnenswert ist noch das alte jamaikanische Volkslied »Banana Boat Song«, das durch Harry Belafonte 1957 weltweit bekannt wurde.

Songtext – Paul Anka: »Diana« 


I'm so young and you're so old
This, my darling, I've been told
I don't care just what they say
'Cause forever I will pray
You and I will be as free
As the birds up in the trees
Oh, please stay by me, Diana

Thrills I get when you hold me close
Oh, my darling, you're the most
I love you but do you love me
Oh, Diana, can't you see
I love you with all my heart
And I hope we will never part
Oh, please stay with me, Diana
Oh, my darlin', oh, my lover
Tell me that there is no other
I love you with my heart
Oh-oh, oh-oh, oh-oh
Only you can take my heart
Only you can tear it apart

When you hold me in your loving arms
I can feel you giving all your charms
Hold me, darling, ho-ho hold me tight
Squeeze me baby with-a all your might
Oh, please stay by me, Diana
Oh, please, Diana, Oh, please, Diana 
Schallbildkarte aus Nürnberg mit Paul Anka: »Diana«, Foto © Friedhelm Denkeler 2020
Schallbildkarte aus Nürnberg mit Paul Anka: »Diana«, Foto © Friedhelm Denkeler 2020
Schallbildkarte aus Nürnberg mit Paul Anka: »Diana« (Rückseite), Foto © Friedhelm Denkeler 2020
Schallbildkarte aus Nürnberg mit Paul Anka: »Diana« (Rückseite), Foto © Friedhelm Denkeler 2020
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Die Links zu den Videos/Audios der vorgestellten Songs sind in einer Tabelle im Anhang aufgelistet.

Schienen und Bauten in wilder Natur

Von Friedhelm Denkeler,

Zweites Kapitel aus dem Portfolio und Künstlerbuch »Neunmal Neukölln – Berliner Stadtgänge», 1984/2020

»Spezielles Gebäude zur Güterabfertigung«, aus dem Portfolio und Künstlerbuch »Neunmal Neukölln – Berliner Stadtgänge«, Foto © Friedhelm Denkeler 1979
»Spezielles Gebäude zur Güterabfertigung«, aus dem Portfolio und Künstlerbuch »Neunmal Neukölln – Berliner Stadtgänge«, Foto © Friedhelm Denkeler 1979

Auf längeren Stadtgängen, manchmal auch mit dem Fahrrad, stieß ich immer wieder auf verfallene Bahn- und Gleisanlagen in Neukölln. Die Bilderstrecke beginnt in der Nähe des Ilsenhofs mit dem S-Bahnhof Hermannstraße, der an der Ringbahn liegt und mit einem Blick von der Herthabrücke auf die entsprechenden Gleisanlagen. Weiter südlich hat die Natur auf den Industrie-Bahnhöfen an vielen Stellen die Gleisanlagen wieder zurück erobert; die Güterschuppen, Ladestraßen und Stellwerke standen praktisch alle vor dem Verfall. Die großen Bahnanlagen wurden zweckentfremdet und von Unternehmen als Lagerfläche genutzt oder, wie der ehemalige Rangierbahnhof Berlin-Tempelhof, zum Park »Schöneberger Südgelände« umgestaltet.

Auch die Stadt Berlin nutzte einen Teil der Flächen für die sogenannte Senatsreserve. Das war eine gesetzlich verordnete Bevorratung des Senats von Berlin für den Fall einer zweiten Blockade West-Berlins. Jahrzehntelang wurden etwa vier Millionen Tonnen Güter gelagert. Zeitweise bestanden über 700 Lager in West-Berlin und nur relativ wenige Menschen hatten detaillierte Kenntnisse darüber. Ein Kohlelager habe ich bei meinen Stadtgängen entdeckt; die Briketts waren aber schon halb zu Kohlenstaub verfallen. Bekannt bei den Berlinern war das Rindfleisch in Dosen mit der Aufschrift Senatsreserve. Es kam regelmäßig in den freien Verkauf; wir machten daraus herrliche Spaghetti alla Bolognese.

»Die Senatsreserve (hier: Kohlen) auf dem Gelände des Güterbahnhofs Treptow«, aus dem Portfolio und Künstlerbuch »Neunmal Neukölln – Berliner Stadtgänge«, Foto © Friedhelm Denkeler 1979
»Die Senatsreserve (hier: Kohlen) auf dem Gelände des Güterbahnhofs Treptow«, aus dem Portfolio und Künstlerbuch »Neunmal Neukölln – Berliner Stadtgänge«, Foto © Friedhelm Denkeler 1979

Anmerkung zum Portfolio und Künstlerbuch »Neunmal Neukölln«, 1984

Während meiner Neuköllner Zeit unternahm ich mehrere fotografische Stadtgänge, die im vorliegenden Portfolio mit den folgenden neun Kapiteln mündeten: 1 Der Körnerpark, 2 Schienen und Bauten in wilder Natur, 3 Von Garagen, Tankstellen und Werkstätten, 4 Die High-Deck-Siedlung, 5 In der Kleingarten-Anlage, 6 Stadtgänge im Industriegebiet, 7 An der Mauer und am Teltow-Kanal, 8 Pittoreskes aus Neukölln und 9 Ein Friedhof im Schnee und Epilog. Die Aufnahmen entstanden zwischen 1977 und 1984 in Berlin-Neukölln. Siehe ausführlichen Artikel »Neunmal Neukölln – Berliner Stadtgänge« auf meiner Website LICHTBILDER.

Digitale Abzüge

Das gesamte Portfolio besteht aus 180 Photographien. In einer Übersicht auf meiner Website »Lichtbilder« stehen 45 als Indexprint (je 5 aus den 9 Kapiteln) und 9 als Einzelbilder (je 2 aus den 9 Kapiteln) zur Ansicht bereit. Die Größe der Original-Prints beträgt 30 x 45 cm (Bildmaß = Blattmaß) in einem Passepartout 50 x 60 cm. Belichtet werden sie auf »Fujicolor Crystal Archive Papier« (PE), 250 Gramm.

Analoge Abzüge

Auf Wunsch werden die Schwarzweiß-Photographien im analogen Entwicklungsprozess mit Silbergelatine-Barytpapier (Ilford) archivfest ausgearbeitet. Für eine schwarzweiße Photographie ist Barytpapier die edelste Art von Fotopapier. Die Größe der Fotoabzüge beträgt: Bildmaß: 30 x 45 cm, Blattmaß:  40 x 55 cm. Das kartonstarke Papier ist 315 g/qm schwer. Die Auflage beträgt in der Regel max. 10+2 AP.

Künstlerbuch

Die 180 Bilder sind auch als gedrucktes Künstlerbuch mit 216 Seiten im Format 29,7 x 21,0 cm in einer limitierten Auflage 30 + 4 AP im Selbstverlag erschienen (2020). 
 Gestaltung, Satz: © Friedhelm Denkeler 2020. 
Druck: WhiteWall Media GmbH, 50226 Frechen.


Künstlerbücher sind ein eigenständiges Genre der bildenden Kunst. Sie bewegen sich im Schnittpunkt von Büchern und Kunst, werden in der Regel vom Künstler selbst produziert und im Eigenverlag herausgegeben. Beim Buchobjekt handelt es sich oft um Unikate, ansonsten erwartet der Sammler eine limitierte Auflage, die vom Künstler nummeriert und signiert ist (siehe auch der ausführliche Artikel »Künstlerbücher – Das Buch als Kunstobjekt«

Andy Warhol und die Schaufensterpuppe

Von Friedhelm Denkeler,

Gebrüder Weber: »Weilbliche Schaufenster-Wachsbüste«, Berlin 1900-1930 (Ausstellung »Das Kapital – Schuld, Territorium, Utopia«,  Hamburger Bahnhof), Foto © Friedhelm Denkeler 2016
Gebrüder Weber: »Weilbliche Schaufenster-Wachsbüste«, Berlin 1900-1930 (Ausstellung »Das Kapital – Schuld, Territorium, Utopia«, Hamburger Bahnhof), Foto © Friedhelm Denkeler 2016

»Wenn man darüber nachdenkt«, sinnierte Andy Warhol, »sind Warenhäuser irgendwie wie Museen.« Im frühen 20. Jahrhundert wurde das Auslagenfenster zu einer eigenständigen Form der Massenunterhaltung. In visuell aufregende Ware gekleidet, sollten die Schaufensterpuppen in den Ausstellungsräumen des Handels die Blicke auf sich ziehen. Das Schaufenster hat die Aufgabe, Begehren zu wecken, es verspricht, dass das Ausgestellte leicht und schnell zu haben und durch seinen Besitz ideale Schönheit zu erlangen sei.

[Museum Europäischer Kulturen, Staatliche Museen Berlin, Text: Ausstellungsheft „Das Kapital – Schuld, Territorium, Utopia“, Hamburger Bahnhof Berlin]

Das Mona-Lisa-Lächeln der Flora

Von Friedhelm Denkeler,

Der 100jährige Streit um die Flora-Büste im Bode-Museum: Stammt sie von Leonardo da Vinci oder nicht?

Unabhängig davon, ob sie nun von Leonardo da Vinci oder viel später von einem anderen Künstler geschaffen wurde, die Flora-Büste ist eines meiner Lieblingsobjekte im Bode-Museum auf der Berliner Museumsinsel. Trotz oder gerade wegen ihrer Morbidität strahlt die Abgebildete eine innere und äußere Schönheit aus und das ist natürlich auch von photographischem Interesse.

»In lebensgroßer Halbfigur erscheint die kräftige junge Frau; das mit einem Blumenkranz geschmückte Haupt nach rechts gewendet und leicht gesenkt. Ein leises Lächeln bestimmt ihre klassisch schönen, klassizistisch überarbeiteten Züge. Ein blauer Mantel bedeckt die linke Schulter, fällt am Rücken zur rechten Hüfte herab und betont vorne den Abschluss der Figur« [Zitat Sammelblatt Bode-Museum].

Risse durchziehen die Büste, große Teile der Oberfläche sind abgeblättert oder zerschabt; die Unterarme sind abgebrochen. Das Gesicht hingegen ist einwandfrei, wurde aber nachträglich bearbeitet. Woher die Halbfigur kommt, wer sie geschaffen hat, darüber gehen die Meinungen seit dem Erwerb der Büste 1909 durch Wilhelm von Bode, dem Generaldirektor der Berliner Museen, für das Berliner Kaiser-Friedrich-Museum (heute: Bode-Museum), auseinander.

Kurz nachdem Bode die Büste zum für die damalige Zeit horrenden Preis von 175.000 Goldmark im Londoner Handel erworben hatte, meldete die Londoner Times das Werk sei nicht von Leonardo (16. Jahrhundert), sondern vom Wachsbildner Richard Cockle Lucas (19. Jahrhundert).

»Florabüste«, aus der Werkstatt des Leonardo da Vinci?, aus Wachs (Hohlguss), Bode-Museum Berlin, Foto © Friedhelm Denkeler 2016
»Florabüste«, aus der Werkstatt des Leonardo da Vinci?, aus Wachs (Hohlguss), Bode-Museum Berlin, Foto © Friedhelm Denkeler 2016

»Alle herstellungstechnischen Erkenntnisse sprechen dafür, dass die Flora-Büste bereits als ruinöses Fragment in die Werkstatt von Richard Cockle Lucas kam und offenbar dort restauriert werden sollte. Lucas Senior hat die Büste mit verschiedenen Materialien von innen befestigt und die Oberfläche an einzelnen Stellen überarbeitet. An diesen Arbeiten dürfte sein damals 18-jähriger Sohn beteiligt gewesen sein. Der weitere Weg der Büste ist nicht rekonstruierbar. Erst im frühen 20. Jahrhundert tauchte sie wieder auf« [Zitat Sammelblatt Bode-Museum].

Der Streit um die Florabüste ist bis heute nicht entschieden und dessen ungeachtet empfängt die junge Frau weiterhin die Besucher mit einem süffisanten, angedeuteten Mona-Lisa-Lächeln.

Karl Valentin hat noch Hoffnung

Von Friedhelm Denkeler,

»Hoffentlich wird es nicht so schlimm, wie es jetzt schon ist«, Karl Valentin, Foto © Friedhelm Denkeler 2010
»Hoffentlich wird es nicht so schlimm, wie es jetzt schon ist«, Karl Valentin, Foto © Friedhelm Denkeler 2010
Anmerkung zur Kategorie »«

In dieser Kategorie erscheint am ersten Tag eines Monat öfter ein bildlich umgesetzter Post mit einem Zitat. Das kann eine Photographie mit einem Spruch sein oder ein Bild, das grafisch mit dem Zitat des Monats gestaltet wurde.

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Advent, Advent, …

Von Friedhelm Denkeler,

Advent, Advent, ein Lichtlein brennt! Erst eins, dann zwei, dann drei, dann vier, dann steht das Christkind vor der Tür!

»Advent, Advent, ein Lichtlein brennt«, Foto © Friedhelm Denkeler 1962
»Advent, Advent, ein Lichtlein brennt«, Foto © Friedhelm Denkeler 1962

Zum Ersten Advent habe ich eine fast sechzig Jahre alte Photographie herausgesucht. Es dürfte sich um eine meiner ältesten Aufnahmen handeln. Sie entstand am Ersten Advent, am 2. Dezember 1962 in Westfalen.

Der Begriff Advent kündete im Römischen Reich den Besuch eines Amtsträgers an, insbesondere den von Königen und Kaisern. Die Christen übernahmen ihn für die Zeit vor der Geburt des Herrn (tempus adventūs Domini). Ursprünglich war die Adventszeit eine Fastenzeit.

Der Adventskranz mit den vier Kerzen ist hingegen eine junge Tradition (seit ca. 1860) und ungefähr seit 1958 gibt es den ersten mit Schokolade gefüllten Adventskalender mit den 24 Türen.