Why must I be a Teenager in Love?

Von Friedhelm Denkeler,

1959 – Dion and the Belmonts: »A Teenager in Love«. The Platters: »Smoke Gets In Your Eyes«. Wie Neil Sedaka seinen Hit »Oh! Carol« fabrizierte.

In den späten 1950er Jahren wurde die US-Amerikanische Doo Wop- und R&B-Gruppe Dion and the Belmonts auch in Deutschland mit »I Wonder Why« (1958) bekannt. Mein Lieblingssong aber ist der 1959 erschienene Hit »A Teenager in Love«. Die Dreier-Bild-Collage stammt aus der US-TV-Aufzeichnung der »Saturday Night Beech-Nut Show« vom 4. April 1959. Was macht eigentlich den Doo Wop-Stil aus? Vereinfacht gesagt, durch den verstärkten Gebrauch von sinnlosen Silben, wie hier mit Oooh…Oooh Wa-oooh…Ooooh…Oooh oder wie Diddle-De-Dum. Aber der Begriff wurde erst später populär; damals lief diese Musik unter Rock ’n‘ Roll (meist weiße Mitglieder) oder Rhythm & Blues (eher schwarze Mitglieder).

Dion and the Delmonts: »Teenager in Love«, 1959, Foto/Collage © Friedhelm Denkeler
Dion and the Delmonts: »Teenager in Love«, 1959, Foto/Collage © Friedhelm Denkeler

Vorläufer war zum Beispiel die Musik der Comedian Harmonists. Viele spätere Soul-Stars begannen ihre Karriere als Mitglieder der Doo Wop-Gruppen, zum Beispiel Curtis Mayfield oder Wilson Pickett. Der Soundtrack des Films »American Graffiti« (1973) besteht vielfach aus Doo Wop-Songs und der Moderator Barry Graves spielte in seiner Sendung »See You later Alligator« (späte 1970er Jahre) im RIAS-Berlin gerne Doo Wop. So wurde die Musik bei uns bekannter.

1959 – The Platters: »Smoke Gets In Your Eyes«, 1959, Foto/Collage © Friedhelm Denkeler
1959 – The Platters: »Smoke Gets In Your Eyes«, 1959, Foto/Collage © Friedhelm Denkeler

Zum Repertoire des Duos Bastian Korff (Gesang) und Florian Ludewig (Klavier) gehört auch »A Teenager in Love«. Unter dem Titel »Rock ‘n’ Roll & Remmidemmi« stand das Duo aufgrund des großen Publikumserfolg 2015 mehrmals im Theater O-TonArt in der Kulmer Straße in Berlin-Schöneberg auf der Bühne. Ihre Version hat weitaus mehr Pep und Drive als das Original, eben echter Rock ‘n’ Roll.

Und sie spielten »In Dreams« von Roy Orbison speziell für den Autor dieser Zeilen und seine Frau. Korff als Sprecher, Schauspieler, Sänger und Texter und Ludewig als Pianist und Komponist sind wahre Multitalente für sich, aber auf der Bühne waren sie als Team unschlagbar: spontan, witzig und so herrlich unperfekt wie man nur sein kann, wenn man die Perfektion beherrscht.

Mein Lieblingssong für 1959 ist »Smoke Gets In Your Eyes« von der US-amerikanischen Doo Wop-Gruppe The Platters. Der Song spielte auch in den Filmen »Die bitteren Tränen der Petra von Kant« von Rainer Werner Fassbinder (1972) und in »American Graffiti« von George Lucas (1973) eine Rolle.

Erwähnenswert ist für 1959 auch Neil Sedakas: »Oh! Carol«. Wie entstand damals ein Hit? Sedaka hat dazu erfolgreiche Hits studiert und dabei Ähnlichkeiten entdeckt; eine davon war, dass ein weiblicher Vorname im Titel vorkam. Sedaka wählte den Namen seiner High-School-Freundin Carol Klein – man kennt sie unter ihrem Künstlernamen Carole King – »Oh! Carol« war dann das Ergebnis.

Songtext – Dion and the Belmonts: »A Teenager in Love«

Each time we have a quarrel, it almost breaks my heart,
Cause I'm so afraid that we will have to part,
Each night I ask the stars up above,
Why must I be a teenager in love?

One day I feel so happy, next day I feel so sad.
I guess I'll learn to take the good with the bad.
Cause each night I ask the stars up above,
Why must I be a teenager in love?
I cried a tear for nobody but you,
I'll be a lonely one, if you should say we're through.
Well, if you want to make me cry, that won't be so hard to do.
And if you should say goodbye, I'll still go on loving you.
Each night I ask the stars up above,
Why must I be a teenager in love?

I cried a tear for nobody but you,
I'll be a lonely one, if you should say we're through.
Well, if you want to make me cry, that won't be so hard to do.
And if you should say goodbye, I'll still go on loving you.
Each night I ask the stars up above
Why must I be a teenager in love?
Anmerkung zur Kategorie »«

In dieser Kategorie finden Sie Beiträge zu Songs und ihren Interpreten aus 70 Jahren Rock- und Pop-Geschichte 1946 bis 2016. In der Regel werden pro Jahr ein Song, manchmal auch mehrere, vorgestellt. Alle im Text erwähnten Songs sind als Video oder Audio auf den bekannten Musik-Portalen wie YouTube, Vimeo, etc. zu finden. In einer Tabelle habe ich die Songs auf die entsprechenden Videos/Audios verlinkt. Die Serie befindet sich zur Zeit im Aufbau und wird nach und nach vervollständigt. Jeder Artikel ist ein Auszug aus meinem für 2027 geplantes Künstlerbuch »Siebzig Jahre – Siebzig Songs«.

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Die Links zu den Videos/Audios der vorgestellten Songs sind in einer Tabelle im Anhang aufgelistet.

Fritz & Co.

Von Friedhelm Denkeler,

»Fritz & Co.«, Wittenbergplatz, Berlin, Foto © Friedhelm Denkeler 2019
»Fritz & Co.«, Wittenbergplatz, Berlin, Foto © Friedhelm Denkeler 2019

Anmerkungen zum Portfolio/ zur Kategorie »Sonntagsbilder»

Der Versuch einer Definition: Was ist eigentlich ein Sonntagsbild? Ein ›schönes‹ Bild (was auch immer das nun wieder heißen mag; es ist in Farbe; es passt in keine andere Kategorie; es gehört nicht zu einer Serie von Bildern, es ist ein Einzelbild. Aber es ist kein Sonntagsbild im Sinne der Sonntagsmalerei.

Am 26. Februar 2012 erschien in meinem Blog das erste Sonntagsbild. Und jeden Sonntag gab es ein neues – Ausnahmen bestätigten die Regel. Die Sonntagsbilder stammen aus dem Portfolio »Sonntagsbilder«, das ich 2005 abgeschlossen habe. Aber der Titel Sonntagsbild ist einfach ein zu schöner Titel. Unter dieser Prämisse führe ich die Kategorie »Sonntagsbilder« in meinem Blog bis auf weiteres mit Fotos aus meinem Archiv und mit neuen Aufnahmen weiter.

Der Walfisch und der Thunfisch

Von Friedhelm Denkeler,

»Sagt der Walfisch zum Thunfisch, das kannst du nicht tun Fisch, sagt der Thunfisch zum Walfisch, du hast keine Wahl Fisch«, Foto/Grafik © Friedhelm Denkeler 2003
»Sagt der Walfisch zum Thunfisch, das kannst du nicht tun Fisch, sagt der Thunfisch zum Walfisch, du hast keine Wahl Fisch«, Foto/Grafik © Friedhelm Denkeler 2003
Anmerkung zur Kategorie »«

In dieser Kategorie erscheint am ersten Tag eines Monat öfter ein bildlich umgesetzter Post mit einem Zitat. Das kann eine Photographie mit einem Spruch sein oder ein Bild, das grafisch mit dem Zitat des Monats gestaltet wurde.

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Hohler Baum

Von Friedhelm Denkeler,

»Hohler Baum», gefunden im Preußenpark am Fehrbelliner Platz, Berlin, aus dem Portfolio »Sonntagsbilder«, Foto © Friedhelm Denkeler 2019

Die Sonne lacht, Blende acht

Von Friedhelm Denkeler,

Aus dem Portfolio »Erinnerungen – Ein Leben in Bildern«. Künstlerbuch »Die ersten zehn Jahre«, Kapitel »Varlheide Nr. 204«

Aus dem Portfolio »Erinnerungen – Ein Leben in Bildern«. Künstlerbuch »Die ersten zehn Jahre«, Kapitel »Varlheide Nr. 204«. »Die Sonne lacht, Blende acht – Mein erstes Fahrrad», Foto © Archiv Friedhelm Denkeler 1954
Aus dem Portfolio »Erinnerungen – Ein Leben in Bildern«. Künstlerbuch »Die ersten zehn Jahre«, Kapitel »Varlheide Nr. 204«. »Die Sonne lacht, Blende acht – Mein erstes Fahrrad», Foto © Archiv Friedhelm Denkeler 1954

An einem Sonntag im Frühling 1954 machten wir einige Fotos mit der 6×9-Box-Kamera meines Vaters. Wir Kinder wurden natürlich für die Aufnahmen extra fein gemacht. Nach der alten Fotografenweisheit ›Die Sonne lacht, Blende acht‹ war an diesem Tag sehr helles Licht vorhanden, also ideale Bedingungen zum Fotografieren. Es entstand eine Serie mit sieben Fotos – für damalige Verhältnisse sensationell viel – auf einem Rollfilm, von dem die Negative erhalten sind. Ein Bild ist auch in unserer Wohnung entstanden, das war aber eher die große Ausnahme. Die Lichtverhältnisse waren dafür zu schlecht und ein Blitzgerät hatten wir damals nicht.

Auf dem Foto, das ich herausgesucht habe, präsentiere ich stolz mein erstes Fahrrad. Es handelte sich um ein umgebautes Damenfahrrad, das mein Vater aus einem mehr oder weniger schrottreifen Exemplar wieder aufgerüstet hatte. Eigentlich war das große Rad mit den 28-Zoll-Rädern viel zu groß für mich, deshalb wurde der Fahrradsattel „tiefer gelegt“. Mein größtes Problem war stets, die weißen Kniestrümpfe weit weg von der öligen Fahrradkette zu halten.

Die Gerichtslaube

Von Friedhelm Denkeler,

Auf der Lennéhöhe wird kein Gericht mehr gehalten

Eine Gerichtslaube aus dem 13. Jahrhundert mitten im Wald, auf einem Hügel? Im Schlosspark Babelsberg ist das möglich, Gericht wird hier allerdings nicht mehr gehalten. Es ist das einzige, einigermaßen original gotische Gebäude in Potsdam. Wie kommt es dorthin? Das ist ganz einfach: Berlin hatte um 1300 ein gotisches Rathaus, die Gerichtslaube gehörte dazu. Um 1860 wurde das zu klein geratene Rathaus zugunsten des heutigen Roten Rathauses am Alexanderplatz abgerissen. Die Stadt Berlin machte Kaiser Wilhelm I., der eine Vorliebe für das Mittelalter hegte, die Originalteile der Laube zum Geschenk. 1871 wurde das Gebäude aus den alten Teilen neu errichtet.

»Blick vom Flatowturm auf die Gerichtslaube« (Potsdam), Foto © Friedhelm Denkeler 2015
»Blick vom Flatowturm auf die Gerichtslaube« (Potsdam), Foto © Friedhelm Denkeler 2015

Der zweigeschossige Bau hat ein Kreuzrippengewölbe mit einem Mittelpfeiler, der die Eiche oder Linde der mittelalterlichen Verhandlungsstätte symbolisieren soll. Rund um den Pfeiler sind auf einem Steinrelief Schweine, sie stehen für Unmäßigkeit und Unkeuschheit, Adler (Raubgier) und Affen (Raubsucht) zu sehen. Zwei Engel symbolisieren die Sirenen der Versuchung. Zu DDR-Zeiten war die Laube stark verfallen und wurde durch Spenden nach der Wende wieder sehr gut rekonstruiert. Der formvollendete rote Bausteinbau auf der Lennéhöhe ist bei einem Stadtgang durch den Park nicht zu verfehlen. Von hier oben hat man eine gute Aussicht auf die Potsdamer Kulturlandschaft. Diese lässt sich nur durch den Panorama-Blick vom 46 Meter hohen Flatowturm übertreffen.

»Blick vom Flatowturm auf die Gerichtslaube« (Potsdam), Foto © Friedhelm Denkeler 2015
»Blick vom Flatowturm auf die Gerichtslaube« (Potsdam), Foto © Friedhelm Denkeler 2015

Der Impfling

Von Friedhelm Denkeler,

Ernest Board »Edward Jenner bei der ersten Impfung gegen Pocken, die er bei dem achtjährigen James Phipps am 14. Mai 1796 durchführt«, Quelle: Wikipedia
Ernest Board: »Edward Jenner bei der ersten Impfung gegen Pocken, die er bei dem achtjährigen James Phipps am 14. Mai 1796 durchführt«, Quelle: Wikipedia

Wir sehen nur das, was wir sehen wollen

Von Friedhelm Denkeler,

»Blow Up« – Antonionis Filmklassiker und die Fotografie

Antonionis Film endet, wie sonst Krimis anfangen, weil er diese Beunruhigung mitteilen möchte, weil hinter der Frage, ob auf den Photos nun ein Mord zu sehen war oder ob Thomas nur geträumt hat, die wichtigere Frage wartet, ob dies nicht vielleicht gleichgültig ist. Diese Frage wird von Antonioni beantwortet, denn nicht eine geheimnisvolle Mordgeschichte ist das Sujet seines Filmes, sondern Thomas und seine Arbeit [DIE ZEIT]

Wenn man 1968 vom Land in die Stadt kommt, gibt es erst mal einen großen Nachholbedarf an sehenswerten Filmen. Deshalb beginnt meine Auswahl der gesehenen Filme der ersten West-Berliner Jahre bereits 1966. Aus meinen Tagebuchnotizen 1968 bis 1972 habe ich 14 Filme herausgefiltert, die auch heute noch alle Bestand haben. Die Filme liefen damals nicht im »Kino im Märkischen Viertel« (das gibt es schon lange nicht mehr), sondern in den Berliner Programm-Kinos, wie Lupe 1 und 2, Filmkunst 66, Arsenal, Kant-Kino, Delphi, Kurbel, Filmbühne am Steinplatz, Schlüter-Kino, um nur einige rund um den Kurfürstendamm zu nennen. Das Schlüter-Kino von Bruno Dunst war eines der ältesten Programmkinos Deutschlands und musste 1996 leider schließen.

»Kino im Märkischen Viertel"«, »Ausbruch der Verdammten« mit Gene Hackmann und Jim Brown, Foto © Friedhelm Denkeler 1968
»Kino im Märkischen Viertel«, »Ausbruch der Verdammten« mit Gene Hackmann und Jim Brown, Foto © Friedhelm Denkeler 1968
  • »Blow Up« von Michelangelo Antonioni (1966) mit David Hemmings, Vanessa Redgrave, Jane Birkin, Veruschka Gräfin von Lehndorff und der Musik von Herbie Hancock, The Yardbirds
  • »The Wild Angels« von Roger Corman (1966) mit Peter Fonda, Nancy Sinatra, Bruce Dern und den Songs von Davie Allen and The Arrows
  • »Belle de Jour« von Luis Buñuel (1967) mit Catharine Deneuve, Michel Piccoli
  • »Bonnie und Clyde“ von Arthur Penn (1967) mit Warren Beatty, Faye Dunaway, Gene Hackman
  • »Die Reifeprüfung« von Mike Nichols (1968) mit Anne Bancroft, Dustin Hoffman, Katharine Ross mit dem von Simon & Garfunkel eingespielten Soundtrack.
  • »Rosemary’s Baby« von Roman Polański (1968) mit Mia Farrow, John Cassavetes
  • »Easy Rider« von Dennis Hopper (1969) mit Peter Fonda, Dennis Hopper, Jack Nicholson und der Musik von Steppenwolf, The Byrds, The Band, The Jimi Hendrix Experience, u.a.
  • »Spiel mir das Lied vom Tod« von Sergio Leone (1969) mit Henry Fonda, Claudia Cardinale, Charles Bronson, Jason Robards und der Musik von Ennio Morricone
  • »Zabriskie Point« von Michelangelo Antonioni (1970) mit der Musik von Pink Floyd, Patti Page, Grateful Dead, Rolling Stones, u.a.
  • »Decameron« von Pier Paolo Pasolini (1970) mit Franco Citti, Ninetto Davoli und der Musik von Ennio Morricone
  • »The Last Picture Show« von Peter Bogdanovich (1971) mit Jeff Bridges und der Musik von Hank Williams
  • »A Clockwork Orange« von Stanley Kubrick (1971) mit Malcolm McDowell, Patrick Magee
  • »Aguirre, der Zorn Gottes« von Werner Herzog (1972) mit Klaus Kinski
  • »Der diskrete Charme der Bourgeoisie« von Luis Buñuel (1972) mit Fernando Rey, Delphine Seyrig, Stéphane Audran, Jean-Pierre Cassel, Bulle Ogier.
"Filmplakat Blow Up", Foto © Friedhelm Denkeler 2015
»Plakat zum Film »Blow Up«, Foto © Friedhelm Denkeler 2015

Zum Film »Blow-Up«

Auf dem Höhepunkt der Swinging Sixties bewegt sich der Mode- und Sozialfotograf Thomas (David Hemmings) in London durch die Popkultur der 1960er Jahre. Er gerät auf seinen Streifzügen in ein Konzert der Yardbirds mit Jeff Beck und Jimmy Page, dem späteren Gründer von Led Zeppelin. Während die Band den Titel »Stroll On« spielt, zertrümmert Jeff Beck seine Gitarre und wirft die Einzelteile in das tosende Publikum. Ausgerechnet Thomas, der mit der Trophäe nichts anfangen kann, ergattert sie und wirft sie später weg.

Ursprünglich hatte Antonioni The Who für diese Szene vorgesehen; die lehnten den kurzen Auftritt aber ab. So ließ er die Yardbirds einfach The Who imitieren, einschließlich der Zerstörung von Verstärkern und Gitarren.

Eigentlich besteht Blow Up aus einzelnen Episoden. Für eine Recherche verbringt der Protagonist eine Nacht im Obdachlosenasyl. Später zeigt er die Porträts einem Verleger. Die Fotos, die wir im Film sehen, sind aber in Wirklichkeit von Don McCullin aufgenommen worden. In einer Ausstellung bei C/O-Berlin waren sie 2015 im Original zusehen.

Auch die bildende Kunst der 1960er Jahre in Großbritannien zeigt Antonioni in einer Episode. Thomas besucht seinen Nachbarn, den Maler Bill. Sie diskutieren über seine abstrakte Kunst. Das interessiert natürlich Thomas, denn seine (zu stark) vergrößerten Prints sind gleichermaßen abstrakt. Die Filmfigur Bill basiert auf dem britischen Künstler Ian Stephenson, dessen Gemälde die Ausstellung ebenfalls zeigt.

Don McCullin »Thomas' Blow-ups aus dem Park», 1966, Foto © Friedhelm Denkeler 2015
Don McCullin »Thomas‘ Blow-up aus dem Park», 1966, Foto © Friedhelm Denkeler 2015

London war in den 1960er Jahren das Zentrum der Modefotografie mit drei bekannten Modefotografen, Black Trinity genannt, David Bailey (der als Vorbild für den Protagonisten dient), Terence Donovan und Brian Duffy. Diese nahmen ihre Models an ungewöhnlichen Orten außerhalb des Studios auf. Die dabei entstandene dynamische Bildsprache war hauptsächlich mit Kleinbildkameras zu realisieren und der Reportage-Fotografie entlehnt.

Natürlich sehen wir Thomas auch bei der Arbeit mit den Models, wie Veruschka von Lehndorff, Jill Kennington und Peggy Moffitt, in seinem Studio. Dabei verwandelt er die Fotosession mit Veruschka in einen quasi-sexuellen Akt. Der Standfotograf Arthur Evans hielt die in Blow Up mitwirkenden Models darüber hinaus in eigenständigen, ebenfalls in der Ausstellung zu sehenden, Modefotos fest.

Von den Studioaufnahmen und den Models ist Thomas gelangweilt, so zieht er, bewaffnet mit seiner NIKON F in der Abenddämmerung durch den Maryon Park und macht heimlich Aufnahmen von einem Liebespaar (Vanessa Reggrave). Beim Vergrößern der Fotos entdeckt er am Rand des Bildes einen Mann, der eine Pistole mit Schalldämpfer hält.

Don McCullin »Thomas' Blow-ups aus dem Park», 1966, Foto © Friedhelm Denkeler 2015
Don McCullin »Thomas‘ Blow-up aus dem Park», 1966, Foto © Friedhelm Denkeler 2015

Auf einem weiteren Foto, scheint er einen reglosen Mann zu sehen. Hat Thomas einen vermeintlichen Mord versehentlich aufgenommen? Also geht er mitten in der Nacht in den Park zurück und findet tatsächlich eine Leiche. Natürlich ist die Leiche am nächsten Morgen verschwunden. Er untersucht nun akribisch das entsprechende Foto und vergrößert es immer weiter bis die vermeintliche Leiche sich in der Körnung des Films auflöst. Ist das Verbrechen vielleicht pure Einbildung? Die Aufnahmen stammen in Wirklichkeit von McCullin und sind gleichfalls im Original zu sehen.

Zum Ende des Films geht Antonioni noch einen Schritt weiter in Richtung Abstraktion: Er zeigt Pantomimen bei einem imaginären Tennisspiel, wobei Schläger und Ball, die Grundlagen des Spiels, gleich ganz abwesend sind. Mit einem realen Tennispiel hat die Filmzeit 24 Stunden vorher begonnen. Man kann Blow Up heute auf mehrere Arten rezipieren, einmal als Avantgarde, als Statement über die Wirkung von Bildern und deren Betrachtung und als Zeitdokument der 1960er Jahre. Kurz gesagt, ein inzwischen klassisches Meisterwerk.

In Inszenierung, Fotografie und Darstellung hervorragender Film von Antonioni, der die Faszination des Bildes als Abbild tatsächlicher oder vermeintlicher Wirklichkeit und die Möglichkeiten der Manipulation aufzuzeigen versucht und zugleich ein Porträt der Beat Generation zeichnet [Lexikon des internationalen Films]

Der erste Frühlingstag 1957

Von Friedhelm Denkeler,

»Der erste Frühlingstag«, aus dem Portfolio »Erinnerungen – Ein Leben in Bildern«, Kapitel »Jugend in Westfalen 1957 bis 1966«, © Archiv Friedhelm Denkeler 1957
»Der erste Frühlingstag«, aus dem Portfolio »Erinnerungen – Ein Leben in Bildern«, Kapitel »Jugend in Westfalen 1957 bis 1966«, © Archiv Friedhelm Denkeler 1957

Opfergaben am Sonntag

Von Friedhelm Denkeler,

Das Markttor von Milet
Modell einer Gruppe von Opfergabenträgern, Mittleres Reich, Ägypten, um 1800 v. Chr., Neues Museum Berlin, aus dem Portfolio »Sonntagsbilder«, Foto © Friedhelm Denkeler 2021

Wie schiebt man ein Auto an?

Von Friedhelm Denkeler,

»Man kann ein Auto nicht von innen anschieben«, Volksmund, Foto/Grafik © Friedhelm Denkeler 2009
»Man kann ein Auto nicht von innen anschieben«, Volksmund, Foto/Grafik © Friedhelm Denkeler 2009
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Wer geht, verwandelt sich in den Weg

Von Friedhelm Denkeler,

Neuntes und letztes Kapitel aus dem Portfolio und Künstlerbuch »Neunmal Neukölln – Berliner Stadtgänge», 1984/2020

»Anflugbefeuerung«, Flughafen Tempelhof, aus dem Portfolio »Neunmal Neukölln«, Foto © Friedhelm Denkeler 2011
»Anflugbefeuerung«, Flughafen Tempelhof, aus dem Portfolio und Künstlerbuch »Neunmal Neukölln – Berliner Stadtgänge», Foto © Friedhelm Denkeler 2011

9 Ein Friedhof im Schnee

Im letzten Kapitel komme ich von meinen Stadtgängen wieder zurück in die Nähe zum Ilsenhof. Links und rechts der Hermannstraße sind mehrere Friedhöfe der Berliner Kirchengemeinden mit schönen Alleen ansässig. Sie liegen direkt unter der Einflugschneise vom damaligen Flughafen Tempelhof. Diese Friedhöfe gehören zur grünen Lunge von Neukölln und ein angemessenes Verhalten wird erwartet. In den 1970er Jahren dröhnten allerdings laufend die Flugzeuge über die Gräber.

Der Neuköllner Friedhof ist klassisch angelegt, das heißt durch Baumgruppen, Alleen, einzelne Standbilder und verschlungene Wege ergibt sich der Eindruck eines Arkaden-Parks. Von solch einem Ort der stillen Erholung fühlten sich die Stadtbewohner schon immer angesprochen und gerade in dem dicht besiedelten Neukölln lässt sich auch heute noch auf diesen Inseln der Ruhe ein kleines Paradies auf Erden finden.

Epilog

So kann ich davon träumen, wie ich einmal das Gehen lernte. Doch das hilft mir nichts. Nun kann ich gehen; gehen lernen nicht mehr [Walter Benjamin]

Warum wollte Benjamin das Gehen neu lernen? Wahrscheinlich hat er eher gemeint, Schritt für Schritt die Wirklichkeit neu zu entdecken, durch die Intensivierung der Wahrnehmung, Veränderung des Blickwinkels und durch die Besinnung auf das Einfache, das Gewöhnliche und das Alltägliche. Dazu braucht man nicht unbedingt in exotische Länder zu reisen. Neues zu entdecken kann man auch im Altbekannten, auf dem täglichen Stadtgang, in der Wohnung oder im eigenen photographischen Archiv – so wie mit dem Portfolio »Neunmal Neukölln«.

Das photographische Gehen und Sehen ist wie eine Reise in das innere und äußere Neuland. Bei den Photographien muss man auch wie in der Literatur ›zwischen den Zeilen‹ lesen können. Man muss auch das Sehen, was im ‹im Schatten liegt‹, das oft das Entscheidende ist. Die Geschichte, die eine Serie von Photographien erzählt, ist also lückenhaft, der Rezipient muss sie selbst ergänzen. Landläufig sag man ›Der Weg ist das Ziel‹. Schmidt aber meint, das Ziel nimmt durch das Gehen erst Gestalt an. Das Gehen steht hier ebenso für die innere Bewegung, für die Erweiterung des Horizonts. Eigentlich ist damit das Denken gemeint.

Das Gehen geht dem Weg, der Zeit, dem Raum, der Erfahrung, dem Wort, dem Wissen, der Welt voraus. … Der Weg ist das Ergebnis der Metamorphose des Gehenden: Wer geht, verwandelt sich in den Weg. Der Weg ist die Welt selbst.
[Aurel Schmidt: »Gehen. Der glücklichste Mensch auf Erden«, Wien, 2007]

»Anflugbefeuerung«, Flughafen Tempelhof, aus dem Portfolio »Neunmal Neukölln«, Foto © Friedhelm Denkeler 2011
»Anflugbefeuerung«, Flughafen Tempelhof, aus dem Portfolio und Künstlerbuch »Neunmal Neukölln – Berliner Stadtgänge», Foto © Friedhelm Denkeler 2011

Anmerkung zum Portfolio und Künstlerbuch »Neunmal Neukölln«, 1984

Während meiner Neuköllner Zeit unternahm ich mehrere fotografische Stadtgänge, die im vorliegenden Portfolio mit den folgenden neun Kapiteln mündeten: 1 Der Körnerpark, 2 Schienen und Bauten in wilder Natur, 3 Von Garagen, Tankstellen und Werkstätten, 4 Die High-Deck-Siedlung, 5 In der Kleingarten-Anlage, 6 Stadtgänge im Industriegebiet, 7 An der Mauer und am Teltow-Kanal, 8 Pittoreskes aus Neukölln und 9 Ein Friedhof im Schnee und Epilog. Die Aufnahmen entstanden zwischen 1977 und 1984 in Berlin-Neukölln. Siehe ausführlichen Artikel »Neunmal Neukölln – Berliner Stadtgänge« auf meiner Website LICHTBILDER.

Digitale Abzüge

Das gesamte Portfolio besteht aus 180 Photographien. In einer Übersicht auf meiner Website »Lichtbilder« stehen 45 als Indexprint (je 5 aus den 9 Kapiteln) und 9 als Einzelbilder (je 2 aus den 9 Kapiteln) zur Ansicht bereit. Die Größe der Original-Prints beträgt 30 x 45 cm (Bildmaß = Blattmaß) in einem Passepartout 50 x 60 cm. Belichtet werden sie auf »Fujicolor Crystal Archive Papier« (PE), 250 Gramm.

Analoge Abzüge

Auf Wunsch werden die Schwarzweiß-Photographien im analogen Entwicklungsprozess mit Silbergelatine-Barytpapier (Ilford) archivfest ausgearbeitet. Für eine schwarzweiße Photographie ist Barytpapier die edelste Art von Fotopapier. Die Größe der Fotoabzüge beträgt: Bildmaß: 30 x 45 cm, Blattmaß:  40 x 55 cm. Das kartonstarke Papier ist 315 g/qm schwer. Die Auflage beträgt in der Regel max. 10+2 AP.

Künstlerbuch

Die 180 Bilder sind auch als gedrucktes Künstlerbuch mit 216 Seiten im Format 29,7 x 21,0 cm in einer limitierten Auflage 30 + 4 AP im Selbstverlag erschienen (2020). 
 Gestaltung, Satz: © Friedhelm Denkeler 2020. 
Druck: WhiteWall Media GmbH, 50226 Frechen.


Künstlerbücher sind ein eigenständiges Genre der bildenden Kunst. Sie bewegen sich im Schnittpunkt von Büchern und Kunst, werden in der Regel vom Künstler selbst produziert und im Eigenverlag herausgegeben. Beim Buchobjekt handelt es sich oft um Unikate, ansonsten erwartet der Sammler eine limitierte Auflage, die vom Künstler nummeriert und signiert ist (siehe auch der ausführliche Artikel »Künstlerbücher – Das Buch als Kunstobjekt«

Das Markttor von Milet

Von Friedhelm Denkeler,

»Das Markttor von Milet», Mamor, römische Kaiserzeit, um 100 n. Chr., Foto © Friedhelm Denkeler 2021
»Das Markttor von Milet», Mamor, römische Kaiserzeit, um 100 n. Chr., Neues Museum Berlin, aus dem Portfolio »Sonntagsbilder«, Foto © Friedhelm Denkeler 2021

Pittoreskes aus Neukölln

Von Friedhelm Denkeler,

Achtes Kapitel aus dem Portfolio und Künstlerbuch »Neunmal Neukölln – Berliner Stadtgänge», 1984/2020

«Tri-Top vor alter Bunkeranlage«, Berlin-Neukölln, Foto © Friedhelm Denkeler 1979
«Tri-Top vor alter Bunkeranlage«, Berlin-Neukölln, aus dem Portfolio und Künstlerbuch »Neunmal Neukölln – Berliner Stadtgänge», Foto © Friedhelm Denkeler 1979

Aber auch in der direkten Umgebung des Ilsenhofs, in der Hermannstraße, der Karl-Marx-Straße und am Richardplatz ließen sich spannende Motive finden, so der Kaugummi-Automat oder die analogen Plakatwände, die nach und nach durch elektronische ersetzt werden. Pittoresk wirkt auch die Hertha-Brücke mit den zerfetzten Planen im Gegenlicht. Heute nicht mehr rekonstruierbar ist der Platz, auf dem ein merkwürdiges Gebäude, das wie ein Bunker aussieht, steht. Das Drumherum ist eine trotzlose Grünanlage.

Interessant sind immer wieder die Berliner Brandmauern, die es in den 1970er Jahren noch zahlreich gab. Brandwände sollen unmittelbar angrenzende Gebäude vor Feuer und Hitze, aber auch das eigene Haus, schützen. Die Wände und die dazugehörigen Trümmergrundstücke waren seit dem Ende des Krieges typisch für Berlin. Sie entwickelten oft ein malerisches Eigenleben und an ihnen lässt gut die historische Entwicklung ablesen. Später entstanden Hunderte von Wandbildern, eines der ersten ist der »Weltbaum« von Ben Wargin am S-Bahnhof Tiergarten. Durch die Neu-Bebauung der freien Flächen nach der Wende verschwinden diese Gemälde immer mehr.

»Mini-Park mit schwarzer Brandwand», Berlin-Neukölln, Foto © Friedhelm Denkeler 1979
»Mini-Park mit schwarzer Brandwand», Berlin-Neukölln, aus dem Portfolio und Künstlerbuch »Neunmal Neukölln – Berliner Stadtgänge», Foto © Friedhelm Denkeler 1979

Anmerkung zum Portfolio und Künstlerbuch »Neunmal Neukölln«, 1984

Während meiner Neuköllner Zeit unternahm ich mehrere fotografische Stadtgänge, die im vorliegenden Portfolio mit den folgenden neun Kapiteln mündeten: 1 Der Körnerpark, 2 Schienen und Bauten in wilder Natur, 3 Von Garagen, Tankstellen und Werkstätten, 4 Die High-Deck-Siedlung, 5 In der Kleingarten-Anlage, 6 Stadtgänge im Industriegebiet, 7 An der Mauer und am Teltow-Kanal, 8 Pittoreskes aus Neukölln und 9 Ein Friedhof im Schnee und Epilog. Die Aufnahmen entstanden zwischen 1977 und 1984 in Berlin-Neukölln. Siehe ausführlichen Artikel »Neunmal Neukölln – Berliner Stadtgänge« auf meiner Website LICHTBILDER.

Digitale Abzüge

Das gesamte Portfolio besteht aus 180 Photographien. In einer Übersicht auf meiner Website »Lichtbilder« stehen 45 als Indexprint (je 5 aus den 9 Kapiteln) und 9 als Einzelbilder (je 2 aus den 9 Kapiteln) zur Ansicht bereit. Die Größe der Original-Prints beträgt 30 x 45 cm (Bildmaß = Blattmaß) in einem Passepartout 50 x 60 cm. Belichtet werden sie auf »Fujicolor Crystal Archive Papier« (PE), 250 Gramm.

Analoge Abzüge

Auf Wunsch werden die Schwarzweiß-Photographien im analogen Entwicklungsprozess mit Silbergelatine-Barytpapier (Ilford) archivfest ausgearbeitet. Für eine schwarzweiße Photographie ist Barytpapier die edelste Art von Fotopapier. Die Größe der Fotoabzüge beträgt: Bildmaß: 30 x 45 cm, Blattmaß:  40 x 55 cm. Das kartonstarke Papier ist 315 g/qm schwer. Die Auflage beträgt in der Regel max. 10+2 AP.

Künstlerbuch

Die 180 Bilder sind auch als gedrucktes Künstlerbuch mit 216 Seiten im Format 29,7 x 21,0 cm in einer limitierten Auflage 30 + 4 AP im Selbstverlag erschienen (2020). 
 Gestaltung, Satz: © Friedhelm Denkeler 2020. 
Druck: WhiteWall Media GmbH, 50226 Frechen.


Künstlerbücher sind ein eigenständiges Genre der bildenden Kunst. Sie bewegen sich im Schnittpunkt von Büchern und Kunst, werden in der Regel vom Künstler selbst produziert und im Eigenverlag herausgegeben. Beim Buchobjekt handelt es sich oft um Unikate, ansonsten erwartet der Sammler eine limitierte Auflage, die vom Künstler nummeriert und signiert ist (siehe auch der ausführliche Artikel »Künstlerbücher – Das Buch als Kunstobjekt«

An der Mauer und am Teltow-Kanal

Von Friedhelm Denkeler,

Siebtes Kapitel aus dem Portfolio und Künstlerbuch »Neunmal Neukölln – Berliner Stadtgänge», 1984/2020

»Alte Eisenbahntrasse», Berlin-Neukölln, aus dem Portfolio »Harmonie eines Augenblicks«, Foto © Friedhelm Denkeler 1979
»Alte Eisenbahntrasse», Berlin-Neukölln, aus dem Portfolio und Künstlerbuch »Neunmal Neukölln – Berliner Stadtgänge», Foto © Friedhelm Denkeler 1979

Die wilde Natur Berlins zeigte sich in den Sommermonaten nicht nur auf dem Bahngelände und im Industriegebiet, sondern insbesondere an der Mauer und am Teltowkanal. Überwachsene Trampelpfade und Gleise, repräsentative Toreinfahrten, die einmal bessere Zeiten gesehen haben, idyllische Wohnhäuser mit einem wilden, blühenden Fliederwald, reihten sich aneinander.

Ein Stadtgang auf dem ehemaligen Treidelweg am Kanal brachte immer wieder Überraschendes zu Tage. Auf dem Treidelweg waren bis 1945 Schienen verlegt und mit einer elektrischen Mini-Lokomotive wurden die Schiffe durch den Kanal gezogen. Auf anderen Kanälen wurden auch Zugtiere eingesetzt. Heute kann man auf dem beliebten Wanderweg in aller Ruhe trödeln (ein älteres Synonym für Treideln).

»Teltow-Kanal mit Industriehalle«, Foto © Friedhelm Denkeler 1979
»Teltow-Kanal mit Industriehalle«, aus dem Portfolio und Künstlerbuch »Neunmal Neukölln – Berliner Stadtgänge», Foto © Friedhelm Denkeler 1979

Anmerkung zum Portfolio und Künstlerbuch »Neunmal Neukölln«, 1984

Während meiner Neuköllner Zeit unternahm ich mehrere fotografische Stadtgänge, die im vorliegenden Portfolio mit den folgenden neun Kapiteln mündeten: 1 Der Körnerpark, 2 Schienen und Bauten in wilder Natur, 3 Von Garagen, Tankstellen und Werkstätten, 4 Die High-Deck-Siedlung, 5 In der Kleingarten-Anlage, 6 Stadtgänge im Industriegebiet, 7 An der Mauer und am Teltow-Kanal, 8 Pittoreskes aus Neukölln und 9 Ein Friedhof im Schnee und Epilog. Die Aufnahmen entstanden zwischen 1977 und 1984 in Berlin-Neukölln. Siehe ausführlichen Artikel »Neunmal Neukölln – Berliner Stadtgänge« auf meiner Website LICHTBILDER.

Digitale Abzüge

Das gesamte Portfolio besteht aus 180 Photographien. In einer Übersicht auf meiner Website »Lichtbilder« stehen 45 als Indexprint (je 5 aus den 9 Kapiteln) und 9 als Einzelbilder (je 2 aus den 9 Kapiteln) zur Ansicht bereit. Die Größe der Original-Prints beträgt 30 x 45 cm (Bildmaß = Blattmaß) in einem Passepartout 50 x 60 cm. Belichtet werden sie auf »Fujicolor Crystal Archive Papier« (PE), 250 Gramm.

Analoge Abzüge

Auf Wunsch werden die Schwarzweiß-Photographien im analogen Entwicklungsprozess mit Silbergelatine-Barytpapier (Ilford) archivfest ausgearbeitet. Für eine schwarzweiße Photographie ist Barytpapier die edelste Art von Fotopapier. Die Größe der Fotoabzüge beträgt: Bildmaß: 30 x 45 cm, Blattmaß:  40 x 55 cm. Das kartonstarke Papier ist 315 g/qm schwer. Die Auflage beträgt in der Regel max. 10+2 AP.

Künstlerbuch

Die 180 Bilder sind auch als gedrucktes Künstlerbuch mit 216 Seiten im Format 29,7 x 21,0 cm in einer limitierten Auflage 30 + 4 AP im Selbstverlag erschienen (2020). 
 Gestaltung, Satz: © Friedhelm Denkeler 2020. 
Druck: WhiteWall Media GmbH, 50226 Frechen.


Künstlerbücher sind ein eigenständiges Genre der bildenden Kunst. Sie bewegen sich im Schnittpunkt von Büchern und Kunst, werden in der Regel vom Künstler selbst produziert und im Eigenverlag herausgegeben. Beim Buchobjekt handelt es sich oft um Unikate, ansonsten erwartet der Sammler eine limitierte Auflage, die vom Künstler nummeriert und signiert ist (siehe auch der ausführliche Artikel »Künstlerbücher – Das Buch als Kunstobjekt«

Ein Relaunch der Websites LICHTBILDER und JOURNAL

Von Friedhelm Denkeler,

Responsives Webdesign und TLS-Verschlüsselung auf dem PC, Laptop und Smartphone

»Qualität ist nicht alles, aber alles ist nichts ohne Qualität«, Foto/Grafik © Friedhelm Denkeler 2002
»Qualität ist nicht alles, aber alles ist nichts ohne Qualität«, Foto/Grafik © Friedhelm Denkeler 2002

Seit fast zwei Jahrzehnten, seit 2002, gibt es meine Website LICHTBILDER. Mein Blog JOURNAL startete am 1. Juli 2010 mit dem Zitat »Qualität ist nicht alles, aber alles ist nichts ohne Qualität«. Das habe ich jetzt zum Anlass genommen, meine beiden Websites einem kompletten Relaunch zu unterziehen. Dazu gehört in erster Linie die Informationsarchitektur. Ebenso sollte ein der Zeit entsprechendes, sicheres Content-Management-System (CMS) eingeführt werden. Das wird der Besucher zwar nicht unbedingt merken; er erwartet aber eine einfache Navigation; er möchte sich auf der Seite intuitiv bewegen können und zur Not die Seiteninhalte auch auf dem Smartphone abrufen können. Das Ziel war es also, die beiden Websites in Bezug auf Struktur, Technik und Oberfläche dem aktuellen Status quo anzupassen.

Blog »JOURNAL – Berichte aus Berlin zu Photographie und Kunst«

Meinen Blog betreibe ich von Anfang an mit »WordPress«. Mit rund 18 Millionen Installationen weltweit ist WordPress das am meisten genutzte Open-Source-CMS. Zunächst war die Software als Blogsystem konzipiert; inzwischen kann man sie auch für ›normale‹ Websites benutzen. Mein Blog hatte also eine gute Grundlage, zunächst allerdings ohne responsives Webdesign. Vor einem Jahr wurde der Blog angepasst; er entsprach aber noch nicht dem Stand der Technik und auch die Benutzeroberfläche war verbesserungswürdig.

Mit Hilfe des Theme »GeneratePress Premium« und entsprechend meinen Vorstellungen der Oberfläche habe ich den Blog angepasst. Dank des responsiven Webdesign und der aktuellen Technik funktioniert die Seite nun auf sämtlichen Endgeräten. Aber nicht nur der Trend im Design, auch die Sicherheitstechnik hat sich in den letzten Jahren verändert. Heute erwarten die User und Suchmaschinen wie Google, eine Verschlüsselung der Website. Das JOURNAL habe ich inzwischen erfolgreich mit TLS (Transport Layer Security, früher: SSL Secure Sockets Layer) auf eine sichere Datenübertragung umgestellt.

Website »LICHTBILDER – Photographien von Friedhelm Denkeler«

Nun bot sich an, auch meine in die Jahre gekommene Website LICHTBILDER nach dem gleichen Schema mit WordPress auf den neusten Stand zu bringen. Das war allerdings nicht so einfach. Ich habe bisher mit einem Programm zur Webseitenerstellung gearbeitet, NetObject Fusion (NOF), dass nicht mehr weiter entwickelt wurde (unter anderem bot es kein responsives Design an). Also musste ich meine Website komplett neu erstellen.

Damit der Besucher sich mit der neuen Site gleich auskennt, sollten die bisherigen Inhalte – Struktur, Texte und Portfolios – dabei mehr oder weniger komplett übernommen werden. Gleichzeitig sollte es im Frontend (das, was der Besucher sieht) eine vereinfachte Navigation mit den beiden Hauptlinks Portfolios und Arbeiten geben. Und für mich sollte das Arbeiten im Backend angenehmer und effektiver werden.

Unter Portfolios sind ausgewählte Portfolios mit Thumbnails (zurzeit 30) und unter Arbeiten alle seit 1978 bisher produzierten und geplanten Portfolios (zurzeit 40) zu finden. Die Seiten der einzelnen Portfolios sind alle nach einem gleichen Schema aufgebaut: Indexprint (in der Regel 25 Thumbnails des jeweiligen Portfolios), gefolgt von einer textlichen Zusammenfassung, die Einzelbilder (in der Regel 25 Photographien), ein ausführlicher Artikel und zum Schluss Dokumente (wie Künstlerbuch, Plakat, Katalog, Kritiken).

Im Link Support gibt es Hinweise zu den Original-Prints, zu Künstlerbüchern und zur Navigation, unter Info Biographie, Ausstellungen und Veröffentlichungen und unter Kontakt Möglichkeiten mit dem Herausgeber der Website in Verbindung zu treten (Impressum, Datenschutzerklärung).

Das HiFi-Mädel aus Tallahassee

Von Friedhelm Denkeler,

1959 – Freddy Cannon: »Tallahassee Lassie«. Rocken was das Zeug hält und die Red-River-Rebellion. Das Instrumental »Red River Rock« von Johnny & The Hurricanes.

Freddy Cannon: »Tallahassee Lassie«, 1959, Foto/Collage © Friedhelm Denkeler
Freddy Cannon: »Tallahassee Lassie«, 1959, Foto/Collage © Friedhelm Denkeler

Auf der Suche nach einem weniger bekannten, aber guten Rock ’n‘ Roll-Song aus den 1950er Jahren wurde ich fündig. Im Netz steht ein Video aus dem US-amerikanischen Fernsehen, aufgenommen in der Musik-Varieté-Show »Hollywood A Go-Go» am 24. April 1964. Bereits bei den ersten Takten rastet der Moderator Sam Riddle voller Begeisterung aus – und dann kommt Freddy Cannon auf die Bühne und spielt »Tallahassee Lassie« und rockt los, was das Zeug hält.


Wenn ich jemandem erklären müsste, was Rock ’n‘ Roll ist, dann würde ich ihm diesen Song vorspielen. Tallahassee ist übrigens die Hauptstadt des US-Bundesstaats Florida (FLA), die kannte ich bisher nicht. »Hollywood A Go-Go» wurde in den KHJ-TV-Studios in Los Angeles aufgenommen und die erste Folge am 26. Dezember 1964 in Los Angeles ausgestrahlt. Mit der letzten, der 58. Sendung am 5. Februar 1966, wurde die Show eingestellt.


Und weil es so schön war, habe ich weiter gesucht und ein Video mit demselben Song aus der berühmten Musik-Tanz-Schau »American Bandstand« aus Philadelphia vom 12. Dezember 1964 gefunden. Der Rock ‘n’ Roll ist keineswegs mit Bill Haleys »Rock Around The Clock« entstanden. Vielmehr geht er auf den schon in den 1940er Jahren bekannten Rhythm & Blues zurück. Für den großen Durchbruch sorgten aber Radio und Fernsehen. Daran hat »American Bandstand« mit dem Moderator Dick Clark einen großen Anteil. Die berühmte Tanzshow lief von 1956 bis 1987.

Der 1940 geborene Freddy Cannon (Frederico Anthony Picariello), war mir völlig unbekannt, das hat sich jetzt geändert. Der US-amerikanische Rock ’n’ Roll-Sänger hatte in den späten 1950er und frühen 1960er Jahren einige Hits. »Palisades Park« aus dem Jahr 1962 ist auch einer meiner Lieblingssongs. Freddy kommt aus einem musikalischen Haus; sein Vater spielte Trompete, die Mutter war Songwriterin und schrieb für Freddy den Song »Rock and Roll Baby«. Ein Demo-Tape stellte er dem Musikproduzenten Bob Crewe vor, der dann den Song zu »Tallahassee Lassie« umschrieb.

Als Zweites stelle ich für 1959 das Instrumental »Red River Rock« vor. Es war nicht einfach, einen würdevollen Interpreten zu finden, denn es gibt mindestens 70 Coverversionen. Da der Song weltweit bekannt wurde, mitten in der Rock & Roll-Zeit, liegt es nahe, die Version von Johnny & The Hurricanes auszuwählen. Der Song ist einer meiner Best-of-Songs der frühen Rockgeschichte. Die Single »Red River Rock« kam im Juli 1959 auf den Markt und wurde kurz darauf von »Billboard« besprochen.


Single Johnny & The Hurricanes: »Red River Rock«, Foto/Collage © Friedhelm Denkeler
Single Johnny & The Hurricanes: »Red River Rock«, Foto/Collage © Friedhelm Denkeler

Während einer Aufnahmepause hörte der Manager der Hurricanes wie der Organist mit der Melodie experimentierte; er bat, die Passagen zu wiederholen. So entstand der einmalige Sound als Variation des Originals. Die Grundmelodie wird von einer Hammond-Orgel getragen, mit Licks vom Tenor-Saxophon und einem Mittelteil für Gitarre.

In Deutschland und England erreichte der Song Platz 3 der Hitparade und in den Staaten den Rang 6. Es waren die höchsten Platzierungen aller Versionen des Folk- und Country-Lieds. The Hurricanes verkauften davon über 1 Million Singles.


Eine Vokal-Version handelt von der verbotenen Liebe einer Indianerin zu einem britischen Soldaten während der Red-River-Rebellion um 1870 in Kanada. Ethnische und religiöse Feindseligkeiten und Übergriffe der kanadischen Zentralregierung gegen die europäisch-stämmigen Altsiedler sind das Thema. 1925 wurde der Song das erste Mal kommerziell als »Cowboy Love Song« vermarktet. Mit deutschem Text erschien 1959 »Komm zurück in das Tal unserer Träume« von Friedel Hensch und den Cyprys. 


Songtext – Freddy Cannon: »Tallahassee Lassie«

Well, she comes from Tallahassee
She got a hi-fi chassis
Maybe looks a little sassy
But to me, she's real classy
Yeah, my Tallahassee Lassie
Down in F-L-A

Well, she's romping to the Drag
The Cha-cha, Rag-a-mop
Stomping to the Shag
Rocks the Bunny Hop, Ooh, ooh.
Well, she dances to the Bop
She dances to the Stroll
She dances to the Walk
She can rock and roll

Well, she comes from Tallahassee
She got a hi-fi chassis
Maybe looks a little sassy
But to me, she's real classy
Yeah, my Tallahassee Lassie
Down in F-L-A 
Anmerkung zur Kategorie »«

In dieser Kategorie finden Sie Beiträge zu Songs und ihren Interpreten aus 70 Jahren Rock- und Pop-Geschichte 1946 bis 2016. In der Regel werden pro Jahr ein Song, manchmal auch mehrere, vorgestellt. Alle im Text erwähnten Songs sind als Video oder Audio auf den bekannten Musik-Portalen wie YouTube, Vimeo, etc. zu finden. In einer Tabelle habe ich die Songs auf die entsprechenden Videos/Audios verlinkt. Die Serie befindet sich zur Zeit im Aufbau und wird nach und nach vervollständigt. Jeder Artikel ist ein Auszug aus meinem für 2027 geplantes Künstlerbuch »Siebzig Jahre – Siebzig Songs«.

Eine Übersicht über alle Artikel der Kategorie finden Sie unter »«.

Die Links zu den Videos/Audios der vorgestellten Songs sind in einer Tabelle im Anhang aufgelistet.

Teambildung der Pinguine

Von Friedhelm Denkeler,

»Pinguine im Berliner Zoo«, aus dem Portfolio »Sonntagsbilder«, Foto © Friedhelm Denkeler 2002
»Pinguine im Berliner Zoo«, aus dem Portfolio »Sonntagsbilder«, Foto © Friedhelm Denkeler 2002

Anmerkungen zum Portfolio/ zur Kategorie »Sonntagsbilder»

Der Versuch einer Definition: Was ist eigentlich ein Sonntagsbild? Ein ›schönes‹ Bild (was auch immer das nun wieder heißen mag; es ist in Farbe; es passt in keine andere Kategorie; es gehört nicht zu einer Serie von Bildern, es ist ein Einzelbild. Aber es ist kein Sonntagsbild im Sinne der Sonntagsmalerei.

Am 26. Februar 2012 erschien in meinem Blog das erste Sonntagsbild. Und jeden Sonntag gab es ein neues – Ausnahmen bestätigten die Regel. Die Sonntagsbilder stammen aus dem Portfolio »Sonntagsbilder«, das ich 2005 abgeschlossen habe. Aber der Titel Sonntagsbild ist einfach ein zu schöner Titel. Unter dieser Prämisse führe ich die Kategorie »Sonntagsbilder« in meinem Blog bis auf weiteres mit Fotos aus meinem Archiv und mit neuen Aufnahmen weiter.