Die Sehnsucht nach Arkadien

Von Friedhelm Denkeler,

»Die Sehnsucht nach Arkadien«, Neues Museum, Museumsinsel Berlin, Foto © Friedhelm Denkeler, 2011
»Die Sehnsucht nach Arkadien«, Neues Museum, Museumsinsel Berlin, Foto © Friedhelm Denkeler, 2011

Der Mythos Arkadien

Arkadien (Griechisch: Αρκαδία) bezieht sich auf die Vorstellung einer Hirtenidylle und eines Lebens in Harmonie mit der Natur. Der Begriff stammt von der griechischen Provinz Arkadien; das hügelige Gelände und die spärliche Hirtenbevölkerung ließ die Region später zu einem poetischen Begriff für die idyllische Vision von unberührter Natur werden. Arkadien ist der poetisch geschaffene Raum, der sich auf die volle Pracht der Natur und ihre Harmonie bezieht und gleichzeitig die Vergänglichkeit der Kultur anspricht. Der Garten ist oft von Hirten bewohnt. Im Gegensatz zur Utopie wird Arkadien als ein unerreichbarer Ort konstruiert. Es gilt als ein verlorener Garten Eden, im Gegensatz zu den utopischen Fortschrittsidealen.

Aus dem Mythos Arkadien wurde in der Frühen Neuzeit die Vorstellung gewonnen, es sei Leben jenseits gesellschaftlicher Zwänge möglich. Dies waren in ihrem Kern politische Phantasien, die vor allem vom Hochadel geschürt wurden, der unter dem politischen Druck des sich stabilisierenden frühneuzeitlichen Staates unter erheblichen Disziplinierungsdruck geriet. Unter der Oberfläche dieses aristokratischen Eskapismus wurde die Idee einer individuellen Freiheit geboren und gewahrt, die zwar die Freiheit des Großadligen meinte, aber bereits seit dem 17. Jahrhundert in den Niederlanden, dann aber seit dem 18. Jahrhundert auch in Frankreich und Deutschland vom Bürgertum beerbt wurde. [Quelle: Wikipedia]

Das Neue Museum auf der Berliner Museumsinsel

Das Neue Museum stellt ein Hauptwerk der Kunst-, Museums- und Technikgeschichte des 19. Jahrhunderts dar. Nach Plänen Friedrich August Stülers zwischen 1843 und 1855 errichtet, erlitt das Bauwerk im Zweiten Weltkrieg schwere Zerstörungen, eine Notsicherung folgte erst in den 1980er-Jahren. Bei der im Jahre 2003 begonnenen Restaurierung durch David Chipperfield wurden Fassade und Innenräume behutsam restauriert, die Spuren am Denkmal respektiert und dabei doch zugleich durch Umbauten ein modernes Museum geschaffen. Aktuell beheimatet es das Ägyptische Museum und die Papyrussammlung, das Museum für Vor- und Frühgeschichte und einen Teil der Antikensammlung. [Quelle: Neues Museum]

Im eigenen Auftrag

Von Friedhelm Denkeler,

Von Amateurfotografen, Hobbyfotografen und Autorenfotografen

Wenn ein Photograph sich während seiner künstlerischen Laufbahn verpflichtet fühlt, seine eigene Vorstellung von ›guten‹ Bildern umzusetzen, wenn er mit seiner Kamera wie ein Schriftsteller mit seiner ›Feder‹ schreibt, wenn er den gesamten Produktionsprozess der Bildwerdung in seiner Hand behält und aufgrund seiner Phantasie damit der Wirklichkeit in seinen Bildern seine  eigene Persönlichkeit auferlegt, dann handelt er im eigenen Auftrag.

Wie können wir so einen Photographen nennen? Jedenfalls ist er kein Amateur oder Hobbyfotograf, auch kein Berufsfotograf, Journalist oder reiner Dokumentarist. Der Amateur greift nur zur Kamera, wenn ein außergewöhnliches Ereignis vorliegt, der Anstoß kommt also von außen: Urlaub, Hochzeit, runde Geburtstage. Das Foto hat für ihn hauptsächlich Erinnerungswert, die Technik spielt dabei keine Rolle. Auch eine verwackelte oder eine schlecht gestaltete Aufnahme wird aufgehoben.

»Auf dem Gurten«, Bern, aus dem Portfolio »Schwarzbuch – Im eigenen Auftrag«, Foto © Friedhelm Denkeler 2010
»Auf dem Gurten«, Bern, aus dem Portfolio »Schwarzbuch – Im eigenen Auftrag«, Foto © Friedhelm Denkeler 2010

Dagegen legt der Hobbyfotograf auf die neueste Technik großen Wert. Die Bilder weisen oft ein Übermaß an bildnerischer Komposition auf. Seine technische Ausstattung übersteigt oft in quantitativer und qualitativer Hinsicht die eines Berufsfotografen. Die auflagenstarken Fotozeitschriften liefern die Bildmuster. Der Hobbyist muss ihnen nacheifern, wenn er ein gutes Bild machen will oder wenn er bei den zahlreichen Fotowettwerben bestehen will.

Der Hobbyfotograf überschätzt den technischen Aspekt, das unterscheidet ihn vom fotografischen Künstler. Klaus Honnef hat diesen 1980 in seinen Aufsätzen Autorenfotograf genannt. In der Literatur ist der Autor ein bekannter Begriff, in der bildenden Kunst hielt er in den 1960er Jahren Einzug mit dem Filmautor; dieser ist allerdings schwierig auszumachen, ist es der Regisseur oder der Drehbuchautor? Auch wenn er die Sache gut trifft, der Begriff »Autorenfotografie« hat sich bis heute nicht so richtig durchgesetzt.

Übersicht der Artikel der Kategorie »Texte zur Photographie«

Wenn das ganze Leben ein großes Theater ist …

Von Friedhelm Denkeler,

Zum Neuen Jahr 2023: Was würde William Shakespeare dazu sagen?

»Und wenn du den Eindruck hast, dass das Leben ein Theater ist, dann suche dir eine Rolle aus, die dir so richtig Spaß macht« [William Shakespeare], Foto © Friedhelm Denkeler 2022
»Und wenn du den Eindruck hast, dass das Leben ein Theater ist, dann suche dir eine Rolle aus, die dir so richtig Spaß macht« [William Shakespeare], Foto © Friedhelm Denkeler 2022

David Bowie besucht Bing Crosby zu Hause

Von Friedhelm Denkeler,

Der Kleine Trommler – Ein kleines weihnachtliches Märchen

Come they told me / pa-rum-pum-pum-pum / A new-born king to see / pa-rum-pum-pum-pum / Our finest gifts we bring / pa-rum-pum-pum-pum / to lay before the king / pa-rum-pum-pum-pum / so to honour him / pa-rum-pum-pum-pum / when we come.

Es war einmal ein bekannter Sänger namens Bing, der den Weihnachtsabend ganz alleine zu Hause verbrachte. Plötzlich läutete es an der Haustür und David, ein Nachbar, stand vor ihm. Dieser war auf der Suche nach einem Piano, um ein Weihnachtslied zu spielen. Das passte Bing sehr gut. Er wollte gerne eines singen.

"Weihnachtliches Karussell", Foto © Friedhelm Denkeler 2008
Weihnachtliches Karussell, Foto © Friedhelm Denkeler 2008

Sie unterhielten sich über zeitgenössische Songs von John Lennon und über traditionelle Weihnachtslieder wie White Christmas. Dann sah David auf dem Piano den Text zu einem Weihnachtslied liegen, das auch sein sechsjähriger Sohn gerne hörte und sang: Little Drummer Boy. So sangen der  damals 30-jährige David Bowie und und der 74-jährige Bing Crosby im Duett die obrigen Zeilen. Glücklicherweise – so ist es nun einmal im Märchen – war zufällig ein Kameramann zugegen, der diesen historischen Moment im Jahre 1977 aufzeichnete: David Bowie & Bing Crosby: Little Drummer Boy

Das amerikanische Weihnachtslied, das bereits im Jahr 1941 komponiert wurde, ist eines der bekanntesten Weihnachtslieder seit den Fünfziger Jahren geworden. Es handelt von einem armen Jungen, der nicht das Geld hatte, dem neugeborenen König ein Geschenk mitzubringen. Stattdessen spielte er mit dem Einverständnis der Jungfrau Maria für den Neugeboreren auf der Trommel. Für Bing Crosby wurde Little Drummer Boy neben White Christmas  von Irving Berlin sein erfolgreichster Song.

Die Schüchternheit der Buchen im Elm

Von Friedhelm Denkeler,

Viele Bäume vermeiden es, sich gegenseitig zu berühren. Doch warum ist das so?

Das wunderbare Wort ›Kronenschüchternheit‹ erklärt vielleicht schon einiges: Insbesondere Laubbäume halten im dichten Blätterdach eines Waldes einen respektvollen Abstand zu einander, so als ob sie miteinander kommunizieren. Als ich im Jahr 1980 einige Tage im Elm weilte, entstand die Photographie »Kreuzweg hoch oben«. Im Frühjahr waren die Buchen noch blattlos, so konnte ich beim Blick in den Himmel, einen regelrechten Kreuzweg erkennen. Über die Schüchternheit der Bäume hatte ich damals noch nichts gehört.

»Kreuzweg hoch oben«, aus der Serie »Der Elmgeist«, Foto © Friedhelm Denkeler 1980
»Kreuzweg hoch oben«, aus der Serie »Der Elmgeist«, Foto © Friedhelm Denkeler 1980

Die Bäume breiten ihr Blätterdach nur so weit aus, dass sie sich mit ihren Nachbarn nicht ins Gehege kommen, sich also nicht berühren. Dieses Phänomen ist im Englischen unter ›crown shyness‹ bekannt. Bäume halten im Bereich der Krone einen Abstand von ungefähr einem Meter ein. Das Phänomen ist der Wissenschaft schon seit 1920 bekannt, aber zu welchem Zweck die Natur es eingerichtet hat, ist bis heute nicht gänzlich analysiert.

Wenn ein Baum sich mit seiner Krone zu weit seinem Nachbarn nähert, stellt er sein Wachstum ein, um eine Verschattung zu verhindern, vermuten manche Forscher. Andere sehen darin einen Schutz vor fressenden Insektenlarven oder wollen verhindern, dass sie bei Wind und Sturm beschädigt werden. Logisch hört sich auch an, wenn die Kronen, im Wind zusammenstoßen, werden die Wachstumsknoten abgerieben, so dass sie seitlich nicht mehr weiter wachsen können.

Zum Portfolio »Der Elmgeist«

Die Photographie stammt aus meinem Portfolio »Der Elmgeist«. Es besteht aus 90 Photographien (Silbergelatine-Barytpapier, Bildmaß: 30 x 45 cm, Blattmaß:  40 x 55 cm). Die Bilder sind auch als gedrucktes Künstlerbuch 2015 mit 104 Seiten im Format 30 × 40 cm erschienen. Die Aufnahmen entstanden 1980 im Elm im Landkreis Helmstedt. Der Elm ist ein bewaldeter Mittelgebirgszug in Niedersachsen mit einem der größten Buchenwälder. Das Portfolio wird auf meiner Website LICHTBILDER ausführlicher vorgestellt.

Wenn ein Betrachter vor lauter Oberfläche den eigentlichen Inhalt einer Photographie nicht mehr sieht

Von Friedhelm Denkeler,

Nur die Phantasielosen flüchten in die Realität! [Arno Schmidt]

Beim Betrachten von Photos sieht der ungeschulte Rezipient meist nur den vordergründigen Inhalt; er lässt sich durch die vermeintlich dokumentarische Aufzeichnung oft vom eigentlichen Inhalt des Bildes ablenken. Die Photographie gilt seit jeher als das Medium, das ein exaktes Abbild der Wirklichkeit darstellt. Der Betrachter dringt gar nicht erst tiefer in die Bedeutung des Bildes ein, sondern im Gegenteil, vor lauter vordergründigem Inhalt sieht er den eigentlichen Inhalt nicht mehr.

»Der Baumalb II«, aus dem Portfolio »Der Elmgeist«, Foto © Friedhelm Denkeler 1980
»Der Baumalb II«, aus dem Portfolio »Der Elmgeist«, Foto © Friedhelm Denkeler 1980

Erst mit einer ausführlichen Beschäftigung, also mit mehr als einem flüchtigen Hinsehen, wird die Doppeldeutigkeit einer Photographie erkennbar. Trotz der täglich millionenfach geschossenen Bilder, kann man heutzutage sicherlich noch deutlicher als zu Laszlo Moholy-Nagys Zeiten vom fotografischen Analphabetismus ausgehen. Die Photographie ist eine »Lichtschrift«, die man erst mal lesen lernen muss. In Ausstellungen hat man allerdings auch häufig den Eindruck, dass der Photograph seine eigenen Bilder nicht lesen kann.

Eine gute Photographie erschließt beim Betrachter einen Erfahrungsraum, der sich nicht allein auf den Bildgegenstand beschränkt, sondern seine eigenen Gefühle, Erfahrungen und das Unbewusste mit einschließt, dann erst verliert der fotografierte Gegenstand seine Bedeutung. Ob diese Wahrnehmung zwischen Sichtbarem und Unsichtbarem, zwischen Oberfläche und dem dahinter liegenden Inhalt, auch für die Photographien der Serie »Der Elmgeist« zutrifft, möge der Rezipient für sich selbst entscheiden. Auch wenn die Überschrift »Der Elmgeist« falsch verstanden werden könnte, es geht in den Bildern nicht um esoterisches Gedankengut, sondern um die Gefühle, die sie beim Betrachter auslösen.

Im strengsten Sinne sind alle Bewusstseinsinhalte unnennbar. Selbst die einfachste Wahrnehmung ist in ihrer Totalität unbeschreibbar. Jedes Kunstwerk muss daher nicht nur als etwas Dargestelltes verstanden werden, sondern gleichzeitig als ein Versuch, das Unsagbare auszudrücken. In den größten Kunstwerken schwingt stets etwas mit, das sich nicht in Worte fassen lässt, etwas von dem Widerspruch zwischen dem Ausdruck und der Gegenwart des Unausdrückbaren. Stilmittel sind immer auch Methoden der Vermeidung. Das wirksamste Element im Kunstwerk ist nicht selten das Schweigen. [Susan Sontag, in »Against Interpretation«]

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Geheimnisvolles und Rätselhaftes in der »Collection Regard« – Die »Artaud Mappen« von Amin El Dib

Von Friedhelm Denkeler,

Der Betrachter muss das Geheimnis der Bilder selbst entschlüsseln, aber …

Amin El Dib vor seiner Arbeit Jericho«, 1989-1992, in der »Collection Regard«, Berlin-Mitte, Foto © Friedhelm Denkeler 2022
Amin El Dib vor seiner Arbeit »Jericho«, 1989-1992, in der »Collection Regard«, Berlin-Mitte, Foto © Friedhelm Denkeler 2022

… im gestrigen Salon Photographique in der »Collection Regard« mit Amin El Dib und Rüdiger Schaper, vom Kulturressort des Tagesspiegels, konnten einige der Rätsel gelöst werden. Heutzutage können sicherlich viele Menschen mit der analogen Dunkelkammer wenig anfangen, insbesondere mit dem Übergang vom negativen Bild zum positiven Papierabzug. Amin El Dib hat sich in den 1980er Jahren, damals lebte er noch in Berlin, mit dem Thema und den Manipulationsmöglichkeiten auseinandergesetzt.

El Dib beschäftigte sich während dieser Zeit oft mit den Aufführungen der freien Theatergruppe »Theater Artaud«, unter anderem mit Stücken von Antonin Artaud und seinem »Theater der Grausamkeit«. Artauds Theater entsprach nicht den klassischen dramatischen Regeln, sondern das Theater war für Schauspieler und Publikum eine körperliche, emotionale und einmalige, eine ganz neue sinnliche Erfahrung. Im eigentlichen Sinne machte El Dib keine Theaterfotos, sondern nutzte die Theaterarbeit aus Ausgangspunkt für seine eigene Kunst.

Mit Artauds Werk bin ich wenig vertraut, aber es wird sicherlich auf El Dibs vorgestellte Bilder seinen Einfluss gehabt haben. Man kann sich vorstellen, wie er die zuvor gemachten Bilder in der Dunkelkammer begeistert bearbeitete: Körper sind nur angedeutet, oft hinter einem Schleier verborgen. Sie sind oft grobkörnig oder nur ausschnitthaft und schemenhaft dargestellt. Die Fotos wurden ›viel zu hell‹ oder ›zu dunkel‹ belichtet oder negativ (vom DIA) vergrößert. Die analogen Baryt-Abzüge wurden teilweise doppelt belichtet, wurden zerrissen und wieder (schief) zusammengesetzt.

Der Künstler griff gewaltsam in seine Motive ein, trotzdem sind es irgendwie leise Werke geworden. Bei Photographien (wie bei den meisten Werken der bildenden Kunst), hat der Rezipient es gerne, wenn er eine Geschichte um die Arbeiten angeboten bekommt (hier das Artaud Theater), am besten ist es aber, wenn die Werke selbst sprechen. In guten Kunstwerken steckt immer etwas Geheimnisvolles, das sich nicht in Worte fassen lässt. Und genau das ist bei den Artaud Mappen von Amin El Dib der Fall.

Amin El Dib, Im Schiff, 1989-1990, Silbergelatine Abzüge, © Amin El Dib
Amin El Dib, »Im Schiff«, 1989-1990, Silbergelatine Abzüge, © Amin El Dib

Zu Amin El Dib

Der 1961 in Kairo geborene, ab 1966 zuerst in Duisburg, seit 1983 in Berlin und inzwischen (seit 2003) in Ziefen in der Nähe von Basel lebende und arbeitende Amin El Dib ist mit seinen Werken in diversen öffentlichen Sammlungen vertreten. Seine Photographien waren in vielen Einzel- und Gruppenausstellungen im In- und Ausland zu sehen. Die Ausstellung in der Collection Regard, in der Steinstrasse 12 in 10119 Berlin-Mitte, läuft noch bis zum 31.03.2023.

Amin El Dib hat die jeweils zwei bis 21 Bilder in sieben Mappen, die den Titel der Artaud-Theater-Aufführungen tragen, zusammengestellt. Die Ausgangsbilder sind während der Proben und Aufführungen im Artaud-Theater entstanden, haben aber nichts mit einer Dokumentation der Aufführungen zu tun. Die Website von Amin El Dib gibt einen sehr guten Überblick über seine bisherigen Arbeiten. Passend zur Ausstellung ist der vorzüglich gestaltete Katalolg »Amin El Dib – Artaud Mappen« erschienen.

Über die Collection Regard

Die Collection Regard ist eine Fotografische Sammlung, die ihren Schwerpunkt auf Fotografie in Deutschland, insbesondere die Fotografie aus Berlin, legt. 2005 begann Marc Barbey seine Sammlung deutscher Schwarz-Weiß-Fotografie, die von den Anfängen der Fotografie bis in die 1990er Jahre reicht, auszubauen. Außerdem verwaltet er den Nachlass des Fotografen Hein Gorny (1904-1967).

Mit ihrem Wirken als Archiv, Ausstellungsort und Galerie nimmt die Collection Regard eine Position zwischen Museum und Galerie ein. Sie ist bestrebt, der interessierten Öffentlichkeit noch weitgehend unbekannte, wertvolle fotografische Werke zu zeigen, die Aufmerksamkeit verdienen. Einige Werke oder Editionen dieser Werke können in der Collection Regard erworben werden. Die produzierten Ausstellungen werden weiteren Institutionen angeboten, um diese Positionen einem breiteren Kunstmarkt vorzustellen.

Amin El Dib, Im Schiff, 1991-1992, Silbergelatine Abzüge, © Amin El Dib
Amin El Dib, »Cain 1«, 1991-1992, Silbergelatine Abzüge, © Amin El Dib

Unterirdischer Hydrant

Von Friedhelm Denkeler,

»S-Bahnhof Oranienburger Straße«, Berlin, aus dem Portfolio »Sonntagsbilder«, Foto © Friedhelm Denkeler 2003
»S-Bahnhof Oranienburger Straße«, Berlin, aus dem Portfolio »Sonntagsbilder«, Foto © Friedhelm Denkeler 2003

Anmerkungen zum Portfolio/ zur Kategorie »Sonntagsbilder»

Der Versuch einer Definition: Was ist eigentlich ein Sonntagsbild? Ein ›schönes‹ Bild (was auch immer das nun wieder heißen mag; es ist in Farbe; es passt in keine andere Kategorie; es gehört nicht zu einer Serie von Bildern, es ist ein Einzelbild. Aber es ist kein Sonntagsbild im Sinne der Sonntagsmalerei.

Am 26. Februar 2012 erschien in meinem Blog das erste Sonntagsbild. Und jeden Sonntag gab es ein neues – Ausnahmen bestätigten die Regel. Die Sonntagsbilder stammen aus dem Portfolio »Sonntagsbilder«, das ich 2005 abgeschlossen habe. Aber der Titel Sonntagsbild ist einfach ein zu schöner Titel. Unter dieser Prämisse führe ich die Kategorie »Sonntagsbilder« in meinem Blog bis auf weiteres mit Fotos aus meinem Archiv und mit neuen Aufnahmen weiter.

Morgennebel über dem Sorpe-See

Von Friedhelm Denkeler,

»Drei rote Boote im Morgennebel«, Sorpe-See, Sauerland, Foto © Friedhelm Denkeler 2014
»Drei rote Boote im Morgennebel«, Sorpe-See, Sauerland, Foto © Friedhelm Denkeler 2014

Die Sorpetalsperre liegt im Hochsauerlandkreis des Landes Nordrhein-Westfalen zwischen den Ortsteilen Langscheid und Amecke der Stadt Sundern. Rund 10 Kilometer südwestlich von Arnsberg staut sie das Wasser der Sorpe zum Sorpesee, dem tiefsten Stausee im Sauerland. Die drei roten Boote stehen für die heutigen vielfältigen Freizeitmöglichkeiten an der Sorpe.

Im Zweiten Weltkrieg war der Staudamm des Sorpesees in der Nacht vom 16. auf den 17. Mai 1943, ebenso wie die Staumauern der Eder- und der Möhnetalsperre, Ziel von allierten Bomber-Angriffen. Mit speziellen Rollbomben versuchte die britischen Royal Air Force den Staudamm zu zerstören. Im Gegensatz zu den Talsperrenmauern an Möhne und Eder hielt der Damm den Angriffen aber stand und wurde nur wenig beschädigt.

Berlin von hinten und von innen

Von Friedhelm Denkeler,

Ein neues Portfolio auf meiner Website LICHTBILDER: »Schwarzbuch – Im eigenen Auftrag«, 2021.

»Venus und Adonis von hintern«, Bode-Museum, Berlin, Foto © Friedhelm Denkeler 2018
»Venus und Adonis von hintern«, Bode-Museum, Berlin, Foto © Friedhelm Denkeler 2018

Wenn ein Photograph sich während seiner künstlerischen Laufbahn verpflichtet fühlt, seine eigene Vorstellung von ›guten‹ Bildern umzusetzen und aufgrund seiner Phantasie damit der Wirklichkeit in seinen Bildern seine eigene Persönlichkeit auferlegt, dann handelt er im eigenen Auftrag. Man kann ihn als ›Autorenfotograf‹ bezeichnen, der in diesem Fall ein Schwarzbuch nicht mit illegalen Vorgängen, sondern mit dunklen, fast schwarzen Bildern herausgibt.

Siehe hierzu auch der Artikel Wann handelt ein Photograph im eigenen Auftrag? Das gesamte Portfolio besteht aus 110 Photographien 30 x 45 cm. Auf meiner Website LICHTBILDER stehen 30 als Einzelbilder zur Ansicht bereit. Die Bilder sind zwischen 2008 und 2021 entstanden und 2021 als gedrucktes Künstlerbuch mit 120 Seiten im Format 30 x 21 erschienen. Weitere Informationen zu den Original-Prints und zum Künstlerbuch finden Sie auf meiner Website LICHTBILDER im Support.

»Innenleben mit Wolke«, Pariser Platz, Berlin, Foto © Friedhelm Denkeler 2015
»Innenleben mit Wolke«, Pariser Platz, Berlin, Foto © Friedhelm Denkeler 2015

Wie hässlich! Das muss ich fotografieren!

Von Friedhelm Denkeler,

Fotografieren heißt, sich das fotografische Objekt anzueignen

»Lückenschließung«, aus dem Portfolio »Bilder einer Ausstellung – Versuch einer Rekonstruktion«, zur Ausstellung »Michael Schmidt und Schüler» in der DGPh, Köln 1980
»Lückenschließung«, aus dem Portfolio »Bilder einer Ausstellung – Versuch einer Rekonstruktion«, zur Ausstellung »Michael Schmidt und Schüler» in der DGPh, Köln 1980

Niemand hat je durch Fotografien Hässlichkeit entdeckt. Schönheit dagegen haben schon viele durch Fotografien aufgespürt. Sieht man von jenen Situationen ab, in denen die Kamera dokumentieren oder gesellschaftliche Riten festhalten soll, so greifen die Menschen zur Kamera, um etwas Schönes auf den Film zu bannen. Nicht von ungefähr ließ sich William H. Fox Talbot die Fotografie im Jahr 1841 unter dem Namen Kalotypie – von dem griechischen kalos = schön  –  patentieren. Niemand ruft: »Wie hässlich! Das muss ich fotografieren«; und selbst wenn es jemand riefe, so meinte er damit nichts anderes als: »Ich finde dieses hässliche Ding … schön«. [Quelle: Susan Sontag: »Der Hedonismus des Sehens«]

Fotografien sammeln, heißt die Welt sammeln. Filme und Fernsehprogramme flimmern vor uns auf und verlöschen wieder; durch das Standfoto aber ist das Bild auch zum Objekt geworden, leichtgewichtet, preiswert zu produzieren, mühelos herumzutragen, zu sammeln, in großen Mengen zu stapeln. In Godards »Les Carabiniers» (1963) werden zwei arme Bauerntölpel in die königliche  Armee gelockt, indem man ihnen verspricht, sie könnten plündern, schänden, töten, dem Feind alles antun, was sie wollten und dabei reich werden.

Aber der Koffer voller Kriegsbeute, den Michelangelo und Odysseus Jahre später triumphierend zu ihren Frauen heimbringen, enthält, wie sich herausstellt, nichts als Hunderte von Ansichtskarten, die Denkmäler, Warenhäuser, Säugetiere, Naturwunder, Transportmittel, Kunstwerke und andere Sehenswürdigkeiten aus aller Herren Länder zeigen.

Godards Gag parodiert sehr drastisch die fragwürdige Magie des fotografischen Bildes. Fotografien sind die vielleicht geheimnisvollsten all der Objekte, welche die Umwelt, die wir als modern begreifen, ausmachen und gestalten. Fotografien sind tatsächlich eingefangene Erfahrung, und die Kamera ist das ideale Hilfsmittel, wenn unser Bewusstsein sich etwas aneignen will. [Quelle: Susan Sontag: »In Platons Höhle«]

Der freundliche Affe und der Fisch

Von Friedhelm Denkeler,

»Laß dir aus dem Wasser helfen oder du wirst ertrinken, sprach der freundliche Affe und setzte den Fisch sicher auf einen Baum«, Foto/Grafik © Friedhelm Denkeler 2005
»Laß dir aus dem Wasser helfen oder du wirst ertrinken, sprach der freundliche Affe und setzte den Fisch sicher auf einen Baum«, Foto/Grafik © Friedhelm Denkeler 2005

Im Schatten der Pinienwälder – Ostia Antica, die Hafenstadt des antiken Roms

Von Friedhelm Denkeler,

»Auf den Spuren des Römischen Reiches«. Ein Portfolio und Künstlerbuch über vierzehn römische Stadtgänge.

»Im Schatten der Pinienwälder – Ostia Antica, die Hafenstadt des antiken Roms«, aus dem Portfolio »Auf den Spuren des römischen Reiches«, Foto © Friedhelm 2011»Im Schatten der Pinienwälder – Ostia Antica, die Hafenstadt des antiken Roms«, aus dem Portfolio »Auf den Spuren des römischen Reiches«, Foto © Friedhelm 2011
»Im Schatten der Pinienwälder – Ostia Antica, die Hafenstadt des antiken Roms«, aus dem Portfolio »Auf den Spuren des römischen Reiches«, Foto © Friedhelm 2011

Rom Tag VII: »Im Schatten der Pinienwälder – Ostia Antica«

Einen Tagesausflug unternahmen wir mit der Vorortbahn in die antike Hafenstadt Ostia Antica an der Tibermündung. Der sengenden Sonne und den 30 Grad konnten wir im Schatten der Pinien entgehen und die nach Pompeji und Herkulaneum besterhaltene Ausgrabungsstätte einer römischen Siedlung ausgiebig erkunden. Völlig frei kann man zwischen den antiken Ruinen umherwandern, Gebäude mit mehreren Stockwerken besteigen, komplett erhaltene Mosaiken bewundern und das damalige Leben nachempfinden. Die meisten der noch heute erhaltenen öffentlichen und privaten Gebäude stammen vor allem aus dem 2. Jahrhundert n. Chr., der Zeit, in der die Stadt mit 50.000 Einwohnern ihre größte Blüte erlebte.

Tavernen, Bäder, Wohnungen, Geschäfte und Theater befinden sich in einem so guten Zustand, dass die Bezeichnung ‚Ruinen‘ eigentlich nicht zutreffend ist. Da die Tibermündung im Laufe der Jahrhunderte immer stärker verlandete, wurde die Stadt aufgegeben und erst 1920 an der neuen Mündung wieder aufgebaut. Krönender Abschluss des Tages war ein Abstecher zum Mittelmeer. Der Lido lag nur vier Bahnstationen entfernt.

Anmerkungen zum Porfolio »Auf den Spuren des Römischen Reiches«

Unsere sieben Tage in Rom im Jahr 2011 sind eine Reminiszenz an die sieben Hügel, auf denen Rom erbaut worden sein soll. Aber nach den ersten Tagen wurde deutlich, dass für das geplante Buch vierzehn Kapitel notwendig sind. Es geht bei den Photographien um die Stimmungen und die visuellen Eindrücke und weniger um die historischen Begebenheiten. Das Portfolio wird auf meiner Website LICHTBILDER ausführlicher mit den vierzehn Kapiteln der römischen Stadtgänge vorgestellt.

Die vierzehn Kapitel der römischen Stadtgänge im JOURNAL

»Im Schatten der Pinienwälder – Ostia Antica, die Hafenstadt des antiken Roms«, aus dem Portfolio »Auf den Spuren des römischen Reiches«, Foto © Friedhelm 2011
»Im Schatten der Pinienwälder – Ostia Antica, die Hafenstadt des antiken Roms«, aus dem Portfolio »Auf den Spuren des römischen Reiches«, Foto © Friedhelm 2011

Münchhausen oder: Freuds letzte Reise zum MI6

Von Friedhelm Denkeler,

Komödie am Kurfürstendamm im Schillertheater

»Münchhausen oder: Freuds letzte Reise», Komödie am Kurfürstendamm im Schillertheater, Foto © Friedhelm Denkeler 2022
»Münchhausen oder: Freuds letzte Reise», Komödie am Kurfürstendamm im Schillertheater, Foto © Friedhelm Denkeler 2022
»Münchhausen und der MI6», aus »Münchhausen oder: Freuds letzte Reise», Komödie am Kurfürstendamm im Schillertheater, Foto © Friedhelm Denkeler 2022
»Münchhausen und der MI6», Foto © Denkeler 2022

Hat der britische Geheimdienst MI6 ohne James Bond zurzeit nichts zu tun? Oder warum entführt er ausgerechnet keinen Geringeren als Sigmund Freud?

Freud soll den Deutschen Baron Münchhausen analysieren, der mit einem Heißluftballon auf dem Dach des Buckingham-Palasts gelandet ist. Schließlich hat das Königreich Freud nach seiner Flucht vor den Nazis aus Wien 1939 großzügig Asyl gewährt.

Münchhausen behauptet felsenfest, direkt vom Erdbeerpflücken auf dem Mond zu kommen. Anfangs scheitert Freud mit seiner Analyse, doch dann entdeckt er Tatsachen und Fakten in den Märchen des Barons.

Er fragt nach und die beiden völlig unterschiedlichen Charaktere beginnen, sich näher zu kommen, während Realität und Fiktion verschwimmen. Wie wahr, wenn man sieht was gegenwärtig so passiert …

Die Lüge ist ein Schutzmechanismus. Wenn die Welt da draußen zu unerträglich geworden ist, legt man sich seine eigene Wahrheit zurecht. Fakten interessieren nicht mehr. Das ist schön einfach, das gibt einem Sicherheit [Freud auf der Bühne]

Good Morning, California

Von Friedhelm Denkeler,

1964 – The Rivieras: »California Sun«. »Good Morning, Vietnam« mit Robin Williams und den Rivieras.

Im Jahr 1965 kam der AFN-Diskjockey der Air Force, Adrian Cronauer (*1938), von Kreta nach Saigon zum dortigen amerikanischen Soldatensender. Mit seinen lockeren Sprüchen sollte er mehr Schwung in die morgendlichen Sendungen bringen und die Moral der US-Truppen stärken. Seine Erlebnisse verarbeitete er in einem Film-Drehbuch, aus dem der Anti-Kriegs-Film »Good Morning, Vietnam« (1987), von Barry Levinson entstand. Die Hauptrolle erhielt Robin Williams als Adrian Cronauer, der in dem Film mit überschäumender Komik agiert und gleichzeitig ernste Szenen mit Bravur meistert.

Single The Rivieras: »Let's Have A Party«, 1964
Single The Rivieras: »Let’s Have A Party«, 1964

Der Film steht auf einer Ebene mit den bekannten Filmen über den Vietnam-Krieg, wie Apocalypse Now, Platoon und Full Metal Jacket. Allerdings stellt er weniger das Kampfgeschehen in den Mittelpunkt, sondern die GIs und die damalige Zivilbevölkerung von Saigon. Vielleicht kann man von einer Komödie mit nachdenklich stimmenden Szenen sprechen. Der Film will nicht dokumentarisch wirken, aber wie Cronauer sagte, stimmen die Fakten an die 50%.

Ein wichtiger Teil des Films ist natürlich der Soundtrack – Cronauer brachte schließlich den Rock ’n‘ Roll nach Vietnam. Einige der authentischen Songs aus dem Jahr 1965 möchte ich aufzählen: Them »Baby Please Don’t Go«, The Beach Boys »Don’t Worry Baby« und »I Get Around«, The Marvelettes »Danger, Heartbreak Dead Ahead«, James Brown »I Got You (I Feel Good)«, Wilson Pickett «In the Midnight Hour« und The Searchers »Sugar and Spice«. Während die Ballade von Louis Armstrong »What a Wonderful World« lief, waren im Film lautlos Bombenexplosionen und Kriegshandlungen zu sehen.

Cover der Single The Rivieras: »Let's Have A Party«, 1964
Cover der Single The Rivieras: »Let’s Have A Party«, 1964

Zum Ende des Films war noch einer meiner Lieblingssong aus dem Jahr 1964, »California Sun« von den Rivieras, zu hören. Die Band wurde Anfang der 1960er Jahre in Indiana (USA) gegründet. Ihr Song »California Sun« war in den Staaten ein großer Erfolg und erreichte Platz 5 der US-Charts. In Deutschland kam er immerhin bis auf Platz 15 der Single-Charts. Mein erster Favorit der Gruppe war zugleich meine erste angeschaffte Single »Let’s Have a Party«, ebenfalls aus dem Jahr 1964. Von beiden Liedern gibt es diverse Cover-Versionen (Ramones, Beach Boys, Frankie Avalon, Shondells, etc.). Die Band trennte sich bereits 1966, von den Bandmitgliedern war nie wieder etwas zu hören.

Songtext – The Rivieras: »California Sun

Well, I'm goin' out west where I belong
Where the days are short and the nights are long
Where they walk and I'll walk
They twist and I'll twist
They shimmy and I'll shimmy
They fly and I'll fly
Well, they're out there a-havin' fun
In that warm California sun
Well, I'm goin' out west out on the coast
Where the California girls are really the most
Where they walk and I'll walk
They twist and I'll twist
They shimmy and I'll shimmy
They fly and I'll fly
Well, they're out there a-havin' fun
In that warm California sun
Well, the girls are frisky in old 'Frisco
A pretty little chick wherever you go
And they'll walk and I'll walk
They'll twist and I'll twist
They'll shimmy and I'll shimmy
They'll fly and I'll fly
Well, they're out there a-havin' fun
In that warm California sun
California sun

Anmerkung zur Kategorie »Siebzig Jahre – Siebzig Songs»

In dieser Kategorie finden Sie Beiträge zu Songs und ihren Interpreten aus 70 Jahren Rock- und Pop-Geschichte 1946 bis 2016. In der Regel werden pro Jahr ein Song, manchmal auch mehrere, vorgestellt. Alle im Text erwähnten Songs sind als Video oder Audio auf den bekannten Musik-Portalen wie YouTube, Vimeo, etc. zu finden. In einer Tabelle habe ich die Songs auf die entsprechenden Videos/Audios verlinkt. Die Serie befindet sich zur Zeit im Aufbau und wird nach und nach vervollständigt. Jeder Artikel ist ein Auszug aus meinem für 2024 geplanten Künstlerbuch »Siebzig Jahre – Siebzig Songs«.

Manchmal hilft umdrehen

Von Friedhelm Denkeler,

»Manchmal liegt das Ziel vor einem, wenn man sich umdreht«, Dieter Hallervorden, Foto/Grafik © Friedhelm Denkeler 2004
»Manchmal liegt das Ziel vor einem, wenn man sich umdreht«, Dieter Hallervorden, Foto/Grafik © Friedhelm Denkeler 2004

Kripoes geballte Fäuste

Von Friedhelm Denkeler,

Alles fing 1986 mit den Spray-Bananen an, die der Kölner Künstler Thomas Baumgärtel in Berlin verteilte und zwar nicht willkürlich, sondern mit System als besondere Auszeichnung für Galerien und Kultureinrichtungen. Kunstinsider kennen deren mittlerweile international gewordene Bedeutung. Seit Jahren sieht man in Berlin nun auch die gelben Fäuste, ein Zeichen für Rebellion und Anarchie, deren Platzierung oft so hoch ist angebracht ist, dass man sich wundert, wie der Sprayer dort hingekommen ist.

»Kripoes geballte Fäuste«, Gewerbehof, Planckstraße, Berlin, Foto © Friedhelm Denkeler 2013
»Kripoes geballte Fäuste«, Gewerbehof, Planckstraße, Berlin, Foto © Friedhelm Denkeler 2013

Der Streetart-Sprayer nennt sich Kripoe (von der früheren CBS-Crew), mehr ist über den Künstler im Netz nicht in Erfahrung zu bringen. Ein Arm, eine Hand, fünf Finger – dieses Motiv taucht in Mitte, an den Bahnhöfen, den Bahnanlagen und den Häusern der Umgebung hauptsächlich auf, aber immer in unterschiedlicher Ausdrucksweise. Mal erscheint die gelbe Faust drohend, mal mahnend oder auch einladend. Das sollte jeder selbst interpretieren.

Kripoe sprayt aber nicht nur sein Markenzeichen, die gelben Fäuste an, sondern auch seine blauen oder roten Rollschuhe sind bekannt, manchmal zusätzlich mit Text versehen.

Cirruswolken über dem Lac de Neuchâtel

Von Friedhelm Denkeler,

»Cirruswolken über dem Lac de Neuchâtel«, Neuchâtel, Schweiz, Foto © Friedhelm Denkeler 2014
»Cirruswolken über dem Lac de Neuchâtel«, Neuchâtel, Schweiz, Foto © Friedhelm Denkeler 2014

Die Blaue Stunde an der Seebrücke in Binz

Von Friedhelm Denkeler,

»Die Blaue Stunde an der Seebrücke«, Binz, Rügen, Ostsee, Foto © Friedhelm Denkeler 2012
»Die Blaue Stunde an der Seebrücke«, Binz, Rügen, Ostsee, Foto © Friedhelm Denkeler 2012

Im Jahr 1902 wird eine 560 Meter lange Seebrücke aus Holz im Ostseebad Binz auf der Insel Rügen gebaut und drei Jahre später durch eine Sturmflut zerstört. Eine neue Brücke wird gebaut und 1942 durch gewaltige Eismassen erneut schwer beschädigt. Nach 52 Jahren ohne Brücke, gibt es seit Mai 1994 wieder eine Seebrücke in einer Länge von 370 Metern und sie steht noch immer.

Minimalismus

Von Friedhelm Denkeler,

»Minimalismus«, Ständige Vertretung (StäV) am Schiffbauerdamm, aus der Serie »Berliner Stadtgänge«, Foto © Friedhelm Denkeler 2020
»Minimalismus«, Ständige Vertretung (StäV) am Schiffbauerdamm, aus der Serie »Berliner Stadtgänge«, Foto © Friedhelm Denkeler 2020

You Can’t Always Get What You Want?

Von Friedhelm Denkeler,

1964 – The Rolling Stones: »Mona«. Sechzig Jahre »The Rolling Stones«. Willst du ein Beatle oder ein Rolling Stone sein?

Cover: Rolling Stones: »Rolling Stones (Nr.1)«, 16. April 1964
Cover: Rolling Stones: »Rolling Stones (Nr.1)«, 16. April 1964

Der große ›Philosoph‹ Mick Jagger meint zwar »Man kann nicht immer alles bekommen, was man will«, aber mit seiner Band The Rolling Stones hat er 2022 alles erreicht, was eine Rockband erreichen kann: Die Band stand sechzig Jahre nach ihrer Gründung auf der Berliner Waldbühne und feierte als »dienstälteste Rockband der Welt» ihr Abschlusskonzert der Deutschland-Tournee. Das Konzert war bei Kartenpreisen von 238 bis 600 Euro (sic!) ausverkauft.

Das Jubiläum nehme ich zum Anlass, um auf meine persönlichen Highlights, auf die schönsten Songs der Stones seit 1964 zurückzublicken. Den Anfang macht ihr erstes Studioalbum, das am 16. April 1964 in Deutschland und Großbritannien unter dem Titel »The Rolling Stones« veröffentlicht wurde.

Die bekanntesten Songs dieser LP sind (Get Your Kicks On) Route 66, Carol (geschrieben von Chuck Berry), Tell Me (You’re Coming Back) (dies ist der erste Titel bei dem als Komponisten Jagger/Richards angegeben sind), Little by Little (Phelge/Spector) und Mona (I Need You Baby).

Der Track Mona ist eine wundervolle Blues-Aufnahme mit Live-Atmosphäre aus dem Studio. Er entstand als fünf weiße Jungs sich den Rhythm & Blues der Schwarzen zum Vorbild nahmen und damit die Jugend in den Beatschuppen zum Tanzen brachte.

1964 bestand die Band aus Mick Jagger (Gesang, Harmonika), Keith Richards (E-Gitarre, akustische Gitarre), Charlie Watts (Schlagzeug), Brian Jones (E-Gitarre, Harmonika, Tamburin) und Bill Wyman (E-Bass). Für ihr erstes Album waren zusätzlich Gene Pitney (Klavier), Phil Spector (Gitarre) und Ian Stewart (Orgel, Klavier) mit dabei. Die Debüt-LP wurde von Andrew Loog Oldham produziert und ist bei Decca Records erschienen.

In Großbritannien erreichte das Album, das in Europa nur in Mono erhältlich war, Platz 1 der Charts (in Deutschland kam die LP bis auf Platz 2). Auf der Vorderseite des LP-Covers sind nur die fünf Bandmitglieder in Farbe abgebildet zu sehen, sonst nichts. Weder der Name der Band noch der Album-Titel wurden angegeben. Für die damalige Zeit eine äußerst ungewöhnliche Design-Idee, heute würde man sagen innovativ. Der Bandmanager Andrew Loog Oldham war von der Zukunft der Band überzeugt. Am liebsten hätte er sicher noch das Decca-Label entfernen lassen.

Auf der Rückseite des Covers, ganz in schwarz-weiß gehalten, finden sich fünf kleine Porträts der Bandmitglieder, fotografiert von David Bailey und die Titelliste. Die USA-Version erschien wenig später unter Titel England’s Newest Hit Makers The Rolling Stones in einer sogenannten reprocessed stereo-Version. Außerdem wurde ausgerechnet Mona durch den Song Not Fade Away (Norman Petty/Buddy Holly) ersetzt.

Der Sommer 1964 war auch das Jahr, in dem die ersten Piratenschiffe aus der Nordsee sendeten. Hauptsächlich erinnere ich mich an Radio Caroline. Der erste Titel, den sie sendeten, soll »Not Fade Away« von den Rolling Stones gewesen sein. In diesem Sommer mussten wir Teenager eine wichtige Frage beantworten, eine Frage des Charakters: Willst du ein Beatle oder ein Rolling Stone sein? Die Beantwortung zog sich noch einige Jahre hin. 1970 erwarb ich mein erstes Album der The Rolling Stones aus dem Jahr 1964.

Everything went young in 1964 [Andy Warhol, »Popism«]

Die Geschichte der Rolling Stones ist die Erfolgsgeschichte der Popkultur [Georg Diez, » Rolling Stone«]

Wir machen aus euch genau das Gegenteil dieser netten, sauberen ordentlichen Beatles. Und je mehr die Eltern euch hassen, desto mehr werden euch die Kids lieben. Wartet nur ab. [Andrew Loog Oldham]

Songtext – The Rolling Stones: »Mona«

I say hey, Mona
Oh, Mona
I say yeah, yeah, yeah, yeah, Mona
Oh, Mona

I tell you Mona what I wanna do
I'll build a house next door to you
Can I see you sometimes?
We can blow kisses through the blinds
Yeah can I out come out on the front
And listen to my heart go bumpety bump
I need you baby that's no lie
Without your love I'd surely die
I say hey, Mona
Oh, Mona
I say yeah, yeah, yeah, yeah, Mona
Oh, Mona
I say yeah, yeah, yeah, yeah, Mona
Oh, Mona

I tell you Mona what I wanna do
I'm gonna build a house next door to you
Can I see you sometime?
We can blow kisses through the blinds
Yeah can I out come out on the front
And listen to my heart go bumpety bump
I need you baby that's no lie
Without your love I'd surely die

I say hey, hey Mona
Oh, Mona
I say yeah, yeah, yeah, yeah, Mona
Oh, Mona

Anmerkung zur Kategorie »Siebzig Jahre – Siebzig Songs»

In dieser Kategorie finden Sie Beiträge zu Songs und ihren Interpreten aus 70 Jahren Rock- und Pop-Geschichte 1946 bis 2016. In der Regel werden pro Jahr ein Song, manchmal auch mehrere, vorgestellt. Alle im Text erwähnten Songs sind als Video oder Audio auf den bekannten Musik-Portalen wie YouTube, Vimeo, etc. zu finden. In einer Tabelle habe ich die Songs auf die entsprechenden Videos/Audios verlinkt. Die Serie befindet sich zur Zeit im Aufbau und wird nach und nach vervollständigt. Jeder Artikel ist ein Auszug aus meinem für 2024 geplanten Künstlerbuch »Siebzig Jahre – Siebzig Songs«.