Geheimnisvolles und Rätselhaftes in der »Collection Regard« – Die »Artaud Mappen« von Amin El Dib

Von Friedhelm Denkeler,

Der Betrachter muss das Geheimnis der Bilder selbst entschlüsseln, aber …

Amin El Dib vor seiner Arbeit Jericho«, 1989-1992, in der »Collection Regard«, Berlin-Mitte, Foto © Friedhelm Denkeler 2022
Amin El Dib vor seiner Arbeit »Jericho«, 1989-1992, in der »Collection Regard«, Berlin-Mitte, Foto © Friedhelm Denkeler 2022

… im gestrigen Salon Photographique in der »Collection Regard« mit Amin El Dib und Rüdiger Schaper, vom Kulturressort des Tagesspiegels, konnten einige der Rätsel gelöst werden. Heutzutage können sicherlich viele Menschen mit der analogen Dunkelkammer wenig anfangen, insbesondere mit dem Übergang vom negativen Bild zum positiven Papierabzug. Amin El Dib hat sich in den 1980er Jahren, damals lebte er noch in Berlin, mit dem Thema und den Manipulationsmöglichkeiten auseinandergesetzt.

El Dib beschäftigte sich während dieser Zeit oft mit den Aufführungen der freien Theatergruppe »Theater Artaud«, unter anderem mit Stücken von Antonin Artaud und seinem »Theater der Grausamkeit«. Artauds Theater entsprach nicht den klassischen dramatischen Regeln, sondern das Theater war für Schauspieler und Publikum eine körperliche, emotionale und einmalige, eine ganz neue sinnliche Erfahrung. Im eigentlichen Sinne machte El Dib keine Theaterfotos, sondern nutzte die Theaterarbeit aus Ausgangspunkt für seine eigene Kunst.

Mit Artauds Werk bin ich wenig vertraut, aber es wird sicherlich auf El Dibs vorgestellte Bilder seinen Einfluss gehabt haben. Man kann sich vorstellen, wie er die zuvor gemachten Bilder in der Dunkelkammer begeistert bearbeitete: Körper sind nur angedeutet, oft hinter einem Schleier verborgen. Sie sind oft grobkörnig oder nur ausschnitthaft und schemenhaft dargestellt. Die Fotos wurden ›viel zu hell‹ oder ›zu dunkel‹ belichtet oder negativ (vom DIA) vergrößert. Die analogen Baryt-Abzüge wurden teilweise doppelt belichtet, wurden zerrissen und wieder (schief) zusammengesetzt.

Der Künstler griff gewaltsam in seine Motive ein, trotzdem sind es irgendwie leise Werke geworden. Bei Photographien (wie bei den meisten Werken der bildenden Kunst), hat der Rezipient es gerne, wenn er eine Geschichte um die Arbeiten angeboten bekommt (hier das Artaud Theater), am besten ist es aber, wenn die Werke selbst sprechen. In guten Kunstwerken steckt immer etwas Geheimnisvolles, das sich nicht in Worte fassen lässt. Und genau das ist bei den Artaud Mappen von Amin El Dib der Fall.

Amin El Dib, Im Schiff, 1989-1990, Silbergelatine Abzüge, © Amin El Dib
Amin El Dib, »Im Schiff«, 1989-1990, Silbergelatine Abzüge, © Amin El Dib

Zu Amin El Dib

Der 1961 in Kairo geborene, ab 1966 zuerst in Duisburg, seit 1983 in Berlin und inzwischen (seit 2003) in Ziefen in der Nähe von Basel lebende und arbeitende Amin El Dib ist mit seinen Werken in diversen öffentlichen Sammlungen vertreten. Seine Photographien waren in vielen Einzel- und Gruppenausstellungen im In- und Ausland zu sehen. Die Ausstellung in der Collection Regard, in der Steinstrasse 12 in 10119 Berlin-Mitte, läuft noch bis zum 31.03.2023.

Amin El Dib hat die jeweils zwei bis 21 Bilder in sieben Mappen, die den Titel der Artaud-Theater-Aufführungen tragen, zusammengestellt. Die Ausgangsbilder sind während der Proben und Aufführungen im Artaud-Theater entstanden, haben aber nichts mit einer Dokumentation der Aufführungen zu tun. Die Website von Amin El Dib gibt einen sehr guten Überblick über seine bisherigen Arbeiten. Passend zur Ausstellung ist der vorzüglich gestaltete Katalolg »Amin El Dib – Artaud Mappen« erschienen.

Über die Collection Regard

Die Collection Regard ist eine Fotografische Sammlung, die ihren Schwerpunkt auf Fotografie in Deutschland, insbesondere die Fotografie aus Berlin, legt. 2005 begann Marc Barbey seine Sammlung deutscher Schwarz-Weiß-Fotografie, die von den Anfängen der Fotografie bis in die 1990er Jahre reicht, auszubauen. Außerdem verwaltet er den Nachlass des Fotografen Hein Gorny (1904-1967).

Mit ihrem Wirken als Archiv, Ausstellungsort und Galerie nimmt die Collection Regard eine Position zwischen Museum und Galerie ein. Sie ist bestrebt, der interessierten Öffentlichkeit noch weitgehend unbekannte, wertvolle fotografische Werke zu zeigen, die Aufmerksamkeit verdienen. Einige Werke oder Editionen dieser Werke können in der Collection Regard erworben werden. Die produzierten Ausstellungen werden weiteren Institutionen angeboten, um diese Positionen einem breiteren Kunstmarkt vorzustellen.

Amin El Dib, Im Schiff, 1991-1992, Silbergelatine Abzüge, © Amin El Dib
Amin El Dib, »Cain 1«, 1991-1992, Silbergelatine Abzüge, © Amin El Dib

Unterirdischer Hydrant

Von Friedhelm Denkeler,

»S-Bahnhof Oranienburger Straße«, Berlin, aus dem Portfolio »Sonntagsbilder«, Foto © Friedhelm Denkeler 2003
»S-Bahnhof Oranienburger Straße«, Berlin, aus dem Portfolio »Sonntagsbilder«, Foto © Friedhelm Denkeler 2003

Anmerkungen zum Portfolio/ zur Kategorie »Sonntagsbilder»

Der Versuch einer Definition: Was ist eigentlich ein Sonntagsbild? Ein ›schönes‹ Bild (was auch immer das nun wieder heißen mag; es ist in Farbe; es passt in keine andere Kategorie; es gehört nicht zu einer Serie von Bildern, es ist ein Einzelbild. Aber es ist kein Sonntagsbild im Sinne der Sonntagsmalerei.

Am 26. Februar 2012 erschien in meinem Blog das erste Sonntagsbild. Und jeden Sonntag gab es ein neues – Ausnahmen bestätigten die Regel. Die Sonntagsbilder stammen aus dem Portfolio »Sonntagsbilder«, das ich 2005 abgeschlossen habe. Aber der Titel Sonntagsbild ist einfach ein zu schöner Titel. Unter dieser Prämisse führe ich die Kategorie »Sonntagsbilder« in meinem Blog bis auf weiteres mit Fotos aus meinem Archiv und mit neuen Aufnahmen weiter.

Morgennebel über dem Sorpe-See

Von Friedhelm Denkeler,

»Drei rote Boote im Morgennebel«, Sorpe-See, Sauerland, Foto © Friedhelm Denkeler 2014
»Drei rote Boote im Morgennebel«, Sorpe-See, Sauerland, Foto © Friedhelm Denkeler 2014

Die Sorpetalsperre liegt im Hochsauerlandkreis des Landes Nordrhein-Westfalen zwischen den Ortsteilen Langscheid und Amecke der Stadt Sundern. Rund 10 Kilometer südwestlich von Arnsberg staut sie das Wasser der Sorpe zum Sorpesee, dem tiefsten Stausee im Sauerland. Die drei roten Boote stehen für die heutigen vielfältigen Freizeitmöglichkeiten an der Sorpe.

Im Zweiten Weltkrieg war der Staudamm des Sorpesees in der Nacht vom 16. auf den 17. Mai 1943, ebenso wie die Staumauern der Eder- und der Möhnetalsperre, Ziel von allierten Bomber-Angriffen. Mit speziellen Rollbomben versuchte die britischen Royal Air Force den Staudamm zu zerstören. Im Gegensatz zu den Talsperrenmauern an Möhne und Eder hielt der Damm den Angriffen aber stand und wurde nur wenig beschädigt.

Berlin von hinten und von innen

Von Friedhelm Denkeler,

Ein neues Portfolio auf meiner Website LICHTBILDER: »Schwarzbuch – Im eigenen Auftrag«, 2021.

»Venus und Adonis von hintern«, Bode-Museum, Berlin, Foto © Friedhelm Denkeler 2018
»Venus und Adonis von hintern«, Bode-Museum, Berlin, Foto © Friedhelm Denkeler 2018

Wenn ein Photograph sich während seiner künstlerischen Laufbahn verpflichtet fühlt, seine eigene Vorstellung von ›guten‹ Bildern umzusetzen und aufgrund seiner Phantasie damit der Wirklichkeit in seinen Bildern seine eigene Persönlichkeit auferlegt, dann handelt er im eigenen Auftrag. Man kann ihn als ›Autorenfotograf‹ bezeichnen, der in diesem Fall ein Schwarzbuch nicht mit illegalen Vorgängen, sondern mit dunklen, fast schwarzen Bildern herausgibt.

Siehe hierzu auch der Artikel Wann handelt ein Photograph im eigenen Auftrag? Das gesamte Portfolio besteht aus 110 Photographien 30 x 45 cm. Auf meiner Website LICHTBILDER stehen 30 als Einzelbilder zur Ansicht bereit. Die Bilder sind zwischen 2008 und 2021 entstanden und 2021 als gedrucktes Künstlerbuch mit 120 Seiten im Format 30 x 21 erschienen. Weitere Informationen zu den Original-Prints und zum Künstlerbuch finden Sie auf meiner Website LICHTBILDER im Support.

»Innenleben mit Wolke«, Pariser Platz, Berlin, Foto © Friedhelm Denkeler 2015
»Innenleben mit Wolke«, Pariser Platz, Berlin, Foto © Friedhelm Denkeler 2015

Wie hässlich! Das muss ich fotografieren!

Von Friedhelm Denkeler,

Fotografieren heißt, sich das fotografische Objekt anzueignen

»Lückenschließung«, aus dem Portfolio »Bilder einer Ausstellung – Versuch einer Rekonstruktion«, zur Ausstellung »Michael Schmidt und Schüler» in der DGPh, Köln 1980
»Lückenschließung«, aus dem Portfolio »Bilder einer Ausstellung – Versuch einer Rekonstruktion«, zur Ausstellung »Michael Schmidt und Schüler» in der DGPh, Köln 1980

Niemand hat je durch Fotografien Hässlichkeit entdeckt. Schönheit dagegen haben schon viele durch Fotografien aufgespürt. Sieht man von jenen Situationen ab, in denen die Kamera dokumentieren oder gesellschaftliche Riten festhalten soll, so greifen die Menschen zur Kamera, um etwas Schönes auf den Film zu bannen. Nicht von ungefähr ließ sich William H. Fox Talbot die Fotografie im Jahr 1841 unter dem Namen Kalotypie – von dem griechischen kalos = schön  –  patentieren. Niemand ruft: »Wie hässlich! Das muss ich fotografieren«; und selbst wenn es jemand riefe, so meinte er damit nichts anderes als: »Ich finde dieses hässliche Ding … schön«. [Quelle: Susan Sontag: »Der Hedonismus des Sehens«]

Fotografien sammeln, heißt die Welt sammeln. Filme und Fernsehprogramme flimmern vor uns auf und verlöschen wieder; durch das Standfoto aber ist das Bild auch zum Objekt geworden, leichtgewichtet, preiswert zu produzieren, mühelos herumzutragen, zu sammeln, in großen Mengen zu stapeln. In Godards »Les Carabiniers» (1963) werden zwei arme Bauerntölpel in die königliche  Armee gelockt, indem man ihnen verspricht, sie könnten plündern, schänden, töten, dem Feind alles antun, was sie wollten und dabei reich werden.

Aber der Koffer voller Kriegsbeute, den Michelangelo und Odysseus Jahre später triumphierend zu ihren Frauen heimbringen, enthält, wie sich herausstellt, nichts als Hunderte von Ansichtskarten, die Denkmäler, Warenhäuser, Säugetiere, Naturwunder, Transportmittel, Kunstwerke und andere Sehenswürdigkeiten aus aller Herren Länder zeigen.

Godards Gag parodiert sehr drastisch die fragwürdige Magie des fotografischen Bildes. Fotografien sind die vielleicht geheimnisvollsten all der Objekte, welche die Umwelt, die wir als modern begreifen, ausmachen und gestalten. Fotografien sind tatsächlich eingefangene Erfahrung, und die Kamera ist das ideale Hilfsmittel, wenn unser Bewusstsein sich etwas aneignen will. [Quelle: Susan Sontag: »In Platons Höhle«]

Der freundliche Affe und der Fisch

Von Friedhelm Denkeler,

»Laß dir aus dem Wasser helfen oder du wirst ertrinken, sprach der freundliche Affe und setzte den Fisch sicher auf einen Baum«, Foto/Grafik © Friedhelm Denkeler 2005
»Laß dir aus dem Wasser helfen oder du wirst ertrinken, sprach der freundliche Affe und setzte den Fisch sicher auf einen Baum«, Foto/Grafik © Friedhelm Denkeler 2005

Im Schatten der Pinienwälder – Ostia Antica, die Hafenstadt des antiken Roms

Von Friedhelm Denkeler,

»Auf den Spuren des Römischen Reiches«. Ein Portfolio und Künstlerbuch über vierzehn römische Stadtgänge.

»Im Schatten der Pinienwälder – Ostia Antica, die Hafenstadt des antiken Roms«, aus dem Portfolio »Auf den Spuren des römischen Reiches«, Foto © Friedhelm 2011»Im Schatten der Pinienwälder – Ostia Antica, die Hafenstadt des antiken Roms«, aus dem Portfolio »Auf den Spuren des römischen Reiches«, Foto © Friedhelm 2011
»Im Schatten der Pinienwälder – Ostia Antica, die Hafenstadt des antiken Roms«, aus dem Portfolio »Auf den Spuren des römischen Reiches«, Foto © Friedhelm 2011

Rom Tag VII: »Im Schatten der Pinienwälder – Ostia Antica«

Einen Tagesausflug unternahmen wir mit der Vorortbahn in die antike Hafenstadt Ostia Antica an der Tibermündung. Der sengenden Sonne und den 30 Grad konnten wir im Schatten der Pinien entgehen und die nach Pompeji und Herkulaneum besterhaltene Ausgrabungsstätte einer römischen Siedlung ausgiebig erkunden. Völlig frei kann man zwischen den antiken Ruinen umherwandern, Gebäude mit mehreren Stockwerken besteigen, komplett erhaltene Mosaiken bewundern und das damalige Leben nachempfinden. Die meisten der noch heute erhaltenen öffentlichen und privaten Gebäude stammen vor allem aus dem 2. Jahrhundert n. Chr., der Zeit, in der die Stadt mit 50.000 Einwohnern ihre größte Blüte erlebte.

Tavernen, Bäder, Wohnungen, Geschäfte und Theater befinden sich in einem so guten Zustand, dass die Bezeichnung ‚Ruinen‘ eigentlich nicht zutreffend ist. Da die Tibermündung im Laufe der Jahrhunderte immer stärker verlandete, wurde die Stadt aufgegeben und erst 1920 an der neuen Mündung wieder aufgebaut. Krönender Abschluss des Tages war ein Abstecher zum Mittelmeer. Der Lido lag nur vier Bahnstationen entfernt.

Anmerkungen zum Porfolio »Auf den Spuren des Römischen Reiches«

Unsere sieben Tage in Rom im Jahr 2011 sind eine Reminiszenz an die sieben Hügel, auf denen Rom erbaut worden sein soll. Aber nach den ersten Tagen wurde deutlich, dass für das geplante Buch vierzehn Kapitel notwendig sind. Es geht bei den Photographien um die Stimmungen und die visuellen Eindrücke und weniger um die historischen Begebenheiten. Das Portfolio wird auf meiner Website LICHTBILDER ausführlicher mit den vierzehn Kapiteln der römischen Stadtgänge vorgestellt.

Die vierzehn Kapitel der römischen Stadtgänge im JOURNAL

»Im Schatten der Pinienwälder – Ostia Antica, die Hafenstadt des antiken Roms«, aus dem Portfolio »Auf den Spuren des römischen Reiches«, Foto © Friedhelm 2011
»Im Schatten der Pinienwälder – Ostia Antica, die Hafenstadt des antiken Roms«, aus dem Portfolio »Auf den Spuren des römischen Reiches«, Foto © Friedhelm 2011

Münchhausen oder: Freuds letzte Reise zum MI6

Von Friedhelm Denkeler,

Komödie am Kurfürstendamm im Schillertheater

»Münchhausen oder: Freuds letzte Reise», Komödie am Kurfürstendamm im Schillertheater, Foto © Friedhelm Denkeler 2022
»Münchhausen oder: Freuds letzte Reise», Komödie am Kurfürstendamm im Schillertheater, Foto © Friedhelm Denkeler 2022
»Münchhausen und der MI6», aus »Münchhausen oder: Freuds letzte Reise», Komödie am Kurfürstendamm im Schillertheater, Foto © Friedhelm Denkeler 2022
»Münchhausen und der MI6», Foto © Denkeler 2022

Hat der britische Geheimdienst MI6 ohne James Bond zurzeit nichts zu tun? Oder warum entführt er ausgerechnet keinen Geringeren als Sigmund Freud?

Freud soll den Deutschen Baron Münchhausen analysieren, der mit einem Heißluftballon auf dem Dach des Buckingham-Palasts gelandet ist. Schließlich hat das Königreich Freud nach seiner Flucht vor den Nazis aus Wien 1939 großzügig Asyl gewährt.

Münchhausen behauptet felsenfest, direkt vom Erdbeerpflücken auf dem Mond zu kommen. Anfangs scheitert Freud mit seiner Analyse, doch dann entdeckt er Tatsachen und Fakten in den Märchen des Barons.

Er fragt nach und die beiden völlig unterschiedlichen Charaktere beginnen, sich näher zu kommen, während Realität und Fiktion verschwimmen. Wie wahr, wenn man sieht was gegenwärtig so passiert …

Die Lüge ist ein Schutzmechanismus. Wenn die Welt da draußen zu unerträglich geworden ist, legt man sich seine eigene Wahrheit zurecht. Fakten interessieren nicht mehr. Das ist schön einfach, das gibt einem Sicherheit [Freud auf der Bühne]

Good Morning, California

Von Friedhelm Denkeler,

1964 – The Rivieras: »California Sun«. »Good Morning, Vietnam« mit Robin Williams und den Rivieras.

Im Jahr 1965 kam der AFN-Diskjockey der Air Force, Adrian Cronauer (*1938), von Kreta nach Saigon zum dortigen amerikanischen Soldatensender. Mit seinen lockeren Sprüchen sollte er mehr Schwung in die morgendlichen Sendungen bringen und die Moral der US-Truppen stärken. Seine Erlebnisse verarbeitete er in einem Film-Drehbuch, aus dem der Anti-Kriegs-Film »Good Morning, Vietnam« (1987), von Barry Levinson entstand. Die Hauptrolle erhielt Robin Williams als Adrian Cronauer, der in dem Film mit überschäumender Komik agiert und gleichzeitig ernste Szenen mit Bravur meistert.

Single The Rivieras: »Let's Have A Party«, 1964
Single The Rivieras: »Let’s Have A Party«, 1964

Der Film steht auf einer Ebene mit den bekannten Filmen über den Vietnam-Krieg, wie Apocalypse Now, Platoon und Full Metal Jacket. Allerdings stellt er weniger das Kampfgeschehen in den Mittelpunkt, sondern die GIs und die damalige Zivilbevölkerung von Saigon. Vielleicht kann man von einer Komödie mit nachdenklich stimmenden Szenen sprechen. Der Film will nicht dokumentarisch wirken, aber wie Cronauer sagte, stimmen die Fakten an die 50%.

Ein wichtiger Teil des Films ist natürlich der Soundtrack – Cronauer brachte schließlich den Rock ’n‘ Roll nach Vietnam. Einige der authentischen Songs aus dem Jahr 1965 möchte ich aufzählen: Them »Baby Please Don’t Go«, The Beach Boys »Don’t Worry Baby« und »I Get Around«, The Marvelettes »Danger, Heartbreak Dead Ahead«, James Brown »I Got You (I Feel Good)«, Wilson Pickett «In the Midnight Hour« und The Searchers »Sugar and Spice«. Während die Ballade von Louis Armstrong »What a Wonderful World« lief, waren im Film lautlos Bombenexplosionen und Kriegshandlungen zu sehen.

Cover der Single The Rivieras: »Let's Have A Party«, 1964
Cover der Single The Rivieras: »Let’s Have A Party«, 1964

Zum Ende des Films war noch einer meiner Lieblingssong aus dem Jahr 1964, »California Sun« von den Rivieras, zu hören. Die Band wurde Anfang der 1960er Jahre in Indiana (USA) gegründet. Ihr Song »California Sun« war in den Staaten ein großer Erfolg und erreichte Platz 5 der US-Charts. In Deutschland kam er immerhin bis auf Platz 15 der Single-Charts. Mein erster Favorit der Gruppe war zugleich meine erste angeschaffte Single »Let’s Have a Party«, ebenfalls aus dem Jahr 1964. Von beiden Liedern gibt es diverse Cover-Versionen (Ramones, Beach Boys, Frankie Avalon, Shondells, etc.). Die Band trennte sich bereits 1966, von den Bandmitgliedern war nie wieder etwas zu hören.

Songtext – The Rivieras: »California Sun

Well, I'm goin' out west where I belong
Where the days are short and the nights are long
Where they walk and I'll walk
They twist and I'll twist
They shimmy and I'll shimmy
They fly and I'll fly
Well, they're out there a-havin' fun
In that warm California sun
Well, I'm goin' out west out on the coast
Where the California girls are really the most
Where they walk and I'll walk
They twist and I'll twist
They shimmy and I'll shimmy
They fly and I'll fly
Well, they're out there a-havin' fun
In that warm California sun
Well, the girls are frisky in old 'Frisco
A pretty little chick wherever you go
And they'll walk and I'll walk
They'll twist and I'll twist
They'll shimmy and I'll shimmy
They'll fly and I'll fly
Well, they're out there a-havin' fun
In that warm California sun
California sun

Anmerkung zur Kategorie »Siebzig Jahre – Siebzig Songs»

In dieser Kategorie finden Sie Beiträge zu Songs und ihren Interpreten aus 70 Jahren Rock- und Pop-Geschichte 1946 bis 2016. In der Regel werden pro Jahr ein Song, manchmal auch mehrere, vorgestellt. Alle im Text erwähnten Songs sind als Video oder Audio auf den bekannten Musik-Portalen wie YouTube, Vimeo, etc. zu finden. In einer Tabelle habe ich die Songs auf die entsprechenden Videos/Audios verlinkt. Die Serie befindet sich zur Zeit im Aufbau und wird nach und nach vervollständigt. Jeder Artikel ist ein Auszug aus meinem für 2024 geplanten Künstlerbuch »Siebzig Jahre – Siebzig Songs«.

Manchmal hilft umdrehen

Von Friedhelm Denkeler,

»Manchmal liegt das Ziel vor einem, wenn man sich umdreht«, Dieter Hallervorden, Foto/Grafik © Friedhelm Denkeler 2004
»Manchmal liegt das Ziel vor einem, wenn man sich umdreht«, Dieter Hallervorden, Foto/Grafik © Friedhelm Denkeler 2004

Kripoes geballte Fäuste

Von Friedhelm Denkeler,

Alles fing 1986 mit den Spray-Bananen an, die der Kölner Künstler Thomas Baumgärtel in Berlin verteilte und zwar nicht willkürlich, sondern mit System als besondere Auszeichnung für Galerien und Kultureinrichtungen. Kunstinsider kennen deren mittlerweile international gewordene Bedeutung. Seit Jahren sieht man in Berlin nun auch die gelben Fäuste, ein Zeichen für Rebellion und Anarchie, deren Platzierung oft so hoch ist angebracht ist, dass man sich wundert, wie der Sprayer dort hingekommen ist.

»Kripoes geballte Fäuste«, Gewerbehof, Planckstraße, Berlin, Foto © Friedhelm Denkeler 2013
»Kripoes geballte Fäuste«, Gewerbehof, Planckstraße, Berlin, Foto © Friedhelm Denkeler 2013

Der Streetart-Sprayer nennt sich Kripoe (von der früheren CBS-Crew), mehr ist über den Künstler im Netz nicht in Erfahrung zu bringen. Ein Arm, eine Hand, fünf Finger – dieses Motiv taucht in Mitte, an den Bahnhöfen, den Bahnanlagen und den Häusern der Umgebung hauptsächlich auf, aber immer in unterschiedlicher Ausdrucksweise. Mal erscheint die gelbe Faust drohend, mal mahnend oder auch einladend. Das sollte jeder selbst interpretieren.

Kripoe sprayt aber nicht nur sein Markenzeichen, die gelben Fäuste an, sondern auch seine blauen oder roten Rollschuhe sind bekannt, manchmal zusätzlich mit Text versehen.

Cirruswolken über dem Lac de Neuchâtel

Von Friedhelm Denkeler,

»Cirruswolken über dem Lac de Neuchâtel«, Neuchâtel, Schweiz, Foto © Friedhelm Denkeler 2014
»Cirruswolken über dem Lac de Neuchâtel«, Neuchâtel, Schweiz, Foto © Friedhelm Denkeler 2014

Die Blaue Stunde an der Seebrücke in Binz

Von Friedhelm Denkeler,

»Die Blaue Stunde an der Seebrücke«, Binz, Rügen, Ostsee, Foto © Friedhelm Denkeler 2012
»Die Blaue Stunde an der Seebrücke«, Binz, Rügen, Ostsee, Foto © Friedhelm Denkeler 2012

Im Jahr 1902 wird eine 560 Meter lange Seebrücke aus Holz im Ostseebad Binz auf der Insel Rügen gebaut und drei Jahre später durch eine Sturmflut zerstört. Eine neue Brücke wird gebaut und 1942 durch gewaltige Eismassen erneut schwer beschädigt. Nach 52 Jahren ohne Brücke, gibt es seit Mai 1994 wieder eine Seebrücke in einer Länge von 370 Metern und sie steht noch immer.

Minimalismus

Von Friedhelm Denkeler,

»Minimalismus«, Ständige Vertretung (StäV) am Schiffbauerdamm, aus der Serie »Berliner Stadtgänge«, Foto © Friedhelm Denkeler 2020
»Minimalismus«, Ständige Vertretung (StäV) am Schiffbauerdamm, aus der Serie »Berliner Stadtgänge«, Foto © Friedhelm Denkeler 2020

You Can’t Always Get What You Want?

Von Friedhelm Denkeler,

1964 – The Rolling Stones: »Mona«. Sechzig Jahre »The Rolling Stones«. Willst du ein Beatle oder ein Rolling Stone sein?

Cover: Rolling Stones: »Rolling Stones (Nr.1)«, 16. April 1964
Cover: Rolling Stones: »Rolling Stones (Nr.1)«, 16. April 1964

Der große ›Philosoph‹ Mick Jagger meint zwar »Man kann nicht immer alles bekommen, was man will«, aber mit seiner Band The Rolling Stones hat er 2022 alles erreicht, was eine Rockband erreichen kann: Die Band stand sechzig Jahre nach ihrer Gründung auf der Berliner Waldbühne und feierte als »dienstälteste Rockband der Welt» ihr Abschlusskonzert der Deutschland-Tournee. Das Konzert war bei Kartenpreisen von 238 bis 600 Euro (sic!) ausverkauft.

Das Jubiläum nehme ich zum Anlass, um auf meine persönlichen Highlights, auf die schönsten Songs der Stones seit 1964 zurückzublicken. Den Anfang macht ihr erstes Studioalbum, das am 16. April 1964 in Deutschland und Großbritannien unter dem Titel »The Rolling Stones« veröffentlicht wurde.

Die bekanntesten Songs dieser LP sind (Get Your Kicks On) Route 66, Carol (geschrieben von Chuck Berry), Tell Me (You’re Coming Back) (dies ist der erste Titel bei dem als Komponisten Jagger/Richards angegeben sind), Little by Little (Phelge/Spector) und Mona (I Need You Baby).

Der Track Mona ist eine wundervolle Blues-Aufnahme mit Live-Atmosphäre aus dem Studio. Er entstand als fünf weiße Jungs sich den Rhythm & Blues der Schwarzen zum Vorbild nahmen und damit die Jugend in den Beatschuppen zum Tanzen brachte.

1964 bestand die Band aus Mick Jagger (Gesang, Harmonika), Keith Richards (E-Gitarre, akustische Gitarre), Charlie Watts (Schlagzeug), Brian Jones (E-Gitarre, Harmonika, Tamburin) und Bill Wyman (E-Bass). Für ihr erstes Album waren zusätzlich Gene Pitney (Klavier), Phil Spector (Gitarre) und Ian Stewart (Orgel, Klavier) mit dabei. Die Debüt-LP wurde von Andrew Loog Oldham produziert und ist bei Decca Records erschienen.

In Großbritannien erreichte das Album, das in Europa nur in Mono erhältlich war, Platz 1 der Charts (in Deutschland kam die LP bis auf Platz 2). Auf der Vorderseite des LP-Covers sind nur die fünf Bandmitglieder in Farbe abgebildet zu sehen, sonst nichts. Weder der Name der Band noch der Album-Titel wurden angegeben. Für die damalige Zeit eine äußerst ungewöhnliche Design-Idee, heute würde man sagen innovativ. Der Bandmanager Andrew Loog Oldham war von der Zukunft der Band überzeugt. Am liebsten hätte er sicher noch das Decca-Label entfernen lassen.

Auf der Rückseite des Covers, ganz in schwarz-weiß gehalten, finden sich fünf kleine Porträts der Bandmitglieder, fotografiert von David Bailey und die Titelliste. Die USA-Version erschien wenig später unter Titel England’s Newest Hit Makers The Rolling Stones in einer sogenannten reprocessed stereo-Version. Außerdem wurde ausgerechnet Mona durch den Song Not Fade Away (Norman Petty/Buddy Holly) ersetzt.

Der Sommer 1964 war auch das Jahr, in dem die ersten Piratenschiffe aus der Nordsee sendeten. Hauptsächlich erinnere ich mich an Radio Caroline. Der erste Titel, den sie sendeten, soll »Not Fade Away« von den Rolling Stones gewesen sein. In diesem Sommer mussten wir Teenager eine wichtige Frage beantworten, eine Frage des Charakters: Willst du ein Beatle oder ein Rolling Stone sein? Die Beantwortung zog sich noch einige Jahre hin. 1970 erwarb ich mein erstes Album der The Rolling Stones aus dem Jahr 1964.

Everything went young in 1964 [Andy Warhol, »Popism«]

Die Geschichte der Rolling Stones ist die Erfolgsgeschichte der Popkultur [Georg Diez, » Rolling Stone«]

Wir machen aus euch genau das Gegenteil dieser netten, sauberen ordentlichen Beatles. Und je mehr die Eltern euch hassen, desto mehr werden euch die Kids lieben. Wartet nur ab. [Andrew Loog Oldham]

Songtext – The Rolling Stones: »Mona«

I say hey, Mona
Oh, Mona
I say yeah, yeah, yeah, yeah, Mona
Oh, Mona

I tell you Mona what I wanna do
I'll build a house next door to you
Can I see you sometimes?
We can blow kisses through the blinds
Yeah can I out come out on the front
And listen to my heart go bumpety bump
I need you baby that's no lie
Without your love I'd surely die
I say hey, Mona
Oh, Mona
I say yeah, yeah, yeah, yeah, Mona
Oh, Mona
I say yeah, yeah, yeah, yeah, Mona
Oh, Mona

I tell you Mona what I wanna do
I'm gonna build a house next door to you
Can I see you sometime?
We can blow kisses through the blinds
Yeah can I out come out on the front
And listen to my heart go bumpety bump
I need you baby that's no lie
Without your love I'd surely die

I say hey, hey Mona
Oh, Mona
I say yeah, yeah, yeah, yeah, Mona
Oh, Mona

Anmerkung zur Kategorie »Siebzig Jahre – Siebzig Songs»

In dieser Kategorie finden Sie Beiträge zu Songs und ihren Interpreten aus 70 Jahren Rock- und Pop-Geschichte 1946 bis 2016. In der Regel werden pro Jahr ein Song, manchmal auch mehrere, vorgestellt. Alle im Text erwähnten Songs sind als Video oder Audio auf den bekannten Musik-Portalen wie YouTube, Vimeo, etc. zu finden. In einer Tabelle habe ich die Songs auf die entsprechenden Videos/Audios verlinkt. Die Serie befindet sich zur Zeit im Aufbau und wird nach und nach vervollständigt. Jeder Artikel ist ein Auszug aus meinem für 2024 geplanten Künstlerbuch »Siebzig Jahre – Siebzig Songs«.

Der geballte Hausstand auf dem Bethlehemkirchplatz

Von Friedhelm Denkeler,

»Houseball« von Claes Oldenburg, Bethlehemkirchplatz, Berlin, Foto © Friedhelm Denkeler 2019
»Houseball« von Claes Oldenburg, Bethlehemkirchplatz, Berlin, Foto © Friedhelm Denkeler 2019

In Berlin-Mitte befindet sich in der Nähe von Friedrichstraße und dem Checkpoint Charly« der Bethlehemkirchplatz auf dem früher die Böhmische Bethlehemkirche stand. Sie wurde 1737 als zentrales Gotteshaus der Rixdorfer Böhmen, die im gegenüber den Religionen toleranten Preußen eine neue Heimat gefunden hatten, gebaut und 1963 aufgrund starker Kriegsschäden abgerissen. Der Grundriss der Kirche wird aus roten Pflastersteinen auf dem Platz nachgebildet. Die Kirche vor der Zerstörung um 1910

Der »Houseball« des Bildhauers Claes Oldenburg steht symbolisch für den Hausstand eines Exilanten und somit auch für jene böhmischen Einwanderer in Rixdorf. All seine Besitztümer kann man in ein großes Tuch in Form einer Kugel binden und beim nächsten ›Umzug‹ mitnehmen. Der Houseball hat ein Gewicht von zehn Tonnen bei einem Durchmesser von neun Metern und steht seit 1997 auf dem Platz. Claes Oldenburg ist einer der namhaftesten noch lebenden Vertreter der Pop Art, einer Kunstrichtung, die sich in den 1960er Jahren formierte.

Anmerkung zur Kategorie »In den Straßen von Berlin«

Die work in progress-Serie »In den Straßen von Berlin« besteht aus großformatigen Farb-Fotos aus dem Nach-Wende-Berlin. Die Photographien zeigen den Wandel des Stadtbildes seit dem Jahr 2000: Abriss des Palastes der Republik und neue Hotels, hauptsächlich im Ost-Teil der Stadt, Bautätigkeiten im alten Westen, das Tempelhofer Feld, das seit 2008 als Flugbahn ausgedient hat, Touristenströme am ehemaligen Grenzübergang Checkpoint Charlie, am Hauptbahnhof und im Lustgarten in Mitte. Das Portfolio wird laufend ergänzt. Ein Künstlerbuch ist für 2024 geplant.

Eine visuelle Übersicht mit Teaser der Reihe »In den Straßen von Berlin« finden Sie hier.

La Dolce Vita an der Fontana di Trevi – Unter münzwerfenden Touristen am größten Brunnen Roms

Von Friedhelm Denkeler,

»Auf den Spuren des Römischen Reiches«. Ein Portfolio und Künstlerbuch über vierzehn römische Stadtgänge.

»La Dolce Vita an der Fontana di Trevi – Unter münzwerfenden Touristen am größten Brunnen Roms«, aus dem Portfolio »Auf den Spuren des römischen Reiches«, Foto © Friedhelm Denkeler, 2011
»La Dolce Vita an der Fontana di Trevi – Unter münzwerfenden Touristen am größten Brunnen Roms«, aus dem Portfolio »Auf den Spuren des römischen Reiches«, Foto © Friedhelm Denkeler, 2011

Rom Tag VI: »La Dolce Vita an der Fontana di Trevi«

Jeder kennt den Trevi-Brunnen in Rom vor der Triumphbogenfassade, dass er aber zwischen den Häusern auf einer kleinen Piazza so eingeklemmt ist, damit habe ich nicht gerechnet. Entsprechend gut gefüllt ist der Platz mit Touristen und Andenken-Verkäufern. Mit 50 Metern Breite und einer Höhe von 26 Metern ist das barocke Bauwerk der größte Brunnen Roms und Endpunkt des Aquädukts Aqua Vergine, welcher das antike Rom mit Wasser versorgt hat. Das Gesamtkunstwerk ist wie eine Bühne konzipiert; in der Mitte steht die Statue des Meeresgottes Neptun, der von Tritonen, die ‚Seepferde‘ im Zaum halten, begleitet wird.

In der heutigen Form wurde der Brunnen zwischen 1732 und 1751 im Auftrag von Papst Clemens XII. durch Nicola Salvi gebaut. So richtig bekannt wurde der Brunnen durch den schwarz-weißen Klassiker der Filmkunst La Dolce Vita (Das süße Leben) von Federico Fellini mit Anita Ekberg und Marcello Mastroianni. Berühmt ist auch der Münzwurf: Wer mit seiner rechten Hand über die linke Schulter eine Münze in den Brunnen wirft, wird nach Rom zurückkehren und das werden wir sicherlich auch.

Anmerkungen zum Porfolio »Auf den Spuren des Römischen Reiches«

Unsere sieben Tage in Rom im Jahr 2011 sind eine Reminiszenz an die sieben Hügel, auf denen Rom erbaut worden sein soll. Aber nach den ersten Tagen wurde deutlich, dass für das geplante Buch vierzehn Kapitel notwendig sind. Es geht bei den Photographien um die Stimmungen und die visuellen Eindrücke und weniger um die historischen Begebenheiten. Das Portfolio wird auf meiner Website LICHTBILDER ausführlicher mit den vierzehn Kapiteln der römischen Stadtgänge vorgestellt.

Die vierzehn Kapitel der römischen Stadtgänge im JOURNAL

»La Dolce Vita an der Fontana di Trevi – Unter münzwerfenden Touristen am größten Brunnen Roms«, aus dem Portfolio »Auf den Spuren des römischen Reiches«, Foto © Friedhelm Denkeler, 2011
»La Dolce Vita an der Fontana di Trevi – Unter münzwerfenden Touristen am größten Brunnen Roms«, aus dem Portfolio »Auf den Spuren des römischen Reiches«, Foto © Friedhelm Denkeler, 2011

Schäfchenwolke im Hitzesommer

Von Friedhelm Denkeler,

Ein neues Portfolio auf meiner Website LICHTBILDER: »Schwarzbuch – Im eigenen Auftrag«, 2021.

»Große Schäfchenwolke (Altocumulus floccus)«, Foto © Friedhelm Denkeler 2014
»Große Schäfchenwolke (Altocumulus floccus)«, Grenoble, Foto © Friedhelm Denkeler 2014

Wenn ein Photograph sich während seiner künstlerischen Laufbahn verpflichtet fühlt, seine eigene Vorstellung von ›guten‹ Bildern umzusetzen und aufgrund seiner Phantasie damit der Wirklichkeit in seinen Bildern seine eigene Persönlichkeit auferlegt, dann handelt er im eigenen Auftrag. Man kann ihn als ›Autorenfotograf‹ bezeichnen, der in diesem Fall ein Schwarzbuch nicht mit illegalen Vorgängen, sondern mit dunklen, fast schwarzen Bildern herausgibt.

Siehe hierzu auch der Artikel Wann handelt ein Photograph im eigenen Auftrag? Das gesamte Portfolio besteht aus 110 Photographien 30 x 45 cm. Auf meiner Website LICHTBILDER stehen 30 als Einzelbilder zur Ansicht bereit. Die Bilder sind zwischen 2008 und 2021 entstanden und 2021 als gedrucktes Künstlerbuch mit 120 Seiten im Format 30 x 21 erschienen. Weitere Informationen zu den Original-Prints und zum Künstlerbuch finden Sie auf meiner Website LICHTBILDER im Support.

»Da Ende des Sommers«, Kassel, Foto © Friedhelm Denkeler 2012
»Das Ende des Sommers«, Kassel, Foto © Friedhelm Denkeler 2012

Rathaus in Győr

Von Friedhelm Denkeler,

»Rathaus in Györ«, Ungarn,, aus dem Portfolio »Sonntagsbilder«, Foto © Friedhelm Denkeler 2004
»Rathaus in Györ«, Ungarn, aus dem Portfolio »Sonntagsbilder«, Foto © Friedhelm Denkeler 2004

Anmerkungen zum Portfolio/ zur Kategorie »Sonntagsbilder»

Der Versuch einer Definition: Was ist eigentlich ein Sonntagsbild? Ein ›schönes‹ Bild (was auch immer das nun wieder heißen mag; es ist in Farbe; es passt in keine andere Kategorie; es gehört nicht zu einer Serie von Bildern, es ist ein Einzelbild. Aber es ist kein Sonntagsbild im Sinne der Sonntagsmalerei.

Am 26. Februar 2012 erschien in meinem Blog das erste Sonntagsbild. Und jeden Sonntag gab es ein neues – Ausnahmen bestätigten die Regel. Die Sonntagsbilder stammen aus dem Portfolio »Sonntagsbilder«, das ich 2005 abgeschlossen habe. Aber der Titel Sonntagsbild ist einfach ein zu schöner Titel. Unter dieser Prämisse führe ich die Kategorie »Sonntagsbilder« in meinem Blog bis auf weiteres mit Fotos aus meinem Archiv und mit neuen Aufnahmen weiter.

Am Anfang war es tierisch … – Ein Meilenstein der Rockgeschichte

Von Friedhelm Denkeler,

1964 – Eric Burdon & The Animals: »House of the Rising Sun«. Wie Eric Burdon ein altes Bordell in die Hitparaden bringt und anschließend der Rockwelt den ›Krieg‹ erklärt.

Im Jahr 2021 feierten viele Rocklegenden ihren 80. Geburtstag: Bob Dylan, Ringo Starr, Cliff Richard, Joan Baez, Neil Diamond, Manfred Mann, Dionne Warwick, Eric Burdon, Brian Wilson, Paul McCartney, Art Garfunkel, Chubby Checker, David Crosby, Charlie Watts, Paul Anka, Tina Turner, Tom Jones, Nancy Sinatra und Giorgio Moroder. In diesem Artikel soll es um Eric Burdon (geb. 11.05.1941) und seine Animals gehen. Nachdem Burdon bereits mit dem Bluesmusiker Alexis Korner aufgetreten war, gründete er 1964 mit dem Organisten Alan Price die Animals. Gleich im ersten Jahr nahmen sie den Song »House Of The Rising Sun« auf, der ihr größter Erfolg werden sollte und der weltweit die Hitparaden eroberte.

Bei diesem Song handelt sich um ein altes Volkslied aus dem 17. Jahrhundert, das bereits frei von Rechten war. Das Haus in New Orleans soll es wirklich gegeben haben. Es gehörte zwischen 1862 und 1874 einer gewissen Marianne Le Soleil Levant (lässt sich auf ›Rising Sun‹ deuten). Eine Anekdote am Rande: Bob Dylan hatte den Song bereits vor den Animals gespielt. Als er ihn das erste Mal auf der elektrischen Gitarre von den Animals hörte, soll er vor Wut in seine Akustik-Gitarre gebissen haben (oder so ähnlich). Bald darauf schloss er seine Gitarre auch an einen Verstärker an.

1964 – The Animals: »House Of The Rising Sun«, Foto/Collage © Friedhelm Denkeler
1964 – The Animals: »House Of The Rising Sun«, Foto/Collage © Friedhelm Denkeler

Nach weiteren Hits wie It’s My Life, Don’t Let Me Be Miss Understood, San Franciscan Nights, Good Times und We gotta Get Out Of This Place, gingen die Animals 1966 im Streit auseinander. 1970 schloss sich Burdon der Latino-Funksoul-Combo »War« an. Ihr Debüt-Album »Eric Burdon Declares War« wurde von den Kritikern hochgelobt und der New Musical Express bezeichnete sie damals als »beste Live-Band, die wir jemals gehört haben«. Seitdem arbeitete Eric Burdon in wechselnden Formationen weiter. 1986 schrieb er seine Biografie I Used to Be an Animal.

Im Song »Story of Bo Diddley« erzählt Erich Burdon die Geschichte vom schwarzen Blues-Musiker Bo Diddley: »Now let’s hear the story of Bo Diddley/ And the rock ’n‘ roll scene in general/ Bo Diddley was born Ellis McDaniels/ In a place called McCoom/ Mississippi about 1926/ He moved to Chicago about 1938/ Where his name was eventually changed/ To Bo Diddley/ …/ He began to play at the Apollo in Harlem/ Good scene there, everybody raving/ One day, one night, came a Cadillac with four head lights/ Came a man with a big, long, fat, cigar/ …/».

Viele weiße Rockmusiker, wie Eric Burdon oder die Rolling Stones, nahmen sich die schwarzen Bluesmusiker, wie Bo Diddley (*1928, †2008, Florida), für ihre Songs zum Vorbild. Einer meiner Lieblingssongs von Bo Diddley ist »Bo Diddley« von der LP »Hey! Bo Diddley« aus dem Jahr 1964. Darin heißt es: »Bo Diddley bought his babe a diamond ring/ If that diamond ring don’t shine/ He going to take it to a private eye/ If that private eye can’t see/ He’d better not take the ring from me. Eric Burdons knurrende Stimme und das Keyboard-Arrangement von Alan Price, inspiriert von Bluesman Josh Whites Aufnahme aus dem Jahr 1937, machten den atemberaubenden Song zum Meilenstein der Rockgeschichte.

Songtext – Eric Burdon & The Animals: »House of the Rising Sun«

There is a house in New Orleans
They call the Rising Sun
And it's been the ruin of many a poor boy
And God I know I'm one

My mother was a tailor
She sewed my new bluejeans
My father was a gamblin' man
Down in New Orleans

Now the only thing a gambler needs
Is a suitcase and trunk
And the only time he's satisfied
Is when he's on a drunk
Oh mother tell your children
Not to do what I have done
Spend your lives in sin and misery
In the House of the Rising Sun

Well, I got one foot on the platform
The other foot on the train
I'm goin' back to New Orleans
To wear that ball and chain

There is a house in New Orleans
They call the Rising Sun
And it's been the ruin of many a poor boy
And God I know I'm one

Anmerkung zur Kategorie »Siebzig Jahre – Siebzig Songs»

In dieser Kategorie finden Sie Beiträge zu Songs und ihren Interpreten aus 70 Jahren Rock- und Pop-Geschichte 1946 bis 2016. In der Regel werden pro Jahr ein Song, manchmal auch mehrere, vorgestellt. Alle im Text erwähnten Songs sind als Video oder Audio auf den bekannten Musik-Portalen wie YouTube, Vimeo, etc. zu finden. In einer Tabelle habe ich die Songs auf die entsprechenden Videos/Audios verlinkt. Die Serie befindet sich zur Zeit im Aufbau und wird nach und nach vervollständigt. Jeder Artikel ist ein Auszug aus meinem für 2024 geplanten Künstlerbuch »Siebzig Jahre – Siebzig Songs«.