
Unter der Brücke am Landwehrkanal
Von Friedhelm Denkeler,

Berichte aus Berlin von Friedhelm Denkeler zu Photographie und Kunst
Von Friedhelm Denkeler,

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Nein, 60 000 Besucher waren heute Morgen noch nicht im ‚Colosseo‘, das 2007 als einziges europäisches Bauwerk in die Liste der Neuen Weltwunder aufgenommen wurde. Auch Löwen, die durch unterirdische Gänge und Falltüren in die Arena geleitet wurden, haben wir nicht gesehen. Und dennoch entfaltet das größte der im antiken Rom erbauten Amphitheater und zugleich der größte geschlossene Bau der römischen Antike auch nach 2000 Jahren als Ruine eine beispiellose Faszination.
Die Arena steht den modernen Fußball-Arenen in nichts nach: 80 Eingänge rund um den Bau ermöglichten den Zuschauern auf direktem Wege Zugang zu ihren Plätzen, die sich auf insgesamt vier Stockwerke verteilten. Grausame Schauspiele wurden dargeboten. Gladiatoren kämpften gegen wilde Tieren und auch gegeneinander. Man schätzt, dass in vier Jahrhunderten an die 500 000 Menschen und unzählige Tiere ihr Leben verloren. Heute besichtigen über fünf Millionen Besucher jedes Jahr das Wahrzeichen Roms. Ein gewisser Schauder bleibt.
Unsere sieben Tage in Rom im Jahr 2011 sind eine Reminiszenz an die sieben Hügel, auf denen Rom erbaut worden sein soll. Aber nach den ersten Tagen wurde deutlich, dass für das geplante Buch vierzehn Kapitel notwendig sind. Es geht bei den Photographien um die Stimmungen und die visuellen Eindrücke und weniger um die historischen Begebenheiten. Das Portfolio wird auf meiner Website LICHTBILDER ausführlicher mit den vierzehn Kapiteln der römischen Stadtgänge vorgestellt.

Von Friedhelm Denkeler,

Kennen und lieben gelernt habe ich den Song »My Bonnie« von Tony Sheridan 1964 im Jugendclub in Vlotho. Mit den ersten Songs der Beatles wurde auch »My Bonnie«, den Sheridan 1961 mit den Beatles in Hamburg aufnahm, bekannter. Die Single nennt als Interpreten noch Tony Sheridan & The Beat Brothers. Mit den Beat Brothers waren die Beatles gemeint, die damals noch zu fünft mit Stuart Sutcliffe am Bass und Pete Best am Schlagzeug auftraten. Für die gleichnamige LP erhielt Sheridan die Goldene Schallplatte. Mit der Eröffnung des legendären Hamburger Star Clubs spielten Tony Sheridan und die Beatles öfter zusammen.
Das ist schon ein toller Song, der zunächst wie das alte schottische Volkslied beginnt und dann in eine wilde Beat-Nummer übergeht. Kein Wunder, dass der Discjockey im Jugendclub den Song gleich mehrmals spielen musste. Wie bei den Hamburger Seeleuten: Sheridan nahm den Song damals auf, weil die Seeleute in den Clubs ihn immer wieder hören wollten. Bei YouTube gibt es einen Konzertmitschnitt aus dem Jahr 2011 mit Tony Sheridan; hier rockt er wie damals.
Tony Sheridan war 1960 einer der ersten britischen Musiker, die in Deutschland auftraten: In Hamburg spielte er mit seinen »Jets«. Paul McCartney bezeichnete ihn später als ›Lehrer‹. Durch den Erfolg von »My Bonnie« wurde auch Brian Epstein (der spätere Manager der Beatles) auf die Beatles aufmerksam. So hat Sheridan, der sich eher im Hintergrund hielt, einen Anteil an dem Weg der Beatles. Anlässlich des 50. Geburtstags des Star-Clubs stand im April 2012 Tony Sheridan das letzte Mal auf Bühne. 2013 ist er im Alter von 73 Jahren in Hamburg gestorben. »My Bonnie« hat ihn unsterblich gemacht.
Im Film »Frühstück bei Tiffany« (Breakfast at Tiffany’s) ist am Anfang nur eine Instrumental-Version von »Moon River« zu hören. Mit dem Text singt es mit Audrey Hepburn (als Holly Golightly) in der Szene, in der sie am Fenster zur Feuerleiter sitzend, von dem Schriftsteller Paul ›Fred‹ Varjak (George Peppard) ein Stockwerk höher beobachtet wird. Wie zu vermuten war, ist es der Beginn einer Liebesgeschichte mit vielen Hindernissen.
Truman Capote, der den zu Grunde liegenden Roman geschrieben hat, wollte in der Rolle eigentlich Marilyn Monroe sehen. Wenn man an Hollywood denkt, fällt einem auch die Darstellung von Holly mit ihrer Zigarettenspitze ein. Henry Mancini, einer der Autoren des Songs, sagte über Audrey Hepburn: »Moon River wurde für Audrey Hepburn geschrieben. Niemand sonst hat es je so gut verstanden. Es gibt mehr als tausend Versionen davon, aber ihre ist zweifellos die beste.
Für 1961 muss ich noch ein Instrumental erwähnen, »Wheels« von Billy Vaughn. Er erreichte, dass in Deutschland sein Stück zu einem Nummer-eins-Hit und mit einer Goldenen Schallplatte ausgezeichnet wurde.
My Bonnie lies over the ocean My Bonnie lies over the sea My Bonnie lies over the ocean Oh bring back my Bonnie to me My Bonnie lies over the ocean My Bonnie lies over the sea Well, my Bonnie lies over the ocean Yeah, bring back my Bonnie to me
Yeah bring back, ah bring back Oh bring back my Bonnie to me Oh bring back, ah bring back Oh bring back my Bonnie to me Well, my Bonnie lies over the ocean My Bonnie lies over the sea Yeah my Bonnie lies over the ocean I said bring back my Bonnie to me
Moon river, wider than a mile I'm crossing you in style some day Oh, dream maker, you heart breaker Wherever you're goin', I'm goin' your way
Two drifters, off to see the world There's such a lot of world to see We're after the same rainbow's end, waitin' 'round the bend My huckleberry friend, moon river, and me
In dieser Kategorie finden Sie Beiträge zu Songs und ihren Interpreten aus 70 Jahren Rock- und Pop-Geschichte 1946 bis 2016. In der Regel werden pro Jahr ein Song, manchmal auch mehrere, vorgestellt. Alle im Text erwähnten Songs sind als Video oder Audio auf den bekannten Musik-Portalen wie YouTube, Vimeo, etc. zu finden. In einer Tabelle habe ich die Songs auf die entsprechenden Videos/Audios verlinkt. Die Serie befindet sich zur Zeit im Aufbau und wird nach und nach vervollständigt. Jeder Artikel ist ein Auszug aus meinem für 2027 geplantes Künstlerbuch »Siebzig Jahre – Siebzig Songs«.
Die Links zu den Videos/Audios der vorgestellten Songs sind in einer Tabelle im Anhang aufgelistet.
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Anlässlich eines Besuchs in der Ausstellung »Ruth Walz – Theaterfotografie» im Berliner »Museum für Fotografie« im Februar 2022 ist mir klar geworden, bei welchen legendären Inszenierungen ich in meinen Anfangsjahren in West-Berlin in den 1970er-Jahren dabei war und welche ich verpasst habe. Ich erinnere mich an »Die Mutter« und »Baal« von Bertolt Brecht, anPeter Handkes »Der Ritt über den Bodensee« und an die »Sommergäste« nach Maxim Gorki, alle in der »Schaubühne am Halleschen Ufer«.
Und für mich der absolute Höhepunkt, der sicherlich für immer in meiner Erinnerung bleibt, »Peer Gynt« von Henrik Ibsen unter der Regie von Peter Stein in der »Schaubühne am Halleschen Ufer«. Theater lebt von der Erinnerung – wenn man dabei war. Darin liegen seine unwiederholbare Sinnlichkeit und die Gewissheit, dass nach bestimmten Eindrücken das Leben anders verläuft. Viele Details sind in den vergangenen fünf Jahrzehnten verschwunden. Glücklicherweise liegt mir noch das 46-seitige Programmheft »Peer Gynt« der Schaubühne mit den eingeklebten Eintrittskarten vom 5. und 6. Juni 1971 vor.
Die Aufführung glich einer Revolution in der Theaterlandschaft. Peter Stein hatte das ganze Theater, einschließlich der Zuschauersitze (sic!), leerräumen lassen, so dass der gesamte Saal als Bühne diente. Als Zuschauer wurden wir an die Längswand gedrängt und sahen hinab in die Arena auf eine Berglandschaft. Die zweistöckigen Sitzreihen erinnerten an das berühmte Londoner Shakespeare’s Globe und schufen eine große Nähe zwischen Zuschauern und Schauspielern. So war auf der Bühne viel Platz für große spektakuläre Bauten wie ein lebensgroßes Pferd und eine riesengroße Sphinx.

Die über achtstündige Aufführung fand mit ›Jugend im Gudbrandstal‹ und ›In der Fremde und Heimkehr‹ an zwei aufeinanderfolgenden Tagen statt. Die Rolle des Peer Gynt wurde auf sechs verschiedene Schauspieler verteilt: Heinrich Giskes, Michael König, Bruno Ganz, Wolf Redl, Dieter Laser und Werner Rehm. Peers Mutter wurde von Edith Clever und Solveig, Peers Liebe, von Jutta Lampe dargestellt. Zu erwähnen sind noch Angela Winkler, Jutta Lampe und Otto Sander.
Der Bauernsohn Peer Gynt versucht mit Lügengeschichten, der Realität zu entfliehen. In seiner Fantasiewelt ist die heruntergekommene Behausung ein strahlender Palast. Seine eigene Nichtsnutzigkeit verklärt er zu Heldenhaftigkeit. So schildert er seiner Mutter Aase einen halsbrecherischen Ritt auf einem ›Bock‹ über den Berg. Auf der Suche nach Liebe und Abenteuer findet er sich bald in einer Welt von Trollen und Dämonen wieder. Er verliebt sich in Solvejg, die ihn anfangs nicht erhört, aber später auf seine Rückkehr wartet.
Peer wird durch Sklavenhandel in Marokko reich, verliert alles, findet sich in der Wüste wieder, rettet sich in eine Oase. Hier leben drei Jungfrauen; die von ihm erwählte Anitra stielt ihm die letzten Habseligkeiten. Den Tiefpunkt seines Lebens erlebt Peer im Irrenhaus zu Kairo. An die berühmte Schlußszene kann ich mich noch gut erinnern. Alt und verarmt kehrt Peer Gynt (jetzt: Bruno Ganz) heim und zieht einer echten Zwiebel nach und nach die Hüllen ab und vergleicht sich mit ihr. Einen Kern kann er nicht finden, aber Solvejg beschützt ihn.
Wer die auf zwei Abende verteilte Aufführung des ›Peer Gynt‹ gesehen hat, weiß: West-Berlin hat jetzt, mit der Schaubühne am Halleschen Ufer, die zurzeit interessanteste und beste deutschsprachige Bühne. Auf die Aufführung des Peer Gynt bezogen: Mir ist aus den letzten Jahren keine Inszenierung in Erinnerung, die ähnlich reich, voll Witz, angefüllt mit schauspielerischen Spitzenleistungen das Zuschauen zu einem derartigen Vergnügen gemacht hat wie die fast acht Stunden, zu denen das Kollektiv um Peter Stein Ibsens Drama als ein ›Schauspiel aus dem neunzehnten Jahrhundert‹ ausbreitete. [Hellmuth Karasek, DIE ZEIT, Nr. 21/1971]

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Unser Stadtteil Trastevere (von lateinisch Trans Tiberim, jenseits des Tiber) liegt außerhalb der alten römischen Stadtmauern auf der westlichen Seite des Tiber. Schiffsleute und Fischer, also Menschen, die vom Fluss lebten, sowie Immigranten und Juden siedelten sich bevorzugt hier an. Später folgten zahlreiche Handwerker und noch heute herrscht in den Gassen zwischen Osterien und Trattorien eine fast mittelalterliche Atmosphäre, sieht man von wild parkenden Autos und wuchernden Satellitenschüsseln einmal ab. Über die Tiberinsel, die Isola Tiberina und die Ponte Fabricio, der Volksmund sagt Ponte dei Quattro Capi wegen der zwei antiken Stelen mit vier Köpfen im Geländer, geht es in Richtung antikes Rom – zum Kolosseum. Empfehlenswert für den Abend in Trastevere ist das Ristorante La Cornucopia, das Füllhorn an der Piazza in Piscinula.
Unsere sieben Tage in Rom im Jahr 2011 sind eine Reminiszenz an die sieben Hügel, auf denen Rom erbaut worden sein soll. Aber nach den ersten Tagen wurde deutlich, dass für das geplante Buch vierzehn Kapitel notwendig sind. Es geht bei den Photographien um die Stimmungen und die visuellen Eindrücke und weniger um die historischen Begebenheiten. Das Portfolio wird auf meiner Website LICHTBILDER ausführlicher mit den vierzehn Kapiteln der römischen Stadtgänge vorgestellt.

Von Friedhelm Denkeler,

In dieser Kategorie erscheint am ersten Tag eines Monat öfter ein bildlich umgesetzter Post mit einem Zitat. Das kann eine Photographie mit einem Spruch sein oder ein Bild, das grafisch mit dem Zitat des Monats gestaltet wurde.
Von Friedhelm Denkeler,

Der Versuch einer Definition: Was ist eigentlich ein Sonntagsbild? Ein ›schönes‹ Bild (was auch immer das nun wieder heißen mag; es ist in Farbe; es passt in keine andere Kategorie; es gehört nicht zu einer Serie von Bildern, es ist ein Einzelbild. Aber es ist kein Sonntagsbild im Sinne der Sonntagsmalerei.
Am 26. Februar 2012 erschien in meinem Blog das erste Sonntagsbild. Und jeden Sonntag gab es ein neues – Ausnahmen bestätigten die Regel. Die Sonntagsbilder stammen aus dem Portfolio »Sonntagsbilder«, das ich 2005 abgeschlossen habe. Aber der Titel Sonntagsbild ist einfach ein zu schöner Titel. Unter dieser Prämisse führe ich die Kategorie »Sonntagsbilder« in meinem Blog bis auf weiteres mit Fotos aus meinem Archiv und mit neuen Aufnahmen weiter.
Von Friedhelm Denkeler,
In den 1960er-Jahren diskutierten wir auch in Deutschland, nach dem Rock ’n‘ Roll und noch vor dem Beat, einen neuen skandalösen Tanz: den Twist. Er entwickelte sich schnell zum internationalen Modetanz, auch weil er aus sehr einfachen Bewegungsabläufen bestand.
Wie er zu tanzen sei, beschrieb damals eine inzwischen berühmt gewordene Anleitung: Man tanze so, als würde man mit beiden Füßen abwechselnd Zigarettenkippen ausdrücken und sich dabei gleichzeitig mit einem Handtuch den Rücken abtrocknen. Populär wurde der Tanz insbesondere durch Chubby Checker mit seinem Song »The Twist«.

Erstmalig stellte er »The Twist« und seine Art zu tanzen, 1960 in der beliebten Fernsehshow »American Bandstand« des US-Senders ABC vor. Der Song entwickelte sich zum Symbolsong für den Tanz und erreichte mit sechzehnmonatiger Unterbrechung zweimal die Nr. 1 der US-Hitparade und wurde über drei Millionen Mal verkauft. Am 22. Oktober 1961 präsentierte die »Ed Sullivan Show« einen neuen Twist-Song von Chubby Checker, der ebenfalls ein Erfolg wurde: »Let’s twist again (like we did last Summer)«.
Inzwischen hatte der Mode-Tanz die gesamte westliche Welt erobert. The Marcels stellten eine »Merry Twist-Mas« Version vor, passend zur Spiegel-Affäre sang Peter von Eck den «Spiegel-Twist« (nicht zu verwechseln mit Trude Herrs Spiegel-Twist) und 1963 gab es den Film »Nachtexpress nach St. Tropez« in dem Teddy Parker den »St. Tropez Twist« sang und tanzte. Sehenswert ist auch ein ›verrückter‹ Kurzfilm, der den Twist 1962 vorstellte. Bekannt wurde auch Joey Dee & The Starliters mit dem »Peppermint Twist« (den Catarina Valente dann auf Deutsch sang).

Der Twist war übrigens der erste Tanz, der ohne Berührung des Tanzpartners auskam und er beendete damit die Führungsrolle des Mannes – zumindest auf der Tanzfläche. Aber wie sollten sich Jungs und Mädchen auf der Tanzfläche im Beatschuppen näher kennenlernen? Die Diskjockeys in den Discotheken in Bohmte und Diepholz in Westfalen streuten in die schnellen Twist-Rhythmen dafür regelmäßig ›Schmusesongs‹ ein. Erinnern kann ich mich an die Songs »Save The Last Dance For Me« von The Drifters, »Are You Lonesome Tonight?« von Elvis Presley und an Roy Orbisons »Only The Lonely« (alle aus dem Jahr 1960).
Chubby Checker (geb. am 3. Oktober 1941 als Ernest Evans in Spring Gulley, South Carolina, aufgewachsen in Philadelphia) bekam den Künstlernamen »Chubby Checker« (chubby=mollig) verpasst. »The Twist« ist eine Cover-Version der B-Seite einer Single der »Hank Ballard & the Midnighters«. Bis 1966 hatte Checker sich mit über 30 Titeln in den Charts platziert. Aber ab Mitte der 1960er Jahre war der Twist bereits mehr oder weniger out, eine später berühmte britische Gruppe läutete mit dem Song »Twist And Shout« die neue Ära der Beat-Musik ein.
Everybody, twist They're twisting in Cleveland In Kansas City too They're wailing in Warwood In Pittsburgh and St Lou So, baby, get ready I'm gonna twist with you Round and around and Up and down we go (Yeah, oh, baby) Making with the Shaking to and fro (Yeah, well, now from) Boston to L A (oh, baby) Twistin U S A They're twisting in New York In old Chicago town In Hartford and Frisco They all go round and round They're twisting on Bandstand So don't you put me down
Round and around and Up and down we go (Yeah, oh, baby) Making with the Shaking to and fro (Yeah, well, now from) Boston to L A (oh, baby) Twistin U S A They shimmy in Charlotte They shake in Baltimore In Detroit and Dallas And down Miami shore So, baby, oh, baby What are we waiting for Round and around and Up and down we go (Yeah, oh, baby) Making with the Shaking to and fro (Yeah, well, now from) Boston to L A (oh, baby) Twistin U S A
In dieser Kategorie finden Sie Beiträge zu Songs und ihren Interpreten aus 70 Jahren Rock- und Pop-Geschichte 1946 bis 2016. In der Regel werden pro Jahr ein Song, manchmal auch mehrere, vorgestellt. Alle im Text erwähnten Songs sind als Video oder Audio auf den bekannten Musik-Portalen wie YouTube, Vimeo, etc. zu finden. In einer Tabelle habe ich die Songs auf die entsprechenden Videos/Audios verlinkt. Die Serie befindet sich zur Zeit im Aufbau und wird nach und nach vervollständigt. Jeder Artikel ist ein Auszug aus meinem für 2027 geplantes Künstlerbuch »Siebzig Jahre – Siebzig Songs«.
Die Links zu den Videos/Audios der vorgestellten Songs sind in einer Tabelle im Anhang aufgelistet.
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Man denkt an ein unbekanntes Flugobjekt, wenn man sich dem futuristisch anmutenden ehemaligen Rettungsturm am Strand von Binz auf der Ostsee-Insel Rügen nähert. Der als Meister des Schalenbetons bekannt gewordene und in Binz geborene Architekt Ulrich Müther (* 1934, † 2007) hat ihn neben 50 weiteren Schalenbauten entworfen. Das architektonische Kleinod am Binzer Strand wurde 1968 errichtet und heute wird als Außenstandort des Standesamtes Binz genutzt.
Ulrich Müther kennen wir als Berliner sehr gut: Er entwarf die 1973 in Berlin-Mitte auf der Fischerinsel errichtete Gaststätte Ahornblatt. Leider wurde das denkmalgeschützte Gebäude trotz internationaler Proteste im Jahr 2000 abgerissen. Hingegen steht Müthers Seerose in Potsdam noch immer.
Von Friedhelm Denkeler,

Durch die Obere Altstadt fließt in Freiburg der Gewerbebach. Und er weist eine Besonderheit auf, die scheinbar noch nicht einmal alle Einheimischen kennen. Erst ein ehemaliger Berliner führte uns an die richtige Stelle in der Gerberau, denn im Bach treibt ein steinernes Krokodil sein Unwesen. Das Werk hat der Künstler Ole Meinecke geschaffen.
Der Gewerbebach wurde schon vor der Stadtgründung von Freiburg angelegt; der Kanal diente der Wiesenbewässerung und mit ihm wurden seit dem Mittelalter Mühlen angetrieben. Heute speist er die kleinen Bächle, die überall neben den Bürgersteigen fließen. Den Touristen erzählt man, wer in die etwa 30 cm tiefen, offenen Kanäle hineinfällt, muss jemanden aus Freiburg heiraten. Unserem freundlichen Begleiter ist dies offenbar widerfahren und es hat ihm Glück gebracht.

Von Friedhelm Denkeler,

Heute steht die St. Matthäus-Kirche des Schinkelschülers Friedrich August Stüler aus dem 19. Jahrhundert mitten im Kulturforum zwischen den Bauten des 20. Jahrhunderts: Neue Nationalgalerie (Mies van der Rohe), Philharmonie und Neue Staatsbibliothek (Hans Scharoun), Gemäldegalerie und Kupferstichkabinett (Hilmer und Sattler). Bei der Einweihung 1846 war die dreischiffige Backsteinkirche im neoromanischen Stil noch umgeben von Feldern, Gärten und einer Parklandschaft.
Im zweiten Weltkrieg wurde die Kirche und das sie umgebende Stadtquartier, Geheimratsviertel genannt, vollständig zerstört. Der Wiederaufbau erfolgte Ende der 1950er Jahre, dabei wurde der Bau nur äußerlich rekonstruiert, der Innenraum wurde neu gestaltet. Das Umfeld der Kirche, an der Nahtstelle zwischen Ost- und West-Berlin gelegen, wurde mit den eingangs genannten Gebäuden ab 1960 zum Kulturforum entwickelt. Vom Kirchturm, der begehbar ist, hat man eine herrliche Aussicht auf die Umgebung. In der Kirche finden regelmäßig klassische Konzerte statt.
Die work in progress-Serie »In den Straßen von Berlin« besteht aus großformatigen Farb-Fotos aus dem Nach-Wende-Berlin. Die Photographien zeigen den Wandel des Stadtbildes seit dem Jahr 2000: Abriss des Palastes der Republik und neue Hotels, hauptsächlich im Ost-Teil der Stadt, Bautätigkeiten im alten Westen, das Tempelhofer Feld, das seit 2008 als Flugbahn ausgedient hat, Touristenströme am ehemaligen Grenzübergang Checkpoint Charlie, am Hauptbahnhof und im Lustgarten in Mitte. Das Portfolio wird laufend ergänzt. Ein Künstlerbuch ist für 2027 geplant.
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Das Haus der Heiligen Franziska von Rom, ein ehemaliges Kloster in der Nähe der Ponte Rotto, befindet sich im Stadtteil Trastevere, im Umkreis der Basilika der Heiligen Cecilia und nahe der Tiberinsel. Über viele Jahrhunderte hinweg diente dieser Palazzo dem Adelsgeschlecht der Ponzianis als Wohnsitz und nun dürfen wir für sieben Tage dort residieren. Das Haus ist nach der Heiligen Francesca Romano benannt, die 40 Jahre lang bis zu ihrem Tode 1440 hier wohnte und zahlreiche Wunder vollbrachte.
Die Geschichte und das Alter des Hauses ist in allen Räumen und Gemäuern zu spüren, und das Wort lustwandeln macht seinem Namen alle Ehre. Unsere sieben Tage sind eine Reminiszenz an die sieben Hügel, auf denen Rom erbaut worden sein soll. Aber nach den ersten Tagen wurde deutlich, dass für das geplante Buch vierzehn Kapitel notwendig sind.
Unsere sieben Tage in Rom im Jahr 2011 sind eine Reminiszenz an die sieben Hügel, auf denen Rom erbaut worden sein soll. Aber nach den ersten Tagen wurde deutlich, dass für das geplante Buch vierzehn Kapitel notwendig sind. Es geht bei den Photographien um die Stimmungen und die visuellen Eindrücke und weniger um die historischen Begebenheiten. Das Portfolio wird auf meiner Website LICHTBILDER ausführlicher mit den vierzehn Kapiteln der römischen Stadtgänge vorgestellt.


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Von Friedhelm Denkeler,
Nur Menschen mit einer großen Liebe zu Musik und Büchern bleiben am Leben – so könnte man Jim Jarmuschs Film »Only Lovers Left Alive« auch beschreiben, denn er lebt zu großen Teilen von der Musik und den Leidenschaften eines Rock-Nerds namens Adam (Tom Hiddleston) und seiner Bücher verschlingenden und überaus gebildeten Gattin Eve (Tilda Swinton). Haben wir nun einen vampiristischen Musikfilm oder einen musikalischen Vampirfilm für Bildungsbürger gesehen? Hier soll es um die Musik im Film gehen, die auch inhaltlich einen Schwerpunkt bildet. Mit den klassischen Vampir-Filmen und den neumodischen Teenie-Soaps desselben Themas hat Jarmuschs Film jedenfalls nichts gemein.

Musik spielte in den Filmen von Jim Jarmusch immer schon eine große Rolle (John Lurie, Tom Waits, Iggy Pop). Diesmal hören wir einen wunderbaren Soundtrack, der herrlich stimmig auf Bilder und Handlung Bezug nimmt; eine wilde Mischung aus Country, Sixties Soul, Rock, Garage Punk und Paganinis Geigen. Die moderne Rockmusik, die Adam im Film spielt, stammt von Jarmuschs eigener Band »Sqürl«. Der Film beginnt aber mit einem Track aus dem Jahr 1960 von Wanda Jackson. Die Kamera kreist traumhaft über Adam und Eve, überblendet durch einen Plattenspieler, auf dem sich eine Single dreht: Wanda Jackson mit »Funnel Of Love«.
Die Rockabilly- und Country-Sängerin Wanda Jackson (*1937, Oklahoma) war die erste Frau, die ›wilde‹ Musik in den 1960er Jahren machte (wenn nicht noch schlimmere Ausdrücke damals verwendet wurden) und sie ging mit Elvis Presley auf Tournee. Ihre rauhe Männerstimme kam bei den prüden US-Amerikanern nicht gut an; sie hatte ihre größten Erfolge im Ausland. In Deutschland war der Schlager »Santo Domingo« (1965) ihr stärkster Triumph. Mein Lieblingssong von ihr aber ist »Let’s Have A Party« (1958). Anfang der Sechziger war er auf jeder Party ein Muss. Kein Wunder, es war hochkarätiger Rock ’n’ Roll, denn begleitet wurde Jackson durch die Musiker von Gene Vincent.
Sein erstes Jazz-Konzert veranstaltete Fritz Rau 1955 mit Albert Mangelsdorff. Seit 1963 arbeitete er mit Horst Lippmann in der Konzertagentur »Lippmann & Rau« zusammen. Die Tourneen der Rolling Stones organisierte er ab 1970 und zum Dank erhielt Rau von ihnen ein silbernes Tablett mit der Inschrift »To Fritz with Thanks from the Rolling Stones«. Sein Lieblingslied war und blieb natürlich ein Bluessong aus dem Jahr 1960 von dem er sagte, den »könnt ihr einem Marsmenschen vorspielen, und sofort würde der begreifen, was Blues ist«, es ist »Five Long Years« von Muddy Waters.
Die Großen des Jazz und Blues, wie Ella Fitzgerald, Nat King Cole, Duke Ellington, Muddy Waters, Miles Davis, Janis Joplin und später die Heroen des Rock und Pop, wie The Doors, Frank Zappa, Jimi Hendrix, Bob Dylan, The Who, Queen, Tina Turner, Madonna, Bruce Springsteen und viele andere holte Fritz Rau nach Deutschland. Aber genau so engagiert setzte er sich auch für die deutsche Rock- und Popmusik, wie Udo Lindenberg und Peter Maffay, ein. Wahrscheinlich wusste Rau selber nicht, wie viele Konzerte er veranstaltet hat; an die 6000 sollen es gewesen sein. 2004 zog sich Fritz Rau dann aus dem aktiven Geschäft zurück; im August 2013 ist er im Alter von 83 Jahren im Taunus gestorben.
Here I go, Falling down, down, down, My mind is a blank, My head is spinning around and around, As I go deep into the funnel of love. It's such a crazy, crazy feeling, I get weak in the knees, My poor old head is a reelin', As I go deep into the funnel of love. I tried and I tried, to run and hide, I even tried to run away, You just can't run from the funnel of love, It's gonna get you someday.
It's such a crazy, crazy feeling, I get weak in the knees, My poor old head is a reelin', As I go deep into the funnel of love. I tried and I tried, to run and hide, I even tried to run away, You just can't run from the funnel of love, It's gonna get you someday. Here I go, falling down, down, down, My mind is a blank, My head is spinning around and around, As I go deep into the funnel of love, Deep into the funnel of love.
In dieser Kategorie finden Sie Beiträge zu Songs und ihren Interpreten aus 70 Jahren Rock- und Pop-Geschichte 1946 bis 2016. In der Regel werden pro Jahr ein Song, manchmal auch mehrere, vorgestellt. Alle im Text erwähnten Songs sind als Video oder Audio auf den bekannten Musik-Portalen wie YouTube, Vimeo, etc. zu finden. In einer Tabelle habe ich die Songs auf die entsprechenden Videos/Audios verlinkt. Die Serie befindet sich zur Zeit im Aufbau und wird nach und nach vervollständigt. Jeder Artikel ist ein Auszug aus meinem für 2027 geplantes Künstlerbuch »Siebzig Jahre – Siebzig Songs«.
Die Links zu den Videos/Audios der vorgestellten Songs sind in einer Tabelle im Anhang aufgelistet.
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Nach vier Jahrzehnten Wartezeit wurden die Aufnahmen des Berliner Fotografen und Fotohistorikers Enno Kaufhold von der Hamburger Reeperbahn jetzt mit einer Ausstellung und der Herausgabe eines Bildbandes erstmals der Öffentlichkeit präsentiert. Kaufhold stand und steht der damals so genannten neueren sozialkritischen Fotografie nahe. Der Stadtteil St. Pauli mit seiner Durchmischung aus alltäglichen Wohn- und Lebenssituationen und dem Rotlichtmilieu drängte sich nahezu auf.
Es sollten möglichst authentische Bilder entstehen, deshalb setzte Kaufhold seine Kamera versteckt und ausschließlich bei Tageslicht ein. Von Beginn an stand für ihn fest, dass er seine Fotografien erst lange Zeit später veröffentlichen würde können. Kaufholds Bilderschatz ist eine unvergleichliche Hommage an das St. Pauli der 1970er und 1980er Jahre und ein Zeitdokument sondergleichen. Enno Kaufhold hat seine Bilder den Menschen, insbesondere den Frauen, von St. Pauli gewidmet.
Die Schlagwörter Kontakthof, Eros-Center, Peep-Show, Zum Goldenen Handschuh, Zur Ritze, Davidswache, Reeperbahn, Große Freiheit, Herbertstraße, Millerntorplatz, Hans-Albers-Platz, Café Keese, Café Lehmitz, um nur einige zu nennen, stehen auch noch heute für St. Pauli und die Reeperbahn. Kaufhold zeigt Bilder von Menschen und Etablissements, die den legendären Ruf des Kiezes in den späten 1970er-Jahren ausmachten: ungeschminkt, wild, ehrlich, sinnlich und authentisch.
Seine Chronik stellt unverfälschte Alltagsszenen der Bewohner, Zuhälter, Prostituierten und Lebenskünstler einer längst vergangenen Zeit dar. Einen Tag nach der Vernissage führte Enno Kaufhold wiederum bei Tageslicht eine kleine Gruppe Interessierter durch den Kiez (dasselbe geschah auch für Sat1). Die Orte ließen sich wiedererkennen bzw. rekonstruieren; es fehlten aber die Menschen von damals.
Das perfekt gestaltete und gedruckte, bildgewaltige Buch (31×23 cm) mit 220 ganz- und doppelseitigen Bildern in schwarzweiß aus dem Junius-Verlag lässt sich im Schnelldurchgang auf YouTube ansehen. Es hat das Potential zum Fotobuchklassiker und ist deshalb ein Muss in jeder Sammlung künstlerischer Fotobücher. Noch bis zum 20. Januar 2022 werden die Bilder in der Freelens-Galerie, am Alten Steinweg 15 in 20459 Hamburg, ausgestellt.

Von Friedhelm Denkeler,
»Was!« dachte der Kaiser. »Ich sehe gar nichts! Das ist ja schrecklich. Bin ich dumm? Tauge ich nicht dazu, Kaiser zu sein? Das wäre das Schrecklichste, was mir begegnen könnte!« — »Oh, es ist sehr hübsch!« sagte er.
Einst lebte – und lebt noch heute – ein Fotograf im südlichen Afrika. Er machte schöne Bilder von schönen Menschen aus seiner Community. Und wie jeder Künstler fotografierte er sich gerne selber. Die Fotos waren perfekt und absolut professionell. Eines Tages reichte ihm das nicht mehr, er fing an, ein ganzes Konvolut von Wörtern und Sätzen um die Bilder herum zu schaffen.
Das kam in der Community und weltweit gut an, da diese Vorgehensweise dem Trend der Zeit, unter dem Motto »Wir wollen Kunst neu denken», entsprach. Seine Bilder wurden in Kapstadt, Johannisburg, Venedig, London, Wien, Eindhoven, Kassel und in Berlin ausgestellt. Alle Kritiker waren voll des Lobes. Wie wir alle wissen, ging die Geschichte »Des Kaisers neue Kleider« gut aus; ein kleines Mädchen sagte dazu: »Aber er hat ja nichts an!«

So ähnlich erging es mir beim Besuch der Überblicksausstellung von Werken von Zanele Muholi im Martin-Gropius-Bau in Berlin (noch bis zum 13. März 2022). Zanele Muholi bezeichnet sich selbst als »visuelle*r Aktivist*in« und dokumentiert seit den frühen 2000er Jahren das Leben der Schwarzen »LGBTQIA+«-Community in ihrer Heimat in Südafrika. In ihren Texten (Bildlegenden, begleitender Text in der Ausstellung) ist viel über Sexualpolitik, rassistische Gewalt und gemeinschaftlichen Widerstandshandlungen die Rede.
Das ist in den Fotografien allerdings nicht zu sehen; insbesondere zeigen die Porträts Menschen!! Muholis Fotografie ist keine dokumentarische, soziale Fotografie, sondern der künstlerischen Fotografie zuzurechnen. Aber aufgrund der überstülpenden Texte, verließ ich die klassische Kunstausstellung mit zwiespältigen Gefühlen.
Den »Genossen Trend« kennen wir heute aus der Wirtschaft und Politik und insbesondere von der Film- und Kunstförderung. Um mehr Förderung zu bekommen, muss heutzutage eine bestimmte Anzahl von Frauen, People of Color, LGBTQs, Migranten, Flüchtlinge, Behinderte, Jugendliche aus schwierigen sozialen Verhältnissen, dabei sein, unabhängig von der sozialen Demografie und der künstlerischen Qualität. Damit hat man dann seine Pflicht erfüllt.
Es gibt aber noch eine andere Art von Diversität, die gute Kunst ausmacht, die von persönlichen Erfahrungen. Diese ist oftmals komplexer, kontroverser und auch nicht so ohne weiteres vermittelbar oder beschreibar. In einem qualitativ guten Bild schwingt stets etwas mit, das sich nicht in Worte fassen lässt oder wie Susan Sontag es ausdrückt »Das wirksamste Element im Kunstwerk ist nicht selten das Schweigen«. Viele Worte oder Interpretationen sind dann nicht notwendig. Dieses Qualitätsmerkmal vermisse ich in der Ausstellung von Zanele Muholi.
Im strengsten Sinne sind alle Bewusstseinsinhalte unnennbar. Selbst die einfachste Wahrnehmung ist in ihrer Totalität unbeschreibbar. Jedes Kunstwerk muss daher nicht nur als etwas Dargestelltes verstanden werden, sondern gleichzeitig als ein Versuch, das Unsagbare auszudrücken. In den größten Kunstwerken schwingt stets etwas mit, das sich nicht in Worte fassen lässt, etwas von dem Widerspruch zwischen dem Ausdruck und der Gegenwart des Unausdrückbaren. Stilmittel sind immer auch Methoden der Vermeidung. Das wirksamste Element im Kunstwerk ist nicht selten das Schweigen. [Susan Sontag, in »Against Interpretation«]
Von Friedhelm Denkeler,

Silvester 1961, vor genau 60 Jahren also, hörten wir die erste Sendung von Jürgen von Manger (*1923, † 1994) im Radio – der Norddeutsche Rundfunk brachte den Schwiegermuttermörder im Ruhrgebiets-Dialekt. Die Sprache war mir sehr vertraut, denn meine Eltern stammten aus Dortmund, meine Verwandten wohnten in Castrop-Rauxel und Lüdenscheid. Jürgen von Manger stellte die Sprache der Ruhrgebiet-Bewohner bis ins Komische dar. In den nachfolgenden Jahren bis in die 1980er Jahre habe ich seine Auftritte im Fernsehen als Kultfigur Adolf Tegtmeier immer wieder gerne gesehen. Tegtmeiers Mimik allein war schon sehr eigentümlich und einmalig. Also ääährlich!
1961 also bereitete ich mich auf den Jahreswechsel mit einer Installation vor, bestehend aus zwei mit kleinen Knallern gefüllten Mini-Kanonen. Was genau dann um Mitternacht passierte, ist leider nicht überliefert. Ein zufriedenes und gesundes Jahr 2022 wünscht Friedhelm Denkeler. Jürgen von Manger: Der Schwiegermuttermörder.
Von Friedhelm Denkeler,

Bedingt durch die Corona-Pandemie gab es hier im Blog in der Kategorie »Filme« fast zwei Jahre keine Besprechungen von neuen Filmen mehr. Und die 15 Filme, die wir im zweiten Halbjahr 2021 nach der Wiedereröffnung der Kinos sahen, habe ich auch vernachlässigt. Aber zum Jahresende will ich sie in Kurzform doch einmal erwähnen. Alle Filme sahen wir in den Berliner Yorck-Kinos. Deren Motto »Im richtigen Kino bist du nie im falschen Film« hat sich bewahrheitet: Alle Filme waren sehenswert.

Von Friedhelm Denkeler,

Meine erste Erinnerung an das Phänomen des Schattens habe ich durch eine Photographie, auf der meine Großmutter zu sehen ist. Das Bild mit Wilhelmine Augusta Meinert, eine in Borchersdorf, Kreis Neidenburg/Ostpreußen am 3. Oktober 1883 geborene Plewka, ist im Jahr 1940 in Ost-Westfalen entstanden. Meine Großeltern wohnten damals in der Ortschaft Varl im Kreis Minden-Lübbecke. Leider ist nicht überliefert, wer die drei kleinen Kinder sind, die meine Großmutter vermutlich im Frühjahr, unter einem mächtigen Baum vor dem Haus Kalkhake, umarmt.

Wie ich als kleines Kind meinen eigenen Schatten entdeckte und wie dieser meine eigenen Bewegungen nachmachte, kann ich nicht erinnern. Um auf einem Bild wie festgeklebt an den Gegenständen, ein schwarzes Etwas als Schatten zu identifizieren, dürfte nur mit Elternhilfe möglich gewesen sein. So war es dann auch mit dem Bild meiner Großmutter; die Eltern klärten auf, dass es der Schatten des Photographen ist. Und so sind neben meiner fotografischen Tätigkeit im letzten, fast halben Jahrhundert, die vorliegenden 190 Selbstbildnisse als eigene Schatten- und Spiegelbilder entstanden.
Die Bilder habe ich zwischen den Jahren 1976 und 2020 produziert. Sie waren ursprünglich nicht als Projekt geplant, sondern kristallisierten sich im Laufe der Jahre zu einem eigenständigen Portfolio aus. Der Schatten ist oft negativ konnotiert: Der hat wohl einen Schatten. Ist nur ein Schatten seiner selbst. Führt ein Schattendasein. Verschattet! Früher stand auf den Filmpackungen zur Einstellung der Kamera der Hinweis: Die Sonne lacht, Blende 8! Der Nachteil war allerdings der schwere Schlagschatten, den der Film oft nicht verkraftete. Künstlern wird empfohlen, ein nach Norden gelegenes Atelier zu wählen, um so störende Schatten zu vermeiden. In meinen Bildern spielen sie die Hauptrolle. Um das Rätsel des Schattens einzufangen, braucht man aber Licht. Zur Geschichte der Photographie gehört auch die Geschichte des Schattens. Im Alltag ist es oft so, dass man nicht auf den Schatten, seinen eigenen oder den Schatten der Dinge achtet. Und wenn man ihn doch sieht, fragt man sich wie dieses flüchtige Ding wohl zum Abbild seiner selbst werden kann. Davon handelt der nächste Post.
Die Bilder des Portfolios habe ich während des letzten halben Jahrhunderts produziert. Sie waren ursprünglich nicht als Projekt Selbstbildnisse geplant, sondern kristallisierten sich im Laufe der Jahre 1976 bis 2020 zu einem eigenständigen Portfolio aus.
Fotografen wird empfohlen, ein nach Norden gelegenes Atelier zu wählen, um so störende Schatten zu vermeiden; in meinen Bildern spielen sie aber die Hauptrolle. Anders als ein Schlagschatten, der flach auf dem Boden liegt, ragt das Spiegelbild in den fiktiven Spiegelraum hinein. Die Bilder stellen eine Art bildliches Tagebuch dar.
Das Portfolio besteht aus 190 Photographien 30 x 45 cm. Die Bilder sind auch als Künstlerbuch mit 196 Seiten im Format 27 x 20,5 cm erschienen. (2021). Weitere Informationen zu den Original-Prints und zum Künstlerbuch finden Sie auf meiner Website LICHTBILDER. (direkter Link zum Portfolio).
Ausführliche Informationen zum Portfolio »Schatten und Spiegel« finden Sie im Artikel Ein halbes Jahrhundert in eigenen Schatten- und Spiegelbildern auf meiner Website LICHTBILDER.

Von Friedhelm Denkeler,

Von Friedhelm Denkeler,
Während der Internationalen Filmfestspiele in Berlin im Februar 2017 sahen wir den Film »Una mujer fantástica« von Sebastian Lélio mit Daniela Vega. Der Film ist ein Plädoyer für die sexuelle Selbstbestimmung. Die Trans-Frau Marina (Daniela Vega) ist nach dem Tod ihres Freundes Orlando (Francisco Reyes) dem blanken Hass seiner Familie ausgesetzt. Und wenn schon nicht ihre Umgebung, so ist doch der Film ganz auf ihrer Seite und zeigt die zunehmend ins Abseits gedrängte Protagonistin als starke, lebenskluge, fantastische Frau.
Der RBB urteilte: »Marina sitzt auf ihrem Sofa, die Beine leicht angewinkelt. Sie ist nackt, doch ein Spiegel verdeckt ihre Scham. Die nächste Einstellung zeigt Marina von oben: Man sieht nur ein Stück Beine, etwas Bauch – und mitten im Bild ihr Gesicht im Spiegel zwischen ihren Beinen. Es ist ein eindringliches, berührendes Bild. Gerade in seiner Einfachheit und Wortlosigkeit macht es klar, worum es Lélio geht: Was die geschlechtliche Identität eines Menschen bestimmt, ist nicht zwingend das, was zwischen seinen Beinen ist«.
Passend zum Film hat Lélio als Soundtrack unter anderem Aretha Franklin mit »A Natural Woman« aus dem Jahr 1967 ausgesucht. Der Song wurde 1967 von Carole King und Gerry Goffin geschrieben und 2015 von Aretha Franklin zum Gala-Empfang im Opera House des Kennedy Centers zu Ehren der Preisträgerin Carole King performt. Diese Ehrung umfasste zahlreiche Feierlichkeiten, unter anderem verfolgten die Geehrten die Gala gemeinsam mit dem US-Präsidenten Obama in der Präsidenten-Loge. Ihren ersten Nummer-eins-Hit hatte Carole King als 18jährige mit dem Lied »Will You Love Me Tomorrow?«. Sie schrieb ihn für die Girlgroup »The Shirelles« (1960).

Bei den Trommeln der Apachen habe ich immer gedacht, der Song stammt von den »Shadows«, der Begleitband von Cliff Richard. Bei der Recherche stellte sich heraus, dass es etwas komplizierter ist, aber der Reihe nach. Die Melodie stammt von dem englischen Komponisten Jerry Lordan. Die Idee zum Titel soll ihm gekommen sein, als er den gleichnamigen Western mit Burt Lancaster und Charles Bronson aus dem Jahr 1954 sah. Es fehlte ihm nur eine Instrumental-Band; die fand er in Bert Weedon. Das Stück wurde 1960 eingespielt, blieb aber zunächst unveröffentlicht, Lordan gefiel diese Fassung nicht.
Dann kam Lordan mit den Shadows in Kontakt, die wiederum fanden, das Instrumental passe zu ihnen. Am Anfang und Ende des Stückes sollten die Trommeln auf die ›Indianermusik‹ hinweisen. Der Erfolg blieb nicht aus: ab dem 21. Juli 1960 stand die Single für fünf Wochen auf dem ersten Platz der britischen Charts. Jetzt wurde schnell die Single von Jerry Lordan veröffentlicht. Sie hatte in Europa aber weniger Erfolg. In den USA punktete dagegen die Fassung des dänischen Jazzgitarristen Jørgen Ingmann. Alle drei machten das Instrumental zu einem internationalen Hit. Mein Favorit bleibt aber für immer »Apache« von den Shadows.
Tonight you're mine, completely You give your love so sweetly Tonight the light of love is in your eyes But will you love me tomorrow Is this a lasting treasure Or just a moment's pleasure Can I believe the magic in your sighs Will you still love me tomorrow
Tonight with words unspoken You say that I'm the only one But will my heart be broken When the night meets the morning sun I'd like to know that your love Is a love I can be sure of So tell me now and I won't ask again Will you still love me tomorrow
In dieser Kategorie finden Sie Beiträge zu Songs und ihren Interpreten aus 70 Jahren Rock- und Pop-Geschichte 1946 bis 2016. In der Regel werden pro Jahr ein Song, manchmal auch mehrere, vorgestellt. Alle im Text erwähnten Songs sind als Video oder Audio auf den bekannten Musik-Portalen wie YouTube, Vimeo, etc. zu finden. In einer Tabelle habe ich die Songs auf die entsprechenden Videos/Audios verlinkt. Die Serie befindet sich zur Zeit im Aufbau und wird nach und nach vervollständigt. Jeder Artikel ist ein Auszug aus meinem für 2027 geplantes Künstlerbuch »Siebzig Jahre – Siebzig Songs«.
Die Links zu den Videos/Audios der vorgestellten Songs sind in einer Tabelle im Anhang aufgelistet.