Kripoes geballte Fäuste

Von Friedhelm Denkeler,

Alles fing 1986 mit den Spray-Bananen an, die der Kölner Künstler Thomas Baumgärtel in Berlin verteilte und zwar nicht willkürlich, sondern mit System als besondere Auszeichnung für Galerien und Kultureinrichtungen. Kunstinsider kennen deren mittlerweile international gewordene Bedeutung. Seit Jahren sieht man in Berlin nun auch die gelben Fäuste, ein Zeichen für Rebellion und Anarchie, deren Platzierung oft so hoch ist angebracht ist, dass man sich wundert, wie der Sprayer dort hingekommen ist.

»Kripoes geballte Fäuste«, Gewerbehof, Planckstraße, Berlin, Foto © Friedhelm Denkeler 2013
»Kripoes geballte Fäuste«, Gewerbehof, Planckstraße, Berlin, Foto © Friedhelm Denkeler 2013

Der Streetart-Sprayer nennt sich Kripoe (von der früheren CBS-Crew), mehr ist über den Künstler im Netz nicht in Erfahrung zu bringen. Ein Arm, eine Hand, fünf Finger – dieses Motiv taucht in Mitte, an den Bahnhöfen, den Bahnanlagen und den Häusern der Umgebung hauptsächlich auf, aber immer in unterschiedlicher Ausdrucksweise. Mal erscheint die gelbe Faust drohend, mal mahnend oder auch einladend. Das sollte jeder selbst interpretieren.

Kripoe sprayt aber nicht nur sein Markenzeichen, die gelben Fäuste an, sondern auch seine blauen oder roten Rollschuhe sind bekannt, manchmal zusätzlich mit Text versehen.

Die Blaue Stunde an der Seebrücke in Binz

Von Friedhelm Denkeler,

»Die Blaue Stunde an der Seebrücke«, Binz, Rügen, Ostsee, Foto © Friedhelm Denkeler 2012
»Die Blaue Stunde an der Seebrücke«, Binz, Rügen, Ostsee, Foto © Friedhelm Denkeler 2012

Im Jahr 1902 wird eine 560 Meter lange Seebrücke aus Holz im Ostseebad Binz auf der Insel Rügen gebaut und drei Jahre später durch eine Sturmflut zerstört. Eine neue Brücke wird gebaut und 1942 durch gewaltige Eismassen erneut schwer beschädigt. Nach 52 Jahren ohne Brücke, gibt es seit Mai 1994 wieder eine Seebrücke in einer Länge von 370 Metern und sie steht noch immer.

Minimalismus

Von Friedhelm Denkeler,

»Minimalismus«, Ständige Vertretung (StäV) am Schiffbauerdamm, aus der Serie »Berliner Stadtgänge«, Foto © Friedhelm Denkeler 2020
»Minimalismus«, Ständige Vertretung (StäV) am Schiffbauerdamm, aus der Serie »Berliner Stadtgänge«, Foto © Friedhelm Denkeler 2020

You Can’t Always Get What You Want?

Von Friedhelm Denkeler,

1964 – The Rolling Stones: »Mona«. Sechzig Jahre »The Rolling Stones«. Willst du ein Beatle oder ein Rolling Stone sein?

Cover: Rolling Stones: »Rolling Stones (Nr.1)«, 16. April 1964
Cover: Rolling Stones: »Rolling Stones (Nr.1)«, 16. April 1964

Der große ›Philosoph‹ Mick Jagger meint zwar »Man kann nicht immer alles bekommen, was man will«, aber mit seiner Band The Rolling Stones hat er 2022 alles erreicht, was eine Rockband erreichen kann: Die Band stand sechzig Jahre nach ihrer Gründung auf der Berliner Waldbühne und feierte als »dienstälteste Rockband der Welt» ihr Abschlusskonzert der Deutschland-Tournee. Das Konzert war bei Kartenpreisen von 238 bis 600 Euro (sic!) ausverkauft.

Das Jubiläum nehme ich zum Anlass, um auf meine persönlichen Highlights, auf die schönsten Songs der Stones seit 1964 zurückzublicken. Den Anfang macht ihr erstes Studioalbum, das am 16. April 1964 in Deutschland und Großbritannien unter dem Titel »The Rolling Stones« veröffentlicht wurde.

Die bekanntesten Songs dieser LP sind (Get Your Kicks On) Route 66, Carol (geschrieben von Chuck Berry), Tell Me (You’re Coming Back) (dies ist der erste Titel bei dem als Komponisten Jagger/Richards angegeben sind), Little by Little (Phelge/Spector) und Mona (I Need You Baby).

Der Track Mona ist eine wundervolle Blues-Aufnahme mit Live-Atmosphäre aus dem Studio. Er entstand als fünf weiße Jungs sich den Rhythm & Blues der Schwarzen zum Vorbild nahmen und damit die Jugend in den Beatschuppen zum Tanzen brachte.

1964 bestand die Band aus Mick Jagger (Gesang, Harmonika), Keith Richards (E-Gitarre, akustische Gitarre), Charlie Watts (Schlagzeug), Brian Jones (E-Gitarre, Harmonika, Tamburin) und Bill Wyman (E-Bass). Für ihr erstes Album waren zusätzlich Gene Pitney (Klavier), Phil Spector (Gitarre) und Ian Stewart (Orgel, Klavier) mit dabei. Die Debüt-LP wurde von Andrew Loog Oldham produziert und ist bei Decca Records erschienen.

In Großbritannien erreichte das Album, das in Europa nur in Mono erhältlich war, Platz 1 der Charts (in Deutschland kam die LP bis auf Platz 2). Auf der Vorderseite des LP-Covers sind nur die fünf Bandmitglieder in Farbe abgebildet zu sehen, sonst nichts. Weder der Name der Band noch der Album-Titel wurden angegeben. Für die damalige Zeit eine äußerst ungewöhnliche Design-Idee, heute würde man sagen innovativ. Der Bandmanager Andrew Loog Oldham war von der Zukunft der Band überzeugt. Am liebsten hätte er sicher noch das Decca-Label entfernen lassen.

Auf der Rückseite des Covers, ganz in schwarz-weiß gehalten, finden sich fünf kleine Porträts der Bandmitglieder, fotografiert von David Bailey und die Titelliste. Die USA-Version erschien wenig später unter Titel England’s Newest Hit Makers The Rolling Stones in einer sogenannten reprocessed stereo-Version. Außerdem wurde ausgerechnet Mona durch den Song Not Fade Away (Norman Petty/Buddy Holly) ersetzt.

Der Sommer 1964 war auch das Jahr, in dem die ersten Piratenschiffe aus der Nordsee sendeten. Hauptsächlich erinnere ich mich an Radio Caroline. Der erste Titel, den sie sendeten, soll »Not Fade Away« von den Rolling Stones gewesen sein. In diesem Sommer mussten wir Teenager eine wichtige Frage beantworten, eine Frage des Charakters: Willst du ein Beatle oder ein Rolling Stone sein? Die Beantwortung zog sich noch einige Jahre hin. 1970 erwarb ich mein erstes Album der The Rolling Stones aus dem Jahr 1964.

Everything went young in 1964 [Andy Warhol, »Popism«]

Die Geschichte der Rolling Stones ist die Erfolgsgeschichte der Popkultur [Georg Diez, » Rolling Stone«]

Wir machen aus euch genau das Gegenteil dieser netten, sauberen ordentlichen Beatles. Und je mehr die Eltern euch hassen, desto mehr werden euch die Kids lieben. Wartet nur ab. [Andrew Loog Oldham]

Songtext – The Rolling Stones: »Mona«

I say hey, Mona
Oh, Mona
I say yeah, yeah, yeah, yeah, Mona
Oh, Mona

I tell you Mona what I wanna do
I'll build a house next door to you
Can I see you sometimes?
We can blow kisses through the blinds
Yeah can I out come out on the front
And listen to my heart go bumpety bump
I need you baby that's no lie
Without your love I'd surely die
I say hey, Mona
Oh, Mona
I say yeah, yeah, yeah, yeah, Mona
Oh, Mona
I say yeah, yeah, yeah, yeah, Mona
Oh, Mona

I tell you Mona what I wanna do
I'm gonna build a house next door to you
Can I see you sometime?
We can blow kisses through the blinds
Yeah can I out come out on the front
And listen to my heart go bumpety bump
I need you baby that's no lie
Without your love I'd surely die

I say hey, hey Mona
Oh, Mona
I say yeah, yeah, yeah, yeah, Mona
Oh, Mona

Anmerkung zur Kategorie »Siebzig Jahre – Siebzig Songs»

In dieser Kategorie finden Sie Beiträge zu Songs und ihren Interpreten aus 70 Jahren Rock- und Pop-Geschichte 1946 bis 2016. In der Regel werden pro Jahr ein Song, manchmal auch mehrere, vorgestellt. Alle im Text erwähnten Songs sind als Video oder Audio auf den bekannten Musik-Portalen wie YouTube, Vimeo, etc. zu finden. In einer Tabelle habe ich die Songs auf die entsprechenden Videos/Audios verlinkt. Die Serie befindet sich zur Zeit im Aufbau und wird nach und nach vervollständigt. Jeder Artikel ist ein Auszug aus meinem für 2024 geplanten Künstlerbuch »Siebzig Jahre – Siebzig Songs«.

Eine visuelle und tabellarische Übersicht finden Sie hier (mit Links zu den Videos).

Der geballte Hausstand auf dem Bethlehemkirchplatz

Von Friedhelm Denkeler,

»Houseball« von Claes Oldenburg, Bethlehemkirchplatz, Berlin, Foto © Friedhelm Denkeler 2019
»Houseball« von Claes Oldenburg, Bethlehemkirchplatz, Berlin, Foto © Friedhelm Denkeler 2019

In Berlin-Mitte befindet sich in der Nähe von Friedrichstraße und dem Checkpoint Charly« der Bethlehemkirchplatz auf dem früher die Böhmische Bethlehemkirche stand. Sie wurde 1737 als zentrales Gotteshaus der Rixdorfer Böhmen, die im gegenüber den Religionen toleranten Preußen eine neue Heimat gefunden hatten, gebaut und 1963 aufgrund starker Kriegsschäden abgerissen. Der Grundriss der Kirche wird aus roten Pflastersteinen auf dem Platz nachgebildet. Die Kirche vor der Zerstörung um 1910

Der »Houseball« des Bildhauers Claes Oldenburg steht symbolisch für den Hausstand eines Exilanten und somit auch für jene böhmischen Einwanderer in Rixdorf. All seine Besitztümer kann man in ein großes Tuch in Form einer Kugel binden und beim nächsten ›Umzug‹ mitnehmen. Der Houseball hat ein Gewicht von zehn Tonnen bei einem Durchmesser von neun Metern und steht seit 1997 auf dem Platz. Claes Oldenburg ist einer der namhaftesten noch lebenden Vertreter der Pop Art, einer Kunstrichtung, die sich in den 1960er Jahren formierte.

Anmerkung zur Kategorie »In den Straßen von Berlin«

Die work in progress-Serie »In den Straßen von Berlin« besteht aus großformatigen Farb-Fotos aus dem Nach-Wende-Berlin. Die Photographien zeigen den Wandel des Stadtbildes seit dem Jahr 2000: Abriss des Palastes der Republik und neue Hotels, hauptsächlich im Ost-Teil der Stadt, Bautätigkeiten im alten Westen, das Tempelhofer Feld, das seit 2008 als Flugbahn ausgedient hat, Touristenströme am ehemaligen Grenzübergang Checkpoint Charlie, am Hauptbahnhof und im Lustgarten in Mitte. Das Portfolio wird laufend ergänzt. Ein Künstlerbuch ist für 2024 geplant.

Eine visuelle Übersicht mit Teaser der Reihe »In den Straßen von Berlin« finden Sie hier.

La Dolce Vita an der Fontana di Trevi – Unter münzwerfenden Touristen am größten Brunnen Roms

Von Friedhelm Denkeler,

»Auf den Spuren des Römischen Reiches«. Ein Portfolio und Künstlerbuch über vierzehn römische Stadtgänge.

»La Dolce Vita an der Fontana di Trevi – Unter münzwerfenden Touristen am größten Brunnen Roms«, aus dem Portfolio »Auf den Spuren des römischen Reiches«, Foto © Friedhelm Denkeler, 2011
»La Dolce Vita an der Fontana di Trevi – Unter münzwerfenden Touristen am größten Brunnen Roms«, aus dem Portfolio »Auf den Spuren des römischen Reiches«, Foto © Friedhelm Denkeler, 2011

Rom Tag VI: »La Dolce Vita an der Fontana di Trevi«

Jeder kennt den Trevi-Brunnen in Rom vor der Triumphbogenfassade, dass er aber zwischen den Häusern auf einer kleinen Piazza so eingeklemmt ist, damit habe ich nicht gerechnet. Entsprechend gut gefüllt ist der Platz mit Touristen und Andenken-Verkäufern. Mit 50 Metern Breite und einer Höhe von 26 Metern ist das barocke Bauwerk der größte Brunnen Roms und Endpunkt des Aquädukts Aqua Vergine, welcher das antike Rom mit Wasser versorgt hat. Das Gesamtkunstwerk ist wie eine Bühne konzipiert; in der Mitte steht die Statue des Meeresgottes Neptun, der von Tritonen, die ‚Seepferde‘ im Zaum halten, begleitet wird.

In der heutigen Form wurde der Brunnen zwischen 1732 und 1751 im Auftrag von Papst Clemens XII. durch Nicola Salvi gebaut. So richtig bekannt wurde der Brunnen durch den schwarz-weißen Klassiker der Filmkunst La Dolce Vita (Das süße Leben) von Federico Fellini mit Anita Ekberg und Marcello Mastroianni. Berühmt ist auch der Münzwurf: Wer mit seiner rechten Hand über die linke Schulter eine Münze in den Brunnen wirft, wird nach Rom zurückkehren und das werden wir sicherlich auch.

Anmerkungen zum Porfolio »Auf den Spuren des Römischen Reiches«

Unsere sieben Tage in Rom im Jahr 2011 sind eine Reminiszenz an die sieben Hügel, auf denen Rom erbaut worden sein soll. Aber nach den ersten Tagen wurde deutlich, dass für das geplante Buch vierzehn Kapitel notwendig sind. Es geht bei den Photographien um die Stimmungen und die visuellen Eindrücke und weniger um die historischen Begebenheiten. Das Portfolio wird auf meiner Website LICHTBILDER ausführlicher mit den vierzehn Kapiteln der römischen Stadtgänge vorgestellt.

Die vierzehn Kapitel der römischen Stadtgänge

»La Dolce Vita an der Fontana di Trevi – Unter münzwerfenden Touristen am größten Brunnen Roms«, aus dem Portfolio »Auf den Spuren des römischen Reiches«, Foto © Friedhelm Denkeler, 2011
»La Dolce Vita an der Fontana di Trevi – Unter münzwerfenden Touristen am größten Brunnen Roms«, aus dem Portfolio »Auf den Spuren des römischen Reiches«, Foto © Friedhelm Denkeler, 2011

Schäfchenwolke im Hitzesommer

Von Friedhelm Denkeler,

Ein neues Portfolio auf meiner Website LICHTBILDER: »Schwarzbuch – Im eigenen Auftrag«, 2021.

»Große Schäfchenwolke (Altocumulus floccus)«, Foto © Friedhelm Denkeler 2014
»Große Schäfchenwolke (Altocumulus floccus)«, Grenoble, Foto © Friedhelm Denkeler 2014

Wenn ein Photograph sich während seiner künstlerischen Laufbahn verpflichtet fühlt, seine eigene Vorstellung von ›guten‹ Bildern umzusetzen und aufgrund seiner Phantasie damit der Wirklichkeit in seinen Bildern seine eigene Persönlichkeit auferlegt, dann handelt er im eigenen Auftrag. Man kann ihn als ›Autorenfotograf‹ bezeichnen, der in diesem Fall ein Schwarzbuch nicht mit illegalen Vorgängen, sondern mit dunklen, fast schwarzen Bildern herausgibt.

Siehe hierzu auch der Artikel Wann handelt ein Photograph im eigenen Auftrag? Das gesamte Portfolio besteht aus 110 Photographien 30 x 45 cm. Auf meiner Website LICHTBILDER stehen 30 als Einzelbilder zur Ansicht bereit. Die Bilder sind zwischen 2008 und 2021 entstanden und 2021 als gedrucktes Künstlerbuch mit 120 Seiten im Format 30 x 21 erschienen. Weitere Informationen zu den Original-Prints und zum Künstlerbuch finden Sie auf meiner Website LICHTBILDER im Support.

»Da Ende des Sommers«, Kassel, Foto © Friedhelm Denkeler 2012
»Da Ende des Sommers«, Kassel, Foto © Friedhelm Denkeler 2012

Rathaus in Győr

Von Friedhelm Denkeler,

»Rathaus in Györ«, Ungarn,, aus dem Portfolio »Sonntagsbilder«, Foto © Friedhelm Denkeler 2004
»Rathaus in Györ«, Ungarn, aus dem Portfolio »Sonntagsbilder«, Foto © Friedhelm Denkeler 2004

Anmerkungen zum Portfolio »Sonntagsbilder»

Der Versuch einer Definition: Was ist eigentlich ein Sonntagsbild? Ein »schönes« Bild (was auch immer das nun wieder heißen mag; der Autor legt den Titel quasi mit dem Foto fest); es ist in Farbe (jedenfalls bei meinen Sonntagsbildern); es passt in keine andere Kategorie; es gehört nicht zu einer Serie von Bildern und zu keinem Portfolio. Kurz gesagt: Es ist ein Einzelbild. Aber es ist kein Sonntagsbild im Sinne der Sonntagsmalerei.

Am 26. Februar 2012 erschien in meinem Blog das erste Sonntagsbild. Und jeden Sonntag gab es ein neues – Ausnahmen bestätigten die Regel. Die Sonntagsbilder stammen aus dem Portfolio »Sonntagsbilder«, das ich 2005 abgeschlossen habe. Aber der Titel Sonntagsbild ist einfach ein zu schöner Titel. Unter dieser Prämisse führe ich die Kategorie »Sonntagsbilder« in meinem Blog bis auf weiteres mit Fotos aus meinem Archiv und mit neuen Aufnahmen weiter.

Am Anfang war es tierisch … – Ein Meilenstein der Rockgeschichte

Von Friedhelm Denkeler,

1964 – Eric Burdon & The Animals: »House of the Rising Sun«. Wie Eric Burdon ein altes Bordell in die Hitparaden bringt und anschließend der Rockwelt den ›Krieg‹ erklärt.

Im Jahr 2021 feierten viele Rocklegenden ihren 80. Geburtstag: Bob Dylan, Ringo Starr, Cliff Richard, Joan Baez, Neil Diamond, Manfred Mann, Dionne Warwick, Eric Burdon, Brian Wilson, Paul McCartney, Art Garfunkel, Chubby Checker, David Crosby, Charlie Watts, Paul Anka, Tina Turner, Tom Jones, Nancy Sinatra und Giorgio Moroder. In diesem Artikel soll es um Eric Burdon (geb. 11.05.1941) und seine Animals gehen. Nachdem Burdon bereits mit dem Bluesmusiker Alexis Korner aufgetreten war, gründete er 1964 mit dem Organisten Alan Price die Animals. Gleich im ersten Jahr nahmen sie den Song »House Of The Rising Sun« auf, der ihr größter Erfolg werden sollte und der weltweit die Hitparaden eroberte.

Bei diesem Song handelt sich um ein altes Volkslied aus dem 17. Jahrhundert, das bereits frei von Rechten war. Das Haus in New Orleans soll es wirklich gegeben haben. Es gehörte zwischen 1862 und 1874 einer gewissen Marianne Le Soleil Levant (lässt sich auf ›Rising Sun‹ deuten). Eine Anekdote am Rande: Bob Dylan hatte den Song bereits vor den Animals gespielt. Als er ihn das erste Mal auf der elektrischen Gitarre von den Animals hörte, soll er vor Wut in seine Akustik-Gitarre gebissen haben (oder so ähnlich). Bald darauf schloss er seine Gitarre auch an einen Verstärker an.

1964 – The Animals: »House Of The Rising Sun«, Foto/Collage © Friedhelm Denkeler
1964 – The Animals: »House Of The Rising Sun«, Foto/Collage © Friedhelm Denkeler

Nach weiteren Hits wie It’s My Life, Don’t Let Me Be Miss Understood, San Franciscan Nights, Good Times und We gotta Get Out Of This Place, gingen die Animals 1966 im Streit auseinander. 1970 schloss sich Burdon der Latino-Funksoul-Combo »War« an. Ihr Debüt-Album »Eric Burdon Declares War« wurde von den Kritikern hochgelobt und der New Musical Express bezeichnete sie damals als »beste Live-Band, die wir jemals gehört haben«. Seitdem arbeitete Eric Burdon in wechselnden Formationen weiter. 1986 schrieb er seine Biografie I Used to Be an Animal.

Im Song »Story of Bo Diddley« erzählt Erich Burdon die Geschichte vom schwarzen Blues-Musiker Bo Diddley: »Now let’s hear the story of Bo Diddley/ And the rock ’n‘ roll scene in general/ Bo Diddley was born Ellis McDaniels/ In a place called McCoom/ Mississippi about 1926/ He moved to Chicago about 1938/ Where his name was eventually changed/ To Bo Diddley/ …/ He began to play at the Apollo in Harlem/ Good scene there, everybody raving/ One day, one night, came a Cadillac with four head lights/ Came a man with a big, long, fat, cigar/ …/».

Viele weiße Rockmusiker, wie Eric Burdon oder die Rolling Stones, nahmen sich die schwarzen Bluesmusiker, wie Bo Diddley (*1928, †2008, Florida), für ihre Songs zum Vorbild. Einer meiner Lieblingssongs von Bo Diddley ist »Bo Diddley« von der LP »Hey! Bo Diddley« aus dem Jahr 1964. Darin heißt es: »Bo Diddley bought his babe a diamond ring/ If that diamond ring don’t shine/ He going to take it to a private eye/ If that private eye can’t see/ He’d better not take the ring from me. Eric Burdons knurrende Stimme und das Keyboard-Arrangement von Alan Price, inspiriert von Bluesman Josh Whites Aufnahme aus dem Jahr 1937, machten den atemberaubenden Song zum Meilenstein der Rockgeschichte.

Songtext – Eric Burdon & The Animals: »House of the Rising Sun«

There is a house in New Orleans
They call the Rising Sun
And it's been the ruin of many a poor boy
And God I know I'm one

My mother was a tailor
She sewed my new bluejeans
My father was a gamblin' man
Down in New Orleans

Now the only thing a gambler needs
Is a suitcase and trunk
And the only time he's satisfied
Is when he's on a drunk
Oh mother tell your children
Not to do what I have done
Spend your lives in sin and misery
In the House of the Rising Sun

Well, I got one foot on the platform
The other foot on the train
I'm goin' back to New Orleans
To wear that ball and chain

There is a house in New Orleans
They call the Rising Sun
And it's been the ruin of many a poor boy
And God I know I'm one

Anmerkung zur Kategorie »Siebzig Jahre – Siebzig Songs»

In dieser Kategorie finden Sie Beiträge zu Songs und ihren Interpreten aus 70 Jahren Rock- und Pop-Geschichte 1946 bis 2016. In der Regel werden pro Jahr ein Song, manchmal auch mehrere, vorgestellt. Alle im Text erwähnten Songs sind als Video oder Audio auf den bekannten Musik-Portalen wie YouTube, Vimeo, etc. zu finden. In einer Tabelle habe ich die Songs auf die entsprechenden Videos/Audios verlinkt. Die Serie befindet sich zur Zeit im Aufbau und wird nach und nach vervollständigt. Jeder Artikel ist ein Auszug aus meinem für 2024 geplanten Künstlerbuch »Siebzig Jahre – Siebzig Songs«.

Eine visuelle und tabellarische Übersicht finden Sie hier (mit Links zu den Videos).