Im Labyrinth des Schweigens

Von Friedhelm Denkeler,

Wirtschaftswunder statt Vergangenheitsbewältigung: Wie ein junger Staatsanwalt gegen die Etablierten rebelliert

Wenn ein deutscher Staatsanwalt nicht weiß, was in Auschwitz passiert ist – das ist eine Schande [Der Journalist Thomas Gnielka (André Szymanski)]

Besser kann man eine Geschichte im Film nicht erzählen – eine Geschichte, die die Vorgeschichte des Frankfurter Auschwitz-Prozesses thematisiert. Der Film »Im Labyrinth des Schweigens« des Deutsch-Italieners Giulio Ricciarelli spielt in der Zeit des deutschen Wirtschaftswunders Ende der 1950er Jahre bis zum Beginn des Auschwitz-Prozesses am 20. Dezember 1963.

Der Spielfilm fängt die Atmosphäre der fünfziger Jahre mit ihren Häusern, Wohnungen, der Kleidung, Musik und den zeitgemäßen Dialogen überzeugend ein. Die Dialoge sind einmalig – jeden zweiten Satz hätte man in diesem Artikel als Zitat verwenden können.

Der Journalist Thomas Gnielka will im Gericht mit Hilfe eines Überlebenden einen ehemaligen Wärter des Vernichtungslagers Auschwitz anzeigen. Er stößt auf gnadenlose Ablehnung bei der Staatsanwaltschaft, die bis in die höchsten Kreise geht. Nur der junge Staatsanwalt Johann Radmann (Alexander Fehling) wird aufmerksam und befasst sich, mit Unterstützung des Generalstaatsanwalts Fritz Bauer (Gert Voss), mit dem Fall.

Aber er braucht Beweise für Mord oder Beihilfe zum Mord und natürlich etliche Zeugen. Die Recherchen gestalten sich mehr als schwierig, weil er allseits auf eine Mauer des Schweigens stößt. Er, sowie Kollege Otto Haller (Johann von Bülow) und Sekretärin Schmittchen (Hansi Jochmann) finden endlich eine Liste mit SS-Leuten, die Gefangene getötet haben und dies akribisch notierten. Weitere Beweise sammeln sie im Document Center der Amerikaner in Frankfurt.

"Elf Uhr unter der Normaluhr: Die erste Liebe", Archiv © Friedhelm Denkeler 1947
»Elf Uhr unter der Normaluhr: Die erste Liebe«,
Archiv © Friedhelm Denkeler 1947

In der Reaktion der Menschen auf die vorgelegten Beweise, vor allem auch derjenigen, die die Möglichkeit gehabt hätten etwas zu verändern, zeigt sich wenig Interesse, das Geschehen aufzuarbeiten.

Gleichzeitig zeigt der Film auch die Leichtigkeit, die viele suchten, um zu vergessen. Eine Liebesgeschichte zwischen Radmann und Marlene (Friederike Becht), die aber letztendlich an seinem beruflichen Engagement scheitert; ein bonbonfarbenes Transistorradio spielt Vico Torrianos „Kalkutta liegt am Ganges …“, private Feiern und Swing-Tänze mit Petticoat zwischen den Nierentischen spiegeln das Bild der 1950er Jahre perfekt wider.

Aber in einem Unrechtsstaat kann es keine Entlastung wegen Pflichterfüllung geben (»Ich habe nur Befehle ausgeführt«). Viele sind untergetaucht und haben sich eine neue Maske zugelegt, in der man nicht mehr Herr über Leben und Tod sein konnte, aber immer noch als Lehrer Schüler selektieren und schlagen konnte. Hier liegen auch einige der Wurzeln, für die Rebellion der 1968er. Die Lehre aus Auschwitz kann nur sein kann, selbst das Richtige zu tun.

Die Lager sind zwar vor über sieben Jahrzehnten befreit worden und die meisten Täter wie Opfer sind inzwischen verstorben, aber das »Labyrinth des Schweigens« ist ein Plädoyer dafür, dass man Ausschwitz und den nationalsozialistischen Terror nie vergessen sollte. Deshalb und weil es ein sehenswerter Film mit hervorragend besetzten Rollen ist, sollte ein jeder ihn sich ansehen.

Übrigens: Vor kurzem lief Christian Petzolds Film »Phoenix« im Kino, der von der Verdrängung des Holocaust in der unmittelbaren Nachkriegszeit berichtet; Petzold hat den Film Fritz Bauer gewidmet und mit Nina Hoss und Ronald Zehrfeld die beiden Hauptrollen für diesen gleichfalls sehenswerten Film ebenso hervorragend besetzt.

Ich will, dass diese Lügen und das Schweigen endlich aufhören [Der Staatsanwalt Johann Radmann (Alexander Fehling) im Film]

Die Nacht, in der die Mauer in die Luft ging

Von Friedhelm Denkeler,

Die Lichtgrenze zum 25jährigen Mauerfall-Jubiläum.

"Die Lichtgrenze am Potsdamer Platz", Foto © Friedhelm Denkeler 2014
»Die Lichtgrenze am Potsdamer Platz«, Foto © Friedhelm Denkeler 2014

Vor 25 Jahren, am Abend des 9. November 1989 begann die Nacht der offenen Mauer in Berlin und gestern Abend fiel, 25 Jahre später, die symbolische Mauer aus Licht ein zweites Mal.

Die Kunstaktion Lichtgrenze verlief vom 7. bis 9. November 2014 von der Bornholmer Straße, über den Mauerpark, Nordbahnhof, das Brandenburger Tor, den Potsdamer Platz, den Checkpoint Charlie, die East Side Gallery bis zur Warschauer Brücke.

Der einstige Todesstreifen war die ganzen Nächte hell erleuchtet und Berliner und Berlin-Besucher aus aller Welt spazierten drei Tage lang friedlich entlang der Lichtgrenze über Straßen, Brücken und Plätze.

Die Installation bestand aus etwa 7000 mit Helium gefüllten Ballons, die den Verlauf der Berliner Mauer auf 15 Kilometer nachzeichneten. Drei Tage lang hatten die auf drei Meter hohen, leicht schwingenden Stelen sitzenden Ballons ununterbrochen geleuchtet.

Gestern Abend wurden sie, beginnend auf dem Bürgerfest vor dem Brandenburger Tor, vor Hunderttausenden Besuchern Stück für Stück in den Berliner Himmel entlassen. Jeder der Leuchtbälle hatte einen Paten, der seinen Ballon mit einem persönlichen Wunsch versah, bevor er die Reißleine zog. Wie ein leichter Schneeflockenwirbel löste sich die Mauer im abendlichen Himmel über Berlin auf und spontaner Applaus begleitete die Ballons samt ihrer Wünsche in die Nacht vom 9. auf den 10. November 2014.

"Die Lichtgrenze" (Bösebrücke am S-Bhf. Bornholmer Straße), Foto © Friedhelm Denkeler 2014
»Die Lichtgrenze«, Bösebrücke am S-Bhf. Bornholmer Straße, Foto © Friedhelm Denkeler 2014
"Die Lichtgrenze" (Norweger Straße/ Ecke Bornholmer), Foto © Friedhelm Denkeler 2014
»Die Lichtgrenze«, Norweger Straße/ Ecke Bornholmer, Foto © Friedhelm Denkeler 2014
"Die Lichtgrenze auf dem Schwedter Steg" (Verbindung Behmstraße zur Schwedter Straße), Foto © Friedhelm Denkeler 2014
»Die Lichtgrenze auf dem Schwedter Steg«, Verbindung Behmstraße zur Schwedter Straße, Foto © Friedhelm Denkeler 2014
"Die Lichtgrenze an der Bernauer Straße" (Gedenkstätte Berliner Mauer), Foto © Friedhelm Denkeler 2014
»Die Lichtgrenze an der Bernauer Straße«, Gedenkstätte Berliner Mauer, Foto © Friedhelm Denkeler 2014
"Die Lichtgrenze am Potsdamer Platz", Foto © Friedhelm Denkeler 2014
»Die Lichtgrenze am Potsdamer Platz«, Foto © Friedhelm Denkeler 2014
"Lichtgrenze im Regierungsviertel: Marie-Elisabeth-Lüders-Haus", Foto © Friedhelm Denkeler 2014
»Lichtgrenze im Regierungsviertel: Marie-Elisabeth-Lüders-Haus«, Foto © Friedhelm Denkeler 2014

“Das tritt nach meiner Kenntnis … ist das sofort, unverzüglich.”

Von Friedhelm Denkeler,

Die Nacht der offenen Mauer in Berlin

Mit den Worten »Das tritt nach meiner Kenntnis …  ist das sofort, unverzüglich« antwortete heute vor 25 Jahren Günter Schabowski, Mitglied des Politbüros des ZK der SED, am Abend des 9. November 1989 auf die Frage eines Journalisten, ab wann die neue Reiseregelung in Kraft trete. Und es setzte eine beispiellose Nacht ein, in der West-Berlin durch die Mauer hindurch von den Ost-Berlinern gestürmt wurde und sie – wie mein Bild zeigt – entsprechend von den West-Berlinern empfangen wurde.

»9. November 1989, Berlin«, Erstes Kapitel: 23 Uhr, Grenzübergang Sonnenallee, Foto © Friedhelm Denkeler 1989
»9. November 1989, Berlin«, Erstes Kapitel: 23 Uhr, Grenzübergang Sonnenallee, Foto © Friedhelm Denkeler 1989

Den unten abgebildeten Zettel hat Schabowski von Egon Krenz am Rande der Sitzung des Zentralkomitees erhalten und auf seiner Pressekonferenz verlesen. Er enthält keinen Hinweis darauf, dass die neue Regelung erst am folgenden Tag, dem 10. November, in Kraft treten soll. Mit der Bekanntgabe dieser Pressemitteilung im Internationalen Pressezentrum in der Berliner Mohrenstraße wird das Signal zur friedlichen Überwindung der Mauer gegeben. Alle Regularien und Vorbehalte, die dieses Papier durchaus noch enthält, werden in den folgenden Stunden ignoriert. Wahrgenommen wird nur die Botschaft: Die Grenze ist offen. [Quelle: BStU]

Pressemitteilung der ADN am 9. November 1989, Quelle: BStU
Pressemitteilung der ADN am 9. November 1989, Quelle: BStU

9. November 1989 – Berlin, nun freue dich unter diesem Titel habe ich die Fotos, die ich in der Nacht vom 9. auf den 10. November am Grenzübergang Sonnenallee und am Brandenburger Tor gemacht habe, anlässlich der 20. Wiederkehr der Maueröffnung im Jahr 2009, als Portfolio und Autorenbuch neu zusammengestellt. Eine Auswahl finden Sie auf meiner Website Lichtbilder.

Berlin ist ganz anders als Ihr denkt!

Von Friedhelm Denkeler,

Karl-Ludwig Lange mit »Der Photograph in seiner Zeit. Berliner Jahre 1973 –2004«.

Das dürfte bisher und zukünftig einmalig sein – eine Werkschau von einem Fotografen zu gleicher Zeit in zehn (sic!) Ausstellungsorten, verteilt über sieben Berliner Bezirke mit ihren Kommunalen Galerien. Dieses ›Kunststückï hat der in Minden, Westfalen, geborene und seit 1967 in Berlin lebende und fotografierende Karl-Ludwig Lange mit dem Ausstellungsprojekt Der Photograph in seiner Zeit. Berliner Jahre 1973 –2004 mit seinen mehr als 1000 Handabzügen aus der eigenen Dunkelkammer, die in 25 Kapitel eingeteilt sind, zustande gebracht.

Jede der zehn Ausstellungen zeigt die Topografie eines anderen Stadtteils als den, in dem sie zu sehen ist. So sind zum Beispiel in der Alten Feuerwache in Berlin-Friedrichshain Bilder aus der Serie Im Westen 1973 –1986 zu sehen. Hier zeigt Lange einige seiner früheren Bilder, die 1973/74 im neuerbauten Märkischen Viertel entstanden sind. Mit der Arbeit »Schöneberger Gasometer« (1981) nähert er sich räumlich langsam dem Bauwerk und endet mit Fotos von der Besteigung des Gasometers. 1976 hat Lange Läden in der Kreuzberger Oranienstraße fotografiert (siehe Foto), die gleichfalls in Friedrichshain zu sehen sind.

Karl-Ludwig Lange in der Alten Feuerwache in Friedrichshain (mit »Kreuzberg Oranienstraße«, 1977
Karl-Ludwig Lange in der Alten Feuerwache in Friedrichshain (mit »Kreuzberg Oranienstraße«, 1977

Lange hat weniger die touristischen Highlights der Stadt fotografiert oder zumindest nicht so, wie sie von den Touristen erlebt werden, sondern er ruft den Betrachter gleichsam zu: »Berlin ist ganz anders als Ihr denkt!«. Im Museum Reinickendorf sind Bilder aus dem Ost-Teil der Stadt unter dem Titel Die 100 Ansichten des Fernsehturms ausgestellt. Die Serie The Gate Is Open ist nach der Wende entstanden und zeigt die anarchische Situation in den Straßen während der Übergangszeit. Auf vielen Bildern ist der Fernsehturm zu sehen. Ein weiteres Thema in dieser Ausstellung ist der Potsdamer Platz, den Lange über ein Vierteljahrhundert fotografiert hat.

Wer sie alle zehn Ausstellungen an einem Tag sehen will, hat dazu am 15. November 2014 auf der moderierten Bustour Lange LANGE Bustour zu allen Ausstellungsorten Gelegenheit (Start: Alte Feuerwache, 10 Uhr, Voranmeldung: 030/293 47 94 26, Kosten: 8 EURO). Begleitend zu den Ausstellungen erscheint das Buch Karl-Ludwig Lange. Der Photograph in seiner Zeit. Berliner Jahre 1973-2004, herausgegeben von Matthias Harder für die Kommunalen Galerien (Nicolai-Verlag , 35 Euro). Karl-Ludwig Lange.

Wer hat das Internet gelöscht?

Von Friedhelm Denkeler,

»Wer hat das Internet gelöscht?«, Grafik © Friedhelm Denkeler 2008
»Wer hat das Internet gelöscht?«, Grafik © Friedhelm Denkeler 2008
Anmerkung zur Kategorie »«

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Anspruch und Wirklichkeit im Martin-Gropius-Bau

Von Friedhelm Denkeler,

Monat der Fotografie 2014 in Berlin

Im Berliner Martin-Gropius-Bau ist zurzeit die zentrale Gruppenausstellung Memory Lab: Die Wiederkehr des Sentimentalen unter dem Motto Fotografie konfrontiert Geschichte anlässlich des Monats der Fotografie (MdF) 2014 zu sehen. Die Kuratoren fragen: »Wie werden geschichtliche Ereignisse, wie werden kulturelle Besonderheiten und deren Veränderungen oder soziale Verhältnisse heute von Fotografen und Künstlern, welche sich der Mittel von Fotografie und Video bedienen, dargestellt? Wie wird die Distanz zwischen damals und heute, zwischen aktuellen Lebensverhältnissen und dem Gegenstand des Interesses, fotografisch konstruiert und welche Wirklichkeit entsteht dabei? Wie wird Erinnerung formuliert und dem Vergessen entgegengewirkt?«

"Zelle 235" (Untersuchungshaftanstalt  der Stasi in Berlin-Hohenschönhausen), Foto © Friedhelm Denkeler 2009
»Zelle 235«, Untersuchungshaftanstalt der Stasi in Berlin-Hohenschönhausen, Foto © Friedhelm Denkeler 2009

Wir sehen in der Schau weniger Fotojournalismus, dokumentarische Fotografie oder reine Fotografie (Straight Photography), sondern essayistisch arbeitende Künstler, die in Serien und mit filmischen Mittel inszenieren, oder theatralische Effekte nutzen und manchmal auch mit Spielereien fotografisch agieren. Zwischen dem Anspruch der Kuratoren und ihren Texten in der Ausstellung und der Wirklichkeit der gezeigten Werke klafft aber oft eine größere Lücke. Fünf von 17 ausgestellten Arbeiten möchte ich hier vorstellen.

Mitten in einem der acht großen Ausstellungsräume hat Nasan Tur eine Zelle der ehemaligen Stasi-Untersuchungs-Haftanstalt Bautzner Straße 112, Dresden, nachgebaut und an die Wände über ein Dutzend Fotografien von geschlossenen Metalltüren in beiger, leicht vergilbter Farbe gehängt. Die 1,90 x 3,40 Meter große Zelle (hier waren zwei Menschen inhaftiert) lösen beim Besucher ein Gefühl von Enge und Machtlosigkeit aus, obwohl hier die Zellentür offen steht.

Andreas Mühe zeigt seine bereits bekannte Serie Obersalzberg. Durch groß aufgezogene Nachinszenierungen der Fotos von Walter Frentz, dem Kameramann von Leni Riefenstahl, versucht er den propagandistischen Teil der Fotos vom Hitler-Fotografen Walter Frentz darzustellen, zeigt aber auch gleichzeitig die Faszination, die diese Bilder damals wie heute haben. »Der Betrachter ist verantwortlich für das, was in seinem Kopf passiert, nicht der Photograph« sagte Mühe in einem Interview dazu.

Zu empfehlen ist die sehenswerte, 20-minutige Videoarbeit Scopophilia von Nan Goldin. In dieser Arbeit konfrontiert Goldin ihre eigenen, persönlichen Bilder von Freunden mit Fotos von Gemälden aus dem Louvre. Dabei stellt sie »Gesten und Posen, Haltungen und Gebärden gegenüber und entwickelt so eine Ästhetik der Nähe …, die sie in der Malerei und Skulptur ebenso wiederentdeckt, wie in den Augenblicken des Entstehens ihrer eigenen Werke«.

Erwin Olaf ist mit der Serie Berlin vertreten. Er hat in den ehemaligen Sportstätten der Olympischen Spiele 1936 und im Logenhaus Berlin sonderbare Gegenstände und Personen, die in eine dunkle, historisierende Einfarbigkeit (bräunlich) getaucht sind, fotografiert. Die Fotos weisen, bedingt durch die Pigmentdrucke (Carbon Prints), einen fantastischen ›Sound‹ auf.

"Untersuchungshaftanstalt  der Stasi in Berlin-Hohenschönhausen", Foto © Friedhelm Denkeler 2009
»Untersuchungshaftanstalt der Stasi in Berlin-Hohenschönhausen«, Foto © Friedhelm Denkeler 2009

Wie Anspruch und Wirklichkeit auseinander driften kann man anhand Pablo Zuleta-Zahrs Arbeit Puppies in Torture Chambers gut sehen. Eine Schulklasse ist in die Kellergewölbe eines ehemaligen, geheimen Untersuchungsgefängnisses der chilenischen Junta gestiegen und Zuleta-Zahr fotografiert in Schnappschüssen mit langen Belichtungszeiten das Erkunden der Gewölbe durch die Kinder. Die Aufnahmen hätten überall auf der Welt in einem Abbruchhaus stattfinden können. Der Anspruch, die Aufregung und den Schock der Kinder zu zeigen, ist in den verwischten, schwarzweißen Bildern nicht zu erkennen; nur aufgrund des begleitenden Textes lässt sich eine Verbindung herstellen. Die Ausstellung im Martin-Gropius-Bau ist noch bis zum 15.12.2014 zu besichtigen.

Ulrich Wüst – Mitte, Morgenstraße und fremdes Pflaster

Von Friedhelm Denkeler,

Die Ausstellung »Übergänge« in der Loock Galerie in der Potsdamer Straße präsentiert Ulrich Wüst mit drei Werkgruppen, die in Berlin im ›alten‹ Bezirk Mitte (1995 -1997), in seiner Geburtsstadt Magdeburg (1998-2000) und auf ›fremdem Pflaster‹ in Köln (2004-2005) entstanden sind. Alle drei Städte sind durch die Zerstörungen des letzten Krieges stark in Mitleidenschaft gezogen worden und die Auswirkungen sind bis heute direkt oder indirekt im Stadtbild zu erkennen.

In der Serie »Mitte« geht Wüst, bevor die massiven Umgestaltungspläne für das Zentrum Berlins in die Tat umgesetzt werden, noch einmal durch den Bezirk und fotografiert den Abriss einer alten und den Aufbau einer fast ›neuen‹ Stadt. In der Morgenstraße in Magdeburg hat Wüst die kurz vor dem Verfall stehende Industriearchitektur mit ihren Backsteinfabriken und Schloten noch einmal im Bild festgehalten. Dagegen sind in Köln die Kriegslücken längst gefüllt, aber man ahnt sie dennoch; die ›neuen‹ Häuser strahlen den Charme (oder Un-Charme) der 1950er und 1960er Jahre aus – eine Stadt zwischen Tradition und Wiederaufbau zur Zeit des Wirtschaftswunders.

»Ulrich Wüst in der Loock Galerie« (Ausstellung: »Übergänge«, hier: Magdeburg), Foto © Friedhelm Denkeler 2014
»Ulrich Wüst in der Loock Galerie« (Ausstellung: »Übergänge«, hier: Magdeburg), Foto © Friedhelm Denkeler 2014

Ulrich Wüsts Fotografie folgt auch einem klaren Bildprinzip. Es ist ausformuliert, in den Kompositionen bis ins Detail durchdacht und im Wortsinn architektonisch – auch und gerade dann, wenn die Aufnahmen Un-Architektur abbilden. Im Spektrum gegenwärtiger Möglichkeiten einer sachlich-künstlerischen Fotografie, wie sie in Deutschland seit den 70er Jahren vor allem durch die Schule von Bernd und Hilla Becher geprägt wird, stehen diese Bilder ohne direkten Vergleich. [Matthias Flügge]

Die Fotos sind von Wüst exzellent auf 18×24 cm großem Baryt-Papier abgezogen und werden hinter Glas und im Passepartout in 30×40 präsentiert. Ulrich Wüst, 1949 in Magdeburg geboren, lebt und arbeitet seit 1972 in Berlin. Die Ausstellung findet im Rahmen des Monats der Fotografie in Berlin statt und sie gehört zu den sehenswerten fotografischen Arbeiten in diesen Wochen in Berlin. Die Ausstellung in der Loock Galerie ist noch bis zum 20.12.2014 zu besichtigen. Ulrich Wüst | Loock Galerie

After Walker Evans after Wolfgang Vollmer

Von Friedhelm Denkeler,

Dass ich mich in meiner Arbeit über die Kunstwelt lustig mache, heißt nicht, dass ich meine Arbeit nicht ernst nehme [Sherrie Levine, Konzeptkünstlerin (Appropriation Art)]

Gestern Abend zitierte Christine Frisinghelli, Graz, die Künstlerin Sherrie Levine am Ende ihrer Einführung zur Ausstellungseröffnung von Wolfgang Vollmer, Köln, in der oca Gallery in der Potsdamer Straße. Und diese Worte charakterisieren die Arbeiten Meisterwerke der fotografischen Kunst – Die Sammlung Vollmer – 175 Jahre Erfindung der Fotografie sehr treffend.

Sherrie Levine wurde mit ihrer aneignenden Arbeit After Walker Evans berühmt: Sie fotografierte aus Evans Bildbänden Fotos ab und stellte sie unter ihrem Namen aus. Inzwischen hat ein Michael Mandiberg (sozusagen ein Appropriationist der zweiten Generation) wiederum Levines Kopien abfotografiert und als After Sherrie Levine veröffentlicht. Das reizte natürlich auch Wolfgang Vollmer: Er schuf ein Foto, das in der Ausstellung wie folgt beschrieben ist: »Unbekannter Fotograf. Original-Reproduktion einer Foto-Arbeit von Louise Lawler, Sammlung Eaine Stuyvsant, 1995 mit After Walker Evans von Sherry Levine, 1981, hier: Walker Evans, Penny Picture Display, 1936, 2014. Das Original von Walker Evans ist übrigens zurzeit im Martin-Gropius-Bau zu sehen.

»Will man herausfinden, wie etwas funktioniert, gibt es ein probates Mittel – man zerlegt es. Man versucht ein Drei-Männer-Porträt vor einer weiten Landschaft zu verstehen – man findet drei Männer, eine weite Landschaft und stellt sie wie in der Vorlage auf. (Gemeint ist hier das berühmte Foto Drei Jungbauern auf dem Weg zum Tanz von August Sander. Anmerkung F.D.) Und dann erkennt man, dass einige Elemente Wirkung haben, andere nicht. Am Ende weiß man, wie jedes Detail dieser Fotografie wirkt, weil man jedes Detail in der Hand hatte. Man hat die Szene durchlebt (Reenactment), hat sie sich angeeignet (Appropriation), hat sie nachgeahmt (Mimikry). Will man also herausfinden, wie etwas funktioniert, gibt es ein probates Mittel, man setzt es wieder zusammen [Wolfgang Vollmer].

»Wolfgang Vollmer vor ›Fotografien des Committee of Unknown Planes (CUP)‹ in der oca Gallery«, Foto © Friedhelm Denkeler 2014
»Wolfgang Vollmer vor ›Fotografien des Committee of Unknown Planes (CUP)‹ in der oca Gallery«, Foto © Friedhelm Denkeler 2014

Die Sammlung Vollmer begann vor 30 Jahren als Sammlung Tillmann und Vollmer. In der Werkstatt für Photographie in Kreuzberg sahen wir zur Vernissage am 20. September 1985 erstmals diese Bilder. Inzwischen hat Vollmer seine Serie alleine weiter geführt; etwa ein Viertel der ausgestellten Arbeiten stammt noch aus der Ursprungs-Sammlung.

Die Ausstellung läuft nicht offiziell unter dem Logo des Monats der Fotografie in Berlin, aber sie gehört ganz sicher zu den sehenswerten fotografischen Arbeiten dieser Wochen in Berlin. Die Ausstellung in der oca Gallery ist noch bis zum 29.11.2014 zu besichtigen. Wolfgang Vollmer.

Fotografiert ruhig weiter, aber verletzt euch nicht dabei! [Martin Kippenberger, zitiert von Bernd Dicke in der Zeitung Meisterwerke der fotografischen Kunst, die zur Ausstellung erschienen ist.]

Die Bielefeld-Verschwörung

Von Friedhelm Denkeler,

Das gibt’s doch gar nicht!

Aufgewachsen bin ich in Ost-Westfalen, aber in Bielefeld bin ich nie gewesen. Seit circa zehn Jahren kursiert das Gerücht, dass es Bielefeld gar nicht gibt. Hinzu kommt, dass die Autobahn-Abfahrten nach Bielefeld auf der A2 vor ein paar Jahren mit orangefarbenen Klebestreifen durchgestrichen wurden.

Seit dieser Zeit hält sich hartnäckig das Gerücht der »Bielefeld-Verschwörung«, die die Existenz der Stadt in Frage stellt. Außerdem wird Bielefeld als »Running Gag« mindestens einmal in jeder Folge der Fernsehserie »Wilsberg«, die in Münster spielt, erwähnt oder der Name steht irgendwo geschrieben. Angeblich wohnt der zuständige ZDF-Redakteur in Bielefeld. Wer’s glaubt …

»Bielefeld – Nach dem Weinfest«, Foto © Friedhelm Denkeler 2014
»Bielefeld – Nach dem Weinfest«, Foto © Friedhelm Denkeler 2014

Überzeugen wir uns von den Gegebenheiten einmal selbst. »TomTom« kennt Bielefeld, aber das kann bereits Teil der Verschwörung sein. Kennen Sie etwa jemanden aus Bielefeld? Na bitte! Dann die Überraschung: Im Hotel wurden wir bereits erwartet. Mit dem Auto ging es im Fahrstuhl (sic!) in die Tiefgarage und unser Zimmer hatte einen herrlichen Blick auf die Altstadt. Rund um die Nicolaikirche fand zudem ein Weinfest statt. Alle 328.316 Bielefelder schienen am Samstagabend hier vertreten zu sein. So voll ist es nicht einmal in Berlin.

Am Sonntag besuchten wir die große Eröffnung der Ausstellung »Die Bielefelder Schule. Fotokunst im Kontext«, eine der besten Ausstellungen, die ich in der letzten Zeit gesehen habe (siehe Bielefeld – Ein weites Feld für die Fotografie). Der Beweis war erbracht: Bielefeld gibt es wirklich und zwar seit 800 Jahren. Es scheint also nichts dran zu sein – an der Bielefeld-Verschwörung. Oder? Die 800-Jahr-Feier der Stadt steht übrigens unter dem Motto »Das gibt’s doch gar nicht!«.

Nutze die Zeit!

Von Friedhelm Denkeler,

»Nutze die Zeit«, gefunden in Attendorn, Foto © Friiedhelm Denkeler 2014
»Nutze die Zeit«, gefunden in Attendorn, Foto © Friiedhelm Denkeler 2014
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Wini-Wini, Wana-Wana, die Trommel ruft zum Tanz

Von Friedhelm Denkeler,

Die Tahiti Tamourés – von Blütenketten, Baströckchen,
Palmen und den Trommeln der Südsee

Tamouré, der Tanz ist mehr als nur ein Spiel / Es sagt uns beiden viel zu viel / Uns beiden ganz allein / Tamouré, wenn tausend Zaubersterne glüh’n / Dann klingen Liebesmelodien / Sie sagen ich bin dein

"Palmenweg", Foto © Friedhelm Denkeler 2010
»Palmenweg in Tahiti«, Foto © Friedhelm Denkeler 2010

Die Tahiti Tamourés waren mit diesen Zeilen vor ca. 50 Jahren für 24 Wochen in den deutschen Charts (1963). Es waren auf der einen Seite die deutschen Schlager, die mich zu dieser Zeit interessierten (zwangsweise, denn die wurden meistens im Radio gespielt), z.B. Rudi Schuricke (Capri-Fischer, Florentinische Nächte), Kilima Hawaiians (Es hängt ein Pferdehalfter an der Wand), Fred Bertelmann (Der lachende Vagabund) und auf der anderen Seite die englischen Songs (AFN, Radio Luxemburg) wie Paul Anka (Diana, Lonely Boy), Chubby Checker (The Twist), Tony Sheridan & The Beat Brothers (My Bonnie) und The Rolling Stones mit Mona.

Ab 1964 finden sich in meiner Songliste dann hauptsächlich nur noch Rock- und Popsongs. Heute kann man sagen, die Tahiti Tamourés waren die erste Girlgroup Deutschlands. Im englischsprachigen Raum gibt es Girlgroups bereits seit den 1950er Jahren, wie The Chordettes (Lollipop, Mr. Sandman), The Shangri-Las (Leader of the Pack) und The Crystals (Da Doo Ron Ron, Then He Kissed Me). Die Tahiti Tamoures bestanden aus Charlotte Marian, Monika Grimm und als Leadsängerin Doris Wegener, die später als Manuela Karriere machte (Schuld war nur der Bossa Nova). Es war eine reine Studioband, die zwischen 1963 und 1964 vier Singles aufnahm.

Wini-Wini stand 1963 in Deutschland vier Wochen auf Platz 1. Leider ist der Original-Titel im gesamten Internet nicht zu finden, deshalb hier der Link auf die Cover-Version von den Waikiki-Tamoures (Pseudonym von Charlotte Marian (ja, die von den Tahiti Tamourés!), die hier im Duett mit sich selbst singt): Waikiki Tamourés: »Wini-Wini«

1964 kam von den Tahiti Tamourés noch die Single Mañana (Roter Mond vom Rio Negro) heraus. An den Erfolg von Wini Wini, der in die Schlagergeschichte einging, kam er aber nicht mehr heran. Der Name der Gruppe soll sich vom damaligen Modetanz Tamouré ableiten, von dem ich aber nie etwas gehört habe. DER SPIEGEL schrieb in der ihm üblichen Weise in der Ausgabe 40/1963: »In die 60 Meter lange Rille der Tamouré-Platte sind zu angeblichen Südseeklängen insgesamt 72 verständliche Worte eingeritzt, außerdem 64-mal Wini und Wana«. Wie auch immer, heute ist der Ohrwurm eine Erinnerung an Zeiten, die man nicht mehr zurück holen möchte.

Bielefeld – Ein weites Feld für die Fotografie

Von Friedhelm Denkeler,

Die Bielefelder Schule. Fotokunst im Kontext

"Die Bielefelder Schule. Fotokunst im Kontext." (Eröffnung 07.09.2014), Foto © Friedhelm Denkeler 2014
„Die Bielefelder Schule. Fotokunst im Kontext.“ (Eröffnung 07.09.2014), Foto © Friedhelm Denkeler 2014

Seit meiner Fotografie-Ausbildung an der Werkstatt für Photographie in Berlin-Kreuzberg und bei Michael Schmidt in den 1970er Jahren kenne ich die Arbeiten von Karl-Martin Holzhäuser und Gottfried Jäger unter dem Begriff Generative Fotografie.

Holzhäuser und Jäger lehrten jahrzehntelang an der Fachhochschule Bielefeld. Darüber hinaus sind die weiteren Lehrenden und Schüler bundesweit weniger bekannt geworden. Mit der aktuellen Foto-Ausstellung in der Alten Stadtbibliothek in der Wilhelmstraße 3 in Bielefeld – so hoffe ich – wird sich dies ändern.

Am 7. September 2014 waren wir bei der Eröffnung, der von dem Berliner Foto-Historiker Dr. Enno Kaufhold hervorragend kuratierten Ausstellung »Die Bielefelder Schule. Fotografie im Kontext« in Bielefeld. Und wir sahen die meisterlichen Arbeiten von 24 herausragenden Fotografen, die in den vergangenen 50 Jahren an der Fachhochschule Bielefeld gelehrt und gelernt haben.

Genau so stelle ich mir eine perfekte Gruppenausstellung vor: Der passende Ort (die Alte Stadtbibliothek), gut bespielte Stellwände, die so aufgestellt sind, dass sie stets den Blick für das Ganze zulassen und 24 fotografische Arbeiten, die jeweils für sich sprechen. Website

»Die Bielefelder Schule. Fotografie im Kontext, Eröffnung 07.09.2014, Grafik © Friedhelm Denkeler 2014
»Die Bielefelder Schule. Fotografie im Kontext, Eröffnung 07.09.2014, Grafik © Friedhelm Denkeler 2014

Allen 24 Fotografen gerecht zu werden und sie hier vorzustellen, würde jeden Rahmen sprengen. Sie sollen aber zumindest alle in meiner Grafik mit ihren ganz unterschiedlichen Werken genannt werden. Hierbei habe ich eine subjektive Zuordnung zu drei Themenblöcken, die in der Ausstellung so nicht genannt werden, vorgenommen. Ich nenne sie experimentelle, journalistische/soziale und fotografische Arbeiten. Sechs Künstler aus den unterschiedlichen Kategorien werde ich im Folgenden mit ihren Arbeiten vorstellen.

Katharina Bosse: »A Portrait of The Artist As A Young Mother«, 2007

In ihren großformatigen (125 cm x 160 cm) Farbbildern richtet Bosse mit Hilfe von Assistenten den Kamerablick auf sich selber. An ausgesuchten Orten in der freien Natur, mit jeweils wechselnden Accessoires und mit ihren beiden Kleinkindern, setzt sie sich mit den »Widersprüchlichkeiten zwischen der wertebewahrenden Rolle der Mutter und der normbrechenden Künstlerin« in Szene. Die ikonografischen Vorbilder, wie Maria mit dem Kind oder Maria im roten Mantel, setzt sie sparsam ein. Sie müssen vom Betrachter selbst erkannt und interpretiert werden. Die 1968 in Finnland geborene Künstlerin studierte 1988 -1994 an der FH Bielefeld Fotografie und ist seit 2003 ebenda Professorin für Fotografie. Sie lebt in Bielefeld.

Katharina Bosse: »A Portrait of The Artist As A Young Mother«, 2005 – 2007, Die Bielfelder Schule. Fotografie im Kontext, Alte Stadtbibliothek Bielefeld, Foto © Friedhelm Denkeler 2014
Katharina Bosse: »A Portrait of The Artist As A Young Mother«, 2005 – 2007, Die Bielfelder Schule. Fotografie im Kontext, Alte Stadtbibliothek Bielefeld, Foto © Friedhelm Denkeler 2014

Andrea Diefenbach: »Land ohne Eltern«, 2008 – 2010

Diefenbachs farbigenAufnahmen (30 cm x 40 cm) entstanden in Moldawien und befassen sich mit den sozialen Verhältnissen im Land. Armut ist das beherrschende Thema, das immer mehr Erwachsene in das westliche Ausland treibt. Ihre eigenen Kinder lassen die Eltern oftmals, wenn auch nur vorübergehend, in der Heimat zurück. Diesen schmerzhaften Zustand der längeren Trennung gibt Diefenbach in ihren Fotografien wieder. Aus der Sicht der Eltern und aus der Sicht der Kinder. Die 1974 in Wiesbaden geborene und heute dort lebende Künstlerin hat zwischen 2000 und 2006 an der FH Bielefeld studiert. Sie lehrt seit 2013 an der Hochschule Darmstadt. Ihre Arbeit Land ohne Eltern ist 2012 als Buch erschienen. Sie arbeitet als Freie Fotografin unter anderem für GEO, STERN und Zeit.

Karl-Martin Holzhäuser: »Licht-Bilder«, 1969 – 2005

Der Kontakt zu Gottfried Jäger, dem Begründer der Generativen Fotografie, brachte Holzhäuser zur Lichtmalerei mit gegenstandslosen Bildern, die zu seiner Handschrift wurden. »Technisch gesprochen trägt er mit einem von ihm erfundenen Lichtpinsel farbiges Licht auf fotografisches Farbpapier. Ästhetisch eröffnet dies einen Kosmos möglicher Bildgestaltungen«. Der 1944 geborene Holzhäuser absolvierte im Museum Dahlem in Berlin eine Lehre als Fotograf und studierte an den Kunstschulen in Darmstadt, Saarbrücken und Hamburg. Zwischen 1970 und 2006 lehrte er als Professor an der FH Bielefeld. Er lebt heute in Bielefeld.

SebastianDenz: „Skateboarding.3D“, 2066 – 2007

Mit einer eigens konstruierten 3D-Großformatkamera reiste Denz berühmten Skateboard-Fahrern durch halb Europa hinterher und fotografierte sie an außergewöhnlichen Locations. Bedingt durch die Stereo-Technik und ihren Überlappungen in Rot und Cyan haben die Großfotografien (180 cm x 90 cm) ihren eigenen Reiz. Der 3D-Effekt erschließt sich dann mit den bereit liegenden Stereo-Brillen. Der 1974 geborene Denz lebt zurzeit in Berlin und ist seit 2011 Professor an der Design-Akademie in Berlin. Sein Studium in Architektur und Fotografie absolvierte er in Hannover und Bielefeld.

Roman Bezjak: »Socialist Modernism«, 2005 – 2011

An den Schnittstellen zwischen Vergangenheit und Zukunft liegt der Fokus von Bezjaks großformatigen Farbbildern (176 cm x 140 cm). Die einstige Utopie für den neuen, sozialistischen Menschen in den osteuropäischen Ländern spiegelt sich noch heute in der Wirklichkeit der vorhandenen Nachkriegsarchitektur. Die Uniformität der kolossartigen Wohngebäude trifft auf verspielte ornamentale Verzierung, die eine individuelle Prägung erzeugen. Der 1962 in Slowenien geborene und heute in Hamburg lebende Fotograf ist seit 2000 Professor an der FH Bielefeld.

Andrea Sunder-Plassmann: "Tableaux Vivants", 2012 ("Die Bielfelder Schule. Fotografie im Kontext" (Alte Stadtbibliothek Bielefeld), Foto © Friedhelm Denkeler 2014
Andrea Sunder-Plassmann: »Tableaux Vivants«, 2012, Die Bielfelder Schule. Fotografie im Kontext, Alte Stadtbibliothek Bielefeld, Foto © Friedhelm Denkeler 2014

Andrea Sunder-Plassmann: »Tableaux Vivants«, 2012 und »Larva«, 1986 – 2009

In Bielefeld ist Sunder-Plassmann mit zwei Arbeiten vertreten. Die ausgestellten Selbstporträts stammen aus ihrer Serie Larva. Dem gegenüber steht eine Videoarbeit aus dem Jahr 2012. Dieses Tableau Vivant lässt sich im weiteren Sinne als eine Gruppenaufnahme mit verlangsamt projizierten Personen beschreiben. In dem etwa 10minütigen Video werden Personen in mehreren Einstellungen aufgenommen und zeigen unterschiedliche Emotionen. Die Künstlerin wurde 1959 in Münster geboren und lebt heute in Berlin. Von 2001 bis 2006 war sie Professorin an der FH Bielefeld.

"Die Bielefelder Schule. Fotografie im Kontext" (Alte Stadtbibliothek Bielefeld), Foto © Friedhelm Denkeler 2014
»Die Bielefelder Schule. Fotografie im Kontext«, Alte Stadtbibliothek, Bielefeld, Foto © Friedhelm Denkeler 2014

Wunschtraum

Von Friedhelm Denkeler,

»Wunschtraum«,  Oberbaumstraße, Berlin-Kreuzberg, Foto © Friedhelm Denkeler 2014
»Wunschtraum«, Oberbaumstraße, Berlin-Kreuzberg, Foto © Friedhelm Denkeler 2014

Der Mensch

Von Friedhelm Denkeler,

»Neues Museum«, Museumsinsel, Berlin, Foto © Friedhelm Denkeler 2011
Anmerkung zur Kategorie »«

In dieser Kategorie erscheint am ersten Tag eines Monat öfter ein bildlich umgesetzter Post mit einem Zitat. Das kann eine Photographie mit einem Spruch sein oder ein Bild, das grafisch mit dem Zitat des Monats gestaltet wurde.

Eine Übersicht über alle Artikel der Kategorie finden Sie unter »«.

Die Achtundsechziger – heute sind sie selber welche

Von Friedhelm Denkeler,

Ein Drei-Stationen-Rückblick auf die Achtundsechziger. »Was tun?« [Lenin] fragen sich die Alt-Achtundsechziger heute ein zweites Mal – keinesfalls ein sauberes Treppenhaus putzen.

Aber die Melancholie über verpasste Chancen und der leise Zweifel an der Richtigkeit des eigenen Tuns bleiben und machen aus Westhoff »Wir sind die Neuen« ein kleines Komödien-Juwel … Nicht seicht und gefällig, sondern leicht, lustig und lebensklug; eine Kunst, die einfach aussieht und so schwierig zu bewerkstelligen ist. [ZEIT ONLINE].

Der Lietzensee mit dem dazugehörigen Park ist ein Kleinod mitten im Charlottenburger Ortsteil Witzleben und irgendwie wirkt er wie ein Relikt aus alten West-Berliner Zeiten. Zu Wohngemeinschaftszeiten in Halensee war ich häufiger hier, aber seit gefühlten 40 Jahren nicht mehr. Jetzt stand ein Spaziergang rund um den sichelförmigen See beidseitig der Neuen Kantstraße an, verbunden mit einem Besuch im »Bootshaus Stella am Lietzensee«.

»Lietzensee mit Bootshaus Stella«, Foto © Friedhelm Denkeler 2014
»Lietzensee mit Bootshaus Stella«, Foto © Friedhelm Denkeler 2014

Als Rückweg wählten wir die Strecke durch das schöne, gründerzeitliche Wohngebiet Suarez-, Holzensdorf- und Leonhardtstraße bis zum Stuttgarter Platz. Hier an der Ecke Kaiser-Friedrich-Straße/Leonhardtstraße gibt es Gasthäuser wie das Dollinger oder das Lentz. Insbesondere in letzterem scheint man auf die gleichen Leute wie vor 40 Jahren zu treffen, die meisten sind also um die achtundsechzig herum.

An unserer dritten Station ging die Reminiszenz an die 68er weiter: Im Delphi-Filmpalast an der Kantstraße sahen wir den Film von Ralf Westhoff »Wir sind die Neuen«. Mit den Neuen sind die Alt-68er Anne (Gisela Schneeberger), Johannes (Michael Wittenborn) und Eddie (Heiner Lauterbach) gemeint. Sie wollen ihre alte Studenten-WG aus Wohnungsnot, Einsamkeit und Kostengründen wieder neu beleben. Die Mieten sind inzwischen für einen Rentner-Single-Haushalt zu hoch geworden. Zu dritt finden sie eine Wohnung und zwar direkt unter einer Jung-Studenten-WG. Damit ist der Clash der Generationen, drei gegen drei, vorgezeichnet.

»Wir sind die Neuen« im Delphi-Filmpalast, Berlin, Foto © Friedhelm Denkeler 2014
»Wir sind die Neuen« im Delphi-Filmpalast, Berlin, Foto © Friedhelm Denkeler 2014

Die Neuen ziehen fröhlich und lärmend ein, feiern und tanzen eine Nacht im Club durch und trinken reichlich Wein in der Gemeinschaftsküche. Dabei wirken sie jugendlicher als die Jung-Studenten. Diese basteln an ihrer Karriere, sind aber in Alltagsdingen komplett untauglich und haben leider keine Kapazitäten für das Zwischenmenschliche mehr frei. Sie sind zu früh Spießer geworden, wollen alles perfekt machen und haben Angst vor dem Kontrollverlust. Den Wählscheibentelefon-Benutzern drücken sie die regelmäßige Treppenhaus-Reinigung auf, die Eddie mit den Worten »Ich putze doch kein sauberes Treppenhaus« empört ablehnt.

Die höhere Sympathie liegt bei den Alt-68ern, also bei den Neuen, das hat Westhoff (Jahrgang 1969!) im Film bereits so angelegt: Er betrachtet sie länger und herzlicher. Eine empfehlenswerte, melancholische Komödie zum Lächeln; wer aber ablachen möchte ist hier fehl am Platz. Das Delphi ist nebenbei gesagt bekannt für ein anspruchsvolles Publikum, mehrheitlich auch Alt-68er.

Ralf Westhoffs beherrscht die seltene Begabung, Dialoge glaubwürdig wirken zu lassen und sie gleichzeitig komisch zuspitzen zu können. Dass Wir sind die Neuen visuell nicht viel hergibt, fällt bei diesen Dialogen beinahe nicht auf [Süddeutsche.de]

Und vor allem weiß Westhoff, was jede wirklich gute Komödie auszeichnet: Die handelt eigentlich von der Vergeblichkeit der menschlichen Existenz und von all den elementaren Ängsten, mit denen man sich so durchs Leben schleppt. Eine wirklich gute Komödie muss ihre Figuren als Menschen erst mal ernst nehmen, damit man dann über sie lachen kann, und sie macht die, die sie zeigt, niemals lächerlich. Sie hat Mitgefühl. [DIE WELT]

Eine Dreiecks-Geschichte um den jungen Schiller

Von Friedhelm Denkeler,

»Die geliebten Schwestern« von Dominik Graf – eine berauschender »Brieffilm«

Vor kurzem noch in Weimar davor gestanden – Schillers Geburtshaus – und gestern als Schluss-Einstellung in Dominik Grafs Film »Die geliebten Schwestern« erneut in der Jetzt-Zeit gesehen. Zunächst ohne Menschen, aber dann kommen die Touristen von allen Seiten herbei. Der Film spielt um 1788 und die fernmündliche Kommunikation zwischen Friedrich Schiller, hier noch ohne ‚von‘ (Florian Stetter), Charlotte von Lengefeld (Henriette Confurius) und deren Schwester Caroline (Hannah Herzsprung) wird ausschließlich durch verschlüsselte Briefchen hergestellt. Und das oft mehrmals am Tag. Jeden SMS-Tipper sehe ich ab sofort mit ganz anderen Augen.

»Schillers Wohnhaus in Weimar«, Foto © Friedhelm Denkeler 2014
»Schillers Wohnhaus in Weimar«, Foto © Friedhelm Denkeler 2014

Die Liebe bleibt … nach den träumerischen Wirren jenes Sommers 1788 letztlich doch so unfrei, dass sie weiter versteckt werden muss hinter fassadenwahrenden Arrangements … Ob die jüngere Charlotte durch die Ehe mit Schiller auch die Beziehung der älteren Caroline zu ihm ermöglicht, und ob Carolines zweite Ehe mit dem dann doch irgendwann auftauchenden von Wolzogen (Freund von Schiller) womöglich nichts als ein weiteres Arrangement ist, Schiller nahe zu sein? [DIE WELT].

Ob die Utopie einer Liebe, die Ménage-à-trois, sich wirklich so abgespielt hat, ist nicht überliefert. Nur ein Brief soll übrig geblieben sein, so der Erzähler (Dominik Graf) aus dem Off. So könnte es gewesen sein. Ein empfehlenswerter Film und mit 170 Minuten keine Minute zu lang.

Ein Kind der Zeit wartet auf die Querschläger

Von Friedhelm Denkeler,

Child in Time – Einer der besten Songs der Rockgeschichte

Sweet child in time, you’ll see the line/ Line that’s drawn between good and bad/ See the blind man shooting at the world/ Bullets flying, ooh taking toll/ If you’ve been bad – Oh Lord I bet you have/ And you’ve not been hit oh by flying lead/ You’d better close your eyes, aahaouho bow your head/ Wait for the ricochet

»Deep Purple in Rock«, Foto © Friedhelm Denkeler 2014
»Deep Purple in Rock«, Foto © Friedhelm Denkeler 2014

Einer der schönsten Songs der Rockgeschichte aus dem Jahr 1970 ist »Child in Time« von Deep Purple mit Ritchie Blackmore, Ian Gillan und Jon Lord. Die Musiker verstehen es, mit der Kraft der Musik und dem Gesang die Zuhörer zu faszinieren. Der Sinn des Liedes ist allerdings schwer nachzuvollziehen: Es geht um die Grenze zwischen Gut und Böse, um den Baum der Erkenntnis und um Mord, bei dem selbst wegducken sinnlos ist, denn es folgen noch die Querschläger. Einige Erklärungsversuche hingegen versuchen sich an der Erbsünde und das sie wohl nicht zu besiegen sei; gleichzeitig ist es aber auch ein Anti-Kriegs-Song. Wie auch immer: Musikalisch gesehen, ist es ein Meisterwerk. Deep Purple: »Child in Time«

Das Stück beginnt mit einer leisen Einleitung auf der Hammond-Orgel. Nach und nach setzt der Gesang ein, zusammen mit dem Bass wird er immer lauter und zum Schluss des Intros gibt es eine Reihe von hilferufähnlichen Schreien, die in rein ekstatischen Schreien enden. Nach einem Drittel des Songs beginnt ein dreiminütiges Solo von Gitarre und Orgel, dabei wird das Tempo laufend gesteigert, bis es abrupt abbricht. Und es beginnt wieder mit der Orgel-Einleitung des Intros. Das Ganze über zehn Minuten!

Damit gehört Child in Time zusammen mit Led Zeppelins Stairway To Heaven und Black Sabbaths Paranoid zu den bekanntesten Hardrock-Hymnen. »Die drei Bands gelten als Gründer des Genres und kommen oft im gleichen Satz vor. Von vergleichsweise härteren Tönen abgesehen, haben Deep Purple jedoch wenig mit den anderen zwei gemeinsam. Einerseits, weil ihre Musik eher in der Klassik als im Blues wurzelt, andererseits, weil die Orgel wesentlicher Bestandteil ihrer Stücke ist.« [Laut.de].

Insbesondere wurde Deep Purple durch ihre perfekten Live-Auftritte bekannt. In diesem Zusammenhang ist das 1972er Album »Deep Purple – Live in Japan« zu erwähnen: mit harten Klängen und bisher in der Rockmusik nicht üblichen Tonleitern. Die Verbindung von Rock und Klassik zeigte sich auch an ihrem Auftritt mit dem Royal Philharmonic Orchestra: Livealbum »Concerto for Group and Orchestra«, 1969 und dem Studioalbum »Deep Purple in Rock«, 1970. Alle drei LPs enthalten den zehnminütigen Song Child in Time. Einer meiner All-Time-Favoriten.

Die elf Kategorien im Blog JOURNAL

Von Friedhelm Denkeler,

Seit dem 1. Juli 2014 gibt es einige Weiterentwicklungen und Verbesserungen im JOURNAL (siehe Alles neu macht der Juli, aber bei gewohnter Qualität); eine betrifft die Zuordnung der Artikel zu den Kategorien, die ich heute vorstellen möchte.

»Geheime Anlage«, aus dem Portfolio »Köbbinghauser Hammer«, 2014, Foto © Friedhelm Denkeler 2010
»Geheime Anlage«, aus dem Portfolio »Köbbinghauser Hammer«, 2014, Foto © Friedhelm Denkeler 2010

Die elf Kategorien

Ausstellung(296)

In dieser Kategorie werden entsprechend des Blog-Untertitels »Berichte von Friedhelm Denkeler aus Berlin zu Photographie und Kunst« in erster Linie selbst besuchte Ausstellungen, hauptsächlich in Berlin, zu Photographie und Kunst besprochen oder angekündigt.

Filmbesprechung(93)

Unter dieser Kategorie diskutiere ich die selbst gesehenen aktuellen Kino-Filme, hin und wieder auch einmal einen Klassiker. Um eventuelle Copyright-Ansprüche zu umgehen, sind in der Regel alle Beiträge mit eigenen Fotos versehen.

Fotografisches Fundstück(116)

In dieser Kategorie finden Sie aktuelle Photographien, die bisher keinem Portfolio zugeordnet sind, wie Impressionen von Stadtgängen, Landausflügen, Urlaubsreisen, Stillleben, oder auch Erlebnisse aus dem Alltag.

Gemischtes(35)

In dieser Kategorie erscheinen alle Artikel und Bilder, die nicht in die anderen Kategorien passen. Dazu gehören auch Artikel über grafische und technische Veränderung meiner Websites LICHTBILDER und JOURNAL. Auch Artikel über Theaterstücke habe ich hier erst mal untergebracht.

Historisches Foto(56)

In dieser Kategorie zeige ich unregelmäßig Photographien aus meinem fotografischen Archiv. In der Regel wurden sie vor über dreißig Jahren aufgenommen.

In den Straßen von Berlin(16)

Die work in progress-Serie »In den Straßen von Berlin« besteht aus großformatigen Farb-Fotos aus dem Nach-Wende-Berlin. Die Photographien zeigen den Wandel des Stadtbildes seit dem Jahr 2000: Abriss des Palastes der Republik und neue Hotels, hauptsächlich im Ost-Teil der Stadt, Bautätigkeiten im alten Westen, das Tempelhofer Feld, das seit 2008 als Flugbahn ausgedient hat, Touristenströme am ehemaligen Grenzübergang Checkpoint Charlie, am Hauptbahnhof und im Lustgarten in Mitte. Das Portfolio wird laufend ergänzt. Ein Künstlerbuch ist für 2027 geplant.

Portfolios(98)

In dieser Kategorie stelle ich meine Portfolios vor, die ich auf der Website LICHTBILDER neu eingestellt habe; das können auch ältere Serien sein, die ich aktuell dafür aufbereitet habe. Diese Kategorie ist eine der Hauptaufgaben des Blocks. Neben neuen Portfolios werden immer wieder ältere vorgestellt.

Rock-Archiv(48)

Im Rock-Archiv finden Sie ›ältere‹ Beiträge von Songs und ihre Interpreten zur Rock- und Pop-Geschichte. Alle im Text erwähnten Songs sind als Video oder Audio auf den bekannten Musik-Portalen wie YouTube, Vimeo, etc. zu finden. Diese Artikel werden nach und nach in die Kategorie »Siebzig Jahre – Siebzig Songs« einfließen.

Siebzig Jahre – Siebzig Songs(38)

In dieser Kategorie finden Sie Beiträge zu Songs und ihren Interpreten aus 70 Jahren Rock- und Pop-Geschichte 1946 bis 2016. In der Regel werden pro Jahr ein Song, manchmal auch mehrere, vorgestellt. Alle im Text erwähnten Songs sind als Video oder Audio auf den bekannten Musik-Portalen wie YouTube, Vimeo, etc. zu finden. In einer Tabelle habe ich die Songs auf die entsprechenden Videos/Audios verlinkt. Die Serie befindet sich zur Zeit im Aufbau und wird nach und nach vervollständigt. Jeder Artikel ist ein Auszug aus meinem für 2027 geplantes Künstlerbuch »Siebzig Jahre – Siebzig Songs«.

Sonntagsbild(167)

Der Versuch einer Definition: Was ist eigentlich ein Sonntagsbild? Ein ›schönes‹ Bild (was auch immer das nun wieder heißen mag; es ist in Farbe; es passt in keine andere Kategorie; es gehört nicht zu einer Serie von Bildern, es ist ein Einzelbild. Aber es ist kein Sonntagsbild im Sinne der Sonntagsmalerei.

Stadtverschönerung(38)

Alles fing 1986 mit den Spray-Bananen an, die der Kölner Künstler Thomas Baumgärtel in Berlin verteilte und zwar nicht willkürlich, sondern mit System als besondere Auszeichnung für Galerien und Kultureinrichtungen. Kunstinsider kennen deren mittlerweile international gewordene Bedeutung.

Texte zur Photographie(15)

In dieser Kategorie finden Sie Betrachtungen zum photographischen Bild, zur Geschichte der Fotografie, zur analogen und digitalen Technik, zum Fotografischen Print und Künstlerbuch, aber auch Historisches, wie die »Kleine Geschichte der Werkstatt für Photographie«. Diese Kategorie findet sich noch im Aufbau.

Zitat des Monats(123)

In dieser Kategorie erscheint am ersten Tag eines Monat öfter ein bildlich umgesetzter Post mit einem Zitat. Das kann eine Photographie mit einem Spruch sein oder ein Bild, das grafisch mit dem Zitat des Monats gestaltet wurde.

Von den Füßen auf den Kopf gestellt

Von Friedhelm Denkeler,

Wolf Vostells »La Tortuga«, 1987, auf dem Gelände des Anhalter Bahnhofs

Normalerweise heißt die Redensart »Etwas vom Kopf auf die Füße stellen«. Zur 750-Jahr-Feier der Stadt Berlin im Jahr 1987 machte es der Aktionskünstler Wolf Vostell umgekehrt: Er legte am Anhalter Bahnhof für die Ausstellung Mythos Berlin eine komplette Dampflokomotive wie eine Schildkröte auf den Rücken. Die auf dem Kopf stehende Skulptur nannte er La Tortuga. Sie sollte als Mahnmal auf den Missbrauch von Industrie und Technik für den Krieg hinweisen und symbolisch den Niedergang alter Industriezweige versinnbildlichen.

"Drei Kräne und eine Dampflokomotive (Aktion "La Tortuga" von Wolf Vostell auf dem Gelände des Hamburger Bahnhofs), Foto © Friedhelm Denkeler 1987
»Drei Kräne und eine Dampflokomotive«, Aktion »La Tortuga« von Wolf Vostell auf dem Gelände des Hamburger Bahnhofs, Foto © Friedhelm Denkeler 1987

Am 1. August 1987 arbeiteten hinter dem Portikus des Anhalter Bahnhofs bis in die Abendstunden drei schwere Kräne daran, die Lokomotive in der Luft zu drehen und kopfüber wieder abzusetzen. Ein feinsinniger Moment und ein ästhetisches Event. 1993 gelangte die Skulptur zum Theater in Marl. Hier im Ruhrgebiet ist die wohl größte Skulptur von Vostell sehr passend platziert. Die Güterzuglokomotive der Baureihe 52 stammt aus dem Zweiten Weltkrieg; mit ihr hat die Deutsche Reichsbahn das Material an die Fronten, aber auch Menschen in Konzentrationslager transportiert. Mit diesem Wissen wurde aus dem Kunst-Event eine politische Aktion.

Wolf Vostel, "La Tortuga" (Die Schildkröte), Foto © Friedhelm Denkeler 1987
Wolf Vostel: »La Tortuga“ (Die Schildkröte), Foto © Friedhelm Denkeler 1987

Vostell war einer der Pioniere der Fluxus-Bewegung, bei denen die Grenzen zwischen (politscher) Kunst und Alltag aufgehoben wurden. Von dem im Jahr 1998 mit 65 Jahren verstorbenen Künstler stammt auch die Plastik »Zwei Beton-Cadillacs in Form der nackten Maja« am Rathenauplatz, am oberen Ende des Kurfürstendammes. Sie ist Teil des Skulpturenboulevards anlässlich der 750-Jahr-Feier.

Das Wort

Von Friedhelm Denkeler,

»Gegen das Schweigen und das Getöse, erfinde ich das Wort«, Octavia Paz, 1914-1998, Foto © Friiedhelm Denkeler 2014
»Gegen das Schweigen und das Getöse, erfinde ich das Wort«, Octavia Paz, 1914-1998, Foto © Friiedhelm Denkeler 2014
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Durch das Ehrenamt in die Insolvenz

Von Friedhelm Denkeler,

Theater O-TonArt in Schöneberg in Not – Ein Spendenaufruf

»Durchs Ehrenamt in die Insolvenz«, so fasst Theaterleiter Bernd Boßmann seine aktuelle Situation zusammen. Vor fünf Jahren gründet er das Theater O-TonArt in der Schöneberger Kulmer Straße 20a. Ohne jegliche Subventionen und mit Hilfe von zehn Ehrenamtlichen bringt Boßmann seitdem Shows, Solo-Abende und klassische Stücke auf die Bühne. Die auftretenden Künstler erhalten ihre Gage,  die Ehrenamtlichen machen ihrem Namen alle Ehre und das Publikum liebt die Bühne. Soweit so gut.

Eine kräftige Mieterhöhung seitens des Vermieters, Gema-Gebühren und Nachzahlungen an die Künstlersozialkasse bedrohen ganz akut diese noch einzig im Kiez verbliebene Spielstätte. Um sie zu retten, hat Theaterleiter Boßmann eine Pressemitteilung veröffentlicht und bittet mit einer guten Idee ganz dringend um Spenden engagierter Berliner und Idealisten. Wer mehr als 1 Euro für das Theater O-TonArt spendet, bekommt zum Dank und gegen Vorlage des Einzahlungsbelegs im nahe gelegenen Café finovo auf dem St. Matthäus-Kirchhof eine von ihm kreierte Berliner Brause, die »Berlinade«, geschenkt.

Bernd Boßmann habe ich 2013 als Finalisten beim »Deutschen Engagementpreis« vorgestellt. Seit acht Jahren ist er in Schöneberg sozial und kulturell engagiert. Urkunden hat er mittlerweile genügend; was er nun braucht ist Geld, um den Pfändungsbescheid vom Finanzamt abzuwenden. Wer mit mindestens 1 Euro dabei sein möchte, der notiert sich bitte die folgenden Kontaktdaten: Bernd Boßmann, Commerzbank 100 400 00, Konto-Nr. 273 3939 00, Stichwort Berlinade. Im Gegensatz zu den subventionierten Bühnen leistet sich das Theater O-TonArt übrigens keine Sommerpause, sondern bringt im August »Felix Krull«, »Allerdings Ringelnatz« und »An Evening with Marlene D.« auf die Bühne. Und wie heißt es so schön in der Dreigroschenoper: »Ist das nötige Geld vorhanden, ist das Ende meistens gut«. Wir wünschen es Bernd von Herzen.

»Oma Kläre's Kabinett der kuriosen Köstlichkeiten«, Theater O-TonArt, Foto © Friedhelm Denkeler 2014
»Oma Kläre’s Kabinett der kuriosen Köstlichkeiten«, Theater O-TonArt, Foto © Friedhelm Denkeler 2014

Mein Foto ist gestern Abend im Theater O-TonArt bei »Oma Kläre’s Kabinett der kuriosen Köstlichkeiten« entstanden. Oma Kläre (Bernd Boßmann) präsentierte illustre Überraschungsgäste, unter anderem Tima die Göttliche, Dieter Rita und Schmidtke der zerfallene Engel. Zukünftig will Oma Kläre immer am letzten Montag des Monats in »Berlins Hoftheater für königliche Unterhaltung« einladen.