Song des Tages – Cherry Oh Baby

Von Friedhelm Denkeler,

Black and Blue – Das ›schwärzeste‹ Album der Stones

Oh, Cherry, oh Cherry, oh baby/ Doncha know I in need of thee/ You don’t believe it true/ Why don’t you love me, too/ Its so long I been waiting/ For you to come right in/ Now that we are together/ Is make my joy run over [Keith Richard & Mick Jagger: „Cherry Oh Baby“]

Der Titel »Black and Blue« des dreizehnten, 1976 erschienenen Studioalbums der Rolling Stones, ist eine Anspielung auf das deutsche ‹Grün und Blau schlagen‹. Es soll hier für den Einfluss der schwarzen Musik auf die Songs des Albums stehen: ›Black‹ für die Schwarze Musik (Reggae) und ›Blue‹ für die typischen afroamerikanischen Töne, die ›Blue Notes‹, die den Bluescharakter von Melodien prägen. Die Songs dieser LP weisen besonders viele Einflüsse von Funk-, Blues-, Rock-, Jazz- und Reggae-Musik auf. Man kann deshalb Black and Blue als ›schwärzestes‹ Album der Stones ansehen. Die meisten dieser Songs wurden 1975 in den Musicland Studios von Giorgio Moroder in München aufgenommen. The Rolling Stones: »Cherry Oh Baby«, 1976.

1969 trat Mick Taylor, der seit 1967 bei John Mayall in dessen Band The Bluesbreakers spielte, als Nachfolger für Brian Jones in die Band ein. Fünf Jahre später verließ der introvertierte Musiker die Band wieder; mit den Showmen Mick Jagger und Keith Richards kam er auf Dauer nicht klar. Deshalb waren die Stones im Rahmen der Aufnahmen zum Album Black and Blue auf der Suche nach einem neuen Gitarristen. Sie testeten für die anstehenden Aufnahmen unter vielen anderen auch Jeff Beck und Ron Wood. Die Band entschied sich letztlich für Ron Wood als neues Bandmitglied. In Black and Blue ist er in den Stücken »Cherry Oh Baby« und »Hey Negrita« bereits als Gitarrist zu hören.

The Rolling Stones: »Black And Blue«, Erscheinungsdatum: 20. April 1976, Foto © Friedhelm Denkeler 2017
The Rolling Stones: »Black And Blue«, Erscheinungsdatum: 20. April 1976, Foto © Friedhelm Denkeler 2017

Der Titel »Cherry Oh Baby« wurde 1983 auch von der 1978 gegründeten multinationalen Reggae- und Popband UB40 aus Großbritannien auf dem Album »Labour of Love« gecovert. Ursprünglich stammt der Song aber von Eric Donaldson. Mit ihm gewann er 1971 den Jamaican Festival Song-Wettbewerb. Der Song ist auf dem Album »Love of the Common People« zu finden. Reggae-Musik ist nicht unbedingt meine bevorzugte Musikrichtung, da kommt mir der Stil der Stones doch sehr entgegen. Eric Donaldson: „Cherry Oh Baby“, 1971, (das Original!)

Aus gegebenem Anlass ist Cherry Oh Baby heute mein Song des Tages geworden. Man könnte ihn als Reggae-Parodie, als Gag verstehen; bei den Aufnahmen in München hatte die Gruppe sicherlich viel Spaß. Wahrscheinlich ist es der erste Reggae-Song, den sie aufnahmen. Hey Negrita ist ähnlich aufgebaut und wurde von Ron Wood angeregt (er wird als Co-Autor erwähnt). Die anderen Albumtitel lassen sich ebenso alle gut hören. Das Album startet mit dem funkygen Hot Stuff.

Funk ist der Oberbegriff für eine Spielart ursprünglich afroamerikanischer Musik, die sich Ende der 1960er Jahre aus verschiedenen Einflüssen des Soul, Rhythm and Blues und Jazz entwickelt hat und wiederum Musikstile wie Disco, Hip-Hop und House stark geprägt und beeinflusst hat [aus: Wikipedia]

Hand Of Fate und Crazy Mama sind einfach solide Rock-Stücke im typischen Stones-Stil. Fool to Cry ist ein Klassiker (die einstige Nr.1-Hit-Single), eine Falsetto-Ballade, die wohl nicht Keith Richards Favorit war, denn als die Stones sie 1976 live spielten soll er eingeschlafen sein. Melody ist ein sehr jazziger Song und Memory Motel ist für die Stones mit sieben Minuten schon ein langes Stück. Jagger erzählt in der epischen Ballade die Geschichte von Hannah und einer Nacht im Memory Motel und am Strand (gemeint ist Montauk auf Long Island). Nach über vierzig Jahren finde ich das Werk besser denn je, es hat etwas Ungewöhnliches und Abwechslungsreiches und trotzdem klingt es wie ein Konzept. Also nicht nur der Song des Tages, sondern das Album des Monats.

Natural Woman

Von Friedhelm Denkeler,

»Una mujer fantástica« von Sebastian Lélio mit Daniela Vega

»Una mujer fantástica« ist ein Plädoyer für die sexuelle Selbstbestimmung. Die Trans-Frau Marina (Daniela Vega) ist nach dem Tod ihres Freundes Orlando (Francisco Reyes) dem blanken Hass seiner Familie ausgesetzt. Und wenn schon nicht ihre Umgebung, so ist doch der Film ganz auf ihrer Seite und zeigt die zunehmend ins Abseits gedrängte Protagonistin als starke, lebenskluge, fantastische Frau.

»11. November 2003«, aus dem Portfolio »Second Hand Model«, Foto © Friedhelm Denkeler 2003
»11. November 2003«, aus dem Portfolio »Second Hand Model«, Foto © Friedhelm Denkeler 2003

»Marina sitzt auf ihrem Sofa, die Beine leicht angewinkelt. Sie ist nackt, doch ein Spiegel verdeckt ihre Scham. Die nächste Einstellung zeigt Marina von oben: Man sieht nur ein Stück Beine, etwas Bauch – und mitten im Bild ihr Gesicht im Spiegel zwischen ihren Beinen. Es ist ein eindringliches, berührendes Bild. Gerade in seiner Einfachheit und Wortlosigkeit macht es klar, worum es Lélio geht: Was die geschlechtliche Identität eines Menschen bestimmt, ist nicht zwingend das, was zwischen seinen Beinen ist.« [rbb]

Passend zum Film hat Lélio als Soundtrack unter anderem Aretha Franklin mit »A Natural Woman aus dem Jahr 1967 ausgesucht. Der Song wurde 1967 von Carole King und Gerry Goffin geschrieben und 2015 von Aretha Franklin zum Gala-Empfang im Opera House des Kennedy Centers zu Ehren der Preisträgerin Carole King performt. Diese Ehrung umfasste zahlreiche Feierlichkeiten, unter anderem verfolgten die Geehrten die Gala gemeinsam mit dem US-Präsidenten Obama in der Präsidenten-Loge. Ihren ersten Nummer-eins-Hit hatte Carole King als 18jährige mit dem Lied »Will You Love Me Tomorrow?« Sie schrieb ihn für die Girlgroup »The Shirelles“ (1960).

SAVAGES – SUVAGES – SUVKEES – FUVKERS

Von Friedhelm Denkeler,

»The Dinner« von Oren Moverman mit Richard Gere

»In The Dinner geht es um ein Abendessen, das den Blick auf das poröse Innenleben einer US-Familie freilegt. Zwei Brüder treffen sich mit ihren Frauen (Laura Linney, Rebecca Hall) im Luxusrestaurant zur Aussprache. Der eine, Paul (Steve Coogan), ist Geschichtslehrer; der andere, Stan (Richard Gere), ein Politiker, der als Gouverneur kandidiert. Der Film will die Protagonisten ihrer moralischen Defizite überführen: Sei es in Rückblenden, die szenenhaft Ursachen für Misstrauen und Wut umreißen, sei es über das Verbrechen zweier Söhne, das aus dem Hintergrund langsam ins Zentrum des Films rückt.« [Der Standard]. The Dinner liefert gut gemachte Film-Hausmannskost.

jehnny Beth, Savages (Ausschnitt aus dem Video «Fuckers«), Foto © Friedhelm Denkeler 2017
Jehnny Beth von Savages, Ausschnitt aus dem Video «Fuckers«, Foto © Friedhelm Denkeler 2017

Eine Neuentdeckung ist für mich die tolle Musik einer britischen Frauen-Band aus London. Man kann die Musik von Jehnny Beth (Sängerin; eigentlicher Name Camille Berthomier), Gemma Thompson (Gitarre), Ayse Hassan (Bass) und Fay Milton (Schlagzeug) als Post-Punk bezeichnen. Im Abspann des Films »The Dinner« lief der Song »Fuckers« von »Savages« Er stammt von ihrer 2014 erschienen gleichnamigen Maxi-Single. Das Stück dauert 10 Minuten.

So ein geniales Stück von rebellischen Frauen habe ich lange nicht gehört. Es muss unbedingt in einer größeren Lautstärke gehört werden, denn das Stück beginnt sehr leise mit dem fast flüsternden Gesang von Jehnny Beth und steigert sich immer mehr in eine, entsprechend des Bandnamens, große Wildheit.

Die Art von Crescendo finden wir in vielen bekannten Rockballaden: bei Jim Morrison (The Doors) mit »The End«, Deep Purple mit »Child in Time« oder Led Zeppelin mit »Stairway to Heaven«. Sie weisen alle ein Länge von ca. zehn Minuten auf oder sogar, wie bei Iron Butterfly mit »In-A-Gadda-Da-Vida« über 17 Minuten. Als klassisches Vorbild sei der »Boléro« von Maurice Ravel, der auch um die zehn Minuten dauert, genannt.

Die Trommeln der Apachen

Von Friedhelm Denkeler,

Instrumentals der frühen Rockgeschichte – von »The Third Man Theme« zum »Egyptian Reggae« (2)

Jörgen Ingmann: "Apache", Foto © Friedhelm Denkeler 2016 (mit Dank an Natascha S.)
Jörgen Ingmann: »Apache«, Foto © Friedhelm Denkeler 2016 (mit Dank an Natascha S.)

Ausgangspunkt meiner kleinen Serie »Instrumentals der Rock- Popgeschichte« war das Stück »Apache«. Ich habe immer gedacht, es stammt von den »Shadows«, der Begleitband von Cliff Richard. Bei der Recherche stellte sich heraus, dass es etwas komplizierter ist, aber der Reihe nach. The Shadows: »Apache«, 1960.

Die Melodie stammt von dem englischen Komponisten Jerry Lordan. Die Idee zum Titel soll ihm gekommen sein, als er den gleichnamigen Western mit Burt Lancaster und Charles Bronson aus dem Jahr 1954 sah. Es fehlte ihm nur eine Instrumental-Band; die fand er in Bert Weedon. Das Stück wurde 1960 eingespielt, blieb aber zunächst unveröffentlicht, Lordan gefiel diese Fassung nicht.

Dann kam Lordan mit den Shadows in Kontakt, die wiederum fanden, das Instrumental passe zu ihnen. Am Anfang und Ende des Stückes sollten die Trommeln auf die ›Indianermusik‹ hinweisen. Der Erfolg blieb nicht aus, ab dem 21. Juli 1960 stand die Single für fünf Wochen auf dem ersten Platz der britischen Charts.

Jetzt wurde schnell auch die Single von Jerry Lordan veröffentlicht. Sie hatte in Europa aber weniger Erfolg. In den USA punktete dagegen die Fassung des dänischen Jazzgitarristen Jørgen Ingmann. Alle drei machten das Instrumental zu einem internationalen Hit. Mein Favorit bleibt aber für immer »Apache« von den Shadows. Der Link zu den beiden anderen Versionen: Bert Weedon: »Apache«, 1960, Jörgen Ingmann: »Apache«, 1961.  Zur Einführung der »Instrumentals der Rock- Popgeschichte« siehe hier.

Rosa Kirschen, weiße Äpfel, grüne Zwiebeln, Zither, Mundharmonika, Schwarzwaldfahrt, Tod in Mexiko …

Von Friedhelm Denkeler,

Instrumentals der frühen Rockgeschichte – von »The Third Man Theme« zum »Egyptian Reggae« (1)

Instrumentals der frühen Rockgeschichte – vom »The Third Man Theme« zum «Egyptian Reggae«
, Foto/Collage © Friedhelm Denkeler 2016
Instrumentals der frühen Rockgeschichte – vom »The Third Man Theme« zum «Egyptian Reggae«
, Foto/Collage © Friedhelm Denkeler 2016

Bis vor Kurzem dachte ich, das Instrumentalstück »Apache« sei im Original von den »Shadows«. Zu einfach gedacht! Bei der Recherche stieß ich dann auf weitere Instrumentals der Pop- und Rockgeschichte aus den späten 1950er und den frühen 1960er Jahren. Sie alle sind akustisch seit meiner Jugend fest im Gehör verankert. Beim heutigen Wiederhören, nach sechzig Jahren, lösen Stücke wie »Sail along Silv’ry Moon« von Billy Vaughn, «Red River Rock« von Johnny & The Hurricanes, »Mexico« von Bob Moore oder »Amapola« von den The Spotnicks einen wohligen Schauer aus.

Damals gehörten Instrumentals zum Hitparadenbild, blieben aber trotzdem die Ausnahme. Anfang der 1950er Jahre überwogen noch instrumentale Coverversionen von Vokalaufnahmen wie »Oh, mein Papa« von Eddie Calvert. Zu den Instrumentalstücken kann man auch Filmmusiken wie »The Third Man Theme« von Anton Karas oder «Spiel mir das Lied vom Tod« von Ennio Morricone zählen. Aber auch in den 1970er Jahren gab es bekannte Instrumentals, wie »Albatross« von Fleetwood Mac oder »Egyptian Reggae« von Jonathan Rickman & Modern Lovers.

In westlichen Ländern entfällt im Pop- und Rockbereich nur etwa 1% aller veröffentlichten Titel auf Instrumentalmusik. Die Instrumentals müssen, um ein Hit zu werden, ein markante Instrumentation oder auffällige Rhythmik aufweisen. Um den Nachteil der fehlenden (nachsingbaren) Texte auszugleichen, ist es von Vorteil wenn sie sich zum Ohrwurm entwickeln; einige wurden zu Millionenseller. Aus dem Zeitraum 1950 bis 1977 habe ich 24 Instrumentalstücke herausgesucht, die ich in der der nächsten Zeit näher vorstellen möchte:

24 Instrumentalstücke 1950 bis 1977

Anton Karas: »The Third Man Theme« (1950), Eddie Calvert: »Oh, mein Papa« (1954), Pérez Prado: »Cherry Pink And Apple Blossom White« (1955), Bill Justis: »Raunchy« (1957), Mitch Miller: »March from the River Kwai (Colonel Bogey)« (1957), Duane Eddy: »Rebel Rouser« (1958), Billy Vaughn: »Sail along Silv’ry Moon« (1958), Johnny & The Hurricanes: »Red River Rock«, (1959, The Shadows: »Apache« (1960), The Ventures: »Walk Don’t Run« (1960), Bob Moore: »Mexico« (1961), Billy Vaughn: »Wheels«, (1961), Booker T. & the M.G.’s: »Green Onions« (1962), Tornados: »Telstar« (1962), The Spotnicks: »Amapola« (1963), Horst Jankowski: »A Walk in the Black Forest« (1965), Nini Rosso: »Il Silenzio« (1965), Marcello Minerbi: »Zorba’s Dance« (1965), Remo Four: »Peter Gun« (1966), Fleetwood Mac: »Albatross« (1968), Hugo Montenegro: »The Good the Bad And the Ugly« (1968), Ennio Morricone: »Spiel mir das Lied vom Tod« (1968), Eumir Deodato: »Also sprach Zarathustra« (1973), Jonathan Rickman & Modern Lovers: »Egyptian Reggae« (1977).

Der Mann der vom Himmel fiel …

Von Friedhelm Denkeler,

… und in viele Rollen schlüpfte: David Bowies Karriere – vorgestellt anhand von zehn Songs

Here am I sitting in a tin can/ Far above the world/ Planet earth is blue/ And there’s nothing I can do [aus: David Bowie »Space Oddity«]

Anhand meiner Top Ten stelle ich heute, zum Schluss der dreiteiligen David Bowie-Reihe, die wichtigsten musikalischen Stationen seiner Karriere vor:

  • David Bowie: »Space Oddity« (Album: „Space Oddity“, 1969)
  • David Bowie: »Ziggy Stardust« (Album: »The Rise and Fall of Ziggy Stardust and the Spiders From Mars«, 1972)
  • David Bowie: »Rebel Rebel« (Album: «Rebel Rebel« (Album: »Station to Station«, 1976)
  • David Bowie: »Heroes«, 1977, (Album: „Heroes«, 1977)
  • David Bowie: »China Girl«, 1983 (Album: »Let’s Dance“, 1983)
  • David Bowie: »Let’s Dance«, 1983 (Album: »Let’s Dance«, 1983)
  • David Bowie: »Modern Love« (Album: »Let’s Dance«, 1983)
  • David Bowie: »Absolute Beginners«, 1984, aus dem Album: »Tonight«
  • David Bowie: »Blue Jean«, 1984, aus dem Album: »Tonight“
  • David Bowie: »Where Are We Now«, 2013, aus dem Album: »The Next Day«

Mit seinen kunstvollen Paradigmenwechseln schaffte David Bowie einen immer wieder überraschenden und anhaltenden vierzigjährigen Erfolg als androgyner Rockstar. Kurz vor der Mondlandung von Apollo 11 gelang Bowie mit seinem zweiten Album und der gleichnamigen Single »Space Oddity« 1969 sein erster Hit. Der Song wurde von Stanley Kubricks 2001: A Space Odyssey inspiriert und stellte die Figur des Major Tom in Bowies Werk vor. Viele weitere Rockstars übernahmen die Figur, so Peter Schilling in Major Tom (völlig losgelöst); in Terrence Loves You von Lana Del Ray heißt es in einer Zeile »Ground control to Major Tom. Can you hear me all night long?« und in Bowies Ashes to Ashes heißt es im Refrain »We know Major Tom’s a junkie, strung-out in heaven’s height, hitting an all-time low«.

David Bowie: »Let's Dance«, 14.04.1983, Cocer des Albums, Foto © Friedhelm Denkeler 1983
David Bowie: »Let’s Dance«, 14.04.1983, Cocer des Albums, Foto © Friedhelm Denkeler 1983

Nach The Man Who Sold the World und Hunky Dory (beide 1971) wurde Bowie ein Jahr später mit The Rise and Fall of Ziggy Stardust und der anschließenden Welttournee 1972 endgültig bekannt. Das lag auch an seiner neuen Rolle als Ziggy Stardust, dessen Aufstieg und Fall in einer dem Untergang geweihten Welt spielt. Aber sein Alter Ego Ziggy und die theatralische Bühnenshow mit ihren provozierend homoerotischen Zügen und dem knallrotem Haar legte er bald beiseite und trat, ein weiterer Imagewechsel, dann nur noch im Maßanzug auf. Für die Schaffensphase des Albums Station to Station verwandelte sich Bowie 1976 in eine weitere Kunstfigur namens Thin White Duke; der Titelsong Station zu Station beginnt mit der Zeile »The return of the Thin White Duke«. Sein exzentrischer Kleidungstil wechselte erneut, er trug nur noch eine schwarze Hose mit weißem Hemd und sein Auftreten war distanziert und unterkühlt.

Zu Bowies Berlin-Zeit und seinem Album Heroes um 1977 siehe Artikel Wir sind dann Helden für einen Tag . 1983 änderte sich Bowies Musikstil wieder einmal; man könnte ihn als Post-Disco bezeichnen, als tanzbaren Mainstream; Let’s Dance wurde eines seiner erfolgreichsten Alben. Der Song Absolute Beginners wurde vom Regisseur Julien Temple für den Titelsong des gleichnamigen Film über das Leben im London der Fünfzigerjahren verwendet. Der Film war kommerziell wenig erfolgreich. Danach war an die zehn Jahre nichts Neues von Bowie zu hören. 2013 singt er sich in die Siebzigerjahre mit Where Are We Now zurück. David Bowie: »Where Are We Now«, 2013. Noch einmal lässt Bowie in dem Song seine Berlin-Zeit Revue passieren. So schnell wird Berlin keinen neuen Thin White Duke hervorbringen. »A Man Lost in Time«.

Had to get the train/ From Potsdamer Platz/ You never knew that/ That I could do that/ Just walking the dead/ Sitting in the Dschungel/ On Nürnberger Straße/ A man lost in time/ Near KaDeWe/ Just walking the dead [aus: David Bowie »Where Are We Now«]

Wir sind dann Helden für einen Tag!

Von Friedhelm Denkeler,

And the guns, shot above our heads

Du/ Könntest du schwimmen/ Wie Delphine/ Delphine es tun/ Niemand gibt uns eine Chance/ Doch können wir siegen/ Für immer und immer/ Und wir sind dann Helden/ Für einen Tag [aus: David Bowie »Helden«]

Zwischen 1976 und 1978 erlebte David Bowie im damaligen West-Berlin eine seiner kreativsten Phasen. In der ersten Zeit wohnte er bei Edgar Froese von Tangerine Dream im Bayrischen Viertel, wo er einen harten Entzug von kalten Drogen machte. Anschließend zog er in die Hauptstraße 155 in Berlin-Schöneberg in eine große Altbauwohnung, in der er zeitweise mit Iggy Pop zusammen lebte. Nach Bowies Tod am 10. Januar 2016 wurde die Hauptstraße 155 zum ›Wallfahrtsort‹ seiner Fans; ein Meer von Blumen und Lichtern entstand in den folgenden Tagen auf dem Bürgersteig vor dem Haus. Die Hauptstraße wurde provisorisch in David-Bowie-Straße umbenannt.

"David-Bowie-Straße" (Hauptstraße 155 in Berlin Schöneberg), Foto © Friedhelm Denkeler 2016
»David-Bowie-Straße«, Hauptstraße Nr. 155, Berlin Schöneberg, Foto © Friedhelm Denkeler 2016

Drei Alben, die sogenannte Berlin-Trilogie: Low, „Heroes“ und Lodger entstanden während Bowies West-Berliner Zeit. Produziert wurden sie in den direkt an der Berliner Mauer gelegenen Hansa-Studios in der Köthener Straße in Berlin-Kreuzberg. Aus dem Kontrollraum des Meistersaals hatte man einen unverbauten Blick auf die Mauer und den Todesstreifen. Internationale Künstler wie Falco, Depeche Mode, Nick Cave, U2, Iggy Pop, waren vom Studio by the wall und die gute Akustik des Meistersaals fasziniert; allen voran David Bowie, der sich zum Song »Heroes« 1977 durch die Mauer inspirieren ließ. Die Anführungszeichen bei „Heroes“ sind Teil des Songtitels und sollten eine gewisse ironische Distanz zum romantisch-pathetischen Songtext zum Ausdruck bringen. David Bowie: „Heroes“, David Bowie: Helden, David Bowie: „Heroes“/Helden (englisch/deutsch)

I, I can remember (I remember)/ Standing, by the wall (by the wall)/ And the guns, shot above our heads (over our heads)/ And we kissed, as though nothing could fall (nothing could fall)/ And the shame, was on the other side/ Oh, we can beat them, forever and every [aus: David Bowie „Heroes“]

Interview mit David Bowie in der Harald-Schmidt-Show am 11. Juli 2002. Siehe auch Artikel »In der Villa von Ormen steht eine einzelne Kerze«

In der Villa von Ormen steht eine einzelne Kerze

Von Friedhelm Denkeler,

»Where Are We Now?«

In the villa of Ormen/ Stands a solitary candle/ In the centre of it all/ Your eyes/ Something happened on the day he died/ Spirit rose a metre and stepped aside/ Somebody else took his place, and bravely cried: „I’m a blackstar, I’m a blackstar“ [aus: David Bowie „Blackstar“]

"Blackstar", Foto © Friedhelm Denkeler 2016
»Blackstar«, Foto © Friedhelm Denkeler 2016

Am 8. Januar 2016, an David Bowies 69. Geburtstag, wurde sein 28. Studioalbum »Blackstar« veröffentlicht. Zwei Tage später starb er in New York. Von seiner Krebserkrankung, die er nicht öffentlich machte, wusste er bereits seit eineinhalb Jahren.

Diese Gewissheit hat die sieben Songs des Albums entscheidend geprägt; erschöpfte Atemgeräusche, eine kraftlose, brüchige Stimme und verstörende Videos stehen für die letzten Monate seines Lebens und seine künstlerische Auseinandersetzung damit. David Bowie: »Blackstar«, David Bowie: »Lazarus«.

Fast vierzig Jahre hat David Bowie, mal mehr und mal weniger, auch meine eigene Rockgeschichte begleitet: Es begann 1969 mit Space Oddity, das wiederum von Stanley Kubricks 2001: A Space Odyssey inspiriert war und führte die Kunstfigur des Major Tom in sein Werk ein.

Es folgte 1972 das Konzeptalbum The Rise and Fall of Ziggy Stardust and the Spiders from Mars, in dem die Geschichte von Ziggy Stardust, dem Sinnbild eines sexuell promiskuitiven, von Drogenexzessen gezeichneten Rockstars vorgestellt wurde, der letztlich an seinem ausschweifenden Lebensstil scheiterte.

1976 erschien das Album Station to Station, in dem er sich sein Alter Ego, Thin White Duke, zulegte; eine schattenhafte Figur, die von Amerika zurück nach Europa kehrt, um ihre Wurzeln zu erkunden.

Während Bowies West-Berliner Jahre nahm er 1977 in den Hansa-Studios, direkt an der Mauer in Kreuzberg, sein vielleicht bestes Album Heroes auf; die Berliner Jahre sind aber einen eigenen Post wert.

Let’s Dance und das gleichnamige Album machten 1983 dann Bowie endgültig Disco tauglich. Nach Reality von 2003 legte er eine zehnjährige Schaffenspause ein, die er vor zwei Jahren (2013) mit The Next Day und der ausgekoppelten Single Where Are We Now, die inhaltlich Bezug auf Berlin nimmt und in der Tilda Swinton die weibliche Hauptrolle spielt, beendete.

Look up here, I’m in heaven/ I’ve got scars that can’t be seen/ I’ve got drama, can’t be stolen/ Everybody knows me now/ Look up here, man, I’m in danger/ I’ve got nothing left to lose/ I’m so high it makes my brain whirl/ Dropped my cell phone down below/ Ain’t that just like me? [aus: David Bowie „Lazarus“]

Der Mann, der niemals lächelt

Von Friedhelm Denkeler,

Van Morrison mit »It’s All Over Now, Baby Blue« zum 70. Geburtstag

You must leave, now take what you need/ You think will last/ But whatever you wish to keep/ You better grab it fast/ Yonder stands your orphan with his gun/ Crying like a fire in the Sun/ Look out baby, the saints are comin‘ through/ And it’s all over now, baby blue [Them; Original von Bob Dylan]

Der in Belfast geborene George Ivan Morrison, von allen Van Morrison genannt, wurde in dieser Woche siebzig Jahre alt. Vielleicht hat der ewige Grantler der Rockmusik an seinem Geburtstag, dem 31. August ausnahmsweise ein wenig gelächelt. Schließlich hat Queen Elisabeth II. den „größten lebenden weißen Bluessänger“ [FAZ] am 12. Juni 2015 in den Adelsstand erhoben. Eigentlich müsste man also das Prädikat „Sir“ vor seinen Namen stellen.

Obwohl sich seine von ihm 1964 gegründete Band „Them“ bereits zwei Jahre später wieder auflöste, ist für ihn noch lange nicht alles aus. Bis heute wandelt er auf Solopfaden und produziert weiter Alben. Dabei bringt er solch unterschiedliche Musikstile wie Jazz, Blues, Country, Folk und Gospel unter einen (Rock-) Hut. Aber das ist wieder eine eigene Geschichte wert.

Cover der LP »The World Of Them«, 1972, Foto © Friedhelm Denkeler 2015
Cover der LP »The World Of Them«, 1972, Foto © Friedhelm Denkeler 2015

Die erste Hit-Single von „Them“ war „Baby Please Don’t Go“ mit mit Jimmy Page (!) als Session-Gitarrist (1964). Als B-Seite wurde übrigens „Gloria“ gewählt, das sich später zum Klassiker mauserte. Es folgten „Here Comes the Night“ (1965), „Mystic Eyes“ aus dem Album „The Angry Young Them“ (1965) und ein Jahr später die geniale Single „It’s All Over Now, Baby Blue“ aus dem letzten Album „Them Again“ mit Van Morrison als Sänger. Die Band löste sich leider 1966 wieder auf.

Ein Video habe ich im Web nicht gefunden, aber im folgenden Audio kann man sich ganz auf Vans herrliche Blues-Stimme konzentrieren.

Them: „It’s All Over Now, Baby Blue“ (1966)

Das Original stammt von Bob Dylan. Inzwischen gibt es unzählige Cover-Versionen, zum Beispiel von den Rolling Stones, Byrds, Falco oder Marianne Faithfull. Aber die Interpretation von Them ist und bleibt mein Favorit. Van Morrison hat mit seiner „herbstschönen, so rauen wie expressiven Bluessoulstimme, wie sie sonst kein zweiter Weißer“ [Der Tagesspiegel] daran sicherlich den größten Anteil. Zum Geburtstag wünscht man ja einiges; aber wenn jemand solch herrliche Stimme hat, dann hat er eigentlich bereits alles.

Good Morning, California

Von Friedhelm Denkeler,

Good Morning, Vietnam mit Robin Williams und The Rivieras mit California Sun

Well, I’m goin‘ out west out on the coast/ Where the California girls are really the most/ Where they walk and I’ll walk/ They twist and I’ll twist/ They shimmy and I’ll shimmy/ They fly and I’ll fly/ Well they’re out there a’havin‘ fun/ In that warm California sun

Vor fünfzig Jahren (1965) kam der AFN-Diskjockey der Air Force, Adrian Cronauer (*1938), von Kreta nach Saigon zum dortigen amerikanischen Soldatensender. Mit seinen lockeren Sprüchen sollte er mehr Schwung in die morgendlichen Sendungen bringen und die Moral der US-Truppen stärken. Seine Erlebnisse verarbeitete er in einem Film-Drehbuch, aus dem der Anti-Kriegs-Film »Good Morning, Vietnam« (1987), von Barry Levinson entstand. Die Hauptrolle erhielt Robin Williams als Adrian Cronauer, der in dem Film mit überschäumender Komik agiert und gleichzeitig ernste Szenen mit Bravur meistert.

Der Film lief gestern Abend auf ARTE. Er steht auf einer Ebene mit den bekannten Filmen über den Vietnam-Krieg, wie Apocalypse Now, Platoon und Full Metal Jacket. Allerdings stellt er weniger das Kampfgeschehen in den Mittelpunkt, sondern die GIs und die damalige Zivilbevölkerung von Saigon. Vielleicht kann man von einer Komödie mit nachdenklich stimmenden Szenen sprechen. Der Film will nicht dokumentarisch wirken, aber wie Cronauer sagte, stimmen die Fakten an die 50%.

»Sonnenuntergang auf Hydra«, aus dem Portfolio »Erinnerungen – Ein Leben in Bildern«: »Reiseerinnerungen 1973 bis 1979«: »Hydra«, Foto © Friedhelm Denkeler 1975
»Sonnenuntergang auf Hydra«, aus dem Portfolio »Erinnerungen – Ein Leben in Bildern«: »Reiseerinnerungen 1973 bis 1979«: »Hydra, Griechenland«, Foto © Friedhelm Denkeler 1975

Ein wichtiger Teil des Films ist natürlich der Soundtrack – Cronauer brachte schließlich den Rock ’n‘ Roll nach Vietnam. Einige der authentischen Songs aus dem Jahr 1965 möchte ich aufzählen: Them »Baby Please Don’t Go«, The Beach Boys »Don’t Worry Baby« und »I Get Around«, The Marvelettes »Danger, Heartbreak Dead Ahead«, James Brown »I Got You (I Feel Good)«, Wilson Pickett «In the Midnight Hour« und The Searchers »Sugar and Spice«. Während die Ballade von Louis Armstrong »What a Wonderful World« lief, waren im Film lautlos Bombenexplosionen und Kriegshandlungen zu sehen.

Zum Ende des Films war noch einer meiner Lieblingssong aus dem Jahr 1964, »California Sun« von den Rivieras, zu hören. Die Band wurde Anfang der 1960er Jahre in Indiana (USA) gegründet. Ihr Song »California Sun« war in den Staaten ein großer Erfolg und erreichte Platz 5 der US-Charts. In Deutschland kam er immerhin bis auf Platz 15 der Single-Charts. Mein erster Favorit der Gruppe war aber »Let’s Have a Party«, ebenfalls aus dem Jahr 1964. Von beiden Liedern gibt es diverse Cover-Versionen (Ramones, Beach Boys, Frankie Avalon, Shondells, etc.) Die Band trennte sich bereits 1966, von den Bandmitgliedern war nie wieder etwas zu hören.

Why must I be a Teenager in Love?

Von Friedhelm Denkeler,

Dion and the Belmonts mit Oooh..Oooh Wa-oooh..Ooooh. Bastian Korff & Florian Ludewig mit Rock ‘n’ Roll & Remmidemmi im Theater O-TonArt

Each time we have a quarrel / It almost breaks my heart / ‚Cause I’m so afraid / That we will have to part / Each night I ask the stars up above / Why must I be a teenager in love?

Dion and the Belmonts: "A Teenager in Love", 1959, Foto & Grafik © Friedhelm Denkeler 2015
Dion and the Belmonts: »A Teenager in Love«, 1959, Foto & Collage© Friedhelm Denkeler 2015

In den späten 1950er Jahren wurde die US-Amerikanische Doo-Wop- und R&B-Gruppe Dion and the Belmonts auch in Deutschland mit »I Wonder Why« (1958) bekannt. Mein Lieblingssong aber ist der 1959 erschienene Hit »A Teenager in Love«. Dion and the Belmonts: »A Teenager in Love«.

Was macht eigentlich den Doo Wop-Stil aus? Vereinfacht gesagt, durch den verstärkten Gebrauch von sinnlosen-Silben, wie hier mit Oooh..Oooh Wa-oooh..Ooooh.Oooh oder wie Diddle-De-Dum. Aber der Begriff wurde erst später populär; damals lief diese Musik unter Rock ’n‘ Roll (meist weiße Mitglieder) oder Rhythm & Blues (eher schwarze Mitglieder).

Vorläufer war zum Beispiel die Musik der Comedian Harmonists. Viele spätere Soul-Stars begannen ihre Karriere als Mitglieder der Doo Wop-Gruppen, zum Beispiel Curtis Mayfield oder Wilson Pickett. Der Soundtrack des Films American Graffiti (1973) besteht vielfach aus Doo Wop-Songs und der Moderator Barry Graves spielte in seiner Sendung „See You later Alligator“ (späte 1970er Jahre) im RIAS gerne Doo Wop. So wurde die Musik bei uns bekannter.

A Teenager in Love gehört auch zum Repertoire des Duos Bastian Korff (Gesang) und Florian Ludewig (Klavier). Unter dem Titel Rock ‘n’ Roll & Remmidemmi stand das Duo aufgrund des großen Publikumserfolg mehrmals im Theater O-TonArt in der Kulmer Straße in Berlin-Schönberg auf der Bühne. Hoffentlich interpretieren sie zukünftig auch wieder A Teenager in Love, denn ihre Version hat weitaus mehr Pep und Drive als das Original, eben echter Rock ‘n’ Roll. Und vielleicht gibt es auch wieder In Dreams von Roy Orbison mit einer speziellen Widmung an der Autor dieser Zeilen.

Korff als Sprecher, Schauspieler, Sänger und Texter und Ludewig als Pianist und Komponist sind wahre Multitalente für sich, aber auf der Bühne waren sie als Team unschlagbar: spontan, witzig und so herrlich unperfekt wie man nur sein kann, wenn man die Perfektion beherrscht, bescherten sie dem begeisterten Publikum ein Feuerwerk an Ideen und Gefühlen. Einer der schönsten Theaterabende der letzten Zeit. [aus meinem Post In Dreams I Walk With You. In Dreams I Talk To You).]

Das HiFi-Mädel aus Tallahassee

Von Friedhelm Denkeler,

Well, she comes from Tallahassee | She got a hi-fi chassis | Maybe looks a little sassy | But to me, she’s real classy | Yeah, my Tallahassee Lassie | Down in F-L-A. [Freddy Cannon in Tallahassee Lassie]

Freddy Cannon: "Tallahassee Lassie", 1959, Foto & Grafik © Friedhelm Denkeler 2015
Freddy Cannon: »Tallahassee Lassie«, 1959,
Foto & Collage © Friedhelm Denkeler 2015

Als letzten Song stellte ich im Rock-Archiv Roy Orbisons In Dreams aus dem Jahr 1963 vor: In Dreams I Walk With You. In Dreams I Talk To You. Seinen ersten Hit hatte er 1956, passend zur damaligen Rock ‘n’ Roll-Zeit, mit “Ooby Dooby”.

Heute war ich auf der Suche nach einem ungewöhnlichen Rock ’n‘ Roll-Song aus den 1950er Jahren. Und ich wurde fündig.

Dieses Mal kommt zuerst der Song in einem Video aus dem Jahr 1959 aus dem US-amerikanischen Fernsehen. Bereits bei den ersten Takten rastet der Moderator voller Begeisterung aus – und dann kommt Freddy Cannon auf die Bühne – und rockt los, was das Zeug hält.

Wenn man jemandem erklären möchte, was Rock ’n‘ Roll ist, dann sollte man ihm diesen Song vorspielen. Freddy Cannon: »Tallahassee Lassie«

Und weil es so schön ist, kommt noch ein weiteres Video mit dem Song aus der berühmten Musik-Tanz-Schau American Bandstand aus Philadelphia vom 12. Dezember 1964.

Tallahassee ist übrigens die Hauptstadt des US-Bundesstaats Florida (FLA). Wusste ich bisher auch nicht.

Freddy Cannon (Frederico Anthony Picariello, *1940) war mir völlig unbekannt, das hat sich seit heute geändert. Er kommt aus einem musikalischen Haus; sein Vater spielte Trompete und die Mutter war Songwriterin und schrieb für Freddy den Song Rock and Roll Baby. Ein Demo-Tape stellte er dem Musikproduzenten Bob Crewe vor, der dann den Song zu Tallahassee Lassie umschrieb. Ebenfalls hörenswert ist auch ein Song aus dem Jahr 1962: Palisades Park.