Meine Serie Im Wedding, die 1977/1978 entstanden ist, zeigt weniger eine Dokumentation des damaligen Wedding, sondern spiegelt Stimmungen. Insbesondere Fotos, die im Winter bei Schneetreiben aufgenommen wurden, fangen eine eigentümliche Atmosphäre, fern der Großstadt ein. Sie geben auch Zeugnis von den ersten Graffitis, wie Freiheit für die Agitdrucker oder den mit Kreide geschriebenen Hinweis an der Haustür, wann der Schornsteinfeger kommt. Die winterliche Panke, der historisch tiefe Benzinpreis von 91,9 Pfennigen und der geschlossene Laden Spandauer Volksblatt, der die endgültige Einstellung des Blattes im Jahr 1992 bereits vorweg zu nehmen scheint, sind weitere Themen im Winterkapitel der Serie.
Ab 25.01.2013 zeige ich in der Ausstellung 3 x Berlin – Fotografische Arbeiten – Drei Ausstellungen auf vier Etagen im Bayer-Haus am Kurfürstendamm eine Auswahl von 22 Fotos aus der Serie Im Wedding, davon acht Winterbilder. Die Fotos sind jetzt zum ersten Mal öffentlich zu sehen und Teil des Portfolios und Künstlerbuchs mit 159 Bildern (siehe hier). Auf meiner Website LICHTBILDER sind dreißig Bilder aus dem Fotobuch zu sehen. Die Ausstellungseröffnung findet am 24. Januar 2013, 18 – 21 Uhr, statt. Dazu morgen mehr.
Drei Ausstellungen auf vier Etagen im Bayer-Haus Berlin ab 25.01.2013: Horst Hinder »Berlin – zerlegt und collagiert«, Friedhelm Denkeler »Im Wedding«, 1977, und Ralf Hasford »Sitzenlassen in Berlin«
Im Bayer-Haus zeigen aktuell ab dem 25. Januar 2013 die drei Berliner Künstler Horst Hinder, Ralf Hasford und Friedhelm Denkeler unter dem Titel 3 x Berlin – Fotografische Arbeiten – Drei Ausstellungen auf vier Etagen mit ganz unterschiedlichen fotografischen Verfahren, ihre Sicht auf das alte und neue Berlin. Die Ausstellung wurde unter der Leitung von Horst Hinder von den Fotografen selbst konzipiert. Heute möchte ich die drei Ausstellenden mit ihren Kurzbiografien vorstellen.
Horst Hinder (*1961) lebt seit 1985 in Berlin. Nach dem Abitur in Hessen absolvierte er zunächst eine Lehre als Korbmacher und übte das Handwerk einige Jahre aus. Es folgte 1989-94 das Studium an der Hochschule der Künste Berlin und die berufliche Beschäftigung mit Fotografie und Grafik. Seit 1993 arbeitet er in seinem Grafikbüro und Atelier. Die Fotografischen Collagen entstehen seit 2008. »Horst Hinder hat die Stadt fotografisch auseinander genommen und Quadrat für Quadrat wieder neu zusammengesetzt«, »So entstehen persönliche Stadtlandschaften, die neue Blicke auf Berlin und die Geschichte der Stadt ermöglichen, geschaffen von einem aufmerksamen und feinnervigen Beobachter…«. www.horst-hinder.de
Friedhelm Denkeler (*1946) lebt und arbeitet seit 1968 in Berlin. Neben seiner Tätigkeit als Ingenieur hat er an der Werkstatt für Photographie in Berlin-Kreuzberg und als Schüler von Michael Schmidt seine Fotografische Ausbildung erhalten. Seit 1978 stellt er freie fotografische Arbeiten in Form von Portfolios und Autorenbüchern her. Denkelers Arbeiten waren in zahlreichen Ausstellungen im In- und Ausland zu sehen: Rudolf Kicken Galerie, Köln, the ffoto gallery, Cardiff, Wales, Fotogalleriet, Oslo, Castelli Graphics, New York, Jones/Troyer Gallery, Washington D.C., Galerie Fotohof, Salzburg, Centre de la photographie, Genf, Berlinische Galerie, Berlin, Neue Gesellschaft für bildende Kunst, Berlin, Yale University Art Galerie, New Haven. In den öffentlichen Sammlungen der Berlinischen Galerie, Bibliothèque nationale de France und Allan Chasanoff Photografic Collection im Museum of Fine Arts Houston, ist Denkeler vertreten. Seit 2002 zeigt er seine Arbeiten auf der Website “www.denkeler-foto.de” und betreibt seit 2010 den Foto-Blog “Journal – Berichte aus Berlin zu Photographie und Kunst”. www.denkeler-foto.de
Ralf Hasford (*1965) zu seiner Philosophie: »Ich arbeite mit Vorhandenem, destilliere politische und mythische Begebenheiten in meinen Werken. Aus alten Brüchen und verbrauchten Materialien entstehen so Werke zur Genusssteigerung«. Der Erhalt von Natur und Freiheit sind ihm eine Verpflichtung. Seine Werke sind seit 2005 an unterschiedlichen Orten in ständigen wie temporären Ausstellungen in Berlin und dem Bundesgebiet zu sehen. Eine immerwährende Neugier auf die Weiterentwicklung des Gesehenen treibt ihn in seinem Schaffen an. Dabei stellt er sich den scheinbaren Begrenzungen, die in Handwerk und Material ruhen, um diese zu überwinden und neue Formen zu erlangen. Mit Vorkoloriert schuf er sich eine eigene Technik, mit der er seine Werke erstellt. 2002 definierte Hasford den Begriff und entwickelte die Technik dann in unterschiedlichen Weisen weiter. Großformatige Bilder sowie raumgreifende Plastiken gehören dazu. »Liebe und gutes Essen begleiten mich dabei« sagt Hasford mit einem Lachen. Vorkoloriert voraus gingen Kommunikationsdesign, Interieurgestaltungen und Entwürfe für Lampen.
Drei Ausstellungen auf vier Etagen im Bayer-Haus am Kurfürstendamm: Ralf Hasford »Sitzenlassen in Berlin«, Horst Hinder »Berlin – zerlegt und collagiert« und Friedhelm Denkeler »Im Wedding, 1977«
Im Westen von Berlin ist ein neuer, einzigartiger Kultur-Cluster für fotografische Ausstellungen und Veranstaltungen im Entstehen begriffen: Die weltberühmte C|O-Galerie zieht in das Amerika-Haus am Bahnhof Zoo (siehe Von der Mitte in den Westen), fast direkt neben das Museum für Fotografie/die Newton Foundation, die Galerie Camera Work in der Kantstraße und die Universität der Künste in der Hardenbergstraße sind seit langem etabliert und am Kurfürstendamm gibt es den Photoplatz im Hotel Bogota. Seit kurzem entsteht ein weiterer Ort für Fotografie: die Galerie im Bayer-Haus am Kurfürstendamm.
Im Bayer-Haus zeigen aktuell ab dem 25. Januar 2013 die drei Berliner Künstler Horst Hinder, Ralf Hasford und Friedhelm Denkeler unter dem Titel 3 x Berlin – Fotografische Arbeiten – Drei Ausstellungen auf vier Etagen mit ganz unterschiedlichen fotografischen Verfahren, ihre Sicht auf das alte und neue Berlin. Die Ausstellung wurde unter der Leitung von Horst Hinder von den Fotografen selbst konzipiert.
Horst Hinder stellt unter dem Titel Berlin – zerlegt und collagiert großformatige, farbige Foto-Collagen aus. Hinder hat die Stadt fotografisch auseinander genommen und Quadrat für Quadrat wieder neu zusammengesetzt. Ralf Hasford stellt sein Werk Sitzenlassen in Berlin aus. Ein mit Pigmenten vorkolorierter Papierpulp (Pappmaché) wurde nach der Trocknung in einem aufwendigen Verfahren mit einem fotorealistischen Druck versehen. Friedhelm Denkeler zeigt, in klassischen Schwarz-Weiß-Aufnahmen, die 1977 und 1978 entstandenen Fotos aus dem Portfolio Im Wedding, die jetzt zum ersten Mal öffentlich zu sehen sind.
Die Vernissage findet am Donnerstag, 24. Januar 2013, 18 – 21 Uhr, im Bayer-Haus am Olivaer Platz, Kurfürstendamm 179, 10707 Berlin, statt. Zur Begrüßung um ca. 18.30 Uhr spricht ein Vertreter der IVG Asset Management GmbH des Bayer-Hauses und der Philosoph Reinhard Knodt, der unter anderem für Deutschlandradio Kultur arbeitet, wird sich und die Gäste fragen, »warum wir Bilder malen, warum sie gelingen oder misslingen, warum sie uns ansprechen und warum sich Sammler mit Kunst umgeben«. Eine Künstlerführung wird es am Freitag, 1. März 2013, 15 Uhr, geben und die Finissage findet am Donnerstag, 21. März 2013, 18 Uhr, statt.
Joel Sternfeld – Pionier der künstlerischen Farbfotografie.
Die Ausstellung bei C|O zeigt, dass Joel Sternfeld (*1944), neben William Eggleston und Stephen Shore, zu Recht zu den Big Three der amerikanischen Farbfotografen zählt. Da die Ausstellung nur bis zum 13. Januar zu sehen ist, empfehle ich unbedingt noch einen Besuch der Galerie. Die Drei gehören zu den Vertretern der New Color Photography, die seit den 1970er Jahren Farbe in der künstlerischen Fotografie einsetzen. Die Bilder der klassischen Kunstfotografie waren bis dahin eher schwarz-weiß. In der populären Fotografie für Mode und Werbung und auch in der Amateurfotografie war Farbe natürlich schon länger angesagt.
Die Retrospektive zeigt die wichtigsten abgeschlossenen Projekte von Sternfeld. Sie beginnt mit Nags Head, North Caroline“ (1976). Ohne Farbe würden diese Bilder nicht funktionieren (so wie auch auf meinem Foto). In zwei weiteren Frühwerken Happy anniversara Sweeetie Face! (1970-1978) und Rush Hour (1976) arbeitet Sternfeld in der Tradition der Street Photography. Mit diesen Bildern habe ich Sternfeld in den späten 1970er Jahren kennen und schätzen gelernt.
In der Serie Stranger Passing (1987-2000) hat Sternfeld das menschliche Porträt in den Mittelpunkt gestellt. Aber im Gegensatz zu dem legendären August Sander zeigt er die Menschen nicht ihrer beruflichen Situation untergeordnet, sondern in ihren oft skurrilen (Selbst)-Inszenierungen. In der Summe ergeben sie ein Porträt der amerikanischen Gesellschaft. Während einer mehrjährigen Reise mit einem VW-Bus entstand die Serie American Prospects (1978-1986), in der er die Beziehung zwischen den Menschen und der Umgebung zeigt. Im Gegensatz zu den frühen Aufnahmen entstanden diese mit einer Großbildkamera. Die Fotos sind dementsprechend groß abgezogen und man muss sie auch so sehen und genießen.
Im Oxbow Archiv (2005-2007) sind Landschaften in der Einzigartigkeit der Jahreszeiten zu erleben; sie zeigen aber auch die Narben der Zerstörung. In On This Site (1993-1996) werden Schauplätze von Verbrechen abgelichtet. Die Verbrechen selbst werden nicht dargestellt, aber Texte erläutern sie. In Walking the High Line“ (2000-2001) zeigt Sternfeld eine stillgelegte zwei Kilometer lange Hochbahnstrecke mitten in Manhattan, die von der Natur zurückerobert wurde.
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Ein Weihnachtsgeschenk für C|O – Die Fotogalerie zieht ins Amerika-Haus
In den Song Go West, den die Pet Shop Boys auf der Silvester-Party 2012 am Brandenburger Tor ganz sicher spielen werden, werden die Macher von C|O Berlin zweifellos mit einstimmen. Endlich hat Stephan Erfurt, der Direktor und Mitgründer des Ausstellungshauses für Fotografie, kurz vor den Weihnachtstagen ein neues Domizil gefunden: Das Amerika-Haus in der Hardenbergstraße, direkt am Bahnhof Zoo. Es ist sicherlich kein selbstloses Geschenk des Berliner Senats (Berliner Immobilien-Management GmbH) an das Fotografie-Forum, aber über die Höhe der Miete des auf 16 Jahre geschlossenen Mietvertrages wurde Stillschweigen vereinbart.
So entsteht in der Nähe des Museums für Fotografie/der Newton Foundation (Jebensstraße), der Galerie Camera Work (Kantstraße), der Universität der Künste (Hardenbergstraße), ein einzigartiger Kultur-Cluster für fotografische Ausstellungen und Veranstaltungen. Der Einzug und die Eröffnung von C|O im Amerika-Haus mit einer Ausstellungsfläche von 2.000 Quadratmetern (ähnlich wie im bisherigen Postfuhramt) ist nach der Sanierung des denkmalgeschützten Amerika-Hauses für den Herbst 2013 geplant.
Eigentlich wollte man in Mitte bleiben, aber ein dauerhafter Verbleib im Postfuhramt war nicht möglich. Zwei Jahre hat C|O gesucht und jetzt die neue Bleibe gefunden. Zum Schluss wollte man in die Atelierhäuser in den Monbijoupark ziehen. Aber der Bezirk Mitte, dem C|O gerne treu geblieben wäre, machte Schwierigkeiten. Dagegen sind sie in Charlottenburg hoch willkommen: Die Zoogegend wird damit, neben dem neuen Waldorf-Astoria, auch kulturell aufgewertet.
Wir machen eine Reise zurück in die Zeit, dahin, wo wir noch im Vorteil waren.
Nach 50 Jahren und nun zum 23. Mal bekommt der langlebigste Geheimagent der Filmgeschichte – James Bond – jetzt mit Skyfall ein Denkmal gesetzt und das ist insbesondere Daniel Craig zu verdanken. Bond muss sich in jedem neuen Film neu erfinden. Das ist 2012 vorzüglich gelungen: Neben den vielen Anspielungen an frühere Bondfilme spielt auch die Rückkehr zu den (neuen) alten Wurzeln eine große Rolle.
Skyfall ist eine Mischung aus Western (spielend in Schottland) und »Kevin – Allein zu Haus«, eine Anspielung auf Wilhelm Tell und »The Dark Knight«. Regisseur Sam Mendes hat einen der besten Bonds der Geschichte geschaffen und Daniel Craig ist die perfekte Besetzung (gleich nach Sean Connery): Er ist nicht mehr so aalglatt, es geht auch einmal etwas schief, und er muss eine Menge einstecken. Außerdem gibt einen wunderbaren Soundtrack (zum Titelsong siehe „This Is The End – Adele’s Skyfall„) und der Film hält die Spannung auch ohne chaotische, hektische Schnittsequenzen.
Mit Skyfall ist Bond thematisch im 21. Jahrhundert angekommen, ohne seine Wurzeln zu verraten – der Agent im Dienste Ihrer Majestät ist menschlich verwundbar und nahbarer denn je wieder angetreten, sich selbst zu finden – und dabei den Untergang immer im Nacken zu spüren. Brillant! [Cyberbloc].
Worum geht es in dem Film? Das ist nicht so wichtig, das kann man bei Wikipedia nachlesen. Langjährige Weggefährten und Stereotypen möchte ich kurz vorstellen. Die mittlerweile 77-jährige Judi Dench, die aufgrund ihres Alters im realen Leben unter Sehverlust leidet, dürfte ihren letzten Auftritt als Geheimdienstchefin M gespielt haben. Ihre Vergangenheit hat sie eingeholt: Sie stirbt im Kugelhagel in Bonds Elternhaus in den schottischen Highlands. Als ihr Nachfolger wird Gareth Mallory (Ralph Fiennes) eingeführt.
Auch die Ära der nicht mehr zeitgemäßen Bond-Girls scheint zu Ende zu sein. Sie tauchen nur kurz auf: Naomie Harris als Eve und Berenice Marlohe als Sévérine. Eve tauscht auf Anraten von Bond ihren Außendienst gegen einen Bürojob aus und wird die neue Miss Moneypenny.
Der neue, sehr junge Quartiermeister Q (Ben Wishaw), der Bond mit den Worten »Ich kann im Pyjama an meinem Laptop noch vor der ersten Tasse Tee mehr Unheil anrichten, als Sie je verhindert haben« begrüßt, läutet ebenfalls eine neue Ära ein. Ein Wandel der zukünftigen Bond-Filme deutet sich an. Von den früheren spektakulären Spezialwaffen scheint Q wenig zu halten: Bond erhält lediglich einen Sender und eine Pistole, die allerdings speziell auf ihn programmiert ist.
Und natürlich ist auch der neue Bösewicht Raoul Silva zu erwähnen, vorzüglich gespielt von Javier Bardem, ein König der Hacker, der in einer verlassenen Trümmer-Stadt auf einer Insel mit Hightech residiert und von Bond mit »Last rat standing« begrüßt wird. Gedreht wurden diese Aufnahmen übrigens auf der japanischen Insel Hashima, von der aus bis 1974 unterseeischer Kohleabbau betrieben wurde.
Autos spielen in jedem Bond-Film eine wichtige Rolle. In Goldfinger erhielt Bond seinen legendären Dienstwagen, einen Aston Martin DB5, der in Skyfall nun wieder aus einer Scheune hervorgeholt wird und zu alter Stärke aufläuft.
Mit dem DB5 flüchtet Bond mit M in seine alte Heimat, ein einsames Herrenhaus namens Skyfall, das in den schottischen Highlands liegt. Das Haus wird mit Sprengfallen und Fluchtwegen präpariert und man denkt unwillkürlich an »Kevin – Allein zu Haus«. Hier findet »Zwölf Uhr Nachts« der High Noon zwischen Bonds Verteidigung und Silvas Hubschrauberangriff, unter dem stampfenden Rhythmus von John Lee Hookers »Boom Boom« (man denkt unwillkürlich an »Apocalypse Now«), statt.
Nicht berichten werde ich über den fantastischen Vorspann mit den tollen Grafiken; nicht über die Verfolgungsjagd über den Dächern des Großen Bazars in Istanbul; nicht über den Kampf auf einem fahrenden Zug, der einen Bagger und viele Kleinwagen geladen hat; nicht wie ein Audi, verfolgt von Bond in einem Landrover, durch die vollen Gassen von Istanbul rast; nicht wie Bond als Wilhelm Tell auf den Drink auf Sévérines Kopf zielen muss und nicht wie das Hauptquartier des MI6 in die Luft fliegt.
Mendes hat an Ironie, Verbeugungen und Dialektik aufgefahren, was in einen Film passt, und Roger Deakins hat dazu Bilder geschaffen, die manchmal flach und überscharf sind wie ein Computerscreen, dann wieder pastell getönt und in die Tiefe gestaffelt wie im Western. Oft steht Bond im Anzug am Rand dieser Bilder, breitbeinig, still, ikonisch. Am Ende, wenn er über London blickt, das verblüffenderweise immer noch steht, trägt er einen Mantel. Ein Verlorener, der friert. [FAZ]
Der offizielle Titel der Ausstellung Sacred/Profane suggeriert, dass der US-Amerikaner Jerry Berndt (*1943), der jetzt in Paris lebt, hauptsächlich zwei Themenkomplexe in der Ausstellung im Haus am Kleistpark zeigt. Die, für mein Empfinden, schöneren und gefühlvolleren und in einem perfekten Sound abgezogenen Fotos, sind gleich im ersten Raum zu sehen: Nite Works“ (auch Nite Side genannt). Seit vierzig Jahren fotografiert Berndt in der Morgendämmerung menschenleere Stadträume. Die abgebildeten Objekte, Gebäudeteile, Straßenzüge zeigen mehr oder weniger ihre Geheimnisse und Beziehungen zueinander.
Interessanter sind aber die Empfindungen, die Berndt mit den Nite Works dem Betrachter übermittelt. Beschreibbar sind sie nicht, man muss sie sehen: der Fotograf bei der Aufnahme und der Besucher beim Betrachten. Hier trifft die Aussage: »Das wirksamste Element im Kunstwerk ist nicht selten das Schweigen« von Susan Sontag besonders zu. Allein diese neueren Werke (1973-2012) lohnen den Besuch der Ausstellung.
Auch in der Serie Combat Zone (1967-1974) herrscht meistens Dunkelheit: Wir sehen Zuhälter, Prostituierte und Transvestiten im Rotlichtbezirk von Boston. Das erste Foto der Serie mit einem Amusement-Center nimmt den Inhalt der folgenden Fotos bereits vorweg. Berndt geht über einen journalistischen/ dokumentarischen Blick hinaus auf die Einsamkeit und auch das Miteinander der Menschen an diesem Ort. Die im dritten Raum ausgestellten Bilder Sacred (1980-2003)) zeigen eine ähnliche Sehnsuchtswelt der Gläubigen und Bekehrer in ihrem spirituellen Habitus, ihrer Ekstase, Hingabe und Einkehr.
Zur Finissage der Ausstellung gibt es am Sonntag, 16. Dezember, 16 Uhr, eine Künstlerführung durch Jerry Berndt und so kann man sich selbst ein Bild über das Spannungsfeld zwischen den Huren, dem Heiligen und der Nacht machen und einmal mehr einen neuen Fotografen entdecken, den bisher kaum Jemand kannte. www.hausamkleistpark.de, Auswahl von Berndts Fotos über Google
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Fünfzig Jahre nach dem ersten James Bond-Film James Bond jagt Dr. No läuft zur Zeit der 23. Bond-Film in den Kinos und jedes Mal gab es einen Titelsong: Shirley Bassey mit Goldfinger (1964), Tom Jones mit Thunderball (1965), Nancy Sinatra mit You Only Live Twice (1967), Shirley Bassey mit Diamonds Are Forever (1971), Paul McCartney & Wings mit Live and Let Die (1973), Sheena Easton mit For Your Eyes Only (1981), Tina Turner mit Golden Eye(1995), Madonna mit Die Another Day (2002), um nur die wichtigsten zu nennen.
Seit Wochen steht nun der Titel-Song des neuen James Bond-Films Skyfall auf den vorderen Plätzen der Charts. Den Film habe ich immer noch nicht gesehen, dafür liebe ich aber bereits den Song mit der neuen klassischen Bond-Melodie und Adele´s wundervoller Stimme. Adele: »Skyfall«.
Der Song erinnert an die früheren großen Bond-Songs der sechziger und siebziger Jahre; an Shirley Basseys Goldfinger, der zum Gradmesser aller Bond-Songs geworden ist, reicht er nahe heran. Er beginnt mit einem erbebenden Intro (ähnlich wie in Goldfinger) und einem zurückhaltenden Piano bis er sich langsam zum vollen Orchestersound erhöht. Ich glaube, der Song hat die Qualität, in die Geschichte der Film-Songs einzugehen.
Das James Bond Theme, das auch in Skyfall herauszuhören ist, wurde in vielen Bond-Filmen in immer wieder anderen Versionen verwendet. Dieses Ursprungsarrangement von John Barry ist nunmehr 50 Jahre alt und wurde zum akustischen Synonym für die Bond-Figur. Man schätzt, dass die Hälfte der Weltbevölkerung einen Bond gesehen und das praktisch alle davon diese Melodie kennen. Sollte jemand unter meinen Lesern das Theme wider Erwarten noch nicht kennen, hier ist es.
Alles Bio oder was? Ein urbanes Kammerspiel vom Praktikanten des Regisseurs von »Good Bye, Lenin!«
Bist ’n einsamer Wolf wa! Ich weiß gar nicht, wovon die überhaupt reden! [Michael Gwisdek in »Oh Boy«]
Der Debütfilm »Oh Boy« von Jan Ole Gerster lässt uns einen »Day In The Life« von Niko, einem Endzwanziger in Berlin miterleben. Eine Paraderolle für Tom Schilling. Die Melancholie des Films, nicht nur wegen der schwarz-weißen-Bilder, deutet sich bereits im Titel an: Ein Zitat aus dem Beatles-Song »A Day In The Life«.
Niko ist wenig aktiv, sein Jurastudium hat er abgebrochen, aber ihm geschieht so einiges in der Metropole innerhalb von 24 Stunden: Der Geldautomat behält die Karte ein, der Vater streicht ihm die Unterstützung, der Nachbar wird mit den Hackfleischbällchen seiner Frau aufdringlich, Niko fällt beim Idiotentest durch, er muss vor den Controletties der BVG flüchten und es scheint in der ganzen Stadt keinen normalen Filterkaffee mehr zu geben – insbesondere nicht bei der schwäbelnden Bio-Latte-Macchiato-Verkäuferin.
Das alles führt zu einem Stimmungsbild von Berlin, das ich bisher so fantastisch noch nicht im Film gesehen habe. Eigentlich ein Anti-Portrait, das sich wohltuend entfernt von dem aktuellen Hype um die Start-Up-Unternehmen und dem permanten gut-drauf-sein. Der Trailer gibt das nur unzureichend wieder; er zeigt mehr die komische Seite des Films. Die eigenwillige Filmsprache des Kameramanns zeigt in einer klassischen Ästhetik, erstaunlich für einen Debütfilm, die Straßen- und Menschenbilder der Metropole Berlin, in der man für wenig Geld in den Tag hineinleben und von Projekten und Terminen träumen kann.
Neben Tom Schilling spielt Berlin ebenso eine Hauptrolle. Die Frankfurter Rundschau schreibt in ihrem Fazit »Und noch einen Klassiker müssen wir nennen: Walter Ruttmanns «Berlin – Die Sinfonie der Großstadt« hat nun einen Nachfolger! Was wurde dieser Klassiker bei seiner Premiere 1927 nicht kritisiert, weil ihm angeblich die Menschen fehlten. Nun, hier sind sie. Etwas spät vielleicht. Aber es ist ja nie zu spät für ein Generationenporträt, das für ein Gefühl von heute in der Zeitlosigkeit die rechten Bilder findet.«
Jan-Ole Gerster hat als Produktionsassistent bei »Good Bye, Lenin!« von Wolfgang Becker angefangen, deshalb wollte er auch zuerst auf die Filmplakaten drucken lassen »Vom Praktikanten des Regisseurs von Good Bye, Lenin!« Übrigens: Zum Schluss des Films findet Niko in einem Krankenhaus einen Kaffeeautomaten, der die Taste »Schwarzer Kaffee« besitzt – irgendwie ein versöhnliches Ende und nicht nur deshalb ein sehenswerter Film.
Kennst du das, wenn man das Gefühl hat, dass die Menschen um einen herum irgendwie merkwürdig sind, aber wenn du länger darüber nachdenkst, wird dir klar, dass nicht die anderen, sondern dass du selbst das Problem bist. [Niko in »Oh Boy«]
Der Fertigstellungstermin des neuen Flughafens in Schönefeld ist in weite Ferne gerückt. Neuerdings spricht man davon, dass auch der Termin im Oktober 2013 nicht zu halten ist. Dagegen ist das Bezirksamt Mitte von Berlin von der schnellen Truppe. Kaum ist die Löwengruppe im Tiergarten in der Nähe des Brandenburger Tores im Oktober 2012 zur Restaurierung abtransportiert worden, wird sie im März 2012, also sieben Monate vorzeitig, fertig restauriert wieder aufgestellt.
Toll, was in Berlin so alles möglich ist. Gefunden auf dem sonntäglichen Herbstspaziergang im Tiergarten. Die Löwengruppe ist eine Bronzeplastik von Wilhelm Wolff und stellt eine von einem Pfeil getroffene Löwin dar, die sterbend am Boden liegt, flankiert von einem hochaufgerichteten zornigen männlichen Löwen und zwei Löwenjungen. Sie wurde im Jahr 1878 aufgestellt.
Das Zitat des Jahres 1989: »Das tritt nach meiner Kenntnis … ist das sofort, unverzüglich …«
… so Günter Schabowski, Mitglied des Politbüros des ZK der SED, am 9. November 1989 auf die Frage eines Journalisten, ab wann die neue Reiseregelung in Kraft trete. Und kurze Zeit später war ich am Grenzübergang Sonnenallee, um die endlose Trabbi-Karawane, die sich aus dem Ost-Sektor kommend die ganze Nacht Richtung Westen wälzte (und später auch wieder zurück) zu fotografieren. Am 12. November 1989 wurden die Betonelemente der Mauer am Potsdamer Platz entfernt und ein provisorischer Übergang geschaffen und zum 23. November 1989 erfolgte die Öffnung am Brandenburger Tor/ Pariser Platz. Auch diese beiden Ereignisse habe ich fotografisch festgehalten.
Das Portfolio »9. November 1989 – Berlin, nun freue dich« besteht aus 53 Photographien auf Fotopapier im Format 30×45 cm, im Passepartout 50×60. Alle Aufnahmen entstanden im November und Dezember 1989 in Berlin. Die Bilder sind auch als gedrucktes Autorenbuch mit 84 Seiten im Format 27 x 20,5 cm erschienen. Portfolio und Buch wurden anlässlich der 20. Wiederkehr der Maueröffnung im Jahr 2009 neu zusammengestellt. Eine Auswahl der Fotografien finden Sie auf meiner Website unter 9. November 1989 – Berlin, nun freue dich.
Berlin, nun freue dich! [Walter Momper, Regierender Bürgermeister von Berlin, am 23.12.1989 anlässlich der Öffnung der Mauer am Brandenburger Tor]
Auf den letzten Drücker, noch eine Empfehlung für den Besuch der Fotoausstellung »Zeitlos schön« im Rahmen des Monats der Fotografie in der Berliner C/O-Galerie im Postfuhramt. Die Ausstellung geht am Sonntag, den 4. November 2012 zu Ende.
Für diese Ausstellung hat der Condé Nast Verlag, der Magazine wie «Vogue» und „Vanity Fair“ herausgibt, seine Archive in New York, Paris, London und Mailand geöffnet. Innerhalb von 50 Tagen hat die Fotoschau mehr als 35 000 Besuchern angezogen und ist damit eine der erfolgreichsten Ausstellungen im 12-jährigen Bestehen des privaten internationalen Fotografie-Forums in Berlin.
150 Vintage-Prints sowie originale Magazine, die noch nie zuvor präsentiert wurden – von seltenen Fotografien der Anfänge bis hin zu spektakulären zeitgenössischen Werken unter anderem von Edward Steichen, George Hoyningen-Huene, Erwin Blumenfeld, Irving Penn, Helmut Newton, Peter Lindbergh, Mario Testino, Cecil Beaton, Man Ray, Diane Arbus, Horst P. Horst, George Platt Lynes, Lee Miller, Sarah Moon, William Klein, Sarah Moon, Herb Ritts, Terry Richardson und Bruce Weber sind zu sehen.
Ist Modefotografie Kunst oder ist sie es nicht? Vieles spricht dafür, dass sie es nicht ist: Es handelt sich in der Regel um Auftragsarbeiten, es geht darum, Kleider zu verkaufen, die Bilder werden unter kommerziellen Gesichtspunkten komponiert. Und doch, wenn man die mehr als 150 Modefotografien in der Ausstellung „Zeitlos schön“ betrachtet, so hat man das Gefühl durch eine Kunstausstellung zu wandeln, eine soziologisch und historisch hochinteressante obendrein. [rbb Kultur]
Neben Martina Gedeck spielen in »Die Wand« die Natur und Luchs von Kyffhäusersbach die weiteren Hauptrollen
Von Männern ausgeheckte Apokalypsen kennen wir zur Genüge. Mit denen können wir umgehen, die können wir längst schon als Genre abtun. Diese weibliche Apokalypse ist anders. Sie verstört ganz ungewohnt. Und wirkt noch lange nach. [Berliner Morgenpost]
Eine Frau (Martina Gedeck) sitzt in einer einsamen Jagdhütte auf den Bergen fest: Ihre unmittelbare Umgebung ist durch eine unsichtbare Wand von der Außenwelt abgeschnitten. Die Wand ist durchsichtig, aber es ist nichts zu sehen, sie spiegelt auch nichts wieder, lediglich bei Annäherung erfolgt ein dumpfes Dröhnen. Ein Hund namens Luchs, der ihren Freunden gehört, die sich zu einem Ausflug verabschiedet haben, rennt gegen die Wand; dann versucht es die Frau selbst; auch der Versuch mit dem Auto durchzukommen scheitert – es bleibt schwer beschädigt liegen.
Hinter der Wand scheint alles Leben eingefroren zu sein. Der Städterin bleibt nichts anders übrig, als sich mit der Situation zu arrangieren. Eine Kuh und eine Katze werden neben Luchs, dem Hund, zu ihren Leidensgenossen. Die Frau pflanzt Kartoffeln, sammelt Früchte des Waldes, lernt mit dem Gewehr auf Jagd zu gehen um zu überleben. Im dritten Jahr schreibt sie ihre Geschichte auf, bis das Papier zu Ende ist.
Aus dem Off erzählt die Frau ihre Gedanken, aber eigentlich ist das nicht notwendig, denn Martina Gedecks »Gesicht schreibt seinen eigenen Text« (FAZ). Es bildet die innere Verfassung der Protagonistin, den seelischen Ausnahmezustand, gut ab. Obwohl die Welt nicht mehr existiert, arbeitet sie weiter um zu leben: Sie mäht Heu, versorgt ihre Tiere, zieht im Sommer mit ihnen auf die Alm, hackt Holz für den Winter und geht auf die Jagd. Das Leben unter dem Glaskubus geht, auch nach einer weiteren Katastrophe, weiter.
Der Film, der auf dem gleichnamigen Roman der österreichischen Schriftstellerin Marlen Haushofer aus dem Jahr 1963 beruht, lief bereits unter großem Beifall im diesjährigen Berlinale-Programm »Panorama«. Der österreichische Regisseur Julian Pölsler schaffte sich den Hund, einen sogenannten Bayerischen Gebirgsschweißhund, für die Verfilmung an und trainierte ihn persönlich. Eindrucksvolle Landschaftsaufnahmen, ein Alpenpanorama wie es im Buche steht, ein betörender Sternenhimmel und alle vier Jahreszeiten in eindrucksvollem Cinemascope. Ein Film, der vordergründig eine Hommage an die unberührte Natur zu sein scheint, wird durch Martina Gedeck zu einem Drama, das einem fast den Atem raubt. Sehenswert!
Ich habe die Wand immer als Rettung gesehen. Die Wand ist kein schönes Ereignis, aber es hilft der Frau, zum Leben zurück zu kommen und das ist notwendig, weil sie vorher nicht glücklich war. Die Wand steht für mich für eine tiefe Krise, ein Depression, eine Krankheit oder ähnliches – also auch für eine Chance, sich auf das Wesentliche zu besinnen, neue Prioritäten zu setzen und eine neue Lebendigkeit zu finden. [Martina Gedeck]
Die Geschichte einer Freundschaft mit Robert Mapplethorpe
Jesus died for somebody’s sins but not mine/ Meltin‘ in a pot of thieves/ Wild card up my sleeve/ Thick heart of stone/ My sins my own/ They belong to me, me [aus: Patti Smith »Gloria«]
Es war einmal im Summer of Love 1967, in dem eine zehn Jahre währende, tragische Liebesgeschichte zwischen Rock und Kunst beginnen sollte: Die damals 21jährige Patti traf den gleichaltrigen Robert in New York und beide wollten Künstler werden.
Bald zogen sie zusammen; lebten mehr schlecht als recht von ihren Gelegenheitsjobs. Ins Kunst-Museum ging jeweils nur einer von beiden; zwei Eintrittskarten konnten sie sich nicht leisten, nach dem Besuch beschrieben sie sich gegenseitig die gesehenen Ausstellungsstücke.
Abends und nachts dichtete Patti, beeinflusst von der Beat-Genration, ihre wilde Punk-Prosa und Robert bastelte an seinen Collagen. Im März 1968 sahen sie gemeinsam das Doors-Konzert im Fillmore East, in dem Robert als Kartenabreißer jobbte. Patti beobachtete Jim Morrisson ganz genau und in ihr setzte sich der Gedanke fest »Das kann ich auch«.
Zehn Jahre später war Patti Smith ein berühmter Rock ’n‘ Roll-Star und Robert Mapplethorpe ein berühmter Fotograf. Im September 1975 nahm Patti Smith mit ihrer Band ihr erstes Album »Horses« im Electric-Lady-Studio von Jimi Hendrix auf. Es wurde zum Vorbild der englischen und amerikanischen Punk- und New Wave-Bewegung. Herausgesucht habe ich den folgenden, von Van Morrisson geschriebenen Song: Patti Smith: »Gloria«.
Es ist eine Aufzeichnung der Rockpalast-Nacht vom 22. April 1979. Wie jedes Mal, wenn der Rockpalast vom WDR aus Essen übertragen wurde, sahen wir im Freundeskreis, ich glaube es war bereits spät nach Mitternacht, den Auftritt von Patti Smith und ihrer Band. Es war eine reichlich chaotische Darbietung. Deshalb habe ich noch zwei weitere Videos herausgesucht: Patti Smith mit Gloria 1976, Patti Smith in der Jools Holland Show 2007.
Cover: Das Cover zu Horses wurde mit einem S/W-Foto von Patti Smith, fotografiert von Robert Mapplethorpe, gestaltet.
Bedeutung: Die Rockzeitschrift Rolling Stone führt das Album Horses in ihren 500 Greatest Albums of All Time auf Platz 44. 2007 wurde Patti Smith in die Rock and Roll Hall of Fame aufgenommen. Für ihre schriftstellerischen Arbeiten erhielt sie 2010 den National book Award, den wichtigsten amerikanischen Buchpreis.
Literatur: Patti Smith Just Kids – Die Geschichte einer Freundschaft, 2010
Album:Horses, 1975; Erste Seite: 1. Gloria: In Excelsis (Smith), Gloria (Van Morrisson), 2. Redondo Beach (Smith, Sohl, Kaye), 3. Birdland (Smith, Sohl, Kaye, Kral), 4. Free Money (Smith, Kaye); Zweite Seite: 1. Kimberly (smith, Lanier, Kral), 2. Break It Up (Smith, Tom Verlaine), 3. Land: Horses (Smith), Land of Thousend Dances (Chris Kenner), La Mer(de) (Smith), 4. Elegie (Smith, Lanier).
Besetzung: Patti Smith (Gesang, Gitarre), Lenny Kaye (Gesang, Gitarre), Jay Dee Daugherty (Schlagzeug), Ivan Kral (Bass, Gitarre, Gesang), Richard Sohl (Keyboard).
Daten: Patti Smith: geb. 30.12.1946 in Chicago, Robert Mapplethorpe: geb. 04.11.1946, gest. 09.03.1986
Aber insgeheim wusste ich, dass ich völlig umgekrempelt war, bewegt von der Erkenntnis, dass Menschen Kunst hervorbringen, dass Künstler etwas sehen, was andere nicht sehen [aus: Patti Smith »Just Kids«, nach dem Besuch als Zwölfjährige im Museum of Art Philadelphia]
Wir schnitten unsere langen Röcke minikurz wie die von Vanessa Redgrave in Blow Up, und suchten in Second Hand-Läden nach Paletots, wie Oscar Wild und Baudelaire sie getragen haben [aus: Patti Smith »Just Kids«]
Frühe Porträtfotografie und aktuelle Straßenfotografie aus Indien.
Seit den ersten Tagen der Kalotypie setzte der eigenartige Dreifuß mit seiner geheimnisvollen Kammer und seinem Messingmund die Einwohner dieses Landes davon in Kenntnis, dass ihre Eroberer auch andere Instrumente als die prächtigen Kanonen ihrer Artillerie erfunden haben, Instrumente, deren Erscheinungsbild vielleicht nicht minder verdächtig anmutete, die ihr Ziel jedoch mit weniger Lärm und Rauch erreichten [Samuel Bourne]
Das Thema des 5. Europäischen Monats der Fotografie Berlin »Der Blick des Anderen« passt auf die beiden Ausstellungen, die ich am vergangenen Wochenende gesehen habe, sehr genau zu: Im Museum für Fotografie in der Jebensstraße sind noch bis zum 21.10.2012 an die 300 frühe Porträtfotografien aus Indien unter dem Titel »Das Koloniale Auge« zu sehen und in der Bürogemeinschaft KOMET/ Galerie in der Prinzen-straße, zeigt Dr. Carola Muysers »indianROAD«, aktuelle Fotografien aus Indien von Beate Spitzmüller (siehe hier).
Das Koloniale Auge: Der verbindende Aspekt dieser Porträts aus den Anfängen der Fotografie ist der spezifisch europäische Blick. Die Bewohner sollten im Auftrag von Kolonialherren, Missionaren, Ethnologen und Händlern inventarisiert und vermessen werden. Die Fotos sind in die Rubriken Adel, Jenseits des Adels, Sadhus (=Entsager), Kasten, Berufe und Adivasi (= Ureinwohner) unterteilt. Wir als Besucher sehen nur, was Fotografen wie Samuel Bourne, Sheperd & Robertson und John Burke sehen wollten: die Pracht der Oberschicht, die Inventarisierung der einzelnen Kasten, die schmerzhaften Rituale der Asketen und die Ärmlichkeit der Ureinwohner. Die Ästhetik dieser fast 300 Fotos ist beeindruckend, den geschichtlichen Hintergrund aber sollte man dabei als Besucher nicht vergessen (Video zur Ausstellung).
indianROAD: Beate Spitzmüller hat ihre großen Farbfotografien vom bunten Treiben in den indischen Städten geschickt mit kleineren Schwarz/Weiß-Aufnahmen schlafender Menschen auf öffentlichen Straßen und Plätzen kombiniert. Sie ist durch Indien gereist, nicht als Ethnographin, sondern eher als teilnehmende Beobachterin, die sich ungezwungen und mit vorurteilsfreiem Blick im Land bewegt. Ihre farbigen Arbeiten zeigen oftmals im Hintergrund überdimensionierte, bunte Reklametafeln vor denen die Menschen eher klein wirken und erinnern ästhetisch an sogenannte »Bollywood-Filme«. Die Ablichtungen schlafender Menschen bilden schon rein farblich einen starken Kontrast hierzu und obwohl eine für europäische Verhältnisse sehr intime Szene wiedergegeben wird, sind ihre Arbeiten niemals voyeuristisch.
Bis zum 07.11.2012 sind im Rahmen des Monats der Fotografie auf dem PHOTOPLATZ im Kabinett des Hotels Bogota Ursula Kelms Sofortbilder zu sehen. Joachim Rissmann, der Propriétaire des Hotels Bogota, ließ es sich nicht nehmen, zur Vernissage alle Besucher persönlich zu begrüßen. Freundlicher kann eine Ausstellungseröffnung nicht beginnen.
Neben Kelms SX-Polaroid-Fotos sind insbesondere die sogenannten Transferbilder zu erwähnen, auf denen Kelm die Polaroids vom Trägerbild gelöst und auf Seidenpapier aufgebracht hat. Diese Technik unterstreicht das Piktorialistische in ihren Fotografien und alltägliche Stadtansichten werden so zu traumhaften Inszenierungen.
Elisabeth Moortgat schreibt zu Ursula Kelms Bildern: »Kelms Photographie thematisiert in immer anderen Tonlagen das Spiel von Dauer und Vergänglichkeit. Auf besondere Weise also ein memento mori, Teilnahme an der Sterblichkeit, Verletzlichkeit, Wandelbarkeit von beidem, dem Menschen und der Natur, der Photographin selbst… Weil Photographien eben diesen einen Moment herausgreifen und erstarren lassen, ihn fixieren im doppelten Sinne des Wortes, bezeugt die Photographin einmal mehr das Verfließen der Zeit.«
In dem hochherrschaftlichen Altbau in der Schlüterstraße 45 befand sich über zwei Etagen das Atelier der Fotografin YVA (Elisabeth Neuländer), bei der Helmut Newton 1936 seine Fotolehre begann. »Sie schlafen in heiligen Räumen«, sagte er, als er im Jahr 2002 Berlin das letzte Mal besuchte und im Bogota übernachtete. Dieses Zitat ist inzwischen zum Leitspruch des Hauses geworden. Joachim Rissmann setzt in seinem Hotel die fotografische Tradition des Hauses fort: Seit 1994 veranstaltet er mit seinem Photoplatz in mehreren Räumen wechselnde Fotoausstellungen, um die Erinnerungen an die Geschichte des Hauses lebendig zu halten. www.ursula-kelm.de, www.bogota.de
Vom 19. Oktober bis zum 25. November 2012 findet der 5. Europäische Monat der Fotografie Berlin (EMoP) statt. Alle 100 Ausstellungen von über 500 Fotografen und an die 10.000 Bilder kann sich kein Mensch ansehen. Da gilt es den Überblick zu behalten; einige Highlights, aber auch kleinere Ausstellungen stehen auf meinem „Programm“:
Museum für Fotografie: „Das koloniale Auge – Frühe Porträtfotografie in Indien“, bis 21.10.2012, (siehe Artikel 5: „Der Blick der Anderen„
C/O Berlin: „Zeitlos schön – 100 Jahre Modefotografie von Man Ray bis Mario Testino“, bis 04.11.2012 (siehe Artikel 6: „Zeitlos schön – Some Like It Haute„
Alle 100 Ausstellungen finden Sie auf der Website des „European Month of Photography – EMoP„. Das zentrale Festivalzentrum befindet sich während des Europäischen Monats der Fotografie Berlin im ehemaligen Kennedy-Museum direkt am Brandenburger Tor (Pariser Platz 4a).