Und wo ist Adam?

Von Friedhelm Denkeler,

Carl Schulz(?): »Adam und Eva« 1825/62, Kopien nach dem Genter Altar, um 1432 (Ausstellung „Das Kapital – Schuld, Territorium, Utopia“, Hamburger Bahnhof), Foto © Friedhelm Denkeler 2016.
Carl Schulz(?): »Adam und Eva« 1825/62, Kopien nach dem Genter Altar, um 1432 (Ausstellung „Das Kapital – Schuld, Territorium, Utopia“, Hamburger Bahnhof), Foto © Friedhelm Denkeler 2016

Jan und Hubert van Eycks um 1432 entstandene Verehrung des Lammes Gottes, besser bekannt als Genter Altar, gilt als einer der Höhepunkte der nördlichen Renaissance. Das in der St.-Bravo-Kathedrale zu Gent befindliche Werk erzählt auf acht Tafeln die Geschichte des christlichen Glaubens.

Im oberen Teil wird mit Adam und Eva die Idee der Erbsünde eingeführt, darunter werden Verehrung und Erlösung dargestellt: Propheten, Apostel und Märtyrer versammeln sich mit anderen um das Lamm Gottes.

[Gemäldegalerie Staatliche Museen Berlin, Text: Ausstellungsheft »Das Kapital – Schuld, Territorium, Utopia«, Hamburger Bahnhof Berlin, in der Ausstellung ist je ein Gemälde von Eva und Adam zu sehen]

Camouflage

Von Friedhelm Denkeler,

»Camouflage«, Stadtverschönerung in Potsdam, Foto © Friedhelm Denkeler 2014
»Camouflage«, Stadtverschönerung in Potsdam, Foto © Friedhelm Denkeler 2014

Rosemaries Gewohnheitstier

Von Friedhelm Denkeler,

Rosemarie Trockel: "Gewohnheitstier 3", 1990, (Ausstellung "Das Kapital – Schuld, Territorium, Utopia", Hamburger Bahnhof Berlin), Foto © Friedhelm Denkeler 2016
Rosemarie Trockel: »Gewohnheitstier 3«, 1990, Ausstellung »Das Kapital – Schuld, Territorium, Utopia«, Hamburger Bahnhof, Berlin, Foto © Friedhelm Denkeler 2016

Rosemarie Trockel hat ein Auge für das Gewöhnliche, für Dinge wie Wolle und Herdplatten. Dieses Interesse am Alltäglichen gilt auch Tieren oder Getier, zum Beispiel Motten, für die sie einmal ein Kaschmirhaus entwarf. Trockels Kunst zeigt gern die ambivalente Beziehung zwischen Tier und Mensch. Für ihre Serie Gewohnheitstiere fertigte sie Bronzeabgüsse verschiedener Tier wie Reh oder Hund. Unter einem „Gewohnheitstier“ versteht man üblicherweise eine Person mit unumstößlichen Gewohnheiten, ein Charakterzug, der gewöhnlich Tieren nachgesagt wird. [Nationalgalerie, Staatliche Museen Berlin, Text: Ausstellungsheft »Das Kapital – Schuld, Territorium, Utopia«, Hamburger Bahnhof Berlin]

Ein Geldstein von den Yap-Inseln

Von Friedhelm Denkeler,

Geldstein", Yap-Inseln/Karolinen, (Ausstellung "Das Kapital – Schuld, Territorium, Utopia", Hamburger Bahnhof Berlin) Foto © Friedhelm Denkeler 2016
»Geldstein«, Yap-Inseln/Karolinen, Ausstellung »Das Kapital – Schuld, Territorium, Utopia«, Hamburger Bahnhof, Berlin, Foto © Friedhelm Denkeler 2016

Rai oder Steingeld ist ein Zahlungsmittel der zu Mikronesien gehörigen Yap-Inseln. Die Durchmesser der Steinscheiben variieren von wenigen Zentimetern bis zu über vier Metern. Der Wert eines Rai-Steins beruht aber nicht nur auf Größe und Gewicht, sondern auch auf seiner Material- und Fertigungsqualität sowie seiner Geschichte. Ende des 19. Jahrhunderts kurbelten deutsche Kolonialherren mithilfe des Steingelds die Produktion von Kopra (getrocknetem Kokosnussfleisch) an. Es gelang ihnen, einige Häuptlinge – und mit Ihnen deren Dörfer – zu Schuldnern zu machen. Die Schulden wurden in Form von Kopra zurückgezahlt. [Ethnologisches Museum, Staatliche Museen Berlin, Text: Ausstellungsheft »Das Kapital – Schuld, Territorium, Utopia«, Hamburger Bahnhof Berlin]

Das pralle Leben – Ein Amerikaner in Paris

Von Friedhelm Denkeler,

»William Klein – Photographs & Films« bei C/O Berlin

Die Fotografie ist nur eine Verlängerung dessen, was wir fühlen, wenn wir Menschen, Landschaften und Situationen sehen. [William Klein]

Eröffnung "William Klein – Photographs & Films", C/O Berlin, 28. April 2017, Foto © Friedhelm Denkeler 2017
Eröffnung »William Klein – Photographs & Films«, C/O Berlin, 28. April 2017, Foto © Friedhelm Denkeler 2017

Der 89-jährige Amerikaner William Klein war zur Eröffnung seiner Retrospektive bei C/O Berlin aus Paris, wo er seit 1948 lebt, angereist. Für ihn ist eine Ausstellung auch Gespräch mit sich selbst, denn es gibt Dinge, die man vergisst und durch Fotos wieder daran erinnert wird. Legendär sind seine in den fünfziger Jahren in New York entstandenen Bilder geworden: subjektiv, intuitiv und mit unerwarteten Perspektiven. Die Stadt von Coca Cola, großen Autos und blinkenden Reklametafeln. Das Buch »New York 1954-1955« mit dem Untertitel »Life is Good and Good for You is New York: Trance Witness Revels« zeigt die Stadt als einen dunklen, rauen und bedrückenden Ort. So ist der Titel eher eine ambivalente Empfehlung. Später folgten dann Bücher mit Fotos aus Rom (1956), Moskau (1959-1961) und Tokyo (1961).

Klein ist für seine schockartige Schwarz-Weiß-Fotografie berühmt, für das Draufhalten der Kamera auf Menschen in weniger als einer Armlänge Entfernung. Oder besser gesagt: Nähe. Nicht der moment décisif eines Cartier-Bresson ist Kleins Methode und Ziel, sondern die chaotische Fülle des Augenblicks, das pralle Leben und seine Situationskomik.[Der Tagesspiegel]

Systematisch wie ein Sammler hat August Sander im »Antlitz der Zeit« eine Serie von repräsentativen Portraits quer durch alle Berufs- und Bevölkerungsschichten geschaffen. William Klein dagegen hat seine weitwinkelbestückte Kamera in die Menge ›geworfen‹; in dieser anonymen Masse werden individuelle Typen für einen Augenblick wie ein ›Porträt‹ sichtbar.

Eröffnung "William Klein – Photographs & Films", C/O Berlin, 28. April 2017, Foto © Friedhelm Denkeler 2017
Eröffnung »William Klein – Photographs & Films«, C/O Berlin, 28. April 2017, Foto © Friedhelm Denkeler 2017

William Klein wird 1928 in New York als Sohn immigrierter ungarischer Juden geboren. Nach einem Studium der Soziologie und dem Militärdienst reist er 1947 als GI nach Europa und macht Paris zu seinen Lebensmittelpunkt. Er beginnt eine Lehre im Atelier von Fernand Léger und stellt Anfang der 1950er-Jahre erstmals abstrakte geometrische Gemälde aus. Gleichzeitig beginnt er, sich für Fotografie und Film zu interessieren. Er führt ein fotografisches Tagebuch und arbeitet mit Federico Fellini, Pier Paolo Pasolini und Louis Malle an Filmprojekten. Bis 1965 ist er als Modefotograf für die Vogue tätig. Die Titel seiner Fotobücher wie New York 1956, Rom, 1959, Moskau, 1964, In & Out of Fashion, 1994, Close Up, 1989, Paris + Klein, 2002, sind zu festen Bestandteilen der Nachkriegsgeschichte der internationalen Fotografie geworden. Daneben entstehen über 20 Spiel- und Dokumentarfilme.

Die Denkfabrik

Von Friedhelm Denkeler,

"Die Denkfabrik im Wissenschaftshafen Magdeburg", Foto © Friedhelm Denkeler 2010
»Die Denkfabrik im Wissenschaftshafen Magdeburg«, Foto © Friedhelm Denkeler 2010

Kinderreim

Von Friedhelm Denkeler,

»Das Eisen verlor den Nagel …«, Foto/Grafik © Friedhelm Denkeler 2004
»Das Eisen verlor den Nagel …«, Foto/Grafik © Friedhelm Denkeler 2004
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The Last Post – Das Ende der Kampfhandlungen

Von Friedhelm Denkeler,

"Susan Philipsz: "War Damaged Musical Instruments (Shellac)" (Ausschnitt) 2015,   Foto © Friedhelm Denkeler 2017
Susan Philipsz: »War Damaged Musical Instruments (Shellac)« (Ausschnitt) 2015, Foto © Friedhelm Denkeler 2017

Für diese Soundinstallation ließ Susan Philipsz eine Melodie mit Musikinstrumenten, die u.a. aus einer militärhistorischen Museumssammlung in Großbritannien stammen und die im Ersten und Zweiten Weltkrieg sowie im Krimkrieg in den 1850er-Jahren beschädigt worden waren, einspielen.

Das militärische Hornsignal »The Last Post« kündigte den Truppen das Ende der Kampfhandlungen an und wird heute bei Bestattungs- und Erinnerungszeremonien gespielt. Jedes Instrument ist einem Lautsprecher zugeordnet. Die Töne sind fragmentiert zu hören und fügen sich bei der Bewegung durch den Raum akustisch zusammen. [Quelle: Ausstellungsheft »moving is in every direction. Environments – Installationen – Narrative Räume«, Hamburger Bahnhof Berlin, noch bis zum 17. September 2017]

Ein Wintergarten im Hamburger Bahnhof

Von Friedhelm Denkeler,

Marcel Broodthaers: "Un jardin d'hiver – Ein Wintergarten (Aussschnit)" 1974, Foto © Friedhelm Denkeler 2017
Marcel Broodthaers: »Un jardin d’hiver« (Aussschnit) 1974, Foto © Friedhelm Denkeler 2017

Für eine Gruppenausstellung im Palais des Beaux-Art in Brüssel entstand 1974 »Un jardin d’hiver« als erste raumgreifende Arbeit von Marcel Broodthaers. Naturhistorische Stiche spielen auf den enzyklopädischen Anspruch des modernen Naturkunde- und Universalmuseums an, für das die Beutezüge des Kolonialismus eine wesentliche Voraussetzung darstellten. Die domestizierte Natur wird hier zum „Décor“. Der Wintergarten als bourgeoiser (Museums-) Raum steht für die Zähmung und Entpoetisierung des Exotischen in der westlichen Welt. [F. C. Flick Collection, Text: Ausstellungsheft »moving is in every direction. Environments – Installationen – Narrative Räume«, Hamburger Bahnhof Berlin, noch bis zum 17. 09.2017]

Marcel Broodthaers: "Un jardin d'hiver – Ein Wintergarten" (Aussschnit) 1974, Foto © Friedhelm Denkeler 2017
Marcel Broodthaers: »Un jardin d’hiver« (Aussschnit) 1974, Foto © Friedhelm Denkeler 2017

Der Blinde, der die Blinden führt

Von Friedhelm Denkeler,

Peter Buggenhout: "The Blind Leading The Blind; #68", 2015 (Ausschnitt), Foto © Friedhelm Denkeler 2016
Peter Buggenhout: »The Blind Leading The Blind; #68«, 2015 (Ausschnitt), Foto © Friedhelm Denkeler 2016

Peter Buggenhouts Skulpturen sind sorgfältig konstruierte Assemblagen aus verworfenen Materialien: Industrieschrott, Alltagsmüll, Bauschutt, überzogen von Staubschichten, die sich scheinbar seit Ewigkeiten angesammelt haben. Seine 2009 begonnene und inzwischen mehr als siebzig Arbeiten umfassende Serie „The Blind Leading The Blind“ ist nach dem 1568 entstandenen Gemälde Pieter Bruegels d. Ä. benannt, das einen Zug von sechs gebrechlichen älteren Blinden zeigt, von denen es im biblischen Gleichnis heißt: »Lasset sie fahren! Sie sind blinde Blindenleiter. Wenn aber ein Blinder den anderen leitet, so fallen sie beide in die Grube.« [Courtesy Galerie Konrad Fischer, Text: Ausstellungsheft »Das Kapital – Schuld, Territorium, Utopia«, Hamburger Bahnhof Berlin]

Das Problem ist, dass das Problem das Problem ist

Von Friedhelm Denkeler,

Matti Geschonneck zeigt »In Zeiten des abnehmenden Lichts« unspektakulär den Verfall der DDR

Als am 1. Oktober 1989 der DDR-Funktionär Wilhelm Powileit (Bruno Ganz) an seinem 90. Geburtstag einen Empfang gibt, antwortet er auf die Frage, wie er die politische Lage in der DDR einschätzt »das Problem ist, dass das Problem das Problem ist«. Bruno Ganz spielt seine Rolle als starrsinniger Altstalinist ganz hervorragend, aber ebenso lobend hervorzuheben sind Ausstattung und Requisite; so eine perfekt verfallene, so lebendig vollgestopfte, so ›schöne‹ Villa, hat man selten gesehen. Der Film von Matti Geschonneck (»Sommer vorm Balkon«) handelt vom Ende einer Illusion, von der Auflösung eines Staates, vom Verlust der Heimat und von Idealen.

Filmplakat »In Zeiten des abnehmenden Lichts« mit Bruno Ganz, Foto © Friedhelm Denkeler 2017
Filmplakat »In Zeiten des abnehmenden Lichts« mit Bruno Ganz, Foto © Friedhelm Denkeler 2017

»kunstundfilm« urteilt, der Film »bündelt wie unterm Brennglas die vielschichtigen und widersprüchlichen Biografien und Mentalitäten, welche die Einzigartigkeit der DDR ausmachten. Ihr vermessener Anspruch, das bessere Deutschland zu sein, wird im Augenblick des Dahinscheidens am kenntlichsten: nicht als Polit-Theorie, sondern im Streben und Scheitern ihrer Bewohner – ihre Wünsche und Enttäuschungen wirken bis heute nach. Das ist großes Kino zur Zeitgeschichte, das dem Publikum seine Herkunft nuanciert vor Augen führt. Was hierzulande leider selten vorkommt: Es ist ja viel einfacher, auf tote Nazis einzudreschen.« Am 7. Oktober 1989 wurde in der DDR der 40. Jahrestag ihrer Gründung gefeiert. Es war ihr letzter.

Ich suche meinen Schatten!

Von Friedhelm Denkeler,

Die Geschichte vom Jungen, der nicht erwachsen werden will

Liebling, George … als ich vorhin hereinkam, sah ich ein Gesicht am Fenster/ Ein Gesicht am Fenster? Ach was!/ Das Gesicht … eines kleinen Jungen. Und – ich hab ihn nicht zum ersten Mal gesehen! Ich spürte einen Luftzug, drehte mich um und sah ihn mitten im Zimmer./ Im Zimmer?/ Der Junge entwischte. Nur sein Schatten blieb am Fenster hängen./ Mary!/ Er war nicht allein. Mit ihm kam eine kleine leuchtende Kugel, sie bewegte sich im Zimmer wie ein Lebewesen./ Sonderbar. Georg, was hat das alles zu bedeuten?/ Ja, – was? [aus: Peter Pan]

Berliner Ensemble: »Peter Pan« (Erstes Bild) von Robert Wilson, Foto © Friedhelm Denkeler 2017
Berliner Ensemble: »Peter Pan« (Erstes Bild) von Robert Wilson, Foto © Friedhelm Denkeler 2017

Seit der Premiere am 17. April 2013 spielte das Berliner Ensemble (BE) am 5. Juni 2017 zum 75. und zum letzten Mal »Peter Pan oder das Märchen vom Jungen, der nicht groß werden wollte«. Für die Regie, Bühne und das Lichtkonzept war Robert Wilson (*04.10.1941) und für Musik und Songtexte CocoRosie (Sierra und Bianca Casady) verantwortlich. Peter Pan wurde von Sabin Tambrea und Tinkerbell von Christoper Nell gespielt.

Damit geht auch die Ära Claus Peymann (*07.06.1937), seit 1999 Intendant des Berliner Ensemble im Theater am Schiffbauerdamm, zu Ende. Das Stück wird unter der neuen Leitung von Oliver Reese nicht mehr im Repertoire des BE vorhanden sein. Zum Schluss gab es vom Publikum stehende Ovationen für das gesamte Ensemble, das wiederum das Publikum mit musikalischer Zugabe zum Mitsingen aufforderte. Am Ende standen alle und feierten sich gegenseitig mit der bekannten Träne im Knopfloch.

Viel Autobiografisches, Unerfülltes steckt in der Story von Peter Pan. Und hier kommt Robert Wilson. Er bringt aus New York den frischen Sound von CocoRosie mit und stellt ein Stück auf die Bühne, das sich nur als original Wilson beschreiben lässt, mit all seinem Slapstick und Surrealismus, seiner Lichtkunst und den typischen schrillen Soundeffekten. Auch bei ihm berührt die Pan-Geschichte tieferen Grund. [DER TAGESSPIEGEL]

Robert Wilson hat am BE folgende Stücke inszeniert:

Berliner Ensemble: »Peter Pan« (nach dem Schlussapplaus; Die verlorenen Jungs), Foto © Friedhelm Denkeler 2017
Berliner Ensemble: »Peter Pan« (nach dem Schlussapplaus; Die verlorenen Jungs), Foto © Friedhelm Denkeler 2017

Der Garten, der einmal ein Wald war

Von Friedhelm Denkeler,

Der Skulpturenpark der Villa March in Cala Ratjada. Ein neues Portfolio von Friedhelm Denkeler auf der Website LICHTBILDER

»Skulpturenpark der Villa March in Cala Ratjada«, aus dem Portfolio »Eine Mallorquinische Nacht. Cala Ratjada – Photographien aus der Vorsaison«, Foto © Friedhelm Denkeler 1993
»Skulpturenpark der Villa March in Cala Ratjada«, aus dem Portfolio »Eine Mallorquinische Nacht. Cala Ratjada – Photographien aus der Vorsaison«, Foto © Friedhelm Denkeler 1993

Hoch über Cala Ratjada thront eine dreistöckige Villa, die sogenannte Casa March, die der ehemalige Sitz des mallorquinischen Bankiers Juan March ist. Er erwarb das Hügelterrain, das den Hafen von Cala Ratjada überblicken lässt, im Jahr 1915 und ließ darauf eine Sommerresidenz erbauen. Interessanter aber ist die Umgebung der Casa March, eine großzügige Gartenanlage, die Jardines de sa Torre Cega mit ihren zahlreichen Skulpturen. Der Garten ist benannt nach einem fensterlosen Turm, der einst an dieser Stelle stand, um die Küste von Cala Ratjada zu überwachen.

Im Jahr 1993 konnten wir den Garten mit den Skulpturen noch besichtigen, acht Jahre später, im November 2001, wurde die Anlage durch einen Tornado verwüstet. Die ausgewachsenen Kiefern wurden wie beim Mikado durcheinander gewirbelt, viele Wege und das Bewässerungssystem waren zerstört. Ein Teil der Skulpturensammlung wurde ins Palau March in Palma verlagert. Die gesamte Anlage blieb über zehn Jahre geschlossen und konnte erst im Sommer 2011 wieder eröffnet werden. Große Freiflächen mit Rasen erinnern noch heute an den Kahlschlag. Das ursprüngliche Konzept, einen Garten inmitten eines Waldes zu konzipieren, konnte nicht vollständig wiederhergestellt werden.

Erstmalig war die Serie »Eine Mallorquinische Nacht« in der Ausstellung »Begrenzte Grenzenlosigkeit« in der Neuen Gesellschaft für Bildende Kunst (NGBK), Oranienstraße 25, 10999 Berlin, vom 19. Oktober bis 1. Dezember 1996 und im gleichnamigen Katalog, zu sehen. Auf meiner Website finden sie 20 ausgewählte Doppelbilder aus der Serie Eine Mallorquinische Nacht. Cala Ratjada – Photographien aus der Vorsaison.

"Dodekaeder", Skulpturenpark der Villa March in Cala Ratjada, Aus der Serie “Eine Mallorquinische Nacht. Cala Ratjada – Photographien aus der Vorsaison”, Foto © Friedhelm Denkeler 1993
„Dodekaeder“, Skulpturenpark der Villa March in Cala Ratjada, aus der Serie Eine Mallorquinische Nacht. Cala Ratjada – Photographien aus der Vorsaison, Foto © Friedhelm Denkeler 1993

Wer hätte das gedacht?

Von Friedhelm Denkeler,

»Ein Bildschirm ist kein Fenster«, gefunden im Bikini-Haus Berlin, Foto/Grafik © Friedhelm Denkeler 2014
»Ein Bildschirm ist kein Fenster«, gefunden im Bikini-Haus Berlin, Foto/Grafik © Friedhelm Denkeler 2014
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Betreten verboten!

Von Friedhelm Denkeler,

»Betreten verboten!», Café am Neuen See, Tiergarten, Berlin, Foto © Friedhelm Denkeler 2017
»Betreten verboten!», Café am Neuen See, Tiergarten, Berlin, Foto © Friedhelm Denkeler 2017

Der verschmähte Liebhaber

Von Friedhelm Denkeler,

Siurells – auch Joan Miró liebte die magischen Tonfiguren. Ein neues Portfolio von Friedhelm Denkeler auf der Website LICHTBILDER

Was kann man typischerweise von einem Aufenthalt auf Mallorca als Souvenir mitbringen? Natürlich die berühmten Siurells. Sie bestehen aus einzelnen aus Ton geformten Teilen, einschließlich einer Pfeife, die miteinander verbunden werden. Sie werden getrocknet, gebrannt und erhalten in einem Kalkbad ihre weiße Farbe. Beim Färben werden sie an der Pfeife aufgehängt, dadurch behält dieser Teil der Figur sein natürliches Aussehen. Anschließend werden die Tonpfeifen mit grünen und roten Pinselstrichen verziert.

Der Ursprung und die Bedeutung der Siurells sind unbekannt, aber es gibt verschiedene Annahmen: Es könnte sich um eine Pfeife für Hirten handeln, auch als Spielzeug für Kinder wären sie einsetzbar. Vor Jahrhunderten sollten die Siurells mit ihrem Pfeifton verheerende Stürme auf der Insel bezwingen. Den Touristen wird auch gerne die Story vom verschmähten Liebhaber erzählt: Wenn er seiner Angebeteten die Tonfigur überreicht und sie diese fallen lässt, so hat er sicherlich keine Chance, andernfalls würde sie die Pfeife benutzen.

Die Siurells kommen hauptsächlich aus einer der traditionellen Töpfereien in Sa Cabaneta. Traditionell stellen die Figuren Männer mit Stierköpfen, Frauen mit langem Rock und rundem Hut, Reiter, Teufel oder Hunde dar. Ein begeisterter Sammler und Liebhaber der Siurells war der katalanische Maler und Bildhauer Joan Miró, der jahrzehntelang auf Mallorca lebte und arbeitete. Man vermutet, dass die Siurells auch eine Vorlage für seine Skulpturen waren. Seinem Kollegen Pablo Picasso soll er immer wieder diese Tonfiguren geschenkt haben.

Die vorliegenden Fotografien entstanden im März/ April 1993 im Ort Cala Ratjada, auf der Baleareninsel Mallorca. Die gesamte Serie besteht aus 121 Photographien auf Fotopapier im Format 30×45 cm, davon sind 102 zu Bildpaaren im Passepartout 50×60 zusammengestellt. Die Bilder sind auch als gedrucktes Autorenbuch mit 136 Seiten im Format 40×30 cm erschienen (2017).

Erstmalig war die Serie »Eine Mallorquinische Nacht« in der Ausstellung »Begrenzte Grenzenlosigkeit» in der Neuen Gesellschaft für Bildende Kunst (NGBK), Oranienstraße 25, 10999 Berlin, vom 19. Oktober bis 1. Dezember 1996 und im gleichnamigen Katalog, zu sehen. Auf meiner Website finden sie 20 ausgewählte Doppelbilder aus der Serie »Eine Mallorquinische Nacht. Cala Ratjada – Photographien aus der Vorsaison«.

Die Keks-Kamera

Von Friedhelm Denkeler,

»Die Welt der Fotografie«, Café der Fotopioniere, Frankfurter Allee, Berlin, Foto © Friedhelm Denkeler 2017
»Die Welt der Fotografie«, Café der Fotopioniere, Frankfurter Allee, Berlin, Foto © Friedhelm Denkeler 2017

Sonnenschein. Oder: Fighting in a concrete Jungle

Von Friedhelm Denkeler,

Christian Schulz mit Fotografien aus den 1980er Jahren in der Collection Regard

Dagmar Stenschke (1947 – 2011), in den einschlägigen Kreuzberger Kneipen nur »Sunshine« genannt, soll ihre Anrede auf den Namen ihres Lieblings-LSD bezogen haben. Jetzt ist sie großformatig auf einer Fotografie von Christian Schulz in der Galerie »Collection Regard« von Marc Barbey in der Steinstraße 12 in der Ausstellung »Christian Schulz – Fotografien. West-Berlin 1981–1989«, noch bis zum 25. Mai 2017 zu sehen. Schulz (*1961) kam 1981 aus Nord-Deutschland nach West-Berlin, in die Halbstadt, die viele junge Leute wegen ihres besonderen Status als Freiraum begriffen und gestalteten. Schulz fotografierte für die tageszeitung (TAZ), Zitty, später auch für die Berliner Zeitung“ und arbeitet als Standfotograf u.a. bei den Filmen von Christian Petzold.

Christian Schulz mit der Arbeit »Dagmar Stenschke, genannt Sunshine« 1982, Foto © Friedhelm Denkeler 2017
Christian Schulz mit der Arbeit »Dagmar Stenschke, genannt Sunshine« 1982, Foto © Friedhelm Denkeler 2017

Es war die Zeit der Demonstrationen, CSD-Paraden, der besetzten Häuser in Kreuzberg und Schöneberg, die Zeit der Konzerte von Ton, Steine, Scherben mit Rio Reiser, den Bands Malaria oder IDEAL an den inzwischen legendären Orten wie dem SO36, der Brauerei Zehlendorf oder dem Tempodrom. Christian Schulz war immer mit der Kamera dabei. Seine ehrlichen und persönlichen Porträts von Penelope Cruz, Michelangelo Antonioni, Emmanuelle Béart, Maria Schrader, Johnny Depp, Jane Birkin oder Wim Wenders, die während der Internationalen Filmfestspiele in Berlin entstehen, lichten die Porträtierten nicht als unnahbare Stars, sondern als uns berührende Menschen ab.

Die Schwarz-Weiß-Fotografien von Christian Schulz sind fesselnde Erzählungen. Die Bilder sind informell und en passant aufgenommen, nichtdestotrotz gelingt es Schulz, die Essenz des Moments, der Bewegung und des Geschehens erzählerisch einzufangen. Die Bilder ermöglichen uns, in diese festgehaltenen Momente einzutauchen, sie wahrhaftig zu erleben und einzelnen Menschen zu begegnen. Ob mitten in einer Demonstration, im Konzertsaal oder im Privaten eines besetzten Hauses, erlauben uns die Bilder mit seltener, erfrischender Leichtigkeit und Respekt nah dran zu sein. Die eingefangene Welt wird lebendig und bringt uns zum Staunen, zum Schmunzeln, aber auch zum Nachdenken oder zum Erschrecken. [Marc Barbey].

Die Ausstellung wird durch die Publikation aus dem Lehmstedt Verlag »Christian Schulz – Die wilden Achtziger. Fotografien aus West-Berlin« begleitet. www.collectionregard.de

Vom Winde verweht …

Von Friedhelm Denkeler,

»Vom Winde verweht …«, Brandenburgische Straße, Potsdam, Foto © Friedhelm Denkeler 2017
»Vom Winde verweht …«, Brandenburgische Straße, Potsdam, Foto © Friedhelm Denkeler 2017

Warum kann eine Hummel fliegen?

Von Friedhelm Denkeler,

»Die Hummel …«, Grafik © Friedhelm Denkeler 2014
»Die Hummel …«, Grafik © Friedhelm Denkeler 2014
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