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Berichte aus Berlin von Friedhelm Denkeler zu Photographie und Kunst
Von Friedhelm Denkeler,

In dieser Kategorie erscheint am ersten Tag eines Monat öfter ein bildlich umgesetzter Post mit einem Zitat. Das kann eine Photographie mit einem Spruch sein oder ein Bild, das grafisch mit dem Zitat des Monats gestaltet wurde.
Von Friedhelm Denkeler,
Eigentlich fotografiert man so nicht: Schatten auf den Gesichtern der Porträtierten, raue Körnigkeit, harte Kontraste, nichts wird extra ausgeleuchtet und unscharf sind die Fotos oft auch, dafür aber poetisch und suggestiv; Anton Corbijn enthüllt auf diese Weise das Wesen der Rockstars hinter den üblichen Glanzbildern. Einige Bilder, in denen er nach Charakter, Schönheit und kreativer Auseinandersetzung des Porträtierten sucht, wurden zu Ikonen der Rockkultur, wie das mit Nick Cave vor der Backsteinmauer (siehe Foto). Nick Cave wollte im Studio aufgenommen werden und nicht draußen im nass-kalten englischen Wetter. Aber Corbijn ist kein Freund von Studioaufnahmen. Das Foto kam dann auf das Album-Cover von The Boatman’s Call (1997). Eher Street Photography als klassische Porträts.

Bei C/O-Berlin sind jetzt zu Corbijns 60. Geburtstag noch bis zum 31.01.2016 über 600 Künstlerporträts, eng gehängt, aus seinem 40-jährigen Schaffen zu sehen. Stars über Stars; er hatte sie alle vor der Kamera: Rolling Stones, Metallica, REM, Joy Division, Johnny Cash, David Bowie, Tom Waits, Depeche Mode, U2, Herbert Grönemeyer und viele andere, doch kaum Starfotos – die Fotos selbst sind die Stars; sie haben ihn großgemacht – und er die Stars. Die Ausstellung gliedert sich in zwei Teile: Hollands Deep gibt einen Überblick über sein gesamtes Werk im Erdgeschoss und in 1-2-3-4 sind seine Arbeiten aus der Rockwelt im 1. Stock zu sehen und ›zu hören‹.
Von Friedhelm Denkeler,
Du/ Könntest du schwimmen/ Wie Delphine/ Delphine es tun/ Niemand gibt uns eine Chance/ Doch können wir siegen/ Für immer und immer/ Und wir sind dann Helden/ Für einen Tag [aus: David Bowie »Helden«]
Zwischen 1976 und 1978 erlebte David Bowie im damaligen West-Berlin eine seiner kreativsten Phasen. In der ersten Zeit wohnte er bei Edgar Froese von Tangerine Dream im Bayrischen Viertel, wo er einen harten Entzug von kalten Drogen machte. Anschließend zog er in die Hauptstraße 155 in Berlin-Schöneberg in eine große Altbauwohnung, in der er zeitweise mit Iggy Pop zusammen lebte. Nach Bowies Tod am 10. Januar 2016 wurde die Hauptstraße 155 zum ›Wallfahrtsort‹ seiner Fans; ein Meer von Blumen und Lichtern entstand in den folgenden Tagen auf dem Bürgersteig vor dem Haus. Die Hauptstraße wurde provisorisch in David-Bowie-Straße umbenannt.

Drei Alben, die sogenannte Berlin-Trilogie: Low, „Heroes“ und Lodger entstanden während Bowies West-Berliner Zeit. Produziert wurden sie in den direkt an der Berliner Mauer gelegenen Hansa-Studios in der Köthener Straße in Berlin-Kreuzberg. Aus dem Kontrollraum des Meistersaals hatte man einen unverbauten Blick auf die Mauer und den Todesstreifen. Internationale Künstler wie Falco, Depeche Mode, Nick Cave, U2, Iggy Pop, waren vom Studio by the wall und die gute Akustik des Meistersaals fasziniert; allen voran David Bowie, der sich zum Song »Heroes« 1977 durch die Mauer inspirieren ließ. Die Anführungszeichen bei „Heroes“ sind Teil des Songtitels und sollten eine gewisse ironische Distanz zum romantisch-pathetischen Songtext zum Ausdruck bringen. David Bowie: „Heroes“, David Bowie: Helden, David Bowie: „Heroes“/Helden (englisch/deutsch)
I, I can remember (I remember)/ Standing, by the wall (by the wall)/ And the guns, shot above our heads (over our heads)/ And we kissed, as though nothing could fall (nothing could fall)/ And the shame, was on the other side/ Oh, we can beat them, forever and every [aus: David Bowie „Heroes“]
Interview mit David Bowie in der Harald-Schmidt-Show am 11. Juli 2002. Siehe auch Artikel »In der Villa von Ormen steht eine einzelne Kerze«
Von Friedhelm Denkeler,
In the villa of Ormen/ Stands a solitary candle/ In the centre of it all/ Your eyes/ Something happened on the day he died/ Spirit rose a metre and stepped aside/ Somebody else took his place, and bravely cried: „I’m a blackstar, I’m a blackstar“ [aus: David Bowie „Blackstar“]

Am 8. Januar 2016, an David Bowies 69. Geburtstag, wurde sein 28. Studioalbum »Blackstar« veröffentlicht. Zwei Tage später starb er in New York. Von seiner Krebserkrankung, die er nicht öffentlich machte, wusste er bereits seit eineinhalb Jahren.
Diese Gewissheit hat die sieben Songs des Albums entscheidend geprägt; erschöpfte Atemgeräusche, eine kraftlose, brüchige Stimme und verstörende Videos stehen für die letzten Monate seines Lebens und seine künstlerische Auseinandersetzung damit. David Bowie: »Blackstar«, David Bowie: »Lazarus«.
Fast vierzig Jahre hat David Bowie, mal mehr und mal weniger, auch meine eigene Rockgeschichte begleitet: Es begann 1969 mit Space Oddity, das wiederum von Stanley Kubricks 2001: A Space Odyssey inspiriert war und führte die Kunstfigur des Major Tom in sein Werk ein.
Es folgte 1972 das Konzeptalbum The Rise and Fall of Ziggy Stardust and the Spiders from Mars, in dem die Geschichte von Ziggy Stardust, dem Sinnbild eines sexuell promiskuitiven, von Drogenexzessen gezeichneten Rockstars vorgestellt wurde, der letztlich an seinem ausschweifenden Lebensstil scheiterte.
1976 erschien das Album Station to Station, in dem er sich sein Alter Ego, Thin White Duke, zulegte; eine schattenhafte Figur, die von Amerika zurück nach Europa kehrt, um ihre Wurzeln zu erkunden.
Während Bowies West-Berliner Jahre nahm er 1977 in den Hansa-Studios, direkt an der Mauer in Kreuzberg, sein vielleicht bestes Album Heroes auf; die Berliner Jahre sind aber einen eigenen Post wert.
Let’s Dance und das gleichnamige Album machten 1983 dann Bowie endgültig Disco tauglich. Nach Reality von 2003 legte er eine zehnjährige Schaffenspause ein, die er vor zwei Jahren (2013) mit The Next Day und der ausgekoppelten Single Where Are We Now, die inhaltlich Bezug auf Berlin nimmt und in der Tilda Swinton die weibliche Hauptrolle spielt, beendete.
Look up here, I’m in heaven/ I’ve got scars that can’t be seen/ I’ve got drama, can’t be stolen/ Everybody knows me now/ Look up here, man, I’m in danger/ I’ve got nothing left to lose/ I’m so high it makes my brain whirl/ Dropped my cell phone down below/ Ain’t that just like me? [aus: David Bowie „Lazarus“]
Von Friedhelm Denkeler,

Von Friedhelm Denkeler,

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Von Friedhelm Denkeler,

Von Friedhelm Denkeler,

In der Gruppenausstellung »Twenty and Four Artists« sind neben fotografischen Arbeiten Künstler aus den Bereichen Malerei und Bildhauerei vertreten. Friedhelm Denkeler zeigt dort seine Arbeit »Abschied in Casablanca«. Weitere ausführliche Informationen finden Sie in diesem Journal im Artikel Friedhelm Denkeler: Abschied in Casablanca. Die Ausstellung ist noch bis zum 23. Dezember 2015, täglich von 14 bis 19 Uhr, im Gesundheitszentrum in der Bergmannstraße 5 (Innenhof im I. Stock, Rolltreppe!), 10961 Berlin, zu sehen.
Am kommenden Samstag, den 19.12.2015, ab 19 Uhr, gibt es zusätzlich – ein »Pop-Up-Event« nennt man das heutzutage – Live-Musik mit Julia Bilat und Daniel Schwarzwald in der Ausstellung. Viele der »Twenty and Four«-Künstler werden anwesend sein.

Von Friedhelm Denkeler,
Das Film-Jahr 2015 startete mit dem fantastischen Film »Eine Taube sitzt auf einem Zweig und denkt über das Leben nach« von Roy Andersson. Der Schwede hat jetzt bei der 28. Verleihung der Europäischen Filmpreise in Berlin den Preis für die beste Komödie des Jahres entgegen nehmen dürfen. Das JOURNAL hat den Film bereits am 4. Februar 2015 ausführlich vorgestellt (siehe hier). Vielleicht läuft er nach der Preisverleihung wieder in einigen Kinos. Ansonsten, es ist ja bald Weihnachten, gibt es ihn auch auf DVD – ein außergewöhnliches Weihnachtsgeschenk nicht nur für ›Augen-Menschen‹!

Von Friedhelm Denkeler,

Wie auf einer Baustelle sah es noch einen Tag vor der Ausstellungseröffnung aus. Ein 300 qm großer Raum, jahrelang als Abstellkammer genutzt, wurde innerhalb von drei Tagen entrümpelt, entstaubt und in einen Showroom verwandelt. Die Kabel hängen noch immer unverputzt von den Decken, Rigipsplatten sind nur auf einer Seite des Raumes vorhanden, vereinzelt ragen Rohre aus den Wänden und das Ausstellungsdesign besteht aus Bauleuchten, Holzpaletten und Betonsteinen. Gerade dieses Unfertige geht seit letztem Freitag eine reizvolle Symbiose mit den Fotografien, Leinwänden, Holzobjekten und Skulpturen ein.

Die Gruppenausstellung »Twenty and Four Artists« ist noch bis zum 23. Dezember 2015, täglich von 14 bis 19 Uhr, im Gesundheitszentrum in der Bergmannstraße 5 (Innenhof im I. Stock, Rolltreppe!), 10961 Berlin, zu sehen. Friedhelm Denkeler zeigt dort seine Arbeit “Abschied in Casablanca”. Weitere ausführliche Informationen finden Sie in diesem Journal im Artikel Friedhelm Denkeler: »Abschied in Casablanca«.
So kurz vor Weihnachten lohnt sich ein Besuch der Bergmannstraße in Kreuzberg immer. Heutzutage würde man von einem Hotspot in Berlin sprechen; den ›alten Hasen‹ ist die Straße in Kreuzberg auch ohne dies ein Begriff. Die Gruppenausstellung »Twenty and Four Artists« ist ein weiterer Grund für einen kleinen Abstecher. Neben fotografischen Arbeiten sind Werke von Künstlern aus den Bereichen Malerei und Bildhauerei vertreten. Vor allem die fotografischen Arbeiten der teilnehmenden Künstler wird das Journal noch einmal vorstellen.
Von Friedhelm Denkeler,

Zwischen 1984 und 1990 hat Friedhelm Denkeler unter dem Titel »Televisionen« neun größere Arbeiten erstellt, die sich alle mit dem Thema Medien, insbesondere mit Film und Fernsehen, beschäftigen. Die Werke wurden als Serien mit Einzelbildern, als Leporellos und in Form von Klappbildern oder Künstlerbüchern mit Originalfotos realisiert. Die Arbeiten sind bisher nicht in öffentlichen Ausstellungen zu sehen gewesen. Wie der Titel andeutet, zeigt die schwarzweiße Arbeit »Abschied in Casablanca« einen Aspekt aus dem Film »Casablanca«. Bedingt durch das Zeilensprungverfahren des Fernsehens und den damit verbundenen Störungen, wie Streifenstrukturen und Artefakte, erhalten die Photographien einen zusätzlichen Reiz.

Etwas über den Film Casablanca, der die Grundlage für die Photographien lieferte zu schreiben, heißt sicherlich »Bogey nach Kreuzberg tragen«. Der US-amerikanische Film, der 1942 unter der Regie von Michael Curtiz entstand und der die beiden Hauptrollen mit Humphrey Bogart und Ingrid Bergmann besetzte, ist heute ein Klassiker der Filmgeschichte. Einige Zitate aus dem Film sind ins kollektive Gedächtnis eingegangen:
Ich seh´ Dir in die Augen Kleines…
Verhaften Sie die üblichen Verdächtigen!
Spiel‘ es, Sam! Spiel‘ As Time Goes By!“
Die Serie Abschied in Casablanca ist jetzt im Rahmen der Gruppenausstellung Twenty and Four Artists im Gesundheitszentrum in der Bergmannstraße erstmalig öffentlich zu sehen. Neben fotografischen Arbeiten sind Werke von Künstlern aus den Bereichen Malerei und Bildhauerei vertreten. Die Location im Gesundheitszentrum ist eher ungewöhnlich: Sie liegt in einem unrenovierten Gebäudeteil und wird während der drei Wochen unter behelfsmäßigen Lichtverhältnissen in einen spannenden Showroom für Kunst und künstlerische Produkte umgewandelt wird. Die Ausstellung wird von Dr. Carola Muysers kuratiert
Auf meiner Website Lichtbilder sind die 10 Photographien der Serie Abschied in Casablanca aus dem Jahr 1989 auf Photopapier Bonjet Graphic Lustre 295g zu sehen. Die Ausstellung wird am Freitag, den 11. Dezember 2015 ab 17 Uhr eröffnet und ist bis zum 23. Dezember 2015 , täglich 14 bis 19 Uhr, im Gesundheitszentrum in der Bergmannstraße 5 (Innenhof im I. Stock, Rolltreppe!), 10961 Berlin, zu sehen.
Von Friedhelm Denkeler,

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Von Friedhelm Denkeler,

Von Friedhelm Denkeler,

Die Rezipienten von Kunstwerken lieben es, wenn diese eine besondere Geschichte haben – und der Berliner Photograph Siebrand Rehberg hat eine wunderbare Story für seine 1972 bis 1977 entstandenen Farbphotographien mit Berliner Kiezfassaden parat. Die auf 9×12 cm Dia-Material gemachten Aufnahmen wurden von Rehberg als Ausstellungsprints auf Cibachrome-Positivpapier vergrößert und waren im Herbst 1976 in der Fotogalerie Zillestraße in West-Berlin erstmalig zu sehen. Anschließend gingen sie nach Kopenhagen, wo sie Anfang 1978 in der »fotografisk galleri« ausgestellt wurden. Seitdem sind sie verschwunden.
Zusammen mit Marc Barbey von der Collection Regard hat Rehberg noch einmal nachgeforscht. Die Betreiber der »fotografisk galleri« bestätigten, dass die Bilder nach Ausstellungsende zurück nach Berlin gegangen sind. Bei Rehberg sind sie aber nicht angekommen und die Betreiber der Galerie Zillestraße sind nicht mehr ausfindig zu machen. Die insbesondere durch ihre hohe Archivfestigkeit, Lichtbeständigkeit und exzellente Farbbrillanz bekannten Cibachrome-Abzüge sind heutzutage nicht mehr herzustellen, da 2011 die Herstellung der Materialien von Ciba-Geigy/ Ilford eingestellt wurde. Vielleicht dient das hier vorzustellende Buch nun auch dazu, dass die Bilder wieder auftauchen; dies dürfte aber nach fast 40 Jahren eher unwahrscheinlich sein, wäre aber das märchenhafte Ende einer besonderen Geschichte.
Glücklicherweise befinden sich die Diapositive der Kreuzberger Fassaden noch im Besitz von Siebrand Rehberg. Sie waren die Grundlage für das jetzt erschienene exzellente Fotobuch im von Almut Weinland geleiteten ConferencePoint Verlag. Das Buch erlaubt den doppelten Rückblick auf die um 1900 im typischen Berliner Gründerzeitstil entstandenen Mietshäuser und deren Zustand in den 1970er-Jahren, kurz vor der Kahlschlag-Sanierung im Kreuzberger Kiez. Im Gegensatz zu Rehbergs Berlin-Fotografien der frühen Siebzigerjahre, die Stadtansichten und Menschen in Schwarzweiß zeigen, sind im vorliegenden Buch die maroden Hauseingänge, Läden und Fassaden auf Erdgeschosshöhe in Farbe zu betrachten.

Die Menschen bleiben auf den Bildern unsichtbar, »aber sie haben fantasievolle Spuren hinterlassen, Farbinseln inmitten von Tristesse aus den Grautönen des Verfalls. Bunte, witzige, surreale, mitunter psychedelische Manifestationen von Lebenslust und Aneignung des neugewonnenen Lebensraums. Nicht ohne die farbenfrohe Hippie-Ära zu zitieren, mit anarchischem Gestus und politischer Empörung. Eine große Ruhe und Entschleunigung strahlen die Motive dennoch aus, eine Ruhe vor dem vermeintlichen Sturm. Denn viele Gebäude sind vor dem Abriss bedroht.« [Erik Steffen]
Anlässlich der neuen Publikation »Siebrand Rehberg West Berlin 1972-1977« mit 45 Photographien, herausgegeben von Marc Barbey, mit einem Text von Erik Steffen, findet am Donnerstag, den 19. November 2015, um 19 Uhr eine Buchpräsentation in Anwesenheit von Siebrand Rehberg, Almut Weinland vom Conference Point Verlag, Erik Steffen, Autor des begleitenden Textes und Marc Barbey in der Collection Regard statt. Am selben Abend wird auch das Portfolio »West Berlin 1972-1977 Siebrand Rehberg« mit zehn Fotografien im Passepartout in einer Kassette präsentiert.
Von Friedhelm Denkeler,

Von Friedhelm Denkeler,

Von Friedhelm Denkeler,
Die Natur muss gefühlt werden [Alexander von Humboldt]
Im Sommer 1985 fuhr ich mit dem Fahrrad die Spuren meiner Kinderzeit und Jugendjahre auf dem Lande in Ost-Westfalen ab. Auch wenn ich seit Jahren in der Stadt lebe, spielte in dieser Serie die Natur, so wie ich sie auch heute noch in Erinnerung habe, die Hauptrolle. Meine eigene Hand in den Bildern deutet natürlich den persönlichen Bezug an, aber auch ein mir und den Orten fremder Betrachter kann sich, so glaube ich, mit den Bildern identifizieren. Das Betasten und Erkunden der Natur mit der Hand ist eine Sache für sich, aber gleichzeitig wird die Natur grundsätzlich so gelassen wie sie ist.

Die Erinnerungen an die erlebte Natur der Kindheitstage sind vielfältig und die vorliegenden Photographien können nur einen kleinen Einblick davon geben. Frühmorgens mit dem Fahrrad auf dem Butterblumenweg unterwegs; die Sonne hat es noch nicht ganz geschafft, den aufsteigenden Nebel von den feuchten Wiesen an der Großen Aue zu vertreiben. An der Pappelalle beginnt der „Hafer zu stechen“, der Mais blüht und das Kornfeld wogt leise im Wind.
Im angrenzenden Torfmoor ist die Versuchung groß, einen Strauß »Scheiden-Wollgras« (Eriophorum vaginatum) zu pflücken und dazu passenderweise einen »Schwarzen Lampenputzer« (Pennisetum alopecuroides) mitzunehmen. Auf dem Rückweg bot sich eine Pause an, um an der Brombeerhecke wohlschmeckende Beeren zu pflücken. Mittlerweile stand die Sonne hoch am Himmel und auf den Wiesen war das Heu bereit für die Ernte. Der Geruch des frischen Heus wird für ewig in Erinnerung bleiben.
Ähnlich der zwei Jahre zuvor entstandenen Serie Møns Klint geht es auch in der vorliegenden Serie „Sommer in einer Hand“ nicht nur um das visuelle Erlebnis auf dem Lande, sondern auch um die haptische Wahrnehmung der Natur. Wieder spielte die Hand eine große Rolle, etwa durch Überstreichen der Oberfläche, Nachfahren der Konturen und Umfassen und Drücken. Die sinnliche Erfahrung als Ergänzung zu der visuellen Wahrnehmung.
Sommer in einer Hand, 1985, 30×45 cm, Fotopapier im Passepartout 50×60 cm. Die Aufnahmen entstanden 1985 im Landkreis Minden-Lübbecke in Ost-Westfalen. Die Bilder sind auch als gedrucktes Autorenbuch mit 80 Seiten im Format 45×30 cm erschienen (2015). Die gesamte Serie besteht aus 64 Photographien.
Die Schwärmerei für die Natur kommt von der Unbewohnbarkeit der Städte [Bertolt Brecht]
Von Friedhelm Denkeler,

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Von Friedhelm Denkeler,
Die Leica ist die Verlängerung meines Auges! [Henri Cartier-Bresson]

Die Gemeinsamkeit aller Fotos in der aktuellen, von Hans-Michael Koetzle kuratierten Ausstellung bei C|O, liegt darin, dass sie mit der Leica gemacht worden sind. Gleichzeitig sehen wir aber auch einen Querschnitt durch die Geschichte der Fotografie als Massenmedium und das begann eben mit der Leica vor 100 Jahren.
Viele, im Lauf dieser Jahre entstandenen fotografischen Ikonen sind zu sehen: der fallende Soldat von Robert Capa im spanischen Bürgerkrieg, das Hissen der sowjetischen Flagge auf dem Berliner Reichstag von Jewgeni Chaldej, das »Selbstporträt mit Leica« von Umbo, und »Der Fotograf« von Andreas Feininger und der »Pfützenspringer« von Cartier-Bresson, um nur diese fünf zu nennen.
Zahlreiche Materialien aus der Zeit, wie die Ur-Leica, Buchpublikationen, Illustrierte oder das Lieferbuch zur Leica von 1928 werden präsentiert. Das erste Modell der Leica, deren Markenname sich aus dem Unternehmen Leitz und Camera zusammensetzt, wurde im März 1914 vom Feinmechaniker und Hobbyfotografen Oskar Barnack entwickelt. Ihm gelang es, Bildmotive auf einen 35-Millimeter-Kinofilm zu bannen. Mit einem simplen Trick – in der Leica-Kamera bewegt sich der Film horizontal, während in den gebräuchlichen Kinokameras der Film senkrecht geführt wurde. Auf diese Weise vergrößerte Oscar Barnack das Negativformat auf 24 mal 36 Millimeter. Bedingt durch den ersten Weltkrieg konnte Leitz die serielle Produktion und Markteinführung der Kamera erst 1925 realisieren.

Eine eigene Ausstellung hat der Mitbegründer der Foto-Agentur »Visum«, Rudi Meisel, im Obergeschoss erhalten. Hier zeigt Meisel seine zwischen 1977 und 1987 im damals geteilten Deutschland entstandenen Aufnahmen, die er hautsächlich für das Zeitmagazin gemacht hat. Beide sehenswerten Ausstellungen laufen nur noch bis zum 1. November 2015. Zum Jahrestag des Einzugs von C|O in das Amerika-Haus sind am Freitag, den 30. Oktober die Ausstellungen bis Mitternacht geöffnet.
Von Friedhelm Denkeler,

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Von Friedhelm Denkeler,
Die Beine der Frauen sind die Zirkel, die den Erdball in allen Himmelsrichtungen ausmessen und ihm sein Gleichgewicht und seine Harmonie geben. [Bertrand Morane in »Der Mann, der die Frauen liebte«]

Als erstes fällt einem, wenn man Manfred Pauls neue Ausstellung »En Passant« in Marc Barbeys Collection Regard sieht, François Truffauts Film Der Mann, der die Frauen liebte aus dem Jahr 1977, ein.
Der Ingenieur Bertrand Morane, gespielt von Charles Denner, verliebt sich in die Beine einer unbekannten Frau. Seit seiner Jugendzeit interessiert er sich für Frauenbeine und letztendlich sind diese auch für sein tragisches Ende verantwortlich.
Auch Manfred Pauls Photographien kann man als Suche nach einem Traumbild, nach dem Geheimnis des Weiblichen verstehen. Aber im Gegensatz zu Truffauts Film sind sie eher zufällig, en passant, in der Zeit zwischen 1986 und 1990 entstanden und jetzt zum ersten Mal öffentlich bei Marc Barbey zu sehen.
Fast dreißig Jahre lang war Manfred Paul als Lehrer für Photographie tätig. Erst in den letzten Jahren hatte er Zeit, sein Archiv aufzuarbeiten und so bekommen wir neben den bekannten Stadtbildern wie »Berlin Nordost« (1973-1989), nun auch den Werkzyklus »En Passant« zu sehen.
Die Beine der Frauen sind nackt oder tragen Strümpfe, mal undurchsichtig – mal durchsichtig; sie stehen sittsam nebeneinander, werden gekreuzt oder locker übereinander geschlagen; sie bleiben anonym und sind doch individuell und so unterschiedlich wie die dazugehörenden Besitzerinnen. Sagt die Phantasie zumindest. Zu sehen sind aber en passant eben nur die Beine und sie stehen ganz allein für sich.

Harald Martenstein hat in seiner Kolumne im ZEIT-Magazin darüber geschrieben, wie schwierig es heutzutage ist, Frauen Komplimente zu machen. Schnell steht man als Mann unter Verdacht, auf Anmache aus zu sein. Er kommt zu dem Fazit, dass es mit Komplimenten wie mit Humor ist, also meist eine Gratwanderung zwischen gutem und schlechtem Geschmack. Die Alternative, ein Leben ohne Humor und wertschätzende Komplimente, ist aber nicht erstrebenswert.
Marc Barbey in seiner Eröffnungsrede am 10. September 2015: »So ist diese Ausstellung auch ein Plädoyer für Komplimente, … für wohlwollende, freundliche und respektvolle Aufmerksamkeit, für einen Blick, der immer auf der Suche nach Schönheit ist. Und ich vertraue Manfred Pauls guten Geschmack, dem es gelingt, auf dem Grat zu balancieren, der es uns erlaubt, seine Freude am eingefangenen Moment zu teilen.«
Die Sinnlichkeit der Bilder ist offenbar, ohne je sich aufzudrängen liegt sie still in den Bildern, so wie ein stilles Begehren erweckt wird. [Hubertus von Amelunxen]