Himmelszauber

Von Friedhelm Denkeler,

Otto Pienes »Sky Art Event« auf dem Dach der Neuen Nationalgalerie

Es war wahrscheinlich das schönste Kunst-Event nach Christos Reichstagsverhüllung. Samstagnacht stiegen die mit Helium gefüllten und mit einem turmhohen Schweif versehenen Sterne des Zero-Künstlers Otto Piene im Abend-Himmel über dem Kulturforum auf. Der starke Wind machte den Veranstaltern zunächst einen Strich durch die Rechnung, dann aber, kurz nach Mitternacht, waren alle drei Sterne gemeinsam zu sehen.

Diese Sternschnuppen mutierten für manche Besucher zu Palmen, passend zur tropischen Berliner Sommernacht. Noch nie war das Kulturforum so voll wie in dieser Nacht und endlich einmal war es dank Otto Pienes Geschenk an Berlin kein unwirtlicher Ort mehr, sondern wurde mit Kunst gefüllt, bespielt und dankend angenommen. Eine unvergessliche Sommernacht.

Über die Doppel-Ausstellung in der Neuen Nationalgalerie und in der Kunsthalle und über die Gruppe Zero demnächst mehr in diesem Journal.

"Himmelszauber", Foto © Friedhelm Denkeler 2014
»Himmelszauber«, Foto © Friedhelm Denkeler 2014

Die Fine Yang Artists

Von Friedhelm Denkeler,

Nach der Einzelausstellung von Lee Young-Sik Anfang des Jahres (siehe Lee und das schöne Krododil) war jetzt in der Kreativagentur KOMET in der Prinzenstraße die neu gegründete Künstlergruppe Fine Yang Artists.Berlin zu Gast. Die Gruppe besteht aus Vitali Geyer, Lee Young-Sik und Björn Vizelberg (Foto v.l.). Sie verschmelzen Traum-, Medien- und Alltagsbilder zur neuen ›Fantastischen Sachlichkeit‹. Die Ausstellung ging letzten Freitag mit einer Finissage zu Ende: Alle drei Künstler beteiligten sich am Livepainting, das musikalisch untermalt wurde mit Livemusik der Gruppe Mujay.

"Die 'Fine Yang Artists.Berlin' in der Kreativagentur KOMET", Foto © Friedhelm Denkeler 2014
»Die Fine Yang Artists.Berlin« in der Kreativagentur KOMET, Foto © Friedhelm Denkeler 2014

Tage wie diese …

Von Friedhelm Denkeler,

Ich wart seit Wochen, auf diesen Tag/ und tanz vor Freude, über den Asphalt/ Als wär’s ein Rhythmus, als gäb’s ein Lied/ Das mich immer weiter, durch die Straßen zieht/ Komm dir entgegen, dich abzuholen, wie ausgemacht/ Zu der selben Uhrzeit, am selben Treffpunkt, wie letztes mal/ … / An Tagen wie diesen, wünscht man sich Unendlichkeit [Campino/ Birgit Minichmayer]

Mit dem Song »Tage wie diese« von den »Toten Hosen« feierte die Deutsche Nationalmannschaft ihren Sieg im Finale gegen Argentinien bei der Fußballmeisterschaf in Brasilien in Rio de Janeiro mit dem Siegtreffer durch Mario Götze. Er war auch der beliebteste Song der Mannschaft während der Europameisterschaft 2012. Und heute auf der Fan-Meile wurde er während der Abschlussfeier natürlich auch gespielt.

»Tage wie diese …«, Harley Davidson-Teffen am Brandenburger Tor, Berlin, Foto © Friedhelm Denkeler 2014
»Tage wie diese …«, Harley Davidson-Teffen am Brandenburger Tor, Berlin, Foto © Friedhelm Denkeler 2014

Der Song ist eine Single-Auskopplung aus dem Album »Ballast der Republik« und wurde am 23. März 2012 veröffentlicht. Die Single enthält drei weitere Lieder und ist versehen mit einem Cover-Foto von Andreas Gursky unter dem Titel »May Day III«, das Gursky auf dem Techno-Umzug im Jahr 1998 in Berlin aufgenommen hat.

Die Single erreichte in Deutschland Platz 1 der Charts. In dem Musik-Video trifft sich eine Gruppe von Graffiti-Sprayern, unterbrochen von Szenen auf dem Studio, von Live-Auftritten der Gruppe und mit Fans von Fortuna Düsseldorf. Die Toten Hosen: »Tage wie diese«

Wir waren immer eine Band, die in der Gegenwart lebt und nach vorne blickt. Letztendlich geht es auch darum, den Moment zu zelebrieren. So wie du mit einem Freund auf ein Konzert oder eine Party gehst und weißt, das ist ein Abend, ein Moment, der so vielleicht nicht mehr wieder kommt. Eine solche Situation beschreibt das Lied. [Campino]

»Very Yao« – der Fahrrad-Turm des Ai Weiwei

Von Friedhelm Denkeler,

Im Lichthof des Martin-Gropius-Baus zeigt Ai Weiwei sein über alle Stockwerke reichendes, monumentales Installationskunstwerk »Very Yao«, 2009. Hierfür verwendete er 150 Fahrräder in unterschiedlichen Größen der in China am weitesten verbreiteten Fahrradmarke »Forever Bicycles«. Die Skulptur erinnert an einen zum Tode verurteilen Radfahrer, dem vorgeworfen wurde, ein nicht registriertes Fahrrad dieser Marke gefahren zu haben.

"Ai Weiwei im Martin-Gropius-Bau, 'Very Yao', 2009", Foto © Friedhelm Denkeler 2014
»Ai Weiwei im Martin-Gropius-Bau, Very Yao, 2009«, Foto © Friedhelm Denkeler 2014

DER TAGESSPIEGEL schrieb zu seinen Arbeiten: »In seinem Werk überkreuzt sich Minimal-Kunst mit Marcel Duchamps Idee des Ready-mades. Beide Strömungen lernte Ai Weiwei während seines Aufenthalts in den USA von 1981 bis 1993 kennen (seine Fotos aus der Zeit zeigte der Gropius-Bau 2011).« Die Ausstellung geht morgen zu Ende.

Alles neu macht der Juli, aber bei gewohnter Qualität

Von Friedhelm Denkeler,

Das JOURNAL ist heute seit vier Jahren online. Über 600 Gäste besuchen inzwischen jeden Tag das »Journal«. Das Layout der Websites »JOURNAL« und »LICHTBILDER« wurde überarbeitet.

»Qualität ist nicht alles, aber alles ist nichts ohne Qualität«, Foto/Grafik © Friedhelm Denkeler 2002
»Qualität ist nicht alles, aber alles ist nichts ohne Qualität«, Foto/Grafik © Friedhelm Denkeler 2002

Vor vier Jahren, am 1. Juli 2010, ging der Blog »JOURNAL – Berichte aus Berlin zu Photographie und Kunst« mit oben stehendem Motto, das zugleich »Zitat des Monats Juli 2010« war (und heute ausnahmsweise noch einmal), online. In dieser Zeit war das JOURNAL vollständig werbefrei – und das wird auch so bleiben (keine nervenden Flashs, blinkenden Grafiken oder Pop-up-Fenster). Die steigenden Besucherzahlen deuten darauf hin, dass meine Gäste diese Qualität schätzen, und ich möchte mich heute herzlich für das Interesse bei Ihnen bedanken.

"Besucherzahlen Juli 2010 bis Juni 2014", Grafik © Friedhelm Denkeler 2014
Besucherzahlen Juli 2010 bis Juni 2014,
Grafik © Friedhelm Denkeler 2014

In den ersten sechs Monaten dieses Jahres besuchten insgesamt 111.792  Gäste meinen Blog, das sind im Mittel 613 Besucher pro Tag. Die Zahlen entwickelten sich in den vier Jahren von ca. 76 auf jetzt aktuell 613 Besucher pro Tag (Mittelwert); im gesamten Zeitraum der vier Jahre waren es 512.820.

Jetzt ist es Zeit für einige Verbesserungen auf meinen Websiten. Die auffälligste Änderung im JOURNAL ist sicherlich das neue Logo. Es wurde von Horst Hinder (comcontor.com) entwickelt. Eine weitere Neuigkeit ist, wenn mehr als 12 Artikel auf einer Seite angezeigt werden, schaltet sich ein Pager zum Blättern für ältere und neuere Seiten/ Artikel am unteren Rand ein; wenn es oben noch weitere Seiten gibt, auch am oberen Rand.

Die meisten Änderungen liegen aber unter der Oberfläche; das Theme »Journal2« für die grafische Oberfläche ist an die aktuellen Browser angepasst, der Programm-Code ist schlanker und damit auch schneller geworden. In Blogs sind die einzelnen Posts (Artikel) in verschiedene Kategorien eingeteilt. Diese Aufteilung hat sich geändert; demnächst folgen mehr Informationen.

Auf meiner Photo-Website LICHTBILDER (vormals »Denkeler Photo«) gibt es ebenfalls einige Änderungen. Die ganze Website ist jetzt noch klarer strukturiert und an die Präsentation von Fotos angepasst worden; natürlich erhielt sie auch das neue Logo. Dazu mehr in einem weiteren Artikel.

"Logo", © Friedhelm Denkeler 2014
»Logo«, © Friedhelm Denkeler 2014

Leerstuhl oder Lehrstuhl – das ist hier die Frage

Von Friedhelm Denkeler,

Der Lehrstuhl: planmäßige Stelle eines Professors, einer Professorin an einer Universität oder Hochschule; Professur; Lehrstuhlinhaber/-in und seine/ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter; Synonyme: Ordinariat, Professorenstelle, Professur [Quelle: DUDEN].

Der Leerstuhl: Es handelte sich um einen Sitz, der – wie es der Name deutlich sagt – ganz „leer von Stuhl“ ist [Quelle: Stupidedia].

Lehrstuhl = 1.930.000 Einträge bei Google; Leerstuhl = 37.200 Einträge bei Google.

"Leerstuhl oder Lehrstuhl – das ist hier die Frage" (Universitätsbibliothek Weimar), Foto © Friedhelm Denkeler 2014
»Leerstuhl oder Lehrstuhl – das ist hier die Frage«, Universitätsbibliothek Weimar, Foto © Friedhelm Denkeler 2014

Dieser Riesensitz ist auf dem Hochschulforum zwischen dem Limona-Gebäude (ehemalige Brauerei) und dem Bibliotheksneubau der Bauhaus-Universität in der in der Steubenstraße in Weimar zu finden. Geschaffen hat die Skulptur, betitelt »Lehrstuhl – leerer Stuhl«, Hermann Bigelmayr.

Um auf die in 3,50 Meter Höhe befindliche Sitzfläche zu gelangen, braucht man eine Leiter. Der gesamte Stuhl misst die stattliche Höhe von 7,50 Meter und wiegt 20 Tonnen oder anders gesagt: Er ist so schwer wie 400 Zentnersäcke Kartoffeln.

Der 2005 zusammen mit dem Neubau der Bibliothek errichtete Stuhl passt sich, ohne dass er zu wuchtig wirkt, hervorragend dem Gebäudeensemble aus Alt- und Neubau an und soll einen Bezug zu der Universität als Lehrinstitution darstellen.

Thank you for the music

Von Friedhelm Denkeler,

Die Super-Gruppe, die niemals zurückkam – ABBA-Trilogie

I’m hearing images, I’m seeing songs/ No poet has ever painted/ Voices call out to me, straight to my heart/ So strange yet we’re so well acquainted/ I let the music speak, with no restraints

ABBA "I Let The Music speak", Foto & Gafik © Friedhelm Denkeler 2014
ABBA „I Let The Music speak“, Foto & Gafik © Friedhelm Denkeler 2014

Sechs Jahre nach ihrem ersten Erfolg mit Waterloo ging die Abbamania 1980/81 mit den Alben Super Trouper und The Visitors langsam zu Ende.

In einem der letzten Songs von ABBA I Let The Music speak (1981) geben Björn und Benny die Richtung vor, in der sie zukünftig arbeiten wollen: die Welt der Musicals. Agnetha und Frida dagegen nehmen Solo-Alben auf. ABBA: »I Let The Music speak«.

Björn und Benny schrieben zusammen mit Tim Rice das weniger erfolgreiche Musical Chess. Berühmt wurde nur der Star des Musicals, Murray Head, mit dem Hit On Night in Bangkok aus dem Jahr 1984. In Deutschland stand er zwei Wochen auf Platz 1 der Single-Charts.

1989 entwickelte die britische Autorin Catherine Johnson ein Musical mit 22 ABBA-Songs. Die Story hat aber nichts mit der Geschichte der Band zu tun. Premiere war 1999 in London und 2008 kam das Musical Mamma Mia als Film mit Meryl Streep in der Hauptrolle und Pierce Brosnan in die Kinos. Der Film ist es wert, in einem eigenen Artikel behandelt zu werden.

Offiziell hat sich die Gruppe ABBA nie aufgelöst; sie macht nur eine Pause, die aber bis heute anhält. Zum Schluss dieser Trilogie kann man mit einem ihrer Songs von 1977 nur sagen Thank you for the music. Siehe auch ABBA-Triologie: Waterloo, finally facing my Waterloo und Video Killed The Radio Star

Boyhood – Der schönste Film des Jahres

Von Friedhelm Denkeler,

Die Jugendzeit eines Jungen – Alles gespielt und alles echt

Der Tagesspiegel titelte zum jetzt endlich im Kino angelaufenen Film »Boyhood« von Richard Linklater: »Der schönste Film des Jahres – Alles gespielt und alles echt«. Anlässlich der Berlinale im Februar 2014 stand in diesem Journal (siehe Das kann man nur im Kino sehen):

»Selbst mit Fahrrad«, Juni 1960, Archiv © Friedhelm Denkeler
»Selbst mit Fahrrad«, Juni 1960, Archiv © Friedhelm Denkeler

Man kann schon misstrauisch werden, wenn man so einen perfekten Film gesehen hat und sich nach fast drei Stunden wünscht, der Film möge noch weiter gehen. In Richard Linklaters Boyhood stimmt aber auch alles: Die Schauspieler agieren, als wenn es das richtige Leben wäre, die warmen Farben unterstützen das Wohlfühl-Feeling, die Story ist logisch und knapp aufgebaut; man möchte keine Minute des Films missen, in dem es eigentlich nur um das Aufwachsen eines Jungens namens Mason geht … Zwölf Jahre lang hat Linklater die Protagonisten von »Boyhood« verfolgt und jedes Jahr einige Szenen gedreht (insgesamt 39 Drehtage).

Video Killed The Radio Star

Von Friedhelm Denkeler,

The Winner Takes It All – Die ABBA-Trilogie

 The gods may throw a dice/ Their minds as cold as ice/ And someone way down here/ Loses someone dear/ The winner takes it all/ The loser has to fall/ It’s simple and it’s plain/ Why should I complain

ABBA "The Winner Takes It All", Foto & Gafik © Friedhelm Denkeler 2014
ABBA »The Winner Takes It All«, Foto & Collage © Friedhelm Denkeler 2014

Nach den Anfangserfolgen mit Waterloo, SOS und Mamma Mia und ihren Tourneen setzten bei Agnetha, Frida, Björn und Benny von der schwedischen Pop-Gruppe ABBA erste Ermüdungserscheinungen ein. Björn und Benny wollten neue Songs komponieren und Agnetha und Frida sich um ihre Familien kümmern; sie verspürten wenig Lust, weltweit auf Promotiontour zu gehen und Tourneen zu organisieren.

Aus dieser Not heraus kamen sie gemeinsam mit ihrem Manager Stikkan ›Stig‹ Anderson auf die geniale Idee, Musikvideos zu drehen. Damit konnten sie in allen Ländern der Welt Werbung machen, ohne persönlich anwesend zu sein.

Der schwedische Regisseur Lasse Hallström prägte mit seinen Musikvideos (damals noch Promo-Clips genannt) das Image der Gruppe. Die ersten beiden Videos Waterloo und Ring, Ring entstanden 1974 und das letzte The Day Before You Came 1982 (von insgesamt 30 Clips). Herausgesucht habe ich aus dem Jahr 1980 das Video ABBA: »The Winner Takes It All«

Seit 1981 war der US-Musikkanal MTV mit den Videoclips auf Sendung. Der erste Song, der gespielt wurde, war übrigens Video Killed The Radio Star von den Buggles. Eine eigenständige Kunstform war somit geboren.

Der Kinofilm »Abba – The Movie« über die Tournee in Australien vervollständigte ihren Erfolg. Hallström dichtete eine Rahmenhandlung hinzu: Ein Radioreporter versucht, den ganzen Film über verzweifelt ein Interview zu führen. Erst zum Schluss begegnet er der Gruppe überraschend im Fahrstuhl – doch sein Aufnahmegerät versagt. Siehe auch ABBA-Trilogie: Waterloo, finally facing my Waterloo und Thank you for the music.

Der Meister der Schwarzweiß-Fotografie

Von Friedhelm Denkeler,

Michael Schmidt *6. Oktober 1945, †24. Mai 2014

Der Fotograf Michael Schmidt, einer der renommiertesten Fotokünstler Deutschlands, ist mit 68 Jahren gestorben. Wie sein Galerist Claes Nordenhake der Nachrichtenagentur dpa am Sonntag bestätigte, erlag Schmidt am Samstag in Berlin einer langen, schweren Krankheit. Berliner Zeitung, 26.05.2014

Die traurige Nachricht folgte unmittelbar einer guten. Am Mittwoch erst hatte Michael Schmidt in London den Prix Pictet zuerkannt bekommen … begleitet von einer Ausstellung seiner Bilder im Victoria & Albert Museum. Jetzt ist Schmidt … im Alter von 68 Jahren in Berlin verstorben … Es steckte von Anfang an ein tiefer Humanismus in der Arbeit Schmidts, der sich nur durch Schroff- und Kargheit effektiv gegen jede Rührseligkeit zu wappnen verstand. Südeutsche.de, 26.05.2014

Es gilt noch aufzuarbeiten, was Michael Schmidt für die künstlerische Fotografie in Deutschland geleistet hat. Nicht nur mit seiner singulären Bildsprache und seinen schonungslosen Vivisektionen des deutschen Bildgedächtnisses; auch in seinem Engagement für andere. Als die Fotografie noch um ihre Anerkennung als Kunstgattung rang, gründete er 1976 … in Kreuzberg die Werkstatt für Photographie und betrieb dort umfassende Diskurs- und Szenenbildung – mit Ausstellungen US-amerikanischer Klassiker wie Walker Evans oder Paul Strand und Seminaren internationaler Kollegen wie William Eggleston und John Gossage. DER TAGESSPIEGEL, 25.05.2014

Michael Schmidt in einem Gartenlokal in Köln anlässlich der Ausstellung »Michael Schmidt und Schüler« in der Galerie der DGPh am 2. August 1980, Foto © Friedhelm Denkeler 1980
Michael Schmidt in einem Gartenlokal in Köln anlässlich der Ausstellung »Michael Schmidt und Schüler« in der Galerie der DGPh am 2. August 1980, Foto © Friedhelm Denkeler 1980

Bekannt wurde Schmidt mit seinen kompromisslosen Porträts der Mauerstadt. Mit Bildern, über die das Magazin ‚New Yorker‘ schrieb, sie ließen im Vergleich selbst Thomas Struths Arbeiten ‚dekorativ‘ erscheinen. Mit der Serie ‚Waffenruhe‘, die 1988 im Museum of Modern Art gezeigt wurde, feierte Schmidt seinen internationalen Durchbruch. Von 1991 bis 1994 entstand ‚EIN-HEIT‘, eine radikale Collage aus Vorkriegszeit, Mauerzeit und Wendejahren; Honecker, Göring, Adenauer, RAF-Terroristen. monopol, 24.05.2014

Als Fotograf war er Autodidakt, als Künstler autonom. Michael Schmidt hat Berlin abgebildet wie es war, den Beton und die Punks … Schmidts Fotografien sind zutiefst persönlich, politisch und poetisch. Ohne narrativ zu werden, öffnen sie den Blick für gesellschaftliche Umbrüche, für Lebensbedingungen in der Stadt und in der Provinz. Sie sind durch vielfache Bezüge in der Fotografie- und Kunstgeschichte verortet und gleichsam völlig eigenständig. DIE WELT, 25.05.2014

Im Alter von 20 Jahren begann er, sich das Fotografieren als Autodidakt beizubringen. Er selbst sah sich als neutralen Dokumentaristen. Bekannt wurde er vor allem durch seine umfangreichen Fotoserien, an denen er jeweils mehrere Jahre kontinuierlich arbeitete. 1975 gründete er die Werkstatt für Photographie an der VHS Kreuzberg, die zum bedeutendsten internationalen Forum für die Diskussion über Fotografie in West-Berlin avancierte.  SPIEGEL ONLINE, 24.05.2014

Für die zuletzt ausgezeichnete Serie »Lebensmittel« hatte er fünf Jahre lang 26 Reisen durch Europa unternommen. In Lachsfarmen, Brotfabriken, Milchviehbetrieben, Schlachthöfen und Gemüsebetrieben nahm er auf, wie Lebensmittel industriell produziert werden … Die Fotoserie war im vergangenen Jahr auch im Martin-Gropius-Bau in Berlin zu sehen. Berliner Morgenpost, 25.05.2014

Waterloo, finally facing my Waterloo

Von Friedhelm Denkeler,

Napoleon hatte sein Waterloo, aber für ABBA war es der Beginn einer Weltkarriere – Die ABBA-Trilogie (1)

Waterloo, I was defeated, you won the war/ Waterloo, promise to love you for ever more/ Waterloo, couldn’t escape if I wanted to/ Waterloo, knowing my fate is to be with you/ Waterloo, finally facing my Waterloo

ABBA "Waterloo", Foto & Grafik © Friedhelm Denkeler
ABBA »Waterloo«, Foto & Collage © Friedhelm Denkeler

Zum 40. Jahrestag des Siegertitels Waterloo der vier Schweden Anni-Frid ›Frida‹ Lyngstad, Agnetha Fältskog, Björn Ulvaeus und Benny Andersson, kurz ABBA genannt, beim Grand Prix Eurovision de la Chanson (heute heißt er schnöde European Song Contest (ESC) im englischen Seebad Brighton wird es Zeit, dass in meinem Rockarchiv auch ein ABBA-Song vorgestellt wird: ABBA: Waterloo. Außerdem habe ich den Original-Beitrag des Grand Prix vom 6. April 1974 herausgesucht.

Der 6. April 1974 in Brighton war der Beginn einer 40jährigen Pop-Geschichte mit unsterblichen Songs, wie The Winner Takes It All, Dancing Queen, Knowing Me, Knowing You, SOS, Take A Chance On Me oder The Day Before You Came mit insgesamt 380 Millionen verkauften Tonträgern.

Bei ihrem Auftritt in Brighton vor 500 Millionen Fernseh-Zuschauern wirkten sie gegenüber ihren eher biederen Konkurrenten in Anzug und Abendkleid mit ihrem farbigen, hippiemäßigen Outfit wie eine Gruppe von einem anderen Stern.

Das kann man von der diesjährigen Gewinnerin des ESC Conchita Wurst auch sagen, aber ob er/sie in die Pop-Geschichte eingehen wird, ist eine andere Frage.

Nach ABBAs großartigem Sieg verkauften sich ihre Platten weltweit glänzend. In Schweden, aber auch in Deutschland, war die Skepsis groß; die Musik war vielen zu unpolitisch und kommerziell. Die berühmte Abbamania entwickelte sich erst in den nachfolgenden Jahren und begann mit den beiden Songs SOS und Mamma Mia, zu denen Lasse Hallström Videos in Farbe drehte. Gleichzeitig war dies auch der Beginn der Videoclip-Kultur. ABBAs Durchbruch begann in Australien, nachdem der Fernsehsender ABC 1975 beide Clips in Farbe ausstrahlte. Was dann folgte ist eine weitere Geschichte wert: Video Killed The Radio Star und Thank you for the music.

Wo kämen wir hin …

Von Friedhelm Denkeler,

Wo kämen wir hin, wenn alle sagten: Wo kämen wir hin, und niemand ginge, um einmal zu schauen, wohin man käme, wenn man ging?, Kurt Marti, Foto/Grafik © Friedhelm Denkeler 2006
Wo kämen wir hin, wenn alle sagten: Wo kämen wir hin, und niemand ginge, um einmal zu schauen, wohin man käme, wenn man ging?, Kurt Marti, Foto/Grafik © Friedhelm Denkeler 2006
Anmerkung zur Kategorie »«

In dieser Kategorie erscheint am ersten Tag eines Monat öfter ein bildlich umgesetzter Post mit einem Zitat. Das kann eine Photographie mit einem Spruch sein oder ein Bild, das grafisch mit dem Zitat des Monats gestaltet wurde.

Eine Übersicht über alle Artikel der Kategorie finden Sie unter »«.

Sibylle Hoffmann und der wiedergefundene Mythos

Von Friedhelm Denkeler,

»μοιρα – Spuren von Mythos« in der Galerie »world in a room«

Mythologien werden nicht erfunden; sie werden gefunden. Sie können genauso wenig vorhersagen, wie Ihr Traum heute Nacht aussehen wird, wie man einen Mythos erfinden kann. Mythen kommen aus dem mystischen Bereich wesenhafter Erfahrung. [Joseph Camphell]

"Sibylle Hoffmann vor ihr Serie 'Spuren von Mythos'" in der Galerie "world in a room", Foto © Friedhelm Denkeler 2014
Sibylle Hoffmann vor ihr Serie »Spuren von Mythos«“ in der Galerie »world in a room«, Berlin-Schöneberg, Foto © Friedhelm Denkeler 2014

Nach ihrer Arbeit Nachtschattengarten zeigt Sibylle Hoffmann nun ihr neuestes fotografisches Werk Spuren von Mythos in der Galerie world in a room in Schöneberg.

Mythen sind oft Geschichten des alltäglichen Lebens und die antiken Mythen sind Spiegelungen dieser Geschichten in der Welt der Götter, die in das Leben der Menschen eingreifen, oft unbemerkt, aber immer schicksalhaft.

Die Bilder von Sibylle Hoffmann erzählen wie zufällig den Bruchteil einer Geschichte und sind Traumbilder, die das Ungewisse und Schicksalhafte als Fiktion erahnen lassen.

Dabei geht es der Künstlerin nicht um »die Bebilderung einzelner Mythen, sondern um Ahnungen, die in den Bildern aufscheinen und dem Betrachter die Möglichkeit lassen, sein eigenes Wissen und seine eigenen Gedanken zum Thema Mythos zu entdecken« [Katalog].

Die 1947 in Berlin geborene Sibylle Hoffmann ist Dozentin für Photographie an der VHS Kreuzberg. Ihre fotografische Ausbildung hat sie an der Werkstatt für Photographie in Berlin-Kreuzberg und an der Sommerakademie für Bildende Kunst in Salzburg (bei Dieter Appelt, Michael Schmidt und Gerald Minkoff) erhalten.

Die Galerie world in a room befindet sich in der Brunhildstraße 7 in 10829 Berlin-Schöneberg (Mo + Fr 14-18 Uhr, Sa 14-17 Uhr) und die Ausstellung ist noch bis zum 30.05.2014 zu sehen. μοιρα heißt übrigens Schicksal.

Eine Linie, ein Kreis und ein Dreieck im White Cube

Von Friedhelm Denkeler,

The circle walked casually – Papierarbeiten der Sammlung Deutsche Bank in der Kunsthalle

"The Circle Walked Casually (KunstHalle Deutsche Bank)", Foto © Friedhelm Denkeler 2014
»The Circle Walked Casually«, KunstHalle Deutsche Bank, Unter den Linden, Berlin, Foto © Friedhelm Denkeler 2014

Noch eine Ausstellung möchte ich kurz vorstellen, auch wenn sie im letzten Monat bereits zu Ende gegangen ist.

Unter dem Titel The circle walked casually wurden von der Kuratorin Victoria Noorthoorn in der Kunsthalle Papier-Arbeiten in einem von der brasilianischen Ausstellungsarchitektin Daniele Thomas entworfenen atemberaubenden Ausstellungsdesign ausgestellt. Sie »hat den eher brachialen Raumriegel der Kunsthalle in eine weiß strahlende, fast konturlose Wolke verwandelt, in der man sich Blatt an Blatt durch die Sammlung hangeln kann.« [Der Tagesspiegel]

Die Werke hingen nicht an den Wänden, sondern waren alle an einer Führungsschiene aufgehängt, die sich hin und zurück durch den langen, schmalen Saal mäanderte. Durch die abgerundeten Ecken des Saals und da alle sechs Seiten weiß gestrichen waren, ergab sich eine perfekte White Cube-Situation.

Man konnte fast die Künstler übersehen: an Wertpapieren waren Werke von Josef Albers, Hans Arp, Ernst Barlach, Georg Baselitz, Max Beckmann, Joseph Beuys, Louise Bourgeois, Hanne Darboven, Otto Dix, Günther Förg, Lucian Freud, Jörg Immendorff, Wassily Kandinsky, Käthe Kollwitz, Paula Modersohn-Becker, A.R. Penck, Gerhard Richter, Oskar Schlemmer, Kurt Schwitters, Rosemarie Trockel, u.a., ausgestellt.

Der Satz The circle walked casually stammt aus einer Erzählung von Felisberto Hernándes aus dem Jahr 1926, in der ein Kreis einem Dreieck zugetan ist. Die beiden wandern an einer unendlichen langen, horizontalen Linie entlang. So ähnlich erging es uns auch in der Ausstellung.

»Es war einmal eine unendliche horizontale Linie im Raum. Sie wurde von rechts nach links von einer Kreislinie durchquert … doch einmal durchbrach die Kreislinie ihren Rhythmus … Plötzlich, in einem anderen heftigeren Rhythmus kam brüsken Schrittes ein kräftiges langschenkliges Dreieck heran«. So beginnt die Lebensgeschichte „Genealogie“ von Hernándes. Diese Liebesgeschichte zwischen einem Kreis und einem Dreieck entlang einer Linie, der Grundform des Zeichnens, wurde zu einer grandiosen Ausstellung in der Kunsthalle.

Veränderung der Skulptur durch Fotografie und Film

Von Friedhelm Denkeler,

»lens-based sculpture« in der Akademie der Künste am Hanseatenweg

Die Kuratoren der Ausstellung möchten anhand der ausgewählten Exponate die Fragen »Gibt es so etwas wie skulpturale Formen, die ohne die fotografische und filmische Optik undenkbar sind?« und »Seit wann haben Bildhauer die Fotografie nicht nur zur Reproduktion ihrer Werke eingesetzt, sondern lassen fotografische Prinzipien in ihr skulpturales Arbeiten direkt einfließen?« beantworten. Duane Hanson ist mit seiner Arbeit Man with Camera ein sehr evidentes Beispiel, in den anderen Arbeiten ist das nicht immer so offensichtlich.

"Trauriger Fotograf" (Duane Hanson: "Man with Camera", 1991), aus "Sonntagsbilder", Foto © Friedhelm Denkeler 2003
»Trauriger Fotograf«, Duane Hanson: »Man with Camera«, 1991, Foto © Friedhelm Denkeler 2003

Am Hanseatenweg werden rund 200 Arbeiten von über 70 internationalen Künstlern wie Marcel Duchamp, Valie Export, Gilbert & George, Rebecca Horn, Martin Honert, Bruce Nauman und Giuseppe Penone ausgestellt. Zu sehen gibt es z. B. eine Rekonstruktion von Marcel Duchamps Porte Gradiva aus dem Jahr 1937 und zwar in der ursprünglichen Form, als zu durchschreitender Türdurchgang. Hat das etwas mit Fotografie zu tun?

Das art-magazin drückt dies auf seine Weise sehr diplomatisch aus: Bei der Spurensuche öffnet sich ein spielerischer Denkraum – und in dem trifft man eben nicht auf klare Logik, sondern auf Indizien, mit denen sich eine Behauptung umkreisen lässt. Ob der Begriff lens-based sculpture in die Kunstgeschichte eingehen wird, ist zweifelhaft, aber in Zeiten von flüchtiger Blockbuster-Ästhetik ist er ein klares Bekenntnis zum genauen Hinschauen.«

Die Bildhauer Bogomir Ecker und Raimund Kummer integrierten in die von ihnen entwickelte Ausstellungsarchitektur zwei Bauten, die einem multimedial bestückten Archiv ähneln. Sie sollen »Einblicke in die komplexe künstlerische Recherche zu den Phänomenen von lens-based sculpture geben.« Hier wurde allerdings zu viel des Guten getan: die Bauten samt Inhalt wirken völlig überfrachtet und das dort herrschende Dämmerlicht lädt nicht unbedingt zum genauen Betrachten ein.

Der Alte Flecken

Von Friedhelm Denkeler,

»Der Alte Flecken«, Historischer Stadtkern in Freudenberg, Siegerland), Foto © Friedhelm Denkeler 2004
»Der Alte Flecken«, Historischer Stadtkern in Freudenberg, Siegerland), Foto © Friedhelm Denkeler 2004

Franz Ackermann: »Hügel und Zweifel« in der Berlinischen Galerie

Von Friedhelm Denkeler,

Ein riesiges Tableau aus Wandbildern, Tafelbildern und Fotografien

"Die Eingangshalle der Berlinischen Galerie mit 'Hügel und Zweifel' von Franz Ackermann", Foto © Friedhelm Denkeler 2014
»Die Eingangshalle der Berlinischen Galerie mit ›Hügel und Zweifel‹« von Franz Ackermann, Foto © Friedhelm Denkeler 2014

Mit dem Vorstellen der zahlreichen Ausstellungen, die wir zurzeit in Berlin sehen, bin ich stark in Rückstand geraten. So bleibt nur, die nächsten Besprechungen in aller Kürze vorzustellen. Der in Berlin und Karlsruhe lebende Franz Ackermann hat die 40 Meter lange und 10 Meter hohe Eingangshalle der Berlinischen Galerie mit seiner raumgreifenden Installation, bestehend aus Wandmalerei und Tafelbildern, optimal bespielt. Diese Hügellandschaften lassen sich in ihrer ganzen Monumentalität beim Eintritt in die Halle gut erfassen (Bild oben) und ein Blick aus dem ersten Stock (Bild unten) zeigt den Detailreichtum der Arbeit, aber auch einige Störelemente, wie dem Istanbuler Stadtviertel, das kurz vor dem Abriss steht und somit die im Titel der Ausstellung genannten Zweifel repräsentiert. In einem Video erklärt Ackermann sein Konzept und man sieht, wie die Installation aufgebaut wurde.

"Hügel und Zweifel" von Franz Ackermann, Foto © Friedhelm Denkeler 2014
»Hügel und Zweifel« von Franz Ackermann, Foto © Friedhelm Denkeler 2014

Warum heißt das Bikini-Haus Bikini-Haus?

Von Friedhelm Denkeler,

"Blick vom Europa-Center auf das Bikini-Haus mit offenem Laubengang" (Ausschnitt), Foto © Friedhelm Denkeler 1976
»Blick vom Europa-Center auf das Bikini-Haus mit offenem Laubengang« (Ausschnitt), Foto © Friedhelm Denkeler 1976

Der in dieser Woche neu eröffnete Einkaufskomplex »Bikini Berlin« befindet sich im 1956 errichteten, jetzt völlig umgebauten und vergrößerten, Bikini-Haus. Das Gebäude besteht aus sechs Etagen und hat im Erdgeschoss eine Ladenzeile unter einer offenen Kolonnade. Das zweite Geschoss war bis 1976 ein offener Laubengang (im ersten Ausschnitts-Foto gut zu sehen). Dadurch wirkte das Gebäude zweiteilig, eben wie ein Bikini.

Das offene Geschoss wurde 1978 zugunsten einer Kunsthalle geschlossen. Das gesamte »Zentrum am Zoo«, bestehend aus dem Bikini-Haus, dem Großen Hochhaus und dem Zoo-Palast steht seit 1994 unter Denkmalschutz. Von 2010 bis 2014 wurde das an der Budapester Straße befindliche Gebäude komplett umgebaut und zum Zoologischen Garten hin um Neubauten erweitert. Auf dem Dach des neu errichteten Anbaus befindet sich jetzt eine 7000 Quadratmeter große, frei zugängliche Dachterrasse mit Blick auf den Zoo.

"Blick vom Europa-Center auf den Breitscheidplatz", Foto © Friedhelm Denkeler 1976
»Blick vom Europa-Center auf den Breitscheidplatz«, Foto © Friedhelm Denkeler 1976

Die Bikini-Saison ist eröffnet!

Von Friedhelm Denkeler,

Die Bikini-Saison ist eröffnet! Foto © Friedhelm Denkeler 2014
Die Bikini-Saison ist eröffnet! Foto © Friedhelm Denkeler 2014

Heute wurde bei 21 Grad die Bikini-Saison in Berlin-Charlottenburg, mitten in der City West, eröffnet: vorne der Breitscheitplatz, hinten der Zoologische Garten und nebenan der kürzlich wieder neu eröffnete Zoopalast. Das Bikini-Haus bleibt aber, trotz des Denkmalschutzes, im zweiten Stock geschlossen; doch dazu demnächst mehr.