
In dieser Kategorie erscheint am ersten Tag eines Monat öfter ein bildlich umgesetzter Post mit einem Zitat. Das kann eine Photographie mit einem Spruch sein oder ein Bild, das grafisch mit dem Zitat des Monats gestaltet wurde.
Berichte aus Berlin von Friedhelm Denkeler zu Photographie und Kunst
Von Friedhelm Denkeler,

In dieser Kategorie erscheint am ersten Tag eines Monat öfter ein bildlich umgesetzter Post mit einem Zitat. Das kann eine Photographie mit einem Spruch sein oder ein Bild, das grafisch mit dem Zitat des Monats gestaltet wurde.
Von Friedhelm Denkeler,

Der Kölner Galerist Rudolf Zwirner hat, einer Anekdote nach, Ende der 1970er Jahre dem Direktor der Neuen Nationalgalerie in Berlin das Werk Ema (Akt auf einer Treppe) von Gerhard Richter aus dem Jahr 1966 angeboten.
Die Antwort soll gewesen sein: Ich kaufe keine Photos. Auch wenn es nicht stimmen sollte, ist es doch ein wundervolles Bonmot, denn Richters großformatig gemalte Bilder sehen von weitem (oder in kleineren Abbildungen) auf den ersten Blick wie Photographien aus.
Und das kommt nicht von ungefähr. Richters Werke sind nach gefundenen, öffentlichen aus Zeitungen und Magazinen entnommenen und auch selbstgeschossenen Photos gemalt. Mit Hilfe eines Episkops überträgt er die Konturen auf Leinwand und stellt sie mit der ihm eigenen Wischtechnik, meist in monochromen gräulichen Farben, dar.
Einen sehr guten Überblick über Richters Foto-Bilder erhalten Sie auf seiner Website hier. Die gesamte Ausstellung im Bucerius Kunst Forum besteht aus rund 50 Leihgaben deutscher und internationaler Sammlungen und ist noch bis zum 15. Mai 2011 in Hamburg zu sehen.
Richters Gemälde aus den 1960er Jahren haben inzwischen Kunstgeschichte geschrieben und gelten aus der Sicht eines Zeugen als Zeitbezug der Epoche, in der sich das Banale und das Böse begegneten. Wir sehen auf den Gemälden schnelle Autos, Freizeitvergnügen, Personen der damaligen Politik und Kultur, persönliche Erinnerungen und Gebrauchsgegenstände des Alltags, aber auch die Beschäftigung mit dem Tod und der Nazi-Vergangenheit. Aber Richter ist kein politischer Künstler, sondern ein Kunstmaler und die Ergebnisse seiner Arbeit sind anziehend und sehenswert.
Ein eigener Raum ist im Kunstforum Richters Zyklus 18. Oktober 1977 aus dem Jahr 1988 gewidmet. Die Leihgabe des New Yorker Museum of Modern Art besteht aus 15 Werken, die den Deutschen Herbst, den Tod der RAF-Mitglieder Ensslin, Baader und Raspe, zum Inhalt haben. »Der politische Gehalt dieser Bilder, den Richter abstreitet, überrascht das Publikum. Sein Malerkollege Georg Baselitz findet die Stücke peinlich. Die politischen Lager wissen nicht genau, auf welcher Seite Richter eigentlich steht. Die Presse weiß auch nicht so recht, was sie davon halten soll und bezeichnet den Zyklus als unfassbar schön, krass und banal – und zwar alles auf einmal«, so der Bayrische Rundfunk.
Von Friedhelm Denkeler,
Wir sind ungesund, mittleren Alters, zotiger Gesinnung, exzentrisch, lüstern, depressiv, zynisch, leer, ausgebrannt, schäbig, hundsgemein, verträumt, ungehobelt, unmanierlich, arrogant, intellektuell, wehleidig, ehrlich, erfolgreich, tüchtig, zuvorkommend, künstlerisch, religiös, faschistisch, blutrünstig, neckisch, destruktiv, ehrgeizig, farbenprächtig, verdammt, stur, pervertiert und gut. Wir sind Künstler.
So stellt sich das Künstlerpaar und neuerdings auch Ehepaar Gilbert & George in der Eingangshalle als erstes vor. Und dann sehen wir die umfangreichste Serie, die die beiden je geschaffen haben. Die vor drei Jahren entstandenen leuchtenden, großformatigen Werke aus der Serie „Jack Freak Pictures“, die an viktorianische Glasmalereien erinnern, sind mit 120 von 150 Arbeiten in der kathedralenartigen Architektur der großen Deichtorhalle vertreten.

Wir sehen kaleidoskopartige, poppig-sakrale am Computer generierte Bilder mit Medaillen, Orden, Bäumen, Blattwerk, Früchten und dem Stadtplan von East London und natürlich mit Gilbert & George persönlich, die aber oft bis zur Unkenntlichkeit verformt sind. Die Bildmotive, die sie in ihren Bildern verwenden, stammen zumeist aus der Umgebung ihres Wohnortes in East London, wo es ihrer Meinung nach „alles gibt, worum es in der Welt geht“. Verbindendes Symbol in allen Bildern ist der britische Union Jack. Und das ist das Problem. Auf Dauer wirken die Bilder ermüdend, 120 Mal Gilbert & George und 120 Mal der Union Jack sind dann doch des Guten zu viel. Links zu drei Bildern aus der Serie habe ich herausgesucht: hier, hier und hier.
Diesen Arbeiten fehlt gegenüber den früheren Bildern von Gilbert & George das Lebendige, das Einzigartige, der Esprit. Man spürt, dass es sich um computergenerierte Bilder handelt. Sie ähneln sich zu sehr und verlieren sich als Ganzes. Obwohl Gilbert & George auf allen Bildern vertreten sind, handelt es sich nicht unbedingt um Selbstinszenierungen, wir sehen nur ihre Hülle. Zustände der menschlichen Existenz sollen aufgezeigt werden und eine Beschreibung der modernen Welt aus der Perspektive der beiden Künstler.

Die Kuratoren schreiben: »Die Jack Freak Pictures gehören zu den symbolträchtigsten, philosophisch ausgeklügeltsten und visuell schlagkräftigsten Arbeiten, die Gilbert & George jemals hervorgebracht haben. Sie nehmen ihren Platz innerhalb der gesammelten Werke von Gilbert & George als gewaltiger Zusammenschluss der Themen und Gefühle ein, welche die beiden Künstler seit mehr als vierzig Jahren in ihrer Kunst erforschen. Die beiden Künstler sind in ihnen zugleich Opfer und Ungeheuer – Marionetten einer kosmischen Revue, schlaflose Wächter auf leeren Großstadtstraßen und irrblickende Kugelköpfe, wie Michael Bracewell in seinem Katalogessay feststellt«.
Trotz alledem, eine empfehlenswerte Ausstellung, denn in dieser Monumentalität werden wir Gilbert & George nicht so schnell wiedersehen. Die Ausstellung läuft noch bis zum 22.05.2011. In einem Video sprechen Gilbert & George über ihre Jack Freak Pictures in den Deichtorhallen (siehe hier). www.deichtorhallen.de
Von Friedhelm Denkeler,

Nein, soweit ist es noch nicht – mein Blog wird nicht von ganz Hamburg gelesen. Es ist und bleibt ein Blog aus der Hauptstadt.
Nach der Ausstellung Traummänner (siehe hier) und den Traumfrauen der 1970er Jahre, den Twins (siehe hier), folgt jetzt der Bericht über einen weiteren Traummann der 1970er Jahre, Joe Dallesandro, dem eine eigene Ausstellung gewidmet wird.
Francesco Scavullo (1922-2004), US-amerikanischer Modefotograf, fand, dass Dallesandro (geb. 1948) zu den zehn schönsten Männern gehört, die er je fotografiert hat. Sein weltberühmtes Foto von Little Joe, wie er in verschiedenen Filmrollen heißt, finden Sie hier.
Die von Andy Warhol produzierten Filme Flesh (siehe Filmplakat hier), 1968, Trash, 1970 und Heat unter der Regie von Paul Morrissey machten Dallesandro, insbesondere in der Subkultur, zum Star.
In allen Filmen spielt sich Dallesandro im Grunde genommen selbst. Durch seine enorme Präsenz und sinnlich-maskuline Schönheit wurde er zum größten geschlechtsübergreifenden Sexsymbol der späten sechziger Jahre und der Hippie- und Schwulenbewegung. Er verkörperte Underground, den ungeschönten Blick auf die Wild Side New Yorks und Kunst, die radikal alle Regeln brach. Die Ausstellung, die noch bis zum 22. Mai 2011 zu sehen ist, zeigt neben den Originalbildern weltberühmter Fotografen auch die Filmplakate und Standfotos aus zahlreichen Filmen.
Von Friedhelm Denkeler,
Wir tragen nicht mehr als Tücher um die Hüften. Freie Kinder sind wir. Gut möglich, dass uns die katholischen Ureinwohner hier gleich steinigen werden. Aber Furcht liegt uns fern, von nun an wird uns nichts Schlimmes mehr passieren, nichts mehr wird uns aus der Fassung bringen. Wir sind unsterblich und heilig in einer an sich heiligen Welt. Nur hat die schusselige Welt das Vergessen.

In der Ausstellung The Twins fand ich dieses Zitat von Gisela Getty in der Nähe des Bildes Countryside, das die beiden 1949 in Kassel geborenen Zwillinge Jutta und Gisela 1973 in Rom zeigt. Das Foto von Robert Freeman ist gleichzeitig das Titelbild der Ausstellung (siehe mein Foto). Beides, Zitat und Foto, führe ich stellvertretend für die Fotografien, die das Leben der Schwestern Jutta Winkelmann und Gisela Getty, die als ideale Verkörperung des Zeitgeistes der 1970/80er Jahre gelten können, an.
Im Faltblatt wird die Ausstellung so angekündigt: »Die Schwestern aus Kassel waren Groupies, Musen, Göttinnen. Sie trafen Stars wie Bob Dylan, Sean Penn, Dennis Hopper und Roman Polanski, die beide in aufregenden Fotos festhielten. Die Fotos entstanden überall auf der Welt; es sind Bilder einer weiblichen, auch erotischen Selbstentdeckung, eine Bilderrevue der modernen Ahninnen der heutigen, suchenden Mädchen-Generation, die sich wieder neu erfinden will. Eine direkte Linie scheint von diesen Ur-Girls zum Neuen Feminismus einer Charlotte Roche zu verlaufen. Gleichzeitig sind die Bilder Zeugnisse der Anfänge früher deutsch-amerikanischer Popkultur.«
Eine kleine Auswahl der Abgebildeten: Zuerst sind natürlich Gisela, Jutta und Paul Getty zu nennen. Auf weiteren Fotos tauchen Rainer Langhans, Rio Reiser, Ralf Zacher, Uschi Obermeier, Hans Haas, Bommi Baumann, Wolf Wondratscheck, William Bourroughs, Bazon Brock, Mick Jagger, Irm Hermann, Rainer Werner Fassbinder, Bob Dylen, Sean Penn, Dennis Hopper, Paul Morrissey, Leonard Cohen, Werner Herzog, Jack Nickolson, Timothy Leary und Roman Polanski auf. Ein Who is Who jener Epoche.
Fotobuchtipp: The Twins, Jutta Winkelmann und Gisela Getty, 2010 bei Blumen bar erschienen, 50 €, ist bereits reduziert für 15 € im Buchhandel erhältlich und für einen Alt-68er ein muss. Die Biografie Die Zwillinge oder: Vom Versuch, Geist und Geld zu küssen (Weissbooks, 2008) wurde von den Rezensenten verrissen und wird inzwischen auch reduziert angeboten (12 €). Das Fotobuch habe ich in der Ausstellung erworben und werde es zu gegebener Zeit vorstellen.
Von Friedhelm Denkeler,

Der Himmel über den Deichtorhallen in Hamburg war fantastisch, aber ob die fotografierten Herren wirklich Traummänner oder eher Albtraum-Männer darstellen, wollten wir in der aktuellen Ausstellung der Deichtorhallen überprüfen. Die drei Ausstellungen Traummänner – 50 Starfotografen zeigen ihre Vision vom Ideal, The Twins – A Visual Journey By Gisela Getty & Jutta Winkelmann und Joe Dallesandro – Superstar im Haus der Photographie, sowie Gilbert & George – Jack Freak Pictures in der Halle für aktuelle Kunst sind zur Zeit in den Deichtorhallen zu sehen.
Zunächst zu den 150 Bildern der Traummänner: Die fünfzig Fotografen, von denen ich nur Peter Lindbergh, Mary Ellen Mark, Mary McCartney, Ellen von Unwerth, Bryan Adam, Margarita Broich und Bruce Weber kannte, »zeigen Männer aus verschiedenen Blickwinkeln, stark, schwach, sexy – moderne Männer, die mehr als die gesellschaftliche Idealvorstellung spiegeln, die etwas von der Substanz ihres Wesens aufscheinen lassen«, so die Ausstellungsankündigung. Ein Statement von acht Fotografen finden Sie hier.
Ob sexy, elegant oder witzig – um dem Bild eines Traummannes zu entsprechen, sollte ein Mann anscheinend vor allem prominent sein. Denn die meisten Fotografen wählten, frei von den Zwängen der Auftraggeber, Bilder von Schauspielern wie George Clooney, Tom Cruise, Benno Fürmann, Johnny Depp und Matt Dillon aus. Da die Traummänner hauptsächlich von Mode- und Werbefotografen abgelichtet wurden, ist das Ergebnis entsprechend: Der makellose George Clooney aus der perfekt gebügelten Welt oder Vincent Cassel, der harte Choreograph aus Black Swan (zu Black Swan siehe hier), der gleich von drei Fotografen gewählt wurde.
Die Ausstellung Traummänner ist das Folgeprojekt zu den Traumfrauen, die 2008 in den Deichtorhallen zu sehen waren. Fazit: »Der neue Mann ist der alte Mann. Das aber muss man nicht unbedingt glauben. Und sehen schon gar nicht» (Der Spiegel). Ein großer Teil der Männer stellte eher Albtraummänner dar, wie meine Frau meinte. Wer mag, kann sie noch bis zum 22. Mai 2011 bewundern.
Von Friedhelm Denkeler,

Der Weg von unserem Hotel zu den Kunsttempeln führte uns morgens in der Regel an der Binnenalster vorbei. Bei diesem herrlichen Frühlingswetter verweilten wir hier und genossen die Sicht auf den Alstersee, der im 17.Jahrhundert mit der Errichtung der Hamburger Wallanlagen in Außen- und Binnenalster getrennt wurde. Die Binnenalster, die eine Fläche von etwa 18 Hektar aufweist, ist der kleinere, südliche Teil des Alstersees. Sie wird von der Außenalster im Nordosten gespeist und fließt in der südlichen Ecke unterhalb des Jungfernstiegs über die Kleine Alster in Richtung Elbe ab. In der Mitte der Binnenalster befindet sich die bis zu 60 Meter Höhe speiende Alsterfontaine, die bei unserem Besuch aber noch nicht in Betrieb war.
Von Friedhelm Denkeler,

Während des anstehenden Hamburg-Aufenthalts wollen wir uns die beiden Ausstellungen von Gerhard Richter in der Hamburger Kunsthalle und im Bucerius Kunst Forum ansehen und im Haus der Photographie warten die Kunstschauen Jack Freak Pictures der Weltstars Gilbert & George; Der Traummann der 70er Jahre mit Joe Dallesandro – Superstar; Traummänner, 50 Starfotografen zeigen ihre Vision vom Ideal und The Twins, A Visual Journey By Gisela Getty & Jutta Winkelmann, auf uns. Über alle fünf Ausstellungen werde ich in den nächsten Tagen berichten.
Von Friedhelm Denkeler,

Direkt an der Ellerholzbrücke zum Argentinien-Anleger steht auf einem roten Sockel auf einem ehemaligen Brückenkopf ein goldenes Kalb. Die Künstlerin Elisabeth Richnow hat den Pfeiler seit 2009 für fünf Jahre gepachtet. Das mystische Kunst-Tier aus Schlagmetall versteht sie als kritischen Kommentar zu Stadtplanung und Subventionspolitik im Hafen. Für die Künstlerin steht das Kalb für den Tanz um etwas Falsches und damit ist speziell der Ausbau der Hafencity gemeint, der bei den Bürgern angesichts klammer Kassen nicht immer auf Zustimmung stößt.
Von Friedhelm Denkeler,

Mit dem Titel Von den Brücken: Stadtautobahnen und Eisenbahnanlagen, Berlin (West) 1973 bis 1998, zeigt die Kommunale Galerie am Fehrbelliner Platz Photographien von Karl-Ludwig Lange. Geboren 1949 in Minden/ Westfalen, lebt und arbeitet Lange seit 1967 als Photograph in Berlin.
Seit Jahrzehnten ist die Berliner Stadtgeschichte und Industriearchäologie Langes Arbeitsschwerpunkt. Darüber hinaus beschreibt er mit Hilfe der Photographie die Wechselbeziehung zwischen der Stadt Berlin und dem brandenburgischen Umland.
In der Kommunalen Galerie sind jetzt zwei große Gruppen von insgesamt 107 Photos zu sehen: Die Blicke von Berliner Brücken auf Schnellstraßen und Gleisanlagen. Die Eisenbahnanlagen zeugen von dem zentralen Verkehrsknotenpunkt, der Berlin in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts war und die Stadtautobahn verdeutlicht die Entwicklung in der zweiten Hälfte.
Der Berliner Fotograf Karl-Ludwig Lange versteht sich im wörtlichen Sinne als Stadtfotograf. Im Gegensatz zum Architekturfotografen interessiert Lange nicht das singuläre architektonische Objekt. In all seinen Projekten und Arbeiten … begreift Lange Architektur als Umfeld für soziale und gesellschaftliche Phänomene, als Teil eines gestalteten Raumes, eines Gesamtzusammenhanges. Karl-Ludwig Lange geht es um urbane Strukturen, deren Geschichte und Entwicklungen, deren Zusammenhänge und Zeichenhaftigkeit. [Simone Förster]
Ein Besucher schrieb in das Gästebuch. »Möge es in Deinem Herzen heiterer aussehen als in Deinen Fotografien«, andere vermissen die Bildunterschriften (obwohl es ein Handout mit den Titeln gibt). Verstanden haben wohl beide die Bilder nicht. Die Titel würden wieder nur eine Dokumentation vortäuschen, würden vom eigentlichen Inhalt ablenken.
Langes Photos muss man auf sich wirken lassen und die Stimmungen in ihnen erkennen, dann überkommen einen, zum Beispiel in den noch nicht durchgestylten Brachen auf dem Bahngelände, die Sehnsüchte: November-Nebel, schneebedeckte Industrielandschaften und Schienen im Gegenlicht. Alle Bilder weisen mehr oder weniger ihre eigene melancholische Ästhetik auf. Die hervorragend von Lange abgezogenen Baryt-Prints tun ein Übriges dafür. Sehenswert! Unbedingt noch bis zum 24.04.2011 anschauen. www.kommunalegalerie-berlin.de + www.k-l-lange.de
Von Friedhelm Denkeler,

Die Historische Halle im Hamburger Bahnhof wird nach dem Tableau vivant Soma (siehe hier) von Carsten Höller wieder einmal vorzüglich bespielt: Richard Longs Berlin Circle hat Einzug gehalten. Im Vordergrund des Bildes ist die Turf Line 1990, links der Black and White Circle 1988, dahinter der große Berlin Circle 1996 und anschließend der Sandstone Circle 1988 und Turf Circle 1998 zu sehen. Auf der hinteren Hallenwand hat Long speziell für die Berliner Ausstellung den River Avon Mud Circle erarbeitet.
Von Friedhelm Denkeler,

Die britische Synthie-Pop-Band Hurts aus Manchester hat bei der diesjährigen Echo-Verleihung in der Kategorie Bester Newcomer International den ersten Preis erhalten. Mitte 2010 erschien ihr Debütalbum Happiness mit der ausgekoppelten Single Wonderful Life, die drei Wochen auf Platz 2 der deutschen Charts stand.
»Sie sehen aus wie die Jungs, die vor 25 Jahren auf Bravo-Postern waren. Sie klingen wie Depeche Mode, Duran Duran oder A-ha. Und sie werden gefeiert dafür. Kein Wunder: Hurts machen auf ihrem Debüt Happiness die 1980er mit etwas Verspätung erst wirklich schick«, so Michael Kraft auf news.de.
Und laut.de schreibt: »Eng sitzende Anzüge, akkurater Kurzhaarschnitt, ernster Blick: Hurts fallen allein schon wegen ihrer strengen Ästhetik auf. Mit ihrem Schwerpunkt auf Eleganz schafft es das Duo aus Manchester nicht nur binnen kürzester Zeit auf Clubbühnen, sondern auch auf die Berlin Fashion Week, wo man sie rein äußerlich auch eher vermuten würde. Hier aber zunächst das Videos Hurts: »Wonderful Life«. Wenn Ihnen der Song bekannt vorkommt, so ist der Eindruck richtig. 1986 hatte die Band Black mit Wonderful Life einen Hit gelandet, der auch ihr einziger blieb. Ich finde das Original der Black musikalisch doch eine Spur besser und nicht nur weil es so ein schönes Video in schwarz/weiß ist: Black:»Wonderful Life«
Here I go out to sea again
the sunshine fills my hair and dreams hang in the air
gulls in the sky and in my blue eyes
you know it feels unfair there’s magic everywhere
Von Friedhelm Denkeler,

Verrückt – im wahrsten Sinne des Wortes: Hamburgs einzige noch erhaltene Kaffeeklappe befindet sich in einer Replik des Hamburger Baumeisters und Künstlers Thorsten Passfeld zur Zeit auf dem Entwicklungsgelände an der Heidestraße in der Nähe des Berliner Hauptbahnhofs. Das 1925 entstandene Original, die windschiefe Kaffeeklappe in der Stockmeyerstraße auf dem Hamburger Hafengelände, ist sozusagen der Vorläufer von Starbucks und Caras.
Die Berliner Ausgabe wurde aus dem Holz von Abrisshäusern und Baustellen nachgebaut. Ein Symbol der Nachhaltigkeit, das mit Ausnahme des Grundgerüstes aus Abfallholz entstanden ist. Dank einer Hubkonstruktion soll sie genau so schief stehen können wie das Hamburger Original. Das Original in Hamburg ist allerdings aus rotem Backstein gebaut. Bei meinem anstehenden Hamburg-Besuch werde ich es mir ansehen. Zum neuen Kunstquartier siehe auch mein Artikel hier.
Von Friedhelm Denkeler,
How many times have you woken up and prayed for the rain?/ How many times have you seen the papers apportion the blame?/ Who gets to say?/ Who gets to work and who gets to play?/ I was always told at school, everybody should get the same.

Passend zu dem heutigen prächtigen Sonnenschein-Tag habe ich den herrlichen Song Always The Sun der Stranglers aus dem Jahr 1986 herausgesucht. Er stammt aus dem Album Dreamtime.
1974 schlossen sich drei Musiker im englischen Guildford zunächst als Guildford Stranglers zusammen, bekannt wurden sie dann aber unter dem Namen The Stranglers.
Die ›Würger‹ machten ihrem Namen alle Ehre: Sie prügelten sich mit Journalisten, landeten auch schon mal im Gefängnis und provozierten mit ihren sexistischen Liedtexten in einer »seltsamen Mischung aus Pessimismus und Romantizismus« [New Musical Express]
Mit ihrem Debütalbum Rattus Norvegicus machten sie die Ratte zum Punksymbol und ihren größten Hit hatten sie 1981 mit Golden Brown aus dem Album La Folie. In viele Songs habe ich heute noch einmal hinein gehört, aber Always The Sun ist und bleibt ihr schönster: There’s always the sun. Always, always, always the sun: The Stranglers: »Always The Sun«.
Von Friedhelm Denkeler,

China setzt ein weiteres provokantes Zeichen gegen die Meinungsfreiheit: Von dem weltweit bekannten chinesischen Künstler und Regimekritiker Ai Weiwei gibt es, nachdem er auf dem Flughafen in Peking am vorigen Sonntag festgenommen wurde, kein Lebenszeichen mehr. Kurz zuvor erst hatte Außenminister Westerwelle die große deutsche Ausstellung Kunst der Aufklärung in Peking eröffnet. Sein Besuch stand also ganz im Zeichen der Kunst und wurde bereits im Vorfeld kontrovers diskutiert. Die chinesische Regierung reichte heute den Grund der Verhaftung nach: Ai Weiwei soll Wirtschaftsverbrechen begannen haben. Das erinnert stark an den Fall Michail Chodorkowski in Russland.
Die Arbeiten des 53-jährigen Ai Weiwei habe ich erstmals auf der documenta 12 im August 2007 in Kassel kennengelernt. Dort hatte er eine acht Meter hohe Holzskulptur aus einzelnen, übereinander gestapelten alten chinesischen Holztüren ausgestellt, wobei die dazu gehörenden Häuser dem chinesischen Bauboom zum Opfer fielen. Dieses sogenannte Tor Template vor dem Kasseler Aue-Pavillon wurde kurz vor unserem Besuch von einem Sturm zerstört (siehe mein Foto). Ai Weiwei nahm das relativ gelassen: Sein Werk sei nach dem Zusammenbruch schöner als zuvor, sagte er. Das Werk vor der Zerstörung finden Sie hier.
»Ich empfinde es als eine Brüskierung aller, die an der Ausstellung beteiligt sind – auch des Außenministers. Es drängt sich der Eindruck auf, dass man die Eröffnung der Schau abgewartet hat, um dann eine von langer Hand vorbereitete Aktion zu starten. Vielleicht würden wir es anders wahrnehmen, wenn es in sechs oder zehn Wochen passiert wäre. Dass es passiert ist, während wir buchstäblich auf der Rollbahn standen, das ist besonders frustrierend«, so Michael Eissenhauer, Generaldirektor der Staatlichen Museen zu Berlin. Er sollte, finde ich, seinen Worten auch Taten folgen lassen und die Berliner Leihgaben für die Pekinger Schau sofort zurückziehen. »Wandel durch Annäherung« ist ein schönes Schlagwort, aber manchmal ist eine Kritik mit Konsequenzen wirkungsvoller. Wirtschaftsbeziehungen hin oder her!
Am Donnerstag startete der Ex-Präsident des BDI Hans-Olaf Henkel eine Initiative, in der er Vertreter der Wirtschaft und Politik aufruft, sich für Ai Weiweis Freilassung einzusetzen. Ob Ai Weiwei seine geplante Ausstellung in Berlin am 29. April eröffnen kann, ist allerdings fraglich. Wegen seines politischen und gesellschaftlichen Engagements hatte er schon öfter unter Repressalien durch die chinesischen Behörden zu leiden. Am Brandenburger Tor in Berlin fand heute eine Kundgebung für die sofortige Freilassung von Ai Weiwei statt.
Von Friedhelm Denkeler,
Monday morning feels so bad /Everybody seems to nag me /Come on Tuesday I feel better/ Even my old man looks good / Wednesday just won’t go / Thursday goes too slow /I’ve got Friday on my mind

Monday Morning Feels So Bad habe ich an einem Montag im Jahre 1967 auf dem Weg zur Arbeit sicher auch gedacht. Aber bis zum Samstag, den 8. April 1967 war es ja nicht mehr weit. Und an diesem Tag spielten in der Scala des Jaguar-Club in Herford die Easybeats. Von 1966 bis 1970 war dieser Club der bekannteste Beat-Club in Ost-Westfalen. Das wird aber eine eigene Geschichte werden.
Die Bandmitglieder der Easybeats kamen aus Australien und entstammten Familien, die aus Europa nach Australien auswanderten. 1965 wurden sie Australiens erfolgreichste Popband. 1966 zogen sie nach England und hatten 1967 mit Friday On My Mind ihren größten Hit: The Easysbeats: »Friday On My Mind«
In Deutschland kam der Song im Januar 1967 unter die Top Ten. Die Easybeats lösten sich bereits 1969 wieder auf. Von Gary Moore, der im letzten Monat gestorben ist (siehe hier), wurde der Song später gecovert. Auch dieses Video habe ich herausgesucht: Gary Moore: »Friday On My Mind«. Entscheiden Sie selbst, wer den Song am besten interpretiert.
Von Friedhelm Denkeler,

An diesem Sonntag, dem ersten echten Frühlingstag 2011, haben wir uns das Entwicklungsgebiet Heidestraße einmal genauer angesehen. Das Gebiet war jahrzehntelang ein Niemandsland zwischen Ost und West. Heute liegt es zentral direkt am Hauptbahnhof und an der Dependance der Neuen Nationalgalerie, dem Hamburger Bahnhof.
Nach dem Besuch der aktuellen Ausstellung Berlin Circle von Richard Long (demnächst mehr) im Hamburger Bahnhof, stand der Besuch des neuen Kunstquartiers an. Die dort ansässigen Galerien hatten am Sonntag natürlich alle geschlossen. Dadurch war es menschenleer, also fotografisch günstig und ich konnte in aller Ruhe z.B. die Hamburger Oberhafen-Kantine (demnächst mehr) und die nach wie vor pittoreske Gegend fotografieren. Auf dem ehemaligen Bahngelände hat das Cats-Musical-Theater vorrübergehend seine Zelte aufgeschlagen (siehe Foto).
Von Friedhelm Denkeler,

In dieser Kategorie erscheint am ersten Tag eines Monat öfter ein bildlich umgesetzter Post mit einem Zitat. Das kann eine Photographie mit einem Spruch sein oder ein Bild, das grafisch mit dem Zitat des Monats gestaltet wurde.
Von Friedhelm Denkeler,

Auf die Funkuhren ist Verlass – alle Uhren waren heute Morgen eine Stunde im Plus. Zum Ausgleich dafür war mein Thermometer im Minus-Bereich. Also Winter-Temperaturen zur Sommerzeit. Nimmt man den Frühlingsanfang vom letzten Montag hinzu, wird aller Wahrscheinlichkeit nach auch der Sommer irgendwann kommen.
Die jetzige Regelung mit der Sommer-/Winterzeit gibt es seit 1980. Laut Studien passieren am Montagmorgen nach der Zeitumstellung mehr Verkehrsunfälle als an einem normalen Montag. Deshalb werde ich morgen früh auf den Brandenburger Landstraßen besonders vorsichtig fahren, also nicht schneller als die Polizei erlaubt.
Das Photo stammt aus meinem Portfolio und Künstlerbuch Sonntagsbilder. Die gesamte Serie besteht aus 115 Photographien. Sie sind zwischen 2002 und 2005 entstanden. Die Bilder sind auch als gedrucktes Autorenbuch mit 124 Seiten im Format 21 x 21 cm erschienen. Eine Auswahl von 25 Photos finden Sie auf meiner Website www.denkeler-foto.de.
Von Friedhelm Denkeler,

Zwei Wochen lang ist in der oberen Halle der Neuen Nationalgalerie ein – ja was denn, ein Kunstwerk, eine Installation mit Videos oder eine Musikperformance? – der Künstlergruppe Apparatjik zu sehen. Sie besteht aus vier Musikern: Guy Berryman (London) aus der Band Coldplay, Jonas Bjerre (Kopenhagen), Sänger der dänischen Indie-Rocker Mew, Magne Furuholmen (Oslo), Keyborder von a-ha und Martin Terefe (London).
»Apparatjik versteht sich als experimentelle Plattform und kooperiert mit einem Pool von Künstlern, Medien-Technikern, Designern, aber auch Wissenschaftlern wie dem Astrophysiker Max Tegmark oder der Kunstwissenschaftlerin Ute Bauer (MIT, Cambridge, USA)«, so der Text der Einladung. Während dieser zwei Wochen gibt die Künstlergruppe 3 Konzerte in der Nationalgalerie. Das dürfte sicher spannender werden als meine Besichtigung des weißen Kubus am Samstagmittag.
Der Kubus steht in der Mitte der ansonsten leeren, oberen Halle der Nationalgalerie und ist mit milchiger Folie überspannt. Um den Kubus herum sind auf dem Boden Spiegel ausgelegt. So hat man herrliche Blicke kreuz und quer durch die Halle (siehe Foto). Auf die Folie werden von innen heraus diverse abstrakte, farbige Bilder projiziert. Besonders in der Dämmerung dürfte dies gut aussehen, denn die Projektionen strahlen durch den Mies van der Rohe-Bau bis in den Stadtraum hinein.
Die Aufführungen knüpfen in ihrer medialen und performativen Ausrichtung an die visuellen Experimente von László Moholy-Nagy an, der wie Mies van der Rohe, dem Architekten der Neuen Nationalgalerie, am Bauhaus lehrte … Apparatjik bezieht sich damit konkret auf den elektrisch bewegten ‚Licht-Raum-Modulator‘, den Moholy-Nagy im Jahr 1930 geschaffen hatte [Pressetext].
Von Friedhelm Denkeler,

Während des Autofahrens hörte ich heute im Radio, dass deutsche Atomkraftwerke nicht versichert sind. Warum? Den Versicherungsgesellschaften ist das Risiko zu groß (sic!). Eigentlich gibt es dazu nichts Weiteres zu sagen. Gut, sie sind mit 2,5 Millionen Euro versichert. Für Bagatellunfälle mag das reichen, aber ein GAU würde vielleicht 1000 Milliarden Euro Kosten.
Allein die Laufzeitverlängerung unserer Regierung beschert den Betreibern zusätzliche Gewinne von 119 Milliarden Euro. Müssten die AKW-Betreiber wie jeder Hundebesitzer und jeder Autofahrer eine ausreichende Haftpflichtversicherung abschließen, könnte kein Mensch den Atomstrom bezahlen. Das Problem hätte sich von allein gelöst. Fazit: Die Risiken der Atomenergie mit ihrem unschätzbaren Schadenspotenzial sind nicht beherrschbar. Atomkraft! Nein danke.
Von Friedhelm Denkeler,

Das Deutsche Guggenheim in Berlin hat seit 1997 insgesamt 16 Auftrags-Arbeiten an zeitgenössische Künstler vergeben. Jeff Koons (2000), Bill Viola (2002), Gerhard Richter (2002), John Baldessari (2004), Jeff Wall (2007) und jetzt die New Yorkerin Agathe Snow gehören zu den Auserwählten. Unter dem Motto »I Like Mondays« ist im Guggenheim jeweils montags der Eintritt frei. Da die Ausstellungen dann meistens sehr voll sind, mag ich das nicht so sehr, aber dieses Mal, bei Agathe Snows »All Access World« ist das anders. Die Ausstellung kommt durch die zahlreichen Besucher erst so richtig zur Wirkung und lebt auf.
Während der monatelangen Vorbereitung dürfte Snow Stammkundin in den Berliner Baumärkten geworden sein. Ihre Skulpturen und Wandcollagen von Bauwerken und Konsumtempeln aus der ganzen Welt hat sie aus unterschiedlichsten Materialien, wie Pappe, Schaumgummi, Luftpolster, Maschendraht, Zweigen, Stoffen und Fellen, Harz oder Zement zusammengebaut.
Für Käufer bietet Snow ihre Werke nach deren Wünschen auch als individuelle Sonderanfertigung an. Wobei die Frage zu klären wäre, ob die in ihren Werken als Kritik angerissene Frage nach der Beliebigkeit und Austauschbarkeit von weltbekannten Bauwerken, nicht dadurch ad absurdum geführt wird. In der Ausstellung selber können Besucher die Objekte, die mit Rollen versehen auf einer Weltkarte stehen, einander neu zuordnen und anfassen. Snow hat den kühlen Raum im Deutschen Guggenheim in ein Kinderzimmer verwandelt. Kinder nehmen das schon einmal zu wörtlich und das Aufsichtspersonal ist stark gefordert.
Die aus Korsika stammende Agathe Snow sieht in ihrer Arbeit die Chance, bei Null anzufangen und ihre eigene Gesellschaft zu schaffen. Ihre Botschaft lautet, wir brauchen die Apokalypse nicht zu fürchten, sie hat bereits stattgefunden. Sortieren wir also die Welt nach eigenem Belieben neu.
Mein Foto zeigt einen Ausschnitt aus Agathe Snows Werk Arches, Memories Collection, Artist at 10. Einen Film (16 min.) mit einem Porträt der Künstlerin Agathe Snow und das Entstehen ihrer Arbeit All Access World finden sie hier.
Von Friedhelm Denkeler,

Ein wenig skeptisch bin ich zur Eröffnung der Ausstellung am Donnerstagabend in den Martin-Gropius-Bau gegangen. Wollen die Kuratoren wie bereits im Sommer 2004 mit dem Etikett MoMA einen erneuten Hype entfachen? Die Online-Eintrittskarten sollen für die ersten Tage schon ausverkauft sein. All das alles ließ Schlimmstes für die Vernissage vermuten: lange Schlangen mit ewigen Wartezeiten wie bei Frieda Kahlo.
Aber alles war, wie es sein sollte: Eine rundum gelungene Eröffnung mit fünf kurzen, prägnanten Ansprachen, darunter der amerikanische Botschafter und Kuratoren aus New York, ein angenehm fachkundiges Publikum und – das ist schließlich das Wichtigste – eine sehr gute Ausstellung mit 250 Arbeiten auf Papier von 120 Künstlern aus dem Fundus der Judith Rothschild Foundation Contemporary Drawings Collection, die mittlerweile dem Museum of Modern Art gehört. Die Nadel des Kompass zeigt zwar hauptsächlich gen Westen – New York, Los Angeles, Köln und Düsseldorf sind die Zentren aus denen die meisten Werke stammen – aber man erhält einen sehr guten Überblick über die Arbeiten auf dem Papier nach der Zeit des Kubismus, von 1950 bis heute.
Was wir zu sehen bekommen, hat die Märkische Allgemeine sehr gut zusammengefasst: »… mit Bleistift Gekritzeltes von Joseph Beuys, Zeichnungen aus dem Museum of Modern Art Collagiertes von Martin Kippenberger, Foto- und Papiergeschnetzeltes von Sol LeWitt oder Eva Rothschild. Für seinen Honigstand benutzte Jörg Immendorff Filzstift und Kugelschreiber. Cy Twombly tropfte 2001 Polymerfarben auf ein ungetiteltes Blatt, Sigmar Polke 2003 ebenfalls, nur gegenständlicher. Cady Noland bevorzugte Kopien von Pressebildern. Robert Crumb pinselte The Complete Fritz the Cat mit Tusche. David Hockney fand Grafit für nackte Männer passender. Marcel Odenbach klebte grünstichige Starporträts von Elvis Presley, James Dean oder Marilyn Monroe mit Noten- und Zeitungsfetzen zu einem Birkenwald zusammen und nannte das Ergebnis Vor lauter Bäumen den Wald nicht sehen.»
Hat es jemals eine Ausstellung mit solcher Fülle an zeitgenössischen Zeichnungen gegeben? Ich kann mich nicht erinnern. Früher galt die Zeichnung eher als Vorstadium für Gemälde, Skulpturen oder Bauwerke. Inzwischen wird sie als eigenständige Bildgattung anerkannt und geschätzt. Dabei wird der Begriff Zeichnung zu einengend benutzt. Alle Formen der Collage-Technik, bedruckte Elemente, Fotografien und Materialien werden mit einbezogen. Die Grundlage allein ist der Bildträger Papier, deshalb sprechen wir lieber von Arbeiten auf Papier.
Fazit: Eine sehr sehenswerte Ausstellung. Voller Esprit und mit bisher nie gesehenen Arbeiten. Deshalb plane ich einen zweiten Besuch und werde dann gerne auf einzelne Werke, bzw. Künstler, die mir besonders gut gefallen haben, eingehen. Die Ausstellung läuft noch bis zum 29. Mai 2011 im Berliner Martin-Gropius-Bau.
Von Friedhelm Denkeler,

»Streng sezierend, radikal reduziert – Robert Mapplethorpes Stillleben und Porträts sind ruhige, formal vollendete Kompositionen in klinischer Reinheit. Bewegungen harmonieren bis ins Detail, makellose Körper werden zu Landschaften und explizit sexuelle Handlungen und Nacktheit zu kühlen, fast unerotischen Körperstudien, bei denen die technische Perfektion im Vordergrund steht. Diese auf die Spitze getriebene Ästhetisierung nimmt dem Inhalt seine Schärfe. Sie isoliert und öffnet den Blick auf das Wesentliche. Genau diese Konzentration und Sachlichkeit verleihen seinen Fotografien noch heute eine Aktualität.«
So kündigte die C/O-Galerie die retrospektive Mapplethorpe-Ausstellung an. Eigentlich ist zu Robert Mapplethorpe (1946 bis 1989) alles gesagt worden. Deshalb habe ich hier nur einige Links zu seinen Bildern Selbstporträt mit einem Knaufstock mit silbernen Totenkopf, Mapplethorpes berühmtes Foto Der Mann im Polyesteranzug und Patti Smith und Robert Mapplethorpe in jungen Jahren, gesetzt. In der Ausstellung ist den Portraits von Patti Smith ein eigener Raum gewidmet.
Patti, die zuerst Roberts Geliebte und nach seinem Coming-Out seine Freundin wurde, ist mit dem großartigen und, wie ich finde, ihrem schönstem Portrait zu sehen: Patti mit Anzugsjacke. Dieses Foto ist gleichzeitig auch das Cover-Bild ihrer LP Horses aus dem Jahr 1975. Auch das Foto Patti mit zwei weißen Tauben, das dann das Cover der LP Waves (1979) zierte, ist ausgestellt. Ein weiteres Portrait von Mapplethorpe zeigt Patti auf ihrer LP Dream Of Life (1988).
Die C/O-Galerie sollte ursprünglich die Räume im denkmalgeschützten Postfuhramt zum 31. März 2011 verlassen. Jetzt konnte sie mit dem Investor, einer Immobilien-Entwicklungsgesellschaft (siehe hier), erreichen, das noch bis mindestens zum Ende diesen Jahres der Ausstellungsbetrieb weitergehen kann. Vier weitere Ausstellungen, unter anderem von Fritz Eschen Berlin unterm Notdach – Fotografien 1945 bis 1955 (7. Mai bis 19. Juni 2011), können zum Glück noch gezeigt werden.