Suchergebnisse Kategorie: Siebzig Jahre – Siebzig Songs

Hier finden Sie Beiträge zu Songs und ihren Interpreten aus 70 Jahren Rock- und Pop-Geschichte 1946 bis 2016. Alle im Text erwähnten Songs sind als Video oder Audio auf den bekannten Musik-Portalen wie YouTube, Vimeo, etc. zu finden. Jeder Artikel ist ein Auszug aus meinem geplanten Künstlerbuch »Siebzig Jahre – Siebzig Songs«.

Back in the United States of America

Von Friedhelm Denkeler,

1962 – Elvis Presley: »Return to Sender«. Zwei kleine Italiener im heißen Sand.

1962 – Elvis Presley: »Return to Sender«, 1962, Foto/Collage © Friedhelm Denkeler
1962 – Elvis Presley: »Return to Sender«, 1962, Foto/Collage © Friedhelm Denkeler

Elvis Presley leistete seinen Dienst bei der 3. US-Panzerdivision im hessischen Friedberg und wohnte in Bad Nauheim. Als G.I. gab Presley keine Konzerte, er war aber immer in den Medien präsent und hielt den Kontakt zu seinen Fans, die täglich vor seinem Haus auf Autogramme warteten. Nach seiner Rückkehr in die USA konnte er seine Karriere nahtlos fortsetzen.

»Feldjacke von G.I. Presley«, Alliierten Museum in Berlin-Dahlem, Foto © Friedhelm Denkeler
»Feldjacke von G.I. Presley«, Alliierten Museum in Berlin-Dahlem, Foto © Friedhelm Denkeler 2014

Aus den USA und aus England kamen mit der Musik auch die Tänze und die dazugehörige Mode nach Deutschland. Der »American Way of Life« war vielen ein Vorbild und löste eine kulturelle und modische Rebellion aus. In den Jugendzimmern kam der neue Sound nicht mehr nur aus dem Radio, sondern auch vom Plattenteller.

In den Kneipen kam die neue Musik aus den Jukeboxen und die Diskjockeys in den Diskotheken spielten sie. Elvis war 1962 mit den Songs »Return to Sender« und »Good Luck Charm« immer wieder zu hören. Die Karriere von Elvis ging in den nächsten Jahren zwar weiter, aber die Beatles ab 1963 und die Rolling Stones ab 1964 standen jetzt mehr im Mittelpunkt.

Einer meiner Lieblingssongs aus dem Jahr 1962, der Erinnerungen weckt, war »Sheila« von Tommy Roe. Roe hatte diesen Titel bereits mit 14 Jahren geschrieben und nahm ihn mit der Band »Satins« auf. Diese Aufnahme war ein Flop, als er aber ab 1962 als Solist arbeitete, nahm er die Nummer erneut auf. Diesmal erreichte sie Platz 1 der amerikanischen Charts und auch in England und Deutschland war sie unter den Top 10. 1969 hatte er noch einmal großen Erfolg mit »Dizzy«.

Ein bisschen flotter ist der Song »The Loco-Motion« von Little Eva. Der Song wurde von Carole King und Gerry Goffin geschrieben. Durch die italienische Sängerin Mina war der deutsche Schlager »Heißer Sand« neun Wochen auf Platz 1 der deutschen Hitparade. Und noch einen deutschen Schlager gab es: »Zwei kleine Italiener« von Conny Froboess. Zwei Instrumentals sind mir desweiteren in Erinnerung geblieben: Bob Moore mit dem Ohrwurm »Mexico« und die Tornados mit »Telstar«, benannt nach dem gleichnamigen Fernsehsatelliten. 

Ein nicht so Ernst zunehmender Titel machte 1962 die Runde: Pat Boone mit »Speedy Gonzales«. Im Lied fleht die Mausdame Rosita ihren Gonzales an, mit der Herumtreiberei aufzuhören und sich lieber um das desolate Heim zu kümmern. In kurzen gesprochenen Sequenzen versucht Gonzales, seine Rosita zu beruhigen. In Deutschland schaffte Rex Gildo mit dem Lied einen Nummer-eins-Erfolg, in Deutsch.

Songtext – Elvis Presley: »Return to Sender«

Return to sender, return to sender

I gave a letter to the postman, he put it his sack
Bright in early next morning, he brought my letter back

She wrote upon it
Return to sender, address unknown
No such number, no such zone

We had a quarrel, a lover's spat
I write I'm sorry but my letter keeps coming back

So then I dropped it in the mailbox and sent it special D
Bright in early next morning it came right back to me
So then I dropped it in the mailbox and sent it special D
Bright in early next morning it came right back to me

She wrote upon it
Return to sender, address unknown
No such person, no such zone

This time I'm gonna take it myself and put it right in her hand
And if it comes back the very next day then I'll understand

The writing on it
Return to sender, address unknown
No such number, no such zone

Return to sender, return to sender

Weitere Informationen zum Artikel

Als Elvis noch mit Puppen spielte …

Von Friedhelm Denkeler,

1961 (2) – Elvis Presley: »Muss i denn zum Städtele hinaus (Wooden Heart)«. Als Elvis noch mit Puppen spielte und ich auf einer Fahrradtour im Harz war.

»In der Jugendherberge Braunlage«, Foto © Friedhelm Denkeler 1962, aus dem Portfolio »Erinnerungen – Ein Leben in Bildern: »Große Farhrten 1962-1964«: Fahrradtour durch den Harz«
»In der Jugendherberge Braunlage«, Foto © Friedhelm Denkeler 1962, aus dem Portfolio »Erinnerungen – Ein Leben in Bildern: »Große Farhrten 1962-1964«: Fahrradtour durch den Harz«

Anfang der 1960er Jahre kam Elvis Presley mit dem Song »Muss i denn zum Städtele hinaus (Wooden Heart)« in die deutschen Hitparaden. Elvis war während seiner Armeezeit in Deutschland vom Oktober 1958 bis Februar 1960 auf das Lied »Muss i denn …« aufmerksam geworden. Nach seiner Stationierung drehte er 1960 den Film »G.I.-Blues«, in dem er «Wooden Heart« in der Kulisse eines Kasperletheaters sang. Im darauffolgenden Jahr kam der Song als Single in Deutschland und England heraus und belegte vordere Plätze in den Hitparaden beider Länder.

Im August 1962 unternahm ich mit einem Freund eine Fahrradtour durch den Harz. Die Stationen unserer Tour waren: Rahden, Minden, Hameln, Hildesheim, Goslar, Harzburg, Torfhaus, Altenau, St. Andreasberg, Braunlage, Bad Gandersheim und Rahden. Wir übernachteten in den jeweiligen Jugendherbergen und in Braunlage hörte ich zum ersten Mal bewusst »Muss i denn …« von Elvis aus dem Kofferradio. Es wurde mein persönlicher Sommerhit 1962. Vielleicht lag es auch daran, dass er einige Zeilen des deutschen Originaltextes enthielt, und er somit verständlicher für mich wurde.

Beim »Surrender« von Elvis Presley handelt sich um eine Adaption der Musik einer neapolitanischen Ballade von 1902. Der Song erreichte 1961 in den USA und Großbritannien den ersten Platz der Hitparaden. Dann gab es noch das Niederländische Duo Blue Diamonds mit »Ramona«, das dann auch ihr einziger großer Erfolg wurde. Auch Le Dorseys »Ya Ya« wurde insbesondere durch die Zeile »Sittin‘ here la la, waitin‘ for my ya ya« bekannt; es gibt sicherlich anspruchsvollere Kinderlieder.

Songtext – Elvis Presley: »Muss i denn zum Städtele hinaus (Wooden Heart)«

Can't you see
I love you
Please don't break my heart in two
That's not hard to do
'Cause I don't have a wooden heart
And if you say goodbye
Then I know that I would cry
Maybe I would die
'Cause I don't have a wooden heart

There's no strings upon
This love of mine
It was always you from the start
Treat me nice, treat me good
Treat me like you really should
'Cause I'm not made of wood
And I don't have a wooden heart
Muss I denn, muss I denn
Zum stadtele hinaus
Stadtele hinaus
Und du, mein Schatz, bleibst hier?

Muss I denn, muss I denn
Zum stadtele hinaus
Stadtele hinaus
Und du, mein Schatz, bleibst hier?

There's no strings upon this love of mine
It was always you from the start
Sei mir gut, sei mir gut
Sei mir wie du wirklich sollst
Wie du wirklich sollst
'Cause I don't have a wooden heart                                                            

Weitere Informationen zum Artikel

My Bonnie Lies Over the Ocean

Von Friedhelm Denkeler,

1961 (1) – Tony Sheridan & the Beat Brothers: »My Bonnie«. Tony Sheridan & The Beatles – Wie aus einem schottischen Volkslied ein Beatstück wurde.

»Dortmunder Union-Pils«, Jugendclub Vlotho, Foto © Friedhelm Denkeler 1964
»Dortmunder Union-Pils«, Jugendclub Vlotho, Foto © Friedhelm Denkeler 1964

Kennen und lieben gelernt habe ich den Song »My Bonnie« von Tony Sheridan 1964 im Jugendclub in Vlotho. Mit den ersten Songs der Beatles wurde auch »My Bonnie«, den Sheridan 1961 mit den Beatles in Hamburg aufnahm, bekannter. Die Single nennt als Interpreten noch Tony Sheridan & The Beat Brothers. Mit den Beat Brothers waren die Beatles gemeint, die damals noch zu fünft mit Stuart Sutcliffe am Bass und Pete Best am Schlagzeug auftraten. Für die gleichnamige LP erhielt Sheridan die Goldene Schallplatte. Mit der Eröffnung des legendären Hamburger Star Clubs spielten Tony Sheridan und die Beatles öfter zusammen.

Das ist schon ein toller Song, der zunächst wie das alte schottische Volkslied beginnt und dann in eine wilde Beat-Nummer übergeht. Kein Wunder, dass der Discjockey im Jugendclub den Song gleich mehrmals spielen musste. Wie bei den Hamburger Seeleuten: Sheridan nahm den Song damals auf, weil die Seeleute in den Clubs ihn immer wieder hören wollten. Bei YouTube gibt es einen Konzertmitschnitt aus dem Jahr 2011 mit Tony Sheridan; hier rockt er wie damals.

Tony Sheridan war 1960 einer der ersten britischen Musiker, die in Deutschland auftraten: In Hamburg spielte er mit seinen »Jets«. Paul McCartney bezeichnete ihn später als ›Lehrer‹. Durch den Erfolg von »My Bonnie« wurde auch Brian Epstein (der spätere Manager der Beatles) auf die Beatles aufmerksam. So hat Sheridan, der sich eher im Hintergrund hielt, einen Anteil an dem Weg der Beatles. Anlässlich des 50. Geburtstags des Star-Clubs stand im April 2012 Tony Sheridan das letzte Mal auf Bühne. 2013 ist er im Alter von 73 Jahren in Hamburg gestorben. »My Bonnie« hat ihn unsterblich gemacht.

Im Film »Frühstück bei Tiffany« (Breakfast at Tiffany’s) ist am Anfang nur eine Instrumental-Version von »Moon River« zu hören. Mit dem Text singt es mit Audrey Hepburn (als Holly Golightly) in der Szene, in der sie am Fenster zur Feuerleiter sitzend, von dem Schriftsteller Paul ›Fred‹ Varjak (George Peppard) ein Stockwerk höher beobachtet wird. Wie zu vermuten war, ist es der Beginn einer Liebesgeschichte mit vielen Hindernissen.

Truman Capote, der den zu Grunde liegenden Roman geschrieben hat, wollte in der Rolle eigentlich Marilyn Monroe sehen. Wenn man an Hollywood denkt, fällt einem auch die Darstellung von Holly mit ihrer Zigarettenspitze ein. Henry Mancini, einer der Autoren des Songs, sagte über Audrey Hepburn: »Moon River wurde für Audrey Hepburn geschrieben. Niemand sonst hat es je so gut verstanden. Es gibt mehr als tausend Versionen davon, aber ihre ist zweifellos die beste.

Für 1961 muss ich noch ein Instrumental erwähnen, »Wheels« von Billy Vaughn. Er erreichte, dass in Deutschland sein Stück zu einem Nummer-eins-Hit und mit einer Goldenen Schallplatte ausgezeichnet wurde.

Songtext – Tony Sheridan & the Beat Brothers: »My Bonnie«

My Bonnie lies over the ocean
My Bonnie lies over the sea
My Bonnie lies over the ocean
Oh bring back my Bonnie to me

My Bonnie lies over the ocean
My Bonnie lies over the sea
Well, my Bonnie lies over the ocean
Yeah, bring back my Bonnie to me
Yeah bring back, ah bring back
Oh bring back my Bonnie to me
Oh bring back, ah bring back
Oh bring back my Bonnie to me

Well, my Bonnie lies over the ocean
My Bonnie lies over the sea
Yeah my Bonnie lies over the ocean
I said bring back my Bonnie to me

Songtext – Audrey Hepburn: »Moon River«

Moon river, wider than a mile
I'm crossing you in style some day
Oh, dream maker, you heart breaker
Wherever you're goin', I'm goin' your way
Two drifters, off to see the world
There's such a lot of world to see
We're after the same rainbow's end, waitin' 'round the bend
My huckleberry friend, moon river, and me 

Weitere Informationen zum Artikel

Chubby Checker ist der Twist

Von Friedhelm Denkeler,

1960 (3) – Chubby Checker: »The Twist«. Wie ein ›kleiner Drall‹ des ›Molligen‹ in den 1960-Jahren nach dem Rock ’n‘ Roll die gesamte westliche Welt eroberte.

In den 1960er-Jahren diskutierten wir auch in Deutschland, nach dem Rock ’n‘ Roll und noch vor dem Beat, einen neuen skandalösen Tanz: den Twist. Er entwickelte sich schnell zum internationalen Modetanz, auch weil er aus sehr einfachen Bewegungsabläufen bestand.

Wie er zu tanzen sei, beschrieb damals eine inzwischen berühmt gewordene Anleitung: Man tanze so, als würde man mit beiden Füßen abwechselnd Zigarettenkippen ausdrücken und sich dabei gleichzeitig mit einem Handtuch den Rücken abtrocknen. Populär wurde der Tanz insbesondere durch Chubby Checker mit seinem Song »The Twist«.

Chubby Checker: »The Twist«, 1960, Foto/Collage © Friedhelm Denkeler
Chubby Checker: »The Twist«, 1960, Foto/Collage © Friedhelm Denkeler

Erstmalig stellte er »The Twist« und seine Art zu tanzen, 1960 in der beliebten Fernsehshow »American Bandstand« des US-Senders ABC vor. Der Song entwickelte sich zum Symbolsong für den Tanz und erreichte mit sechzehnmonatiger Unterbrechung zweimal die Nr. 1 der US-Hitparade und wurde über drei Millionen Mal verkauft. Am 22. Oktober 1961 präsentierte die »Ed Sullivan Show« einen neuen Twist-Song von Chubby Checker, der ebenfalls ein Erfolg wurde: »Let’s twist again (like we did last Summer)«.

Inzwischen hatte der Mode-Tanz die gesamte westliche Welt erobert. The Marcels stellten eine »Merry Twist-Mas« Version vor, passend zur Spiegel-Affäre sang Peter von Eck den «Spiegel-Twist« (nicht zu verwechseln mit Trude Herrs Spiegel-Twist) und 1963 gab es den Film »Nachtexpress nach St. Tropez« in dem Teddy Parker den »St. Tropez Twist« sang und tanzte. Sehenswert ist auch ein ›verrückter‹ Kurzfilm, der den Twist 1962 vorstellte. Bekannt wurde auch Joey Dee & The Starliters mit dem »Peppermint Twist« (den Catarina Valente dann auf Deutsch sang).

»Twist im Jugendclub in Vlotho«, Foto © Friedhelm Denkeler 1964
»Twist im Jugendclub in Vlotho«, Foto © Friedhelm Denkeler 1964

Der Twist war übrigens der erste Tanz, der ohne Berührung des Tanzpartners auskam und er beendete damit die Führungsrolle des Mannes – zumindest auf der Tanzfläche. Aber wie sollten sich Jungs und Mädchen auf der Tanzfläche im Beatschuppen näher kennenlernen? Die Diskjockeys in den Discotheken in Bohmte und Diepholz in Westfalen streuten in die schnellen Twist-Rhythmen dafür regelmäßig ›Schmusesongs‹ ein. Erinnern kann ich mich an die Songs »Save The Last Dance For Me« von The Drifters, »Are You Lonesome Tonight?« von Elvis Presley und an Roy Orbisons »Only The Lonely« (alle aus dem Jahr 1960).

Chubby Checker (geb. am 3. Oktober 1941 als Ernest Evans in Spring Gulley, South Carolina, aufgewachsen in Philadelphia) bekam den Künstlernamen »Chubby Checker« (chubby=mollig) verpasst. »The Twist« ist eine Cover-Version der B-Seite einer Single der »Hank Ballard & the Midnighters«. Bis 1966 hatte Checker sich mit über 30 Titeln in den Charts platziert. Aber ab Mitte der 1960er Jahre war der Twist bereits mehr oder weniger out, eine später berühmte britische Gruppe läutete mit dem Song »Twist And Shout« die neue Ära der Beat-Musik ein.

Songtext – Chubby Checker: »The Twist«

Everybody, twist

They're twisting in Cleveland
In Kansas City too
They're wailing in Warwood
In Pittsburgh and St Lou
So, baby, get ready
I'm gonna twist with you

Round and around and
Up and down we go
(Yeah, oh, baby)
Making with the
Shaking to and fro
(Yeah, well, now from)
Boston to L A (oh, baby)
Twistin U S A

They're twisting in New York
In old Chicago town
In Hartford and Frisco
They all go round and round
They're twisting on Bandstand
So don't you put me down
Round and around and
Up and down we go
(Yeah, oh, baby)
Making with the
Shaking to and fro
(Yeah, well, now from)
Boston to L A (oh, baby)
Twistin U S A

They shimmy in Charlotte
They shake in Baltimore
In Detroit and Dallas
And down Miami shore
So, baby, oh, baby
What are we waiting for

Round and around and
Up and down we go
(Yeah, oh, baby)
Making with the
Shaking to and fro
(Yeah, well, now from)
Boston to L A (oh, baby)
Twistin U S A

Weitere Informationen zum Artikel

Nur Liebende bleiben am Leben – Funnel Of Love

Von Friedhelm Denkeler,

1960 (2) – Wanda Jackson: »Funnel Of Love«. Fritz Rau hatte den Blues … und brachte die Rockmusik nach Deutschland.

Nur Menschen mit einer großen Liebe zu Musik und Büchern bleiben am Leben – so könnte man Jim Jarmuschs Film »Only Lovers Left Alive« auch beschreiben, denn er lebt zu großen Teilen von der Musik und den Leidenschaften eines Rock-Nerds namens Adam (Tom Hiddleston) und seiner Bücher verschlingenden und überaus gebildeten Gattin Eve (Tilda Swinton). Haben wir nun einen vampiristischen Musikfilm oder einen musikalischen Vampirfilm für Bildungsbürger gesehen? Hier soll es um die Musik im Film gehen, die auch inhaltlich einen Schwerpunkt bildet. Mit den klassischen Vampir-Filmen und den neumodischen Teenie-Soaps desselben Themas hat Jarmuschs Film jedenfalls nichts gemein.

»Adams Haus«, Foto © Friedhelm Denkeler 2013
»Adams Haus«, Foto © Friedhelm Denkeler 2013

Musik spielte in den Filmen von Jim Jarmusch immer schon eine große Rolle (John Lurie, Tom Waits, Iggy Pop). Diesmal hören wir einen wunderbaren Soundtrack, der herrlich stimmig auf Bilder und Handlung Bezug nimmt; eine wilde Mischung aus Country, Sixties Soul, Rock, Garage Punk und Paganinis Geigen. Die moderne Rockmusik, die Adam im Film spielt, stammt von Jarmuschs eigener Band »Sqürl«. Der Film beginnt aber mit einem Track aus dem Jahr 1960 von Wanda Jackson. Die Kamera kreist traumhaft über Adam und Eve, überblendet durch einen Plattenspieler, auf dem sich eine Single dreht: Wanda Jackson mit »Funnel Of Love«.

Die Rockabilly- und Country-Sängerin Wanda Jackson (*1937, Oklahoma) war die erste Frau, die ›wilde‹ Musik in den 1960er Jahren machte (wenn nicht noch schlimmere Ausdrücke damals verwendet wurden) und sie ging mit Elvis Presley auf Tournee. Ihre rauhe Männerstimme kam bei den prüden US-Amerikanern nicht gut an; sie hatte ihre größten Erfolge im Ausland. In Deutschland war der Schlager »Santo Domingo« (1965) ihr stärkster Triumph. Mein Lieblingssong von ihr aber ist »Let’s Have A Party« (1958). Anfang der Sechziger war er auf jeder Party ein Muss. Kein Wunder, es war hochkarätiger Rock ’n’ Roll, denn begleitet wurde Jackson durch die Musiker von Gene Vincent.

Sein erstes Jazz-Konzert veranstaltete Fritz Rau 1955 mit Albert Mangelsdorff. Seit 1963 arbeitete er mit Horst Lippmann in der Konzertagentur »Lippmann & Rau« zusammen. Die Tourneen der Rolling Stones organisierte er ab 1970 und zum Dank erhielt Rau von ihnen ein silbernes Tablett mit der Inschrift »To Fritz with Thanks from the Rolling Stones«. Sein Lieblingslied war und blieb natürlich ein Bluessong aus dem Jahr 1960 von dem er sagte, den »könnt ihr einem Marsmenschen vorspielen, und sofort würde der begreifen, was Blues ist«, es ist »Five Long Years« von Muddy Waters.

Die Großen des Jazz und Blues, wie Ella Fitzgerald, Nat King Cole, Duke Ellington, Muddy Waters, Miles Davis, Janis Joplin und später die Heroen des Rock und Pop, wie The Doors, Frank Zappa, Jimi Hendrix, Bob Dylan, The Who, Queen, Tina Turner, Madonna, Bruce Springsteen und viele andere holte Fritz Rau nach Deutschland. Aber genau so engagiert setzte er sich auch für die deutsche Rock- und Popmusik, wie Udo Lindenberg und Peter Maffay, ein. Wahrscheinlich wusste Rau selber nicht, wie viele Konzerte er veranstaltet hat; an die 6000 sollen es gewesen sein. 2004 zog sich Fritz Rau dann aus dem aktiven Geschäft zurück; im August 2013 ist er im Alter von 83 Jahren im Taunus gestorben.

Songtext – Wanda Jackson: »Funnel Of Love«

Here I go,
Falling down, down, down,
My mind is a blank,
My head is spinning around and around,
As I go deep into the funnel of love.

It's such a crazy, crazy feeling,
I get weak in the knees,
My poor old head is a reelin',
As I go deep into the funnel of love.

I tried and I tried, to run and hide,
I even tried to run away,
You just can't run from the funnel of love,
It's gonna get you someday.
It's such a crazy, crazy feeling,
I get weak in the knees,
My poor old head is a reelin',
As I go deep into the funnel of love.

I tried and I tried, to run and hide,
I even tried to run away,
You just can't run from the funnel of love,
It's gonna get you someday.

Here I go, falling down, down, down,
My mind is a blank,
My head is spinning around and around,
As I go deep into the funnel of love,
Deep into the funnel of love.  

Weitere Informationen zum Artikel

Una mujer fantástica oder Natural Woman

Von Friedhelm Denkeler,

1960 (1) – The Shirelles: »Will You Love Me Tomorrow?«. Wenn die Trommeln der Apachen rufen … The Shadows: »Apache«.

Während der Internationalen Filmfestspiele in Berlin im Februar 2017 sahen wir den Film »Una mujer fantástica« von Sebastian Lélio mit Daniela Vega. Der Film ist ein Plädoyer für die sexuelle Selbstbestimmung. Die Trans-Frau Marina (Daniela Vega) ist nach dem Tod ihres Freundes Orlando (Francisco Reyes) dem blanken Hass seiner Familie ausgesetzt. Und wenn schon nicht ihre Umgebung, so ist doch der Film ganz auf ihrer Seite und zeigt die zunehmend ins Abseits gedrängte Protagonistin als starke, lebenskluge, fantastische Frau.

Der RBB urteilte: »Marina sitzt auf ihrem Sofa, die Beine leicht angewinkelt. Sie ist nackt, doch ein Spiegel verdeckt ihre Scham. Die nächste Einstellung zeigt Marina von oben: Man sieht nur ein Stück Beine, etwas Bauch – und mitten im Bild ihr Gesicht im Spiegel zwischen ihren Beinen. Es ist ein eindringliches, berührendes Bild. Gerade in seiner Einfachheit und Wortlosigkeit macht es klar, worum es Lélio geht: Was die geschlechtliche Identität eines Menschen bestimmt, ist nicht zwingend das, was zwischen seinen Beinen ist«.

Passend zum Film hat Lélio als Soundtrack unter anderem Aretha Franklin mit »A Natural Woman« aus dem Jahr 1967 ausgesucht. Der Song wurde 1967 von Carole King und Gerry Goffin geschrieben und 2015 von Aretha Franklin zum Gala-Empfang im Opera House des Kennedy Centers zu Ehren der Preisträgerin Carole King performt. Diese Ehrung umfasste zahlreiche Feierlichkeiten, unter anderem verfolgten die Geehrten die Gala gemeinsam mit dem US-Präsidenten Obama in der Präsidenten-Loge. Ihren ersten Nummer-eins-Hit hatte Carole King als 18jährige mit dem Lied »Will You Love Me Tomorrow?«. Sie schrieb ihn für die Girlgroup »The Shirelles« (1960).

Cover: Jörgen Ingmann: »Apache« (Single), Foto © Friedhelm Denkeler 2015 (mit Dank an Natascha S.)
Cover: Jörgen Ingmann: »Apache« (Single), Foto © Friedhelm Denkeler 2015 (Dank an Natascha S.)

Bei den Trommeln der Apachen habe ich immer gedacht, der Song stammt von den »Shadows«, der Begleitband von Cliff Richard. Bei der Recherche stellte sich heraus, dass es etwas komplizierter ist, aber der Reihe nach. Die Melodie stammt von dem englischen Komponisten Jerry Lordan. Die Idee zum Titel soll ihm gekommen sein, als er den gleichnamigen Western mit Burt Lancaster und Charles Bronson aus dem Jahr 1954 sah. Es fehlte ihm nur eine Instrumental-Band; die fand er in Bert Weedon. Das Stück wurde 1960 eingespielt, blieb aber zunächst unveröffentlicht, Lordan gefiel diese Fassung nicht.

Dann kam Lordan mit den Shadows in Kontakt, die wiederum fanden, das Instrumental passe zu ihnen. Am Anfang und Ende des Stückes sollten die Trommeln auf die ›Indianermusik‹ hinweisen. Der Erfolg blieb nicht aus: ab dem 21. Juli 1960 stand die Single für fünf Wochen auf dem ersten Platz der britischen Charts. Jetzt wurde schnell die Single von Jerry Lordan veröffentlicht. Sie hatte in Europa aber weniger Erfolg. In den USA punktete dagegen die Fassung des dänischen Jazzgitarristen Jørgen Ingmann. Alle drei machten das Instrumental zu einem internationalen Hit. Mein Favorit bleibt aber für immer »Apache« von den Shadows.

Songtext – The Shirelles: »Will You Love Me Tomorrow?«

Tonight you're mine, completely
You give your love so sweetly
Tonight the light of love is in your eyes
But will you love me tomorrow

Is this a lasting treasure
Or just a moment's pleasure
Can I believe the magic in your sighs
Will you still love me tomorrow
Tonight with words unspoken
You say that I'm the only one
But will my heart be broken
When the night meets the morning sun

I'd like to know that your love
Is a love I can be sure of
So tell me now and I won't ask again
Will you still love me tomorrow

Weitere Informationen zum Artikel

Why must I be a Teenager in Love?

Von Friedhelm Denkeler,

1959 (2) – Dion and the Belmonts: »A Teenager in Love«. The Platters: »Smoke Gets In Your Eyes«. Wie Neil Sedaka seinen Hit »Oh! Carol« fabrizierte.

In den späten 1950er Jahren wurde die US-Amerikanische Doo Wop- und R&B-Gruppe Dion and the Belmonts auch in Deutschland mit »I Wonder Why« (1958) bekannt. Mein Lieblingssong aber ist der 1959 erschienene Hit »A Teenager in Love«. Die Dreier-Bild-Collage stammt aus der US-TV-Aufzeichnung der »Saturday Night Beech-Nut Show« vom 4. April 1959. Was macht eigentlich den Doo Wop-Stil aus? Vereinfacht gesagt, durch den verstärkten Gebrauch von sinnlosen Silben, wie hier mit Oooh…Oooh Wa-oooh…Ooooh…Oooh oder wie Diddle-De-Dum. Aber der Begriff wurde erst später populär; damals lief diese Musik unter Rock ’n‘ Roll (meist weiße Mitglieder) oder Rhythm & Blues (eher schwarze Mitglieder).

Dion and the Delmonts: »Teenager in Love«, 1959, Foto/Collage © Friedhelm Denkeler
Dion and the Delmonts: »Teenager in Love«, 1959, Foto/Collage © Friedhelm Denkeler

Vorläufer war zum Beispiel die Musik der Comedian Harmonists. Viele spätere Soul-Stars begannen ihre Karriere als Mitglieder der Doo Wop-Gruppen, zum Beispiel Curtis Mayfield oder Wilson Pickett. Der Soundtrack des Films »American Graffiti« (1973) besteht vielfach aus Doo Wop-Songs und der Moderator Barry Graves spielte in seiner Sendung »See You later Alligator« (späte 1970er Jahre) im RIAS-Berlin gerne Doo Wop. So wurde die Musik bei uns bekannter.

1959 – The Platters: »Smoke Gets In Your Eyes«, 1959, Foto/Collage © Friedhelm Denkeler
1959 – The Platters: »Smoke Gets In Your Eyes«, 1959, Foto/Collage © Friedhelm Denkeler

Zum Repertoire des Duos Bastian Korff (Gesang) und Florian Ludewig (Klavier) gehört auch »A Teenager in Love«. Unter dem Titel »Rock ‘n’ Roll & Remmidemmi« stand das Duo aufgrund des großen Publikumserfolg 2015 mehrmals im Theater O-TonArt in der Kulmer Straße in Berlin-Schöneberg auf der Bühne. Ihre Version hat weitaus mehr Pep und Drive als das Original, eben echter Rock ‘n’ Roll.

Und sie spielten »In Dreams« von Roy Orbison speziell für den Autor dieser Zeilen und seine Frau. Korff als Sprecher, Schauspieler, Sänger und Texter und Ludewig als Pianist und Komponist sind wahre Multitalente für sich, aber auf der Bühne waren sie als Team unschlagbar: spontan, witzig und so herrlich unperfekt wie man nur sein kann, wenn man die Perfektion beherrscht.

Mein Lieblingssong für 1959 ist »Smoke Gets In Your Eyes« von der US-amerikanischen Doo Wop-Gruppe The Platters. Der Song spielte auch in den Filmen »Die bitteren Tränen der Petra von Kant« von Rainer Werner Fassbinder (1972) und in »American Graffiti« von George Lucas (1973) eine Rolle.

Erwähnenswert ist für 1959 auch Neil Sedakas: »Oh! Carol«. Wie entstand damals ein Hit? Sedaka hat dazu erfolgreiche Hits studiert und dabei Ähnlichkeiten entdeckt; eine davon war, dass ein weiblicher Vorname im Titel vorkam. Sedaka wählte den Namen seiner High-School-Freundin Carol Klein – man kennt sie unter ihrem Künstlernamen Carole King – »Oh! Carol« war dann das Ergebnis.

Songtext – Dion and the Belmonts: »A Teenager in Love«

Each time we have a quarrel, it almost breaks my heart,
Cause I'm so afraid that we will have to part,
Each night I ask the stars up above,
Why must I be a teenager in love?

One day I feel so happy, next day I feel so sad.
I guess I'll learn to take the good with the bad.
Cause each night I ask the stars up above,
Why must I be a teenager in love?
I cried a tear for nobody but you,
I'll be a lonely one, if you should say we're through.
Well, if you want to make me cry, that won't be so hard to do.
And if you should say goodbye, I'll still go on loving you.
Each night I ask the stars up above,
Why must I be a teenager in love?

I cried a tear for nobody but you,
I'll be a lonely one, if you should say we're through.
Well, if you want to make me cry, that won't be so hard to do.
And if you should say goodbye, I'll still go on loving you.

Each night I ask the stars up above
Why must I be a teenager in love?

Weitere Informationen zum Artikel

Das HiFi-Mädel aus Tallahassee

Von Friedhelm Denkeler,

1959 (1) – Freddy Cannon: »Tallahassee Lassie«. Rocken was das Zeug hält und die Red-River-Rebellion. Das Instrumental »Red River Rock« von Johnny & The Hurricanes.

Freddy Cannon: »Tallahassee Lassie«, 1959, Foto/Collage © Friedhelm Denkeler
Freddy Cannon: »Tallahassee Lassie«, 1959, Foto/Collage © Friedhelm Denkeler

Auf der Suche nach einem weniger bekannten, aber guten Rock ’n‘ Roll-Song aus den 1950er Jahren wurde ich fündig. Im Netz steht ein Video aus dem US-amerikanischen Fernsehen, aufgenommen in der Musik-Varieté-Show »Hollywood A Go-Go» am 24. April 1964. Bereits bei den ersten Takten rastet der Moderator Sam Riddle voller Begeisterung aus – und dann kommt Freddy Cannon auf die Bühne und spielt »Tallahassee Lassie« und rockt los, was das Zeug hält.


Wenn ich jemandem erklären müsste, was Rock ’n‘ Roll ist, dann würde ich ihm diesen Song vorspielen. Tallahassee ist übrigens die Hauptstadt des US-Bundesstaats Florida (FLA), die kannte ich bisher nicht. »Hollywood A Go-Go» wurde in den KHJ-TV-Studios in Los Angeles aufgenommen und die erste Folge am 26. Dezember 1964 in Los Angeles ausgestrahlt. Mit der letzten, der 58. Sendung am 5. Februar 1966, wurde die Show eingestellt.


Und weil es so schön war, habe ich weiter gesucht und ein Video mit demselben Song aus der berühmten Musik-Tanz-Schau »American Bandstand« aus Philadelphia vom 12. Dezember 1964 gefunden. Der Rock ‘n’ Roll ist keineswegs mit Bill Haleys »Rock Around The Clock« entstanden. Vielmehr geht er auf den schon in den 1940er Jahren bekannten Rhythm & Blues zurück. Für den großen Durchbruch sorgten aber Radio und Fernsehen. Daran hat »American Bandstand« mit dem Moderator Dick Clark einen großen Anteil. Die berühmte Tanzshow lief von 1956 bis 1987.

Der 1940 geborene Freddy Cannon (Frederico Anthony Picariello), war mir völlig unbekannt, das hat sich jetzt geändert. Der US-amerikanische Rock ’n’ Roll-Sänger hatte in den späten 1950er und frühen 1960er Jahren einige Hits. »Palisades Park« aus dem Jahr 1962 ist auch einer meiner Lieblingssongs. Freddy kommt aus einem musikalischen Haus; sein Vater spielte Trompete, die Mutter war Songwriterin und schrieb für Freddy den Song »Rock and Roll Baby«. Ein Demo-Tape stellte er dem Musikproduzenten Bob Crewe vor, der dann den Song zu »Tallahassee Lassie« umschrieb.

Als Zweites stelle ich für 1959 das Instrumental »Red River Rock« vor. Es war nicht einfach, einen würdevollen Interpreten zu finden, denn es gibt mindestens 70 Coverversionen. Da der Song weltweit bekannt wurde, mitten in der Rock & Roll-Zeit, liegt es nahe, die Version von Johnny & The Hurricanes auszuwählen. Der Song ist einer meiner Best-of-Songs der frühen Rockgeschichte. Die Single »Red River Rock« kam im Juli 1959 auf den Markt und wurde kurz darauf von »Billboard« besprochen.


Single Johnny & The Hurricanes: »Red River Rock«, Foto/Collage © Friedhelm Denkeler
Single Johnny & The Hurricanes: »Red River Rock«, Foto/Collage © Friedhelm Denkeler

Während einer Aufnahmepause hörte der Manager der Hurricanes wie der Organist mit der Melodie experimentierte; er bat, die Passagen zu wiederholen. So entstand der einmalige Sound als Variation des Originals. Die Grundmelodie wird von einer Hammond-Orgel getragen, mit Licks vom Tenor-Saxophon und einem Mittelteil für Gitarre.

In Deutschland und England erreichte der Song Platz 3 der Hitparade und in den Staaten den Rang 6. Es waren die höchsten Platzierungen aller Versionen des Folk- und Country-Lieds. The Hurricanes verkauften davon über 1 Million Singles.


Eine Vokal-Version handelt von der verbotenen Liebe einer Indianerin zu einem britischen Soldaten während der Red-River-Rebellion um 1870 in Kanada. Ethnische und religiöse Feindseligkeiten und Übergriffe der kanadischen Zentralregierung gegen die europäisch-stämmigen Altsiedler sind das Thema. 1925 wurde der Song das erste Mal kommerziell als »Cowboy Love Song« vermarktet. Mit deutschem Text erschien 1959 »Komm zurück in das Tal unserer Träume« von Friedel Hensch und den Cyprys. 


Songtext – Freddy Cannon: »Tallahassee Lassie«

Well, she comes from Tallahassee
She got a hi-fi chassis
Maybe looks a little sassy
But to me, she's real classy
Yeah, my Tallahassee Lassie
Down in F-L-A

Well, she's romping to the Drag
The Cha-cha, Rag-a-mop
Stomping to the Shag
Rocks the Bunny Hop, Ooh, ooh.
Well, she dances to the Bop
She dances to the Stroll
She dances to the Walk
She can rock and roll

Well, she comes from Tallahassee
She got a hi-fi chassis
Maybe looks a little sassy
But to me, she's real classy
Yeah, my Tallahassee Lassie
Down in F-L-A 

Weitere Informationen zum Artikel

Aufruhr in Brooklyn als Vorläufer des Punk und Metal

Von Friedhelm Denkeler,

1958 – Link Wray & His Ray Men: »Rumble«, Foto/Collage © Friedhelm Denkeler
1958 – Link Wray & His Ray Men: »Rumble«, Foto/Collage © Friedhelm Denkeler

Es ist mit Sicherheit der einzige Instrumental-Song, der jemals von Radio-Stationen verbannt wurde, ohne Texte über Drogen oder Sex (sic!) zu beinhalten. Der Titel allein, den man mit Aufruhr übersetzen kann und der düstere und bedrohliche Sound, reichten aus, den Song nicht zu spielen, denn er »klang wie die Einladung zu einem Messerkampf» [Rolling Stone]. Um den rauen, verzerrten Klang herzustellen, soll Wray Löcher in den Lautsprecher seines Gitarrenverstärkers geschlagen haben und verwandelte ihn damit in eine »Fuzzbox«, die es damals noch nicht gab.

Aus der heutigen Sicht ist das nicht mehr nachvollziehbar. Aber wenn man sich die Liveaufnahme aus San Francisco von 1974 anhört, wird die Angst der Radiomacher, dass »Rumble« tatsächlich eine Gewalttätigkeit anregen könnte, schon deutlicher. Ein Fan schrieb zum Live-Video »Wray was cool, before cool was cool«. Im Netz findet man ein Video mit dem Original-Song passenderweise mit einem Ausschnitt aus dem Film: »The Delicate Delinquent« (Der Held von Brooklyn, 1957) von Don McGuire mit Jerry Lewis.

Die Musikindustrie präsentierte damals das saubere, gepflegte Lebensgefühl des aufstrebenden Nachkriegs-Amerika. Link Wray dagegen spielten ihre Musik roh und emotionslos; »Rumble« war eine Provokation für das Establishment. Die Ray Men kann man deswegen als Vorläufer von Punk und Metal sehen.

1958 – Johnnie Ray: »Yes Tonight, Josephine«, Foto/Collage © Friedhelm Denkeler
1958 – Johnnie Ray: »Yes Tonight, Josephine«, Foto/Collage © Friedhelm Denkeler

Als Fred Lincoln ›Link‹ Wray im Jahr 2005 starb, spielten Bob Dylan und Bruce Springsteen ihm zur Ehre »Rumble« und Pete Townshend sagte, er hätte nie eine elektrische Gitarre gekauft, wenn es nicht Wrays »Rumble« gegeben hätte.

1958 erreichte der Song Platz 16 der »Billboard Hot 100«. Bei der Zeitschrift »Rolling Stone« landete der Song auf Platz 45 der 100 besten Gitarristen aller Zeiten. Er beeinflusste viele Band wie die Yardbirds oder The Who.

Johnnie Ray war in den 1950er Jahren einer der erfolgreichsten Pop-Interpreten Amerikas. Bei seinen Konzerten gab es regelrechte Krawalle. Er wurde von begeisterten weiblichen Fans bestürmt und bedrängt. Das war damals etwas Neues, später trat es für Elvis und für die Beatles wieder auf. Für mich bleibt für immer mit Johnnie der Song »Yes Tonight, Josephine« verbunden. Und dann kam Im Jahr 1958 noch Elvis Presley mit dem Song »Jailhouse Rock«. Es war dem Titelsong aus dem gleichnamigen Film mit Elvis in der Hauptrolle.

Und auch den ›Sommerhit‹ 1958, den »Summertime Blues« von Eddie Cochran darf ich nicht vergessen. Der ›Sommerhit‹ ist eine Erfindung der Musikindustrie; es geht um Songs, die vielfach in einem bestimmten Sommer intensiv im Radio gespielt wurden. Sex kam bei den jungen Rock ’n‘ Roller in den 1950er Jahren nur in Andeutungen vor, Jerry Lee Lewis war dagegen in »Great Balls Of Fire« freizügiger. Und deswegen wurde der Song ein Nummer-eins-Hit. Er hämmert so sehr auf seinem Klavier herum, dass nur noch ein Schlagzeug nötig war. Der Film »Great Balls Of Fire – Jerry Lee Lewis – Ein Leben für den Rock ’n‘ Roll« von 1989 sichert Lewis‘ Platz in der Rock-Geschichte.

Songtext – Jerry Lee Lewis: »Great Balls Of Fire«

You shake my nerves and you rattle my brain
Too much love drives a man insane
You broke my will, but what a thrill
Goodness gracious great balls of fire

I laughed at love when I thought it was funny
But you came along and you moved me honey
I've changed my mind, this love is fine
Goodness gracious great balls of fire
Kiss me baby, woo, feels good
Well I want to love you like a lover should
You're fine, so kind
Got to tell this world that you're mine! Mine! Mine! Mine!

I chew my nails and I twiddle my thumbs
I'm real nervous but it sure is fun
Come on baby, you drive me crazy
Goodness gracious, great balls of fire!       
[aus: Great Balls of Fire]                

Weitere Informationen zum Artikel

Ein zeitloser Klassiker aus dem Jahr 1958

Von Friedhelm Denkeler,

1958 (1) – The Kalin Twins: »When«. Eine Erinnerung an die Zeit vor den Beatles.

1958 – The Kalin Twins: »When«

Harold ›Hal‹ Kalin (1934 – 2005) und Herbert ›Herbie‹ Kalin (1934 – 2006) waren die Kalin Twins. In den späten 1950er Jahren hatten sie ihren größten und weltweit bekanntesten Hit »When«. Es sollte auch ihr einziger bleiben. In England waren sie 1958 fünf Wochen auf Platz eins der Charts und auch in Deutschland wurde der Song laufend im Radio gespielt. Das One-Hit-Wonder erschien bei Decca Records, wurde von Paul Evans und Jack Reardon geschrieben und über zwei Millionen Mal verkauft. Ein wunderbarer Klassiker, ein Ohrwurm, der die Erinnerungen an meine Schulzeit zurückbringt. Und er steht gleichzeitig für die Musik des Vor-Rock ’n‘ Roll der 1950er Jahre. Und dazu gehören auch die folgenden Songs.


Die Everly Brothers werden nach ihrer Ankunft auf dem Amsterdamer Hauptbahnhof von einer Frau in Volendamer Tracht mit Tulpensträußen begrüßt, Quelle: Wikipedia
»Varler Schule 1958: Im 5. Schuljahr«, Foto © Archiv Friedhelm Denkeler
»Varler Schule 1958: Im 5. Schuljahr«, Foto © Archiv Friedhelm Denkeler

Am 6. März 1958 veröffentlichten die Everly Brothers den Popsong »All I Have to Do Is Dream«. Das Stück wurde einer der erfolgreichsten Titel des Duos und eroberte Ende der 1950er-Jahre weltweit die Hitparaden. Insgesamt wurden 1,5 Millionen Tonträger verkauft und das Lied belegte Platz 141 der 500 besten Songs aller Zeiten des Rolling-Stone-Magazins. Die Brothers stammen aus einer musikalischen Familie, die nach 1945 live eine Familien-Radioshow im Lokalsender sendete. Sie traten dann alleine auf und ihre ersten beiden Singles »Bye, bye, Love« und »Wake Up Little Susie« eroberten mit ihrem eigenen, gefälligen Sound die Spitze der Hitparaden. Mit der britischen Invasion der Beatles in den USA wurde es 1962 um die Brüder ruhiger.


Für 1958 sind noch Louis Prima mit »Buona Sera« und das Kingston Trio mit »Tom Dooley«, sowie zwei Instrumental zu nennen: Billy Vaughn hatte mit meinem Lieblings-Instrumental »Sail Along Silvery Moon« seinen größten und bekanntesten Hit, der in Deutschland vergoldet wurde. Und das zweite Instrumental ist der »Colonel Bogey And The River Kwai March« von Mitch Miller. Bekannt wurde er durch den Film »Die Brücke am Kwai«. Der Song wurde allein in Deutschland vier Millionen Mal verkauft.

Songtext – The Kalin Twins: »When«

When, when you smile, when you smile at me
Well, well I know our love will always be
When, when you kiss, when you kiss me right
I, I don’t want to ever say good night

I need you
I want you near me
I love you
Yes, I do and I hope you hear me

When, when I say, when I say ‹Be mine›
If, if you will I know all will be fine
When will you be mine?

When, when you smile, when you smile at me
Well, well I know our love will always be
When, when you kiss, when you kiss me right
I, I don’t want to ever say good night

I need you
I want you near me
I love you
Yes, I do and I hope you hear me

When, when I say, when I say ‹Be mine›
If, if you will I know all will be fine
When will you be mine?

Weitere Informationen zum Artikel