Suchergebnisse Kategorie: Siebzig Jahre – Siebzig Songs

In dieser Kategorie finden Sie Beiträge zu Songs und ihren Interpreten aus 70 Jahren Rock- und Pop-Geschichte 1946 bis 2016. In der Regel werden pro Jahr ein Song, manchmal auch mehrere, vorgestellt. Alle im Text erwähnten Songs sind als Video oder Audio auf den bekannten Musik-Portalen wie YouTube, Vimeo, etc. zu finden. In einer Tabelle habe ich die Songs auf die entsprechenden Videos/Audios verlinkt. Die Serie befindet sich zur Zeit im Aufbau und wird nach und nach vervollständigt. Jeder Artikel ist ein Auszug aus meinem für 2024 geplanten Künstlerbuch »Siebzig Jahre – Siebzig Songs«.

Am Anfang war es tierisch – Ein Meilenstein der Rockgeschichte

Von Friedhelm Denkeler,

1964 – Eric Burdon & The Animals: »House of the Rising Sun«. Wie Eric Burdon ein altes Bordell in die Hitparaden bringt und anschließend der Rockwelt den ›Krieg‹ erklärt.

Im Jahr 2021 feierten viele Rocklegenden ihren 80. Geburtstag: Bob Dylan, Ringo Starr, Cliff Richard, Joan Baez, Neil Diamond, Manfred Mann, Dionne Warwick, Eric Burdon, Brian Wilson, Paul McCartney, Art Garfunkel, Chubby Checker, David Crosby, Charlie Watts, Paul Anka, Tina Turner, Tom Jones, Nancy Sinatra und Giorgio Moroder. In diesem Artikel soll es um Eric Burdon (geb. 11.05.1941) und seine Animals gehen. Nachdem Burdon bereits mit dem Bluesmusiker Alexis Korner aufgetreten war, gründete er 1964 mit dem Organisten Alan Price die Animals. Gleich im ersten Jahr nahmen sie den Song »House Of The Rising Sun« auf, der ihr größter Erfolg werden sollte und der weltweit die Hitparaden eroberte.

Bei diesem Song handelt sich um ein altes Volkslied aus dem 17. Jahrhundert, das bereits frei von Rechten war. Das Haus in New Orleans soll es wirklich gegeben haben. Es gehörte zwischen 1862 und 1874 einer gewissen Marianne Le Soleil Levant (lässt sich auf ›Rising Sun‹ deuten). Eine Anekdote am Rande: Bob Dylan hatte den Song bereits vor den Animals gespielt. Als er ihn das erste Mal auf der elektrischen Gitarre von den Animals hörte, soll er vor Wut in seine Akustik-Gitarre gebissen haben (oder so ähnlich). Bald darauf schloss er seine Gitarre auch an einen Verstärker an.

1964 – The Animals: »House Of The Rising Sun«, Foto/Collage © Friedhelm Denkeler
1964 – The Animals: »House Of The Rising Sun«, Foto/Collage © Friedhelm Denkeler

Nach weiteren Hits wie It’s My Life, Don’t Let Me Be Miss Understood, San Franciscan Nights, Good Times und We gotta Get Out Of This Place, gingen die Animals 1966 im Streit auseinander. 1970 schloss sich Burdon der Latino-Funksoul-Combo »War« an. Ihr Debüt-Album »Eric Burdon Declares War« wurde von den Kritikern hochgelobt und der New Musical Express bezeichnete sie damals als »beste Live-Band, die wir jemals gehört haben«. Seitdem arbeitete Eric Burdon in wechselnden Formationen weiter. 1986 schrieb er seine Biografie I Used to Be an Animal.

Im Song »Story of Bo Diddley« erzählt Erich Burdon die Geschichte vom schwarzen Blues-Musiker Bo Diddley: »Now let’s hear the story of Bo Diddley/ And the rock ’n‘ roll scene in general/ Bo Diddley was born Ellis McDaniels/ In a place called McCoom/ Mississippi about 1926/ He moved to Chicago about 1938/ Where his name was eventually changed/ To Bo Diddley/ …/ He began to play at the Apollo in Harlem/ Good scene there, everybody raving/ One day, one night, came a Cadillac with four head lights/ Came a man with a big, long, fat, cigar/ …/».

Viele weiße Rockmusiker, wie Eric Burdon oder die Rolling Stones, nahmen sich die schwarzen Bluesmusiker, wie Bo Diddley (*1928, †2008, Florida), für ihre Songs zum Vorbild. Einer meiner Lieblingssongs von Bo Diddley ist »Bo Diddley« von der LP »Hey! Bo Diddley« aus dem Jahr 1964. Darin heißt es: »Bo Diddley bought his babe a diamond ring/ If that diamond ring don’t shine/ He going to take it to a private eye/ If that private eye can’t see/ He’d better not take the ring from me. Eric Burdons knurrende Stimme und das Keyboard-Arrangement von Alan Price, inspiriert von Bluesman Josh Whites Aufnahme aus dem Jahr 1937, machten den atemberaubenden Song zum Meilenstein der Rockgeschichte.

Songtext – Eric Burdon & The Animals: »House of the Rising Sun«

There is a house in New Orleans
They call the Rising Sun
And it's been the ruin of many a poor boy
And God I know I'm one

My mother was a tailor
She sewed my new bluejeans
My father was a gamblin' man
Down in New Orleans

Now the only thing a gambler needs
Is a suitcase and trunk
And the only time he's satisfied
Is when he's on a drunk
Oh mother tell your children
Not to do what I have done
Spend your lives in sin and misery
In the House of the Rising Sun

Well, I got one foot on the platform
The other foot on the train
I'm goin' back to New Orleans
To wear that ball and chain

There is a house in New Orleans
They call the Rising Sun
And it's been the ruin of many a poor boy
And God I know I'm one

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Komm, gib mir deine Hand …

Von Friedhelm Denkeler,

1963 – The Beatles: »She Loves You«. Wini-Wini, Wana-Wana, die Trommeln der Südsee rufen zum Tanz.

Das Jahr 1963 war das Jahr, in dem die »Beat-Musik«, wie wir damals sagten, ihren Anfang nahm – mit den aus Liverpool stammenden »The Beatles« (John Lennon, Paul McCartney, George Harrison und Ringo Starr). Georg Martin produzierte bereits im Oktober 1962 mit »Love Me Do» ihre erste Single. Zu Hause in England schafften es die Beatles damit gerade mal in die Top 20. Ein Jahr später lösten sie die Beatlemania aus – mit »She Loves You«.

Plattencover The Beatles: »She Loves You«, 1963
The Beatles: »She Loves You«, 1963

Es folgte ihr erster Auftritt in der »Ed Sullivan Show« in Amerika. 73 Millionen Zuschauer sahen diese Schau, mit der die zweijährige ›British Invasion‹ in den USA begann. Im selben Jahr nahmen John Lennon, Paul McCartney, Georg Harrison und Ringo Starr dann noch das berühmte »I Want to Hold Your Hand« auf. Ein Kuriosum: Die beiden letztgenannten Titel sangen die Pilzköpfe auch in Deutsch (sic!): »Komm, gib mir deine Hand« und »Sie liebt dich«.

Die Beatles feierten in kurzen Abständen ihre weltberühmten Hits mit: Love Me Do (die erste Single, 1962), Please Please Me (Single und erstes Album), I Want to Hold Your Hand (1964), A Hard Day’s Night (1964, Single, Spielfilm), Michelle (1965), Eleanor Rigby (1966), Strawberry Fields Forever (1966), All You Need Is Love (1967), Sgt. Pepper’s Lonely Hearts Club Band (Konzeptalbum, 1967), Hey Jude (1967), Back in the USSR (1968), Lady Madonna (1968) und Let It Be (1969), um nur einige zu nennen.

1963 – The Beatles: »She Loves You«, Foto/Collage © Friedhelm Denkeler
1963 – The Beatles: »She Loves You«, Foto/Collage © Friedhelm Denkeler

Es waren auf der einen Seite die deutschen Schlager, die mich zu dieser Zeit interessierten und zwar zwangsweise, denn nur sie wurden im Radio gespielt. 1963 waren es die Tahiti Tamourés mit »Wini-Wini«, die sogar für 24 Wochen (sic!) in den deutschen Charts waren. Und auf der anderen Seite die englischen Songs auf AFN und Radio Luxemburg. Songs aus dem Jahr 1963, an die ich mich erinnere: The Trashmen: »Surfin Bird«, The Searchers: »Sweets for My Sweet«, The Kingsmen: »Louie, Louie», The Ronettes: »Be My Baby», The Crystals: »Da Doo Ron Ron«, Tony Sheridan & The Beat Brothers: »My Bonnie« und The Rolling Stones: »Mona«. Ab 1964 finden sich in meiner Songliste dann hauptsächlich nur noch Rocksongs.

Heute kann man sagen, die Tahiti Tamourés, eine reine Studioband, war die erste Girlgroup Deutschlands. Im englischsprachigen Raum gibt es Girlgroups bereits seit den 1950er Jahren, wie The Chordettes mit »Lollipop«, The Shangri-Las mit »Leader of the Pack« und The Crystals »Da Doo Ron Ron«. Die Tahiti Tamourés bestanden aus Charlotte Marian, Monika Grimm und als Leadsängerin Doris Wegener, die später als Manuela Karriere machte (»Schuld war nur der Bossa Nova«).

DER SPIEGEL schrieb in der ihm üblichen Weise in der Ausgabe 40/1963: »In die 60 Meter lange Rille der Tamouré-Platte sind zu angeblichen Südseeklängen insgesamt 72 verständliche Worte eingeritzt, außerdem 64-mal Wini und Wana«. Wie auch immer, heute ist der Ohrwurm eine Erinnerung an (musikalische) Zeiten, die man nicht mehr zurück holen möchte.

Songtext – The Beatles: »She Loves You«

She loves you, yeah, yeah, yeah
You think you lost your love
Well, I saw her yesterday-ay
It's you she's thinking of
And she told me what to say-ay

She says she loves you
And you know that can't be bad
Yes, she loves you
And you know you should be glad

She said you hurt her so
She almost lost her mind
But now she says she knows
You're not the hurting kind

She says she loves you
And you know that can't be bad
Yes, she loves you
And you know you should be glad, ooh
She loves you, yeah, yeah, yeah
She loves you, yeah, yeah, yeah
And with a love like that
You know you should be glad

You know it's up to you
I think it's only fair
Pride can hurt you too
Apologize to her

Because she loves you
And you know that can't be bad
Yes, she loves you
And you know you should be glad, ooh

She loves you, yeah, yeah, yeah
With a love like that
You know you should be glad
With a love like that
Yeah, yeah, yeah, yeah  

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In Dreams I Walk With You. In Dreams I Talk To You

Von Friedhelm Denkeler,

1963 (1) – Roy Orbison: »In Dreams«. Das bewegte Leben von Roy Orbison spiegelt sich in seinen Songs wieder.

Gleich drei Mal in einer Woche hörte ich im März 2015 Songs von Roy Orbison in Darbietungen der darstellenden Künste. Einmal war Roy Orbisons Stimme im Kultfilm »Blue Velvet« von David Lynch mit Isabella Rossellini und Dennis Hopper aus dem Jahr 1986 zu hören. Ben (Dean Stockwell) performed hier den Song »In Dreams« im Playback, solange bis Frank Booth (Dennis Hopper) es vor Schmerz ob des melancholischen Liedes nicht mehr aushält und den Stecker des Kassetten-Recorders zieht.

Die unheimliche Lippensynchronisation von Ben lässt darauf schließen, dass nicht nur bei Frank Booth, sondern auch im Inneren des Zuhälters etwas im Verborgenen liegt. Nach dieser Performance klingt der Song nicht mehr wie vorher. Und im Hintergrund tritt Dorothy Vallens (Isabella Rossellini) in ihrem Morgenrock aus blauem Samt in das Zimmer …

1963 – Roy Orbison: »In Dreams«, 1963, Foto/Collage © Friedhelm Denkeler
1963 – Roy Orbison: »In Dreams«, 1963, Foto/Collage © Friedhelm Denkeler

Ein zweites Mal hörten wir »In Dreams« im Theater O-TonArt in der Kulmer Straße in Berlin. Hier trat der in Frankfurt geborene Sänger Bastian Korff zusammen mit dem Berliner Pianisten Florian Ludewig unter dem Titel »Rock ’n‘ Roll & Remmidemmi« auf. Neben den dargebrachten eigenen Kompositionen coverten die beiden Künstler verschiedenste Rock-Balladen von Roy Orbison (»In Dreams«), über Dion and The Belmonts (»A Teenager in Love«), Elvis Presley, David Bowie bis zu Bonnie Tyler (»Turn Around – Bright Eyes«).

Korff als Sprecher, Schauspieler, Sänger und Texter und Ludewig als Pianist und Komponist sind wahre Multitalente für sich, aber auf der Bühne waren sie als Team unschlagbar: spontan, witzig und so herrlich unperfekt wie man nur sein kann, wenn man die Perfektion beherrscht, bescherten sie dem begeisterten Publikum ein Feuerwerk an Ideen und Gefühlen. Einer der schönsten Theaterabende der letzten Zeit.

Im Berliner Ensemble gab es in der von Leander Haußmann inszenierten Soldatenstudie Woyzeck nach Georg Büchner eine Szene, die Roy Orbisons »Blue Bayou« enthielt. Und zwar in einer Szene, in der Militär und Jahrmarkt zusammenfließen. Die Soldaten lassen sich von der Marktschreierin wie dressierte Pferde im Kreis herumführen. Unter den Klängen von »Blue Bayou« besteigen sie bunte Ballontiere zu einer Karussellfahrt in perfekt inszenierter Slow Motion. So schön haben wir das im Theater noch nie gesehen.

Die ›schwarze‹ Bühne ist vollkommen leer, das Bühnenbild stellen allein die dreißig Soldaten dar, die im stampfenden Rhythmus über die Bretter ziehen. Laufend werden exzessiv Songs eingespielt, wie Nancy Sinatras »These Boots Are Made For Walking« oder Melanies »Nickel Song«, denn bei Leander Haußmann gehört die Musik dazu. Wir erlebten einen großen Theatermoment.

Roy Orbison merkte zu »In Dreams« an: »Ich wachte morgens auf und der Traum war immer noch da und nach 20 Minuten hatte ich den Song fertig«. Der Song weist keine der üblichen Strophen mit einem Refrain auf, sondern ist eher als Mini-Epos in drei Minuten anzusehen. Seine unvergleichlich melancholische Stimme kommt hier besonders gut zur Geltung. Seine Songs handeln von der Seele und ihrem Schmerz und so entstehen oft komplette Dramen der Leidenschaften in Kurzform.

Roy Kelton Orbison (*1936, †1988) hatte ein bewegtes und nicht immer einfaches Leben hinter sich. Seinen ersten Hit hatte Roy 1956, passend zur damaligen Rock ’n‘ Roll-Zeit, mit »Ooby Dooby«. Den Durchbruch erreichte er 1960 mit »Only The Lonely«. Warum trug Roy immer eine Sonnenbrille? Angeblich hatte der stark kurzsichtige Roy bei einem Konzert 1963 seine Brille vergessen und musste notgedrungen mit einer Sonnenbrille auftreten; von da an wurde sie zu seinem ›Markenzeichen‹.

Seinen größten Hit hatte er 1965 mit »Pretty Woman«. Eine schwierige Phase folgte in seinem Leben. Er wurde von privaten Schicksalsschlägen betroffen: Seine erste Frau starb bei einem Motorrad-Unfall und zwei seiner drei Söhne kamen bei dem Brand seines Landhauses ums Leben. Nach Pretty Woman blieben die großen Erfolge aus; eine Ausnahme bildet das nach seinem Tod erschienene »I Drove All Night«. 1987 wurde er in die »Rock and Roll Hall of Fame« augenommen und 2010, also zwanzig Jahre nach seinem Tod, erhielt Orbison einen Stern auf dem »Hollywood Walk of Fame«.

Aus den über 50 Songs, die sich in meinem Rockarchiv befinden, habe ich meine Top-Ten von Roy Orbison zusammengestellt: I Drove All Night (1992), California Blue (1989), It’s Over (1964), In Dreams (1963), Crawling Back (1966), Blue Bayou (1963, Only The Lonely (1960), You Got It (1989), Running Scared (1962) und (Oh) Pretty Woman (1965). »I Drove All Night« steht, seit ich den Song kenne, unangefochten an der Spitze, aber auf eine einsame Insel würde ich alle zehn mitnehmen.

»Roys Songs handelten weniger von Träumen, seine Songs waren Träume« [Tom Waits]

»Ich hasse es zuzugeben, aber Sie können eine Rolle nur spielen, wenn sie irgendwo in Ihrer Psyche steckt. Die Leute realisieren nicht, wie groß das Unterbewusstsein ist. Es ist wie die Unendlichkeit« [Dean Stockwell]

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Back in the United States of America

Von Friedhelm Denkeler,

1962 – Elvis Presley: »Return to Sender«. Zwei kleine Italiener im heißen Sand.

1962 – Elvis Presley: »Return to Sender«, 1962, Foto/Collage © Friedhelm Denkeler
1962 – Elvis Presley: »Return to Sender«, 1962, Foto/Collage © Friedhelm Denkeler

Elvis Presley leistete seinen Dienst bei der 3. US-Panzerdivision im hessischen Friedberg und wohnte in Bad Nauheim. Als G.I. gab Presley keine Konzerte, er war aber immer in den Medien präsent und hielt den Kontakt zu seinen Fans, die täglich vor seinem Haus auf Autogramme warteten. Nach seiner Rückkehr in die USA konnte er seine Karriere nahtlos fortsetzen.

»Feldjacke von G.I. Presley«, Alliierten Museum in Berlin-Dahlem, Foto © Friedhelm Denkeler
»Feldjacke von G.I. Presley«, Alliierten Museum in Berlin-Dahlem, Foto © Friedhelm Denkeler 2014

Aus den USA und aus England kamen mit der Musik auch die Tänze und die dazugehörige Mode nach Deutschland. Der »American Way of Life« war vielen ein Vorbild und löste eine kulturelle und modische Rebellion aus. In den Jugendzimmern kam der neue Sound nicht mehr nur aus dem Radio, sondern auch vom Plattenteller.

In den Kneipen kam die neue Musik aus den Jukeboxen und die Diskjockeys in den Diskotheken spielten sie. Elvis war 1962 mit den Songs »Return to Sender« und »Good Luck Charm« immer wieder zu hören. Die Karriere von Elvis ging in den nächsten Jahren zwar weiter, aber die Beatles ab 1963 und die Rolling Stones ab 1964 standen jetzt mehr im Mittelpunkt.

Einer meiner Lieblingssongs aus dem Jahr 1962, der Erinnerungen weckt, war »Sheila« von Tommy Roe. Roe hatte diesen Titel bereits mit 14 Jahren geschrieben und nahm ihn mit der Band »Satins« auf. Diese Aufnahme war ein Flop, als er aber ab 1962 als Solist arbeitete, nahm er die Nummer erneut auf. Diesmal erreichte sie Platz 1 der amerikanischen Charts und auch in England und Deutschland war sie unter den Top 10. 1969 hatte er noch einmal großen Erfolg mit »Dizzy«.

Ein bisschen flotter ist der Song »The Loco-Motion« von Little Eva. Der Song wurde von Carole King und Gerry Goffin geschrieben. Durch die italienische Sängerin Mina war der deutsche Schlager »Heißer Sand« neun Wochen auf Platz 1 der deutschen Hitparade. Und noch einen deutschen Schlager gab es: »Zwei kleine Italiener« von Conny Froboess. Zwei Instrumentals sind mir desweiteren in Erinnerung geblieben: Bob Moore mit dem Ohrwurm »Mexico« und die Tornados mit »Telstar«, benannt nach dem gleichnamigen Fernsehsatelliten. 

Ein nicht so Ernst zunehmender Titel machte 1962 die Runde: Pat Boone mit »Speedy Gonzales«. Im Lied fleht die Mausdame Rosita ihren Gonzales an, mit der Herumtreiberei aufzuhören und sich lieber um das desolate Heim zu kümmern. In kurzen gesprochenen Sequenzen versucht Gonzales, seine Rosita zu beruhigen. In Deutschland schaffte Rex Gildo mit dem Lied einen Nummer-eins-Erfolg, in Deutsch.

Songtext – Elvis Presley: »Return to Sender«

Return to sender, return to sender

I gave a letter to the postman, he put it his sack
Bright in early next morning, he brought my letter back

She wrote upon it
Return to sender, address unknown
No such number, no such zone

We had a quarrel, a lover's spat
I write I'm sorry but my letter keeps coming back

So then I dropped it in the mailbox and sent it special D
Bright in early next morning it came right back to me
So then I dropped it in the mailbox and sent it special D
Bright in early next morning it came right back to me

She wrote upon it
Return to sender, address unknown
No such person, no such zone

This time I'm gonna take it myself and put it right in her hand
And if it comes back the very next day then I'll understand

The writing on it
Return to sender, address unknown
No such number, no such zone

Return to sender, return to sender

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Als Elvis noch mit Puppen spielte …

Von Friedhelm Denkeler,

1961 (2) – Elvis Presley: »Muss i denn zum Städtele hinaus (Wooden Heart)«. Als Elvis noch mit Puppen spielte und ich auf einer Fahrradtour im Harz war.

»In der Jugendherberge Braunlage«, Foto © Friedhelm Denkeler 1962, aus dem Portfolio »Erinnerungen – Ein Leben in Bildern: »Große Farhrten 1962-1964«: Fahrradtour durch den Harz«
»In der Jugendherberge Braunlage«, Foto © Friedhelm Denkeler 1962, aus dem Portfolio »Erinnerungen – Ein Leben in Bildern: »Große Farhrten 1962-1964«: Fahrradtour durch den Harz«

Anfang der 1960er Jahre kam Elvis Presley mit dem Song »Muss i denn zum Städtele hinaus (Wooden Heart)« in die deutschen Hitparaden. Elvis war während seiner Armeezeit in Deutschland vom Oktober 1958 bis Februar 1960 auf das Lied »Muss i denn …« aufmerksam geworden. Nach seiner Stationierung drehte er 1960 den Film »G.I.-Blues«, in dem er «Wooden Heart« in der Kulisse eines Kasperletheaters sang. Im darauffolgenden Jahr kam der Song als Single in Deutschland und England heraus und belegte vordere Plätze in den Hitparaden beider Länder.

Im August 1962 unternahm ich mit einem Freund eine Fahrradtour durch den Harz. Die Stationen unserer Tour waren: Rahden, Minden, Hameln, Hildesheim, Goslar, Harzburg, Torfhaus, Altenau, St. Andreasberg, Braunlage, Bad Gandersheim und Rahden. Wir übernachteten in den jeweiligen Jugendherbergen und in Braunlage hörte ich zum ersten Mal bewusst »Muss i denn …« von Elvis aus dem Kofferradio. Es wurde mein persönlicher Sommerhit 1962. Vielleicht lag es auch daran, dass er einige Zeilen des deutschen Originaltextes enthielt, und er somit verständlicher für mich wurde.

Beim »Surrender« von Elvis Presley handelt sich um eine Adaption der Musik einer neapolitanischen Ballade von 1902. Der Song erreichte 1961 in den USA und Großbritannien den ersten Platz der Hitparaden. Dann gab es noch das Niederländische Duo Blue Diamonds mit »Ramona«, das dann auch ihr einziger großer Erfolg wurde. Auch Le Dorseys »Ya Ya« wurde insbesondere durch die Zeile »Sittin‘ here la la, waitin‘ for my ya ya« bekannt; es gibt sicherlich anspruchsvollere Kinderlieder.

Songtext – Elvis Presley: »Muss i denn zum Städtele hinaus (Wooden Heart)«

Can't you see
I love you
Please don't break my heart in two
That's not hard to do
'Cause I don't have a wooden heart
And if you say goodbye
Then I know that I would cry
Maybe I would die
'Cause I don't have a wooden heart

There's no strings upon
This love of mine
It was always you from the start
Treat me nice, treat me good
Treat me like you really should
'Cause I'm not made of wood
And I don't have a wooden heart
Muss I denn, muss I denn
Zum stadtele hinaus
Stadtele hinaus
Und du, mein Schatz, bleibst hier?

Muss I denn, muss I denn
Zum stadtele hinaus
Stadtele hinaus
Und du, mein Schatz, bleibst hier?

There's no strings upon this love of mine
It was always you from the start
Sei mir gut, sei mir gut
Sei mir wie du wirklich sollst
Wie du wirklich sollst
'Cause I don't have a wooden heart                                                            

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My Bonnie Lies Over the Ocean

Von Friedhelm Denkeler,

1961 (1) – Tony Sheridan & the Beat Brothers: »My Bonnie«. Tony Sheridan & The Beatles – Wie aus einem schottischen Volkslied ein Beatstück wurde.

»Dortmunder Union-Pils«, Jugendclub Vlotho, Foto © Friedhelm Denkeler 1964
»Dortmunder Union-Pils«, Jugendclub Vlotho, Foto © Friedhelm Denkeler 1964

Kennen und lieben gelernt habe ich den Song »My Bonnie« von Tony Sheridan 1964 im Jugendclub in Vlotho. Mit den ersten Songs der Beatles wurde auch »My Bonnie«, den Sheridan 1961 mit den Beatles in Hamburg aufnahm, bekannter. Die Single nennt als Interpreten noch Tony Sheridan & The Beat Brothers. Mit den Beat Brothers waren die Beatles gemeint, die damals noch zu fünft mit Stuart Sutcliffe am Bass und Pete Best am Schlagzeug auftraten. Für die gleichnamige LP erhielt Sheridan die Goldene Schallplatte. Mit der Eröffnung des legendären Hamburger Star Clubs spielten Tony Sheridan und die Beatles öfter zusammen.

Das ist schon ein toller Song, der zunächst wie das alte schottische Volkslied beginnt und dann in eine wilde Beat-Nummer übergeht. Kein Wunder, dass der Discjockey im Jugendclub den Song gleich mehrmals spielen musste. Wie bei den Hamburger Seeleuten: Sheridan nahm den Song damals auf, weil die Seeleute in den Clubs ihn immer wieder hören wollten. Bei YouTube gibt es einen Konzertmitschnitt aus dem Jahr 2011 mit Tony Sheridan; hier rockt er wie damals.

Tony Sheridan war 1960 einer der ersten britischen Musiker, die in Deutschland auftraten: In Hamburg spielte er mit seinen »Jets«. Paul McCartney bezeichnete ihn später als ›Lehrer‹. Durch den Erfolg von »My Bonnie« wurde auch Brian Epstein (der spätere Manager der Beatles) auf die Beatles aufmerksam. So hat Sheridan, der sich eher im Hintergrund hielt, einen Anteil an dem Weg der Beatles. Anlässlich des 50. Geburtstags des Star-Clubs stand im April 2012 Tony Sheridan das letzte Mal auf Bühne. 2013 ist er im Alter von 73 Jahren in Hamburg gestorben. »My Bonnie« hat ihn unsterblich gemacht.

Im Film »Frühstück bei Tiffany« (Breakfast at Tiffany’s) ist am Anfang nur eine Instrumental-Version von »Moon River« zu hören. Mit dem Text singt es mit Audrey Hepburn (als Holly Golightly) in der Szene, in der sie am Fenster zur Feuerleiter sitzend, von dem Schriftsteller Paul ›Fred‹ Varjak (George Peppard) ein Stockwerk höher beobachtet wird. Wie zu vermuten war, ist es der Beginn einer Liebesgeschichte mit vielen Hindernissen.

Truman Capote, der den zu Grunde liegenden Roman geschrieben hat, wollte in der Rolle eigentlich Marilyn Monroe sehen. Wenn man an Hollywood denkt, fällt einem auch die Darstellung von Holly mit ihrer Zigarettenspitze ein. Henry Mancini, einer der Autoren des Songs, sagte über Audrey Hepburn: »Moon River wurde für Audrey Hepburn geschrieben. Niemand sonst hat es je so gut verstanden. Es gibt mehr als tausend Versionen davon, aber ihre ist zweifellos die beste.

Für 1961 muss ich noch ein Instrumental erwähnen, »Wheels« von Billy Vaughn. Er erreichte, dass in Deutschland sein Stück zu einem Nummer-eins-Hit und mit einer Goldenen Schallplatte ausgezeichnet wurde.

Songtext – Tony Sheridan & the Beat Brothers: »My Bonnie«

My Bonnie lies over the ocean
My Bonnie lies over the sea
My Bonnie lies over the ocean
Oh bring back my Bonnie to me

My Bonnie lies over the ocean
My Bonnie lies over the sea
Well, my Bonnie lies over the ocean
Yeah, bring back my Bonnie to me
Yeah bring back, ah bring back
Oh bring back my Bonnie to me
Oh bring back, ah bring back
Oh bring back my Bonnie to me

Well, my Bonnie lies over the ocean
My Bonnie lies over the sea
Yeah my Bonnie lies over the ocean
I said bring back my Bonnie to me

Songtext – Audrey Hepburn: »Moon River«

Moon river, wider than a mile
I'm crossing you in style some day
Oh, dream maker, you heart breaker
Wherever you're goin', I'm goin' your way
Two drifters, off to see the world
There's such a lot of world to see
We're after the same rainbow's end, waitin' 'round the bend
My huckleberry friend, moon river, and me 

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Chubby Checker ist der Twist

Von Friedhelm Denkeler,

1960 (3) – Chubby Checker: »The Twist«. Wie ein ›kleiner Drall‹ des ›Molligen‹ in den 1960-Jahren nach dem Rock ’n‘ Roll die gesamte westliche Welt eroberte.

In den 1960er-Jahren diskutierten wir auch in Deutschland, nach dem Rock ’n‘ Roll und noch vor dem Beat, einen neuen skandalösen Tanz: den Twist. Er entwickelte sich schnell zum internationalen Modetanz, auch weil er aus sehr einfachen Bewegungsabläufen bestand.

Wie er zu tanzen sei, beschrieb damals eine inzwischen berühmt gewordene Anleitung: Man tanze so, als würde man mit beiden Füßen abwechselnd Zigarettenkippen ausdrücken und sich dabei gleichzeitig mit einem Handtuch den Rücken abtrocknen. Populär wurde der Tanz insbesondere durch Chubby Checker mit seinem Song »The Twist«.

Chubby Checker: »The Twist«, 1960, Foto/Collage © Friedhelm Denkeler
Chubby Checker: »The Twist«, 1960, Foto/Collage © Friedhelm Denkeler

Erstmalig stellte er »The Twist« und seine Art zu tanzen, 1960 in der beliebten Fernsehshow »American Bandstand« des US-Senders ABC vor. Der Song entwickelte sich zum Symbolsong für den Tanz und erreichte mit sechzehnmonatiger Unterbrechung zweimal die Nr. 1 der US-Hitparade und wurde über drei Millionen Mal verkauft. Am 22. Oktober 1961 präsentierte die »Ed Sullivan Show« einen neuen Twist-Song von Chubby Checker, der ebenfalls ein Erfolg wurde: »Let’s twist again (like we did last Summer)«.

Inzwischen hatte der Mode-Tanz die gesamte westliche Welt erobert. The Marcels stellten eine »Merry Twist-Mas« Version vor, passend zur Spiegel-Affäre sang Peter von Eck den «Spiegel-Twist« (nicht zu verwechseln mit Trude Herrs Spiegel-Twist) und 1963 gab es den Film »Nachtexpress nach St. Tropez« in dem Teddy Parker den »St. Tropez Twist« sang und tanzte. Sehenswert ist auch ein ›verrückter‹ Kurzfilm, der den Twist 1962 vorstellte. Bekannt wurde auch Joey Dee & The Starliters mit dem »Peppermint Twist« (den Catarina Valente dann auf Deutsch sang).

»Twist im Jugendclub in Vlotho«, Foto © Friedhelm Denkeler 1964
»Twist im Jugendclub in Vlotho«, Foto © Friedhelm Denkeler 1964

Der Twist war übrigens der erste Tanz, der ohne Berührung des Tanzpartners auskam und er beendete damit die Führungsrolle des Mannes – zumindest auf der Tanzfläche. Aber wie sollten sich Jungs und Mädchen auf der Tanzfläche im Beatschuppen näher kennenlernen? Die Diskjockeys in den Discotheken in Bohmte und Diepholz in Westfalen streuten in die schnellen Twist-Rhythmen dafür regelmäßig ›Schmusesongs‹ ein. Erinnern kann ich mich an die Songs »Save The Last Dance For Me« von The Drifters, »Are You Lonesome Tonight?« von Elvis Presley und an Roy Orbisons »Only The Lonely« (alle aus dem Jahr 1960).

Chubby Checker (geb. am 3. Oktober 1941 als Ernest Evans in Spring Gulley, South Carolina, aufgewachsen in Philadelphia) bekam den Künstlernamen »Chubby Checker« (chubby=mollig) verpasst. »The Twist« ist eine Cover-Version der B-Seite einer Single der »Hank Ballard & the Midnighters«. Bis 1966 hatte Checker sich mit über 30 Titeln in den Charts platziert. Aber ab Mitte der 1960er Jahre war der Twist bereits mehr oder weniger out, eine später berühmte britische Gruppe läutete mit dem Song »Twist And Shout« die neue Ära der Beat-Musik ein.

Songtext – Chubby Checker: »The Twist«

Everybody, twist

They're twisting in Cleveland
In Kansas City too
They're wailing in Warwood
In Pittsburgh and St Lou
So, baby, get ready
I'm gonna twist with you

Round and around and
Up and down we go
(Yeah, oh, baby)
Making with the
Shaking to and fro
(Yeah, well, now from)
Boston to L A (oh, baby)
Twistin U S A

They're twisting in New York
In old Chicago town
In Hartford and Frisco
They all go round and round
They're twisting on Bandstand
So don't you put me down
Round and around and
Up and down we go
(Yeah, oh, baby)
Making with the
Shaking to and fro
(Yeah, well, now from)
Boston to L A (oh, baby)
Twistin U S A

They shimmy in Charlotte
They shake in Baltimore
In Detroit and Dallas
And down Miami shore
So, baby, oh, baby
What are we waiting for

Round and around and
Up and down we go
(Yeah, oh, baby)
Making with the
Shaking to and fro
(Yeah, well, now from)
Boston to L A (oh, baby)
Twistin U S A

Anmerkung zur Kategorie »Siebzig Jahre – Siebzig Songs»

In dieser Kategorie finden Sie Beiträge zu Songs und ihren Interpreten aus 70 Jahren Rock- und Pop-Geschichte 1946 bis 2016. In der Regel werden pro Jahr ein Song, manchmal auch mehrere, vorgestellt. Alle im Text erwähnten Songs sind als Video oder Audio auf den bekannten Musik-Portalen wie YouTube, Vimeo, etc. zu finden. In einer Tabelle habe ich die Songs auf die entsprechenden Videos/Audios verlinkt. Die Serie befindet sich zur Zeit im Aufbau und wird nach und nach vervollständigt. Jeder Artikel ist ein Auszug aus meinem für 2024 geplanten Künstlerbuch »Siebzig Jahre – Siebzig Songs«.

Eine visuelle und tabellarische Übersicht finden Sie hier (mit Links zu den Videos).

Nur Liebende bleiben am Leben – Funnel Of Love

Von Friedhelm Denkeler,

1960 (2) – Wanda Jackson: »Funnel Of Love«. Fritz Rau hatte den Blues … und brachte die Rockmusik nach Deutschland.

Nur Menschen mit einer großen Liebe zu Musik und Büchern bleiben am Leben – so könnte man Jim Jarmuschs Film »Only Lovers Left Alive« auch beschreiben, denn er lebt zu großen Teilen von der Musik und den Leidenschaften eines Rock-Nerds namens Adam (Tom Hiddleston) und seiner Bücher verschlingenden und überaus gebildeten Gattin Eve (Tilda Swinton). Haben wir nun einen vampiristischen Musikfilm oder einen musikalischen Vampirfilm für Bildungsbürger gesehen? Hier soll es um die Musik im Film gehen, die auch inhaltlich einen Schwerpunkt bildet. Mit den klassischen Vampir-Filmen und den neumodischen Teenie-Soaps desselben Themas hat Jarmuschs Film jedenfalls nichts gemein.

»Adams Haus«, Foto © Friedhelm Denkeler 2013
»Adams Haus«, Foto © Friedhelm Denkeler 2013

Musik spielte in den Filmen von Jim Jarmusch immer schon eine große Rolle (John Lurie, Tom Waits, Iggy Pop). Diesmal hören wir einen wunderbaren Soundtrack, der herrlich stimmig auf Bilder und Handlung Bezug nimmt; eine wilde Mischung aus Country, Sixties Soul, Rock, Garage Punk und Paganinis Geigen. Die moderne Rockmusik, die Adam im Film spielt, stammt von Jarmuschs eigener Band »Sqürl«. Der Film beginnt aber mit einem Track aus dem Jahr 1960 von Wanda Jackson. Die Kamera kreist traumhaft über Adam und Eve, überblendet durch einen Plattenspieler, auf dem sich eine Single dreht: Wanda Jackson mit »Funnel Of Love«.

Die Rockabilly- und Country-Sängerin Wanda Jackson (*1937, Oklahoma) war die erste Frau, die ›wilde‹ Musik in den 1960er Jahren machte (wenn nicht noch schlimmere Ausdrücke damals verwendet wurden) und sie ging mit Elvis Presley auf Tournee. Ihre rauhe Männerstimme kam bei den prüden US-Amerikanern nicht gut an; sie hatte ihre größten Erfolge im Ausland. In Deutschland war der Schlager »Santo Domingo« (1965) ihr stärkster Triumph. Mein Lieblingssong von ihr aber ist »Let’s Have A Party« (1958). Anfang der Sechziger war er auf jeder Party ein Muss. Kein Wunder, es war hochkarätiger Rock ’n’ Roll, denn begleitet wurde Jackson durch die Musiker von Gene Vincent.

Sein erstes Jazz-Konzert veranstaltete Fritz Rau 1955 mit Albert Mangelsdorff. Seit 1963 arbeitete er mit Horst Lippmann in der Konzertagentur »Lippmann & Rau« zusammen. Die Tourneen der Rolling Stones organisierte er ab 1970 und zum Dank erhielt Rau von ihnen ein silbernes Tablett mit der Inschrift »To Fritz with Thanks from the Rolling Stones«. Sein Lieblingslied war und blieb natürlich ein Bluessong aus dem Jahr 1960 von dem er sagte, den »könnt ihr einem Marsmenschen vorspielen, und sofort würde der begreifen, was Blues ist«, es ist »Five Long Years« von Muddy Waters.

Die Großen des Jazz und Blues, wie Ella Fitzgerald, Nat King Cole, Duke Ellington, Muddy Waters, Miles Davis, Janis Joplin und später die Heroen des Rock und Pop, wie The Doors, Frank Zappa, Jimi Hendrix, Bob Dylan, The Who, Queen, Tina Turner, Madonna, Bruce Springsteen und viele andere holte Fritz Rau nach Deutschland. Aber genau so engagiert setzte er sich auch für die deutsche Rock- und Popmusik, wie Udo Lindenberg und Peter Maffay, ein. Wahrscheinlich wusste Rau selber nicht, wie viele Konzerte er veranstaltet hat; an die 6000 sollen es gewesen sein. 2004 zog sich Fritz Rau dann aus dem aktiven Geschäft zurück; im August 2013 ist er im Alter von 83 Jahren im Taunus gestorben.

Songtext – Wanda Jackson: »Funnel Of Love«

Here I go,
Falling down, down, down,
My mind is a blank,
My head is spinning around and around,
As I go deep into the funnel of love.

It's such a crazy, crazy feeling,
I get weak in the knees,
My poor old head is a reelin',
As I go deep into the funnel of love.

I tried and I tried, to run and hide,
I even tried to run away,
You just can't run from the funnel of love,
It's gonna get you someday.
It's such a crazy, crazy feeling,
I get weak in the knees,
My poor old head is a reelin',
As I go deep into the funnel of love.

I tried and I tried, to run and hide,
I even tried to run away,
You just can't run from the funnel of love,
It's gonna get you someday.

Here I go, falling down, down, down,
My mind is a blank,
My head is spinning around and around,
As I go deep into the funnel of love,
Deep into the funnel of love.  

Anmerkung zur Kategorie »Siebzig Jahre – Siebzig Songs»

In dieser Kategorie finden Sie Beiträge zu Songs und ihren Interpreten aus 70 Jahren Rock- und Pop-Geschichte 1946 bis 2016. In der Regel werden pro Jahr ein Song, manchmal auch mehrere, vorgestellt. Alle im Text erwähnten Songs sind als Video oder Audio auf den bekannten Musik-Portalen wie YouTube, Vimeo, etc. zu finden. In einer Tabelle habe ich die Songs auf die entsprechenden Videos/Audios verlinkt. Die Serie befindet sich zur Zeit im Aufbau und wird nach und nach vervollständigt. Jeder Artikel ist ein Auszug aus meinem für 2024 geplanten Künstlerbuch »Siebzig Jahre – Siebzig Songs«.

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Una mujer fantástica oder Natural Woman

Von Friedhelm Denkeler,

1960 (1) – The Shirelles: »Will You Love Me Tomorrow?«. Wenn die Trommeln der Apachen rufen … The Shadows: »Apache«.

Während der Internationalen Filmfestspiele in Berlin im Februar 2017 sahen wir den Film »Una mujer fantástica« von Sebastian Lélio mit Daniela Vega. Der Film ist ein Plädoyer für die sexuelle Selbstbestimmung. Die Trans-Frau Marina (Daniela Vega) ist nach dem Tod ihres Freundes Orlando (Francisco Reyes) dem blanken Hass seiner Familie ausgesetzt. Und wenn schon nicht ihre Umgebung, so ist doch der Film ganz auf ihrer Seite und zeigt die zunehmend ins Abseits gedrängte Protagonistin als starke, lebenskluge, fantastische Frau.

Der RBB urteilte: »Marina sitzt auf ihrem Sofa, die Beine leicht angewinkelt. Sie ist nackt, doch ein Spiegel verdeckt ihre Scham. Die nächste Einstellung zeigt Marina von oben: Man sieht nur ein Stück Beine, etwas Bauch – und mitten im Bild ihr Gesicht im Spiegel zwischen ihren Beinen. Es ist ein eindringliches, berührendes Bild. Gerade in seiner Einfachheit und Wortlosigkeit macht es klar, worum es Lélio geht: Was die geschlechtliche Identität eines Menschen bestimmt, ist nicht zwingend das, was zwischen seinen Beinen ist«.

Passend zum Film hat Lélio als Soundtrack unter anderem Aretha Franklin mit »A Natural Woman« aus dem Jahr 1967 ausgesucht. Der Song wurde 1967 von Carole King und Gerry Goffin geschrieben und 2015 von Aretha Franklin zum Gala-Empfang im Opera House des Kennedy Centers zu Ehren der Preisträgerin Carole King performt. Diese Ehrung umfasste zahlreiche Feierlichkeiten, unter anderem verfolgten die Geehrten die Gala gemeinsam mit dem US-Präsidenten Obama in der Präsidenten-Loge. Ihren ersten Nummer-eins-Hit hatte Carole King als 18jährige mit dem Lied »Will You Love Me Tomorrow?«. Sie schrieb ihn für die Girlgroup »The Shirelles« (1960).

Cover: Jörgen Ingmann: »Apache« (Single), Foto © Friedhelm Denkeler 2015  (Dank an Natascha S.)
Cover: Jörgen Ingmann: »Apache« (Single), Foto © Friedhelm Denkeler 2015 (Dank an Natascha S.)

Bei den Trommeln der Apachen habe ich immer gedacht, der Song stammt von den »Shadows«, der Begleitband von Cliff Richard. Bei der Recherche stellte sich heraus, dass es etwas komplizierter ist, aber der Reihe nach. Die Melodie stammt von dem englischen Komponisten Jerry Lordan. Die Idee zum Titel soll ihm gekommen sein, als er den gleichnamigen Western mit Burt Lancaster und Charles Bronson aus dem Jahr 1954 sah. Es fehlte ihm nur eine Instrumental-Band; die fand er in Bert Weedon. Das Stück wurde 1960 eingespielt, blieb aber zunächst unveröffentlicht, Lordan gefiel diese Fassung nicht.

Dann kam Lordan mit den Shadows in Kontakt, die wiederum fanden, das Instrumental passe zu ihnen. Am Anfang und Ende des Stückes sollten die Trommeln auf die ›Indianermusik‹ hinweisen. Der Erfolg blieb nicht aus: ab dem 21. Juli 1960 stand die Single für fünf Wochen auf dem ersten Platz der britischen Charts. Jetzt wurde schnell die Single von Jerry Lordan veröffentlicht. Sie hatte in Europa aber weniger Erfolg. In den USA punktete dagegen die Fassung des dänischen Jazzgitarristen Jørgen Ingmann. Alle drei machten das Instrumental zu einem internationalen Hit. Mein Favorit bleibt aber für immer »Apache« von den Shadows.

Songtext – The Shirelles: »Will You Love Me Tomorrow?«

Tonight you're mine, completely
You give your love so sweetly
Tonight the light of love is in your eyes
But will you love me tomorrow

Is this a lasting treasure
Or just a moment's pleasure
Can I believe the magic in your sighs
Will you still love me tomorrow
Tonight with words unspoken
You say that I'm the only one
But will my heart be broken
When the night meets the morning sun

I'd like to know that your love
Is a love I can be sure of
So tell me now and I won't ask again
Will you still love me tomorrow

Anmerkung zur Kategorie »Siebzig Jahre – Siebzig Songs»

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Why must I be a Teenager in Love?

Von Friedhelm Denkeler,

1959 (2) – Dion and the Belmonts: »A Teenager in Love«. The Platters: »Smoke Gets In Your Eyes«. Wie Neil Sedaka seinen Hit »Oh! Carol« fabrizierte.

In den späten 1950er Jahren wurde die US-Amerikanische Doo Wop- und R&B-Gruppe Dion and the Belmonts auch in Deutschland mit »I Wonder Why« (1958) bekannt. Mein Lieblingssong aber ist der 1959 erschienene Hit »A Teenager in Love«. Die Dreier-Bild-Collage stammt aus der US-TV-Aufzeichnung der »Saturday Night Beech-Nut Show« vom 4. April 1959. Was macht eigentlich den Doo Wop-Stil aus? Vereinfacht gesagt, durch den verstärkten Gebrauch von sinnlosen Silben, wie hier mit Oooh…Oooh Wa-oooh…Ooooh…Oooh oder wie Diddle-De-Dum. Aber der Begriff wurde erst später populär; damals lief diese Musik unter Rock ’n‘ Roll (meist weiße Mitglieder) oder Rhythm & Blues (eher schwarze Mitglieder).

Dion and the Delmonts: »Teenager in Love«, 1959, Foto/Collage © Friedhelm Denkeler
Dion and the Delmonts: »Teenager in Love«, 1959, Foto/Collage © Friedhelm Denkeler

Vorläufer war zum Beispiel die Musik der Comedian Harmonists. Viele spätere Soul-Stars begannen ihre Karriere als Mitglieder der Doo Wop-Gruppen, zum Beispiel Curtis Mayfield oder Wilson Pickett. Der Soundtrack des Films »American Graffiti« (1973) besteht vielfach aus Doo Wop-Songs und der Moderator Barry Graves spielte in seiner Sendung »See You later Alligator« (späte 1970er Jahre) im RIAS-Berlin gerne Doo Wop. So wurde die Musik bei uns bekannter.

1959 – The Platters: »Smoke Gets In Your Eyes«, 1959, Foto/Collage © Friedhelm Denkeler
1959 – The Platters: »Smoke Gets In Your Eyes«, 1959, Foto/Collage © Friedhelm Denkeler

Zum Repertoire des Duos Bastian Korff (Gesang) und Florian Ludewig (Klavier) gehört auch »A Teenager in Love«. Unter dem Titel »Rock ‘n’ Roll & Remmidemmi« stand das Duo aufgrund des großen Publikumserfolg 2015 mehrmals im Theater O-TonArt in der Kulmer Straße in Berlin-Schöneberg auf der Bühne. Ihre Version hat weitaus mehr Pep und Drive als das Original, eben echter Rock ‘n’ Roll.

Und sie spielten »In Dreams« von Roy Orbison speziell für den Autor dieser Zeilen und seine Frau. Korff als Sprecher, Schauspieler, Sänger und Texter und Ludewig als Pianist und Komponist sind wahre Multitalente für sich, aber auf der Bühne waren sie als Team unschlagbar: spontan, witzig und so herrlich unperfekt wie man nur sein kann, wenn man die Perfektion beherrscht.

Mein Lieblingssong für 1959 ist »Smoke Gets In Your Eyes« von der US-amerikanischen Doo Wop-Gruppe The Platters. Der Song spielte auch in den Filmen »Die bitteren Tränen der Petra von Kant« von Rainer Werner Fassbinder (1972) und in »American Graffiti« von George Lucas (1973) eine Rolle.

Erwähnenswert ist für 1959 auch Neil Sedakas: »Oh! Carol«. Wie entstand damals ein Hit? Sedaka hat dazu erfolgreiche Hits studiert und dabei Ähnlichkeiten entdeckt; eine davon war, dass ein weiblicher Vorname im Titel vorkam. Sedaka wählte den Namen seiner High-School-Freundin Carol Klein – man kennt sie unter ihrem Künstlernamen Carole King – »Oh! Carol« war dann das Ergebnis.

Songtext – Dion and the Belmonts: »A Teenager in Love«

Each time we have a quarrel, it almost breaks my heart,
Cause I'm so afraid that we will have to part,
Each night I ask the stars up above,
Why must I be a teenager in love?

One day I feel so happy, next day I feel so sad.
I guess I'll learn to take the good with the bad.
Cause each night I ask the stars up above,
Why must I be a teenager in love?
I cried a tear for nobody but you,
I'll be a lonely one, if you should say we're through.
Well, if you want to make me cry, that won't be so hard to do.
And if you should say goodbye, I'll still go on loving you.
Each night I ask the stars up above,
Why must I be a teenager in love?

I cried a tear for nobody but you,
I'll be a lonely one, if you should say we're through.
Well, if you want to make me cry, that won't be so hard to do.
And if you should say goodbye, I'll still go on loving you.

Each night I ask the stars up above
Why must I be a teenager in love?

Anmerkung zur Kategorie »Siebzig Jahre – Siebzig Songs»

In dieser Kategorie finden Sie Beiträge zu Songs und ihren Interpreten aus 70 Jahren Rock- und Pop-Geschichte 1946 bis 2016. In der Regel werden pro Jahr ein Song, manchmal auch mehrere, vorgestellt. Alle im Text erwähnten Songs sind als Video oder Audio auf den bekannten Musik-Portalen wie YouTube, Vimeo, etc. zu finden. In einer Tabelle habe ich die Songs auf die entsprechenden Videos/Audios verlinkt. Die Serie befindet sich zur Zeit im Aufbau und wird nach und nach vervollständigt. Jeder Artikel ist ein Auszug aus meinem für 2024 geplanten Künstlerbuch »Siebzig Jahre – Siebzig Songs«.

Eine visuelle und tabellarische Übersicht finden Sie hier (mit Links zu den Videos).