Der dritte Mann

1950 – Anton Karas: »Harry-Lime-Thema«. Instrumentals der frühen Rockgeschichte – von »The Third Man Theme« zum «Egyptian Reggae«.

Instrumentals der frühen Rockgeschichte – vom »The Third Man Theme« zum «Egyptian Reggae«
, Foto/Collage © Friedhelm Denkeler 2016
Instrumentals der frühen Rockgeschichte – vom »The Third Man Theme« zum «Egyptian Reggae«
, Foto/Collage © Friedhelm Denkeler 2016

Bei meiner Recherche zum Portfolio »Siebzig Jahre – Siebzig Songs« stieß ich auch auf Instrumentals der Pop- und Rockgeschichte aus den späten 1950er und den frühen 1960er Jahren. Sie alle sind akustisch seit meiner Jugend fest im Gehör verankert. Beim heutigen Wiederhören, nach siebzig Jahren, lösen Stücke wie »Sail along Silv’ry Moon« von Billy Vaughn, »Red River Rock« von Johnny & The Hurricanes, »Mexico« von Bob Moore oder »Amapola« von den The Spotnicks einen wohligen Schauer aus.

Damals gehörten Instrumentals zum Hitparadenbild, blieben aber trotzdem die Ausnahme. Anfang der 1950er Jahre überwogen noch instrumentale Coverversionen von Vokalaufnahmen wie »Oh, mein Papa« von Eddie Calvert. Zu den Instrumentalstücken kann man auch Filmmusiken wie »Harry-Lime-Thema« von Anton Karas oder »Spiel mir das Lied vom Tod« von Ennio Morricone zählen. Aber auch in den 1970er Jahren gab es bekannte Instrumentals, wie »Albatross« von Fleetwood Mac oder «Egyptian Reggae« von Jonathan Rickman & Modern Lovers.

In westlichen Ländern entfällt im Pop- und Rockbereich nur etwa 1% aller veröffentlichten Titel auf Instrumentalmusik. Die Instrumentals müssen, um ein Hit zu werden, eine markante Instrumentation oder auffällige Rhythmik aufweisen. Um den Nachteil der fehlenden (nachsingbaren) Texte auszugleichen, ist es von Vorteil wenn sie sich zum »Ohrwurm« entwickeln; einige wurden zu Millionenseller. Aus dem Zeitraum 1950 bis 1977 habe ich 24 Instrumentalstücke herausgesucht (siehe unten), einige werde ich hier vorstellen.

1950 – Anton Karas: »Harry-Lime-Thema«, Foto/Collage © Friedhelm Denkeler
1950 – Anton Karas: »Harry-Lime-Thema«, Foto/Collage © Friedhelm Denkeler

Der britische Film »Der dritte Mann« (Original: »The Third Man«) von Carol Reed wurde nach einem Drehbuch von Graham Greene gedreht. Die Hauptfigur in dem in schwarzweiß gedrehten Film ist der amerikanische Autor Holly Martins (Joseph Cotten). Wegen eines Jobangebotes seines Freundes Harry Lime (Orson Welles) reist er in das Wien der Nachkriegszeit und wird dort in kriminelle Machenschaften hineingezogen.

Das auf der Zither gespielte »Harry-Lime-Thema« von Anton Karas, die expressionistischen Kameraperspektiven, Orson Welles’ viel zitierte »Kuckucksuhr-Rede« und die finale Verfolgungsjagd durch die Wiener Kanalisation machten den Film bekannt. Übrigens wurde der komplette Film mit Karas‘ Musik vertont. Ab Januar 1950 wurde der deutsch synchronisierte Film auch in Westdeutschland aufgeführt.

Während der Dreharbeiten sprach Orson Welles als Harry Lime improvisiert die Sätze »In den 30 Jahren unter den Borgias hat’s nur Krieg gegeben, Terror, Mord und Blut. Aber dafür gab’s Michelangelo, Leonardo da Vinci und die Renaissance. In der Schweiz herrschte brüderliche Liebe, 500 Jahre Demokratie und Frieden. Und was haben wir davon? Die Kuckucksuhr!» Diese »Kuckucksuhr-Rede« ging in die Filmgeschichte ein. Übrigens, die Schweizer haben niemals irgendwelche Kuckucksuhren hergestellt, sie kamen alle aus dem Schwarzwald.

  • Anton Karas: »The Third Man Theme« (1950)
  • Eddie Calvert: »Oh, mein Papa« (1954)
  • Pérez Prado: »Cherry Pink And Apple Blossom White« (1955)
  • Bill Justis: »Raunchy« (1957)
  • Mitch Miller: »March from the River Kwai (Colonel Bogey)« (1957)
  • Duane Eddy: »Rebel Rouser« (1958)
  • Billy Vaughn: »Sail along Silv’ry Moon« (1958)
  • Johnny & The Hurricanes: »Red River Rock«, (1959
  • The Shadows: »Apache« (1960)
  • The Ventures: »Walk Don’t Run« (1960)
  • Bob Moore: »Mexico« (1961)
  • Billy Vaughn: »Wheels«, (1961)
  • Booker T. & the M.G.’s: »Green Onions« (1962)
  • Tornados: »Telstar« (1962)
  • The Spotnicks: »Amapola« (1963)
  • Horst Jankowski: »A Walk in the Black Forest« (1965)
  • Nini Rosso: »Il Silenzio« (1965)
  • Marcello Minerbi: »Zorba’s Dance« (1965)
  • Remo Four: »Peter Gun« (1966)
  • Fleetwood Mac: »Albatross« (1968)
  • Hugo Montenegro: »The Good the Bad And the Ugly« (1968)
  • Ennio Morricone: »Spiel mir das Lied vom Tod« (1968)
  • Eumir Deodato: »Also sprach Zarathustra« (1973),
  • Jonathan Rickman & Modern Lovers: »Egyptian Reggae« (1977)

Anmerkung zur Kategorie »Siebzig Jahre – Siebzig Songs»

Hier finden Sie Beiträge zu Songs und ihren Interpreten aus 70 Jahren Rock- und Pop-Geschichte 1946 bis 2016. Alle im Text erwähnten Songs sind als Video oder Audio auf den bekannten Musik-Portalen wie YouTube, Vimeo, etc. zu finden. Jeder Artikel ist ein Auszug aus meinem geplanten Künstlerbuch »Siebzig Jahre – Siebzig Songs«.

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