Wie ein klirrender Aschenbecher zum Millionenseller wurde

Von Friedhelm Denkeler,

1966 – The Beach Boys: »Barbara Ann«. Das Gesamtkunstwerk »Pet Sound« – Eines der ersten Konzeptalben der Rockgeschichte

1966 – The Beach Boys: »Barbara Ann«, Fotos/ Collage © Friedhelm Denkeler
1966 – The Beach Boys: »Barbara Ann«, Fotos/ Collage © Friedhelm Denkeler

Die Beach Boys planten für ihre aus Coverversionen zusammengesetzte LP Beach Boys’ Party! auch eine Live-Aufnahme von Barbara Ann. Dazu versammelten sie sich in einem Tonstudio in Hollywood mit vielen illustren Gästen. Es herrschte eine partyähnliche Stimmung. Der Song wurde ohne vorherige Proben gesungen, was an der mangelnden Textsicherheit der Beteiligten erkennbar ist. Gleich während der ersten Strophe geht kurzzeitig die Erinnerung an den Text verloren; jemand ruft »Hal and his famous ashtrays«, woraufhin klirrende Aschenbecher zu hören sind. Der Song wurde als Single ausgekoppelt, der zu einem Millionenseller wurde.

Die Beach Boys wurden 1961 von den Brüdern Brian, Dennis und Carl Wilson, ihrem Cousin Mike Love und Alan Jardine gegründet. Neben der bekannten Single Barbara Ann entstanden die Songs Surfin’ USA, I Get Around, Help Me Rhonda, California Girls, Sloop John B, Wouldn’t It Be Nice, Heroes and Villains, Kokomo, God Only Knows und Good Vibrations. Die Songs waren geprägt von harmonischen Gesangsparts, eingängigen Melodien und den Themen Surfen und Strandkultur Kaliforniens. Die Boys schufen einen einzigartigen Sound, der von Doo-Wop, Rock ’n’ Roll und a cappella-Gesang inspiriert war.

Durch die sonnigen und surf-inspirierten Klänge und den a cappella-Gesang der Band waren die Beach Boys damals nicht meine bevorzugte Musik. Daran änderte sich auch nichts, als 1966 das Konzeptalbum »Pet Sound« erschien. Damals erhielt es wenig Anerkennung, aber es hat seitdem zahlreiche Fans gefunden und inzwischen von Kritikern als Meisterwerk der Pop-Musik betrachtet. Das Album wird oft als eines der besten Alben aller Zeiten bezeichnet und bleibt ein entscheidender Moment in der Musikgeschichte. Dies kann ich so nicht nachvollziehen.

Das Album bot eine atmosphärische, komplexe und oft melancholische Musik, die als Wegbereiter für die psychedelische Pop-Musik angesehen wird. Brian Wilson, der Kopf hinter den Beach Boys, verbrachte Monate damit, das Album aufzunehmen und zu produzieren. Er nutzte innovative Studiotechniken, einschließlich der Verwendung von Overdubs und elektronischen Effekten, um einen völlig neuen Klang zu erschaffen. Die Lyrics handeln von Themen wie Einsamkeit, Verlust und Selbstzweifeln, was für die Zeit ungewöhnlich war.

Für das Jahr 1966 müsste ich noch über viele weitere Songs aus meiner Jugendzeit berichten, aber das sprengt den Rahmen dieses Buches: The Rolling Stones: »Get Off Of My Cloud«, The Kinks: »Dead End Street«, The Byrds: »Eight Mile High«, Procol Harum: »A Whiter Shade Of Pale«, Walker Brothers: »The Sun Ain’t Gonna Shine Anymore«, The Rolling Stones: »19th Nervous Breakdown«, Monkees: »Daydream Believer«, The Beatles: »All You Need Is Love« und Chris Andrews: »Yesterday Man«. Auch einen deutschen Hit darf ich nicht vergessen – Drafi Deutscher mit »Marmor, Stein und Eisen bricht«. In meinem Rock-Archiv finden sich in den 1960er Jahren besonders viele hörenswerte Songs, in den Jahrzehnten davor und danach weniger. Dies habe ich bei der Auswahl in diesem Buch berücksichtigt.

Songtext – The Beach Boys: »Barbara Ann«

Ah, ba ba ba ba Barbara Ann
Ba ba ba ba Barbara Ann
Oh Barbara Ann, take my hand
Barbara Ann
You got me rockin' and a-rollin'
Rockin' and a-reelin'
Barbara Ann ba ba
Ba Barbara Ann

Went to a dance, lookin' for romance
Saw Barbara Ann, so I thought I'd take a chance
With Barbara Ann, Barbara Ann
Take my hand
You got me rockin' and a-rollin'
(Oh! Oh!)
Rockin' and a-reelin'
Barbara Ann ba ba
Ba ba ba ba black sheep

Ba ba ba ba Barbara Ann
Ba ba ba ba Barbara Ann

Barbara Ann, take my hand
Barbara Ann
You got me rockin' and a-rollin'
Rockin' and a-reelin'
Barbara Ann ba ba
Ba Barbara Ann

(Let's go now!)
(Ow!)
(...)
(..., Carl.)
(Hal, and his famous ashtray)
(...)
(You smell like Rocky. You're always scratchin' it.)
(Hey, come on!)
(Scratch it, Carl, scratch it, baby, right over there. Down a little lower. Down a little lower!)
(Saw-- Tried--)

Tried Peggy Sue
Tried Betty Lou,Tried Mary Lou
But I knew she wouldn't do
Barbara Ann, Barbara Ann
Take my hand
Barbara Ann Take my hand
You got me rockin' and a-rollin'
Rockin' and a-reelin'
Barbara Ann ba ba
Ba Barbara Ann

Ba ba ba ba Barbara Ann
Ba ba ba ba Barbara Ann
Barbara Ann
Take my hand
Barbara Ann
You got me rockin' and a-rollin'
Rockin' and a-reelin'
Barbara Ann ba ba
Ba Barbara Ann

Barbara Ann, Barbara Ann
Oh, Barbara Ann, Barbara Ann
Yeah, Barbara Ann, Barbara Ann
Barbara Ann, Barbara Ann
You got me rockin' and a-rollin'
Rockin' and a-reelin'
Barbara Ann ba ba
Ba Barbara Ann

(Let's try that again. One more.)

You got me rockin' and a-rollin'
Rockin' and a-reelin'
Barbara Ann ba ba
Ba Barbara Ann

(Ha ha. Let's try it one more time.)

You got me rockin' and a-rollin'
Rockin' and a-reelin'
Barbara Ann ba ba
Ba Barbara Ann

(Let's try it once more.)
(One more time. More artistic flavor.)

One more time
You got me rockin' and a-rollin'
Barbara Ann
Woah
You got me rockin'
You got me rollin'
Oh, Barbara Ann

(Thank you very much, folks.)
(Thanks, Dean.)
(Yeah, it's not bad.)
Anmerkung zur Kategorie »«

In dieser Kategorie finden Sie Beiträge zu Songs und ihren Interpreten aus 70 Jahren Rock- und Pop-Geschichte 1946 bis 2016. In der Regel werden pro Jahr ein Song, manchmal auch mehrere, vorgestellt. Alle im Text erwähnten Songs sind als Video oder Audio auf den bekannten Musik-Portalen wie YouTube, Vimeo, etc. zu finden. In einer Tabelle habe ich die Songs auf die entsprechenden Videos/Audios verlinkt. Die Serie befindet sich zur Zeit im Aufbau und wird nach und nach vervollständigt. Jeder Artikel ist ein Auszug aus meinem für 2025 geplanten Künstlerbuch »Siebzig Jahre – Siebzig Songs«.

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