Viel Wind um nichts

Von Friedhelm Denkeler,

Impressionen von der dOCUMENTA 13 in Kassel

Die Documenta beginnt mit einer visuellen Enttäuschung – der zentrale Friedrichsplatz ist kunstlos. Die Documenta-Container für Garderobe, Tickets und WC und ein besetzter Teil des Platzes mit Zelten der Occupy-Bewegung machen den Platz auch nicht schöner. 1992 befand sich hier immerhin Jonathan Borowskys Himmelstürmer und 2007 das Mohnfeld von Sanja Ivekovc.

"Documenta 13: Fridericianum mit Arbeit von Ryan Gander", Foto © Friedhelm Denkeler 2012
„Documenta 13: Fridericianum mit Arbeit von Ryan Gander“, Foto © Friedhelm Denkeler 2012

Der Besuch des Fridericianums, das Hauptgebäude einer jeden Documenta seit 1955, steht an und es folgt die nächste Enttäuschung: Die großen Hallen links und rechts des Foyers und jeweils die beiden dahinterliegenden Räume sind vollständig leer (siehe Foto), nur an den offenen Türen weht ein leichter Wind: Zugluft oder Luftnummer? Der britische Künstler Ryan Gander lässt künstlich Wind erzeugen, wie und warum ist leider nicht erkennbar.

Also sehen wir uns die Rotunde an. Dort, wo früher das ›Herz‹ der Documenta schlug, befindet sich jetzt laut Documenta-Macherin Carolyn Christow-Bakargiev (von allen der Einfachheit halber CCB genannt) das Brain der Documenta 13. Geht es so im Gehirn zu?

"Documenta 13: Baktrische Prinzessin", Foto © Friedhelm Denkeler 2012
»Documenta 13: Baktrische Prinzessin«, Foto © Friedhelm Denkeler 2012

Wir sehen ein Sammelsurium von Kunstwerken, Objekten und Dokumenten: Die Baktrischen Prinzessinnen (siehe Foto) aus dem dritten Jahrtausend v.Chr. aus Zentralasien, eine Auswahl von Gegenständen aus Hitlers Wohnung, Man Rays Object to be Destroyed, Konrad Zuses Funktionsmodell für einen Computer, eine Marmor-Skulptur, die aussieht wie ein Sack Mehl (siehe Foto) und Artefakte aus dem Nationalmuseum in Beirut, die während der Bombardierungen im Bürgerkrieg miteinander verschmolzen sind; um nur einige Objekte zu nennen.

"Documenta 13: Selbst mit Sack aus Carrara-Mamor (von Sam Durant)", Foto © Friedhelm Denkeler 2012
»Documenta 13: Selbst mit Sack aus Carrara-Mamor (von Sam Durant)«, Foto © Friedhelm Denkeler 2012

Liegt hier etwa das »Konzept der Konzeptlosigkeit« von CCB vor? Hoffentlich bringen die nächsten Documenta-Orte mehr Klarheit. Morgen früh geht es in die Documenta-Halle.

Die Karlsaue ins Bild ›geruckt‹

Von Friedhelm Denkeler,

"Schöne Aussicht oder Landschaft im Dia", Foto © Friedhelm Denkeler 2007
»Schöne Aussicht oder Landschaft im Dia«, Foto © Friedhelm Denkeler 2007

Impressionen von der dOCUMENTA 13 in Kassel

Das Museum der 100 Tage, die dOCUMENTA 13 in Kassel, wurde am 9. Juni 2012 eröffnet. Bevor wir uns in der nächsten Woche selbst ein Bild von dieser dOCUMENTA machen, zeige ich heute eine Impression vom Besuch der letzten documenta aus dem Jahr 2007: Rahmenbau (oder: Landschaft im Dia) der ehemaligen Architekten- und Künstlergruppe Haus-Rucker-Co. Der Stahlbilderrahmen in der Nähe des Friedrichsplatzes und oberhalb der Orangerie zeigt eine herrliche Aussicht auf die Karlsaue.

Der Rahmenbau wurde 1977 für die documenta 6 errichtet. Vor 1906 stand an dieser Stelle ein Triumphbogen. Diese Außenarbeit und weitere, wie die Spitzhacke von Claes Oldenburg in der Fuldaaue (documenta 7, 1982) und der Himmelsstürmer (Man walking to the sky) von Jonathan Borofsky vor dem Kulturbahnhof (documenta 7, 1982), befinden sich noch heute im Kasseler Stadtbild; und natürlich wächst und grünt auch das Projekt 7000 Eichen von Joseph Beuys mit dem Untertitel Stadtverwaldung statt Stadtverwaltung (1987 wurde das umfangreiche Projekt zur documenta 8 abgeschlossen).

Die begehbare Stahlskulptur Rahmenbau misst 31 x 17 x 14 Meter (LxBxH). Das Objekt besteht aus zwei Rahmen, einem größeren von 14 x14 Metern und einem kleineren von 2,80 x 2,80 Meter. Dadurch sieht man zwei verschiedene Landschaftsausschnitte, der kleinere bildet einen Ausschnitt aus dem größeren. Symbolhaft kann man dies auch als optische Scharfeinstellung einer Spiegelreflex-Kamera ansehen. Ein Steg erlaubt es den Besuchern, sich vom großen Rahmen kommend, dem kleinen zu nähern. Man verlässt dadurch den Blick durch den großen Rahmen und findet immer wieder eine neue Perspektive und herrliche Aussicht.