Die Gasdruckregelanlage vom Savignyplatz

Von Friedhelm Denkeler,

»Die Gasdruckregelanlage vom Savignyplatz«, aus der Serie »In den Straßen von Berlin«, Foto © Friedhelm Denkeler 2010
»Die Gasdruckregelanlage vom Savignyplatz«, Foto © Friedhelm Denkeler 2010

Heute beginne ich mit der neuen Serie »In den Straßen von Berlin«, der Titel ist selbsterklärend. Den Anfang macht der Savignyplatz mit dem 2007 neu erstellten Eingangshäuschen am Südrand des Gartendenkmals. In Anlehnung an historische Pläne baute die Gasag hier eine Gasdruckregelanlage ein und verzierte das Häuschen mit ›Kunst am Bau‹. Die Arbeit »Through the Looking Glass« stammt von der Berliner Künstlerin Ute Lindner. Anstelle des ehemaligen Durchgangs zum Park befindet sich hier nun eine Personengruppe als Hintergrundmalerei auf Glas, die in einen imaginären Raum Richtung Park sieht. Abends sind die Menschen als Schatten vor der blau beleuchteten Wand zu sehen. Auf der Rückseite des Gebäudes erblickt man dieselbe Gruppe von vorne. Zentrales Thema der Arbeiten von Ute Lindner ist die ›Spiegelung‹.

Der Spiegel ist nämlich eine Utopie, sofern er ein Ort ohne Ort ist. Im Spiegel sehe ich mich da, wo ich nicht bin: in einem unwirklichen Raum, der sich virtuell hinter der Oberfläche auftut; ich bin dort, wo ich nicht bin, eine Art Schatten, der mir meine eigene Sichtbarkeit gibt, der mich mich erblicken lässt, wo ich abwesend bin: Utopie des Spiegels.  [Michel Foucault, »Andere Räume«]

Through the Looking GlassWeitere Arbeiten von Ute Lindner

Anmerkung zur Kategorie »In den Straßen von Berlin«

Die work in progress-Serie »In den Straßen von Berlin« besteht aus großformatigen Farb-Fotos aus dem Nach-Wende-Berlin. Die Photographien zeigen den Wandel des Stadtbildes seit dem Jahr 2000: Abriss des Palastes der Republik und neue Hotels, hauptsächlich im Ost-Teil der Stadt, Bautätigkeiten im alten Westen, das Tempelhofer Feld, das seit 2008 als Flugbahn ausgedient hat, Touristenströme am ehemaligen Grenzübergang Checkpoint Charlie, am Hauptbahnhof und im Lustgarten in Mitte. Erste Bilder waren 2013 in der Ausstellung »Friedhelm Denkeler – Photographien« im Katharinenhof am Preußenpark, Berlin, zu sehen. Das Portfolio wird laufend ergänzt. Ein Künstlerbuch ist für 2023 geplant.

Die letzten Beiträge aus der Kategorie »In den Straßen von Berlin»

Es werde Licht!

Von Friedhelm Denkeler,

»Es werde Licht!«, Licht-Skulptur im Europa-Center, Berlin, Berlin, Foto © Friedhelm Denkeler 2018
»Es werde Licht!«, Licht-Skulptur im Europa-Center, Berlin, Berlin, Foto © Friedhelm Denkeler 2018

Anmerkungen zum Portfolio »Sonntagsbilder»

Der Versuch einer Definition: Was ist eigentlich ein Sonntagsbild? Ein »schönes« Bild (was auch immer das nun wieder heißen mag; der Autor legt den Titel quasi mit dem Foto fest); es ist in Farbe (jedenfalls bei meinen Sonntagsbildern); es passt in keine andere Kategorie; es gehört nicht zu einer Serie von Bildern und zu keinem Portfolio. Kurz gesagt: Es ist ein Einzelbild. Aber es ist kein Sonntagsbild im Sinne der Sonntagsmalerei.

Am 26. Februar 2012 erschien in meinem Blog das erste Sonntagsbild. Und jeden Sonntag gab es ein neues – Ausnahmen bestätigten die Regel. Die Sonntagsbilder stammen aus dem Portfolio »Sonntagsbilder«, das ich 2005 abgeschlossen habe. Aber der Titel Sonntagsbild ist einfach ein zu schöner Titel. Unter dieser Prämisse führe ich die Kategorie »Sonntagsbilder« in meinem Blog bis auf weiteres mit Fotos aus meinem Archiv und mit neuen Aufnahmen weiter.

Im Spreebogenpark

Von Friedhelm Denkeler,

»Der Spreebogenpark mit Blick auf den Hauptbahnhof«, aus dem Portfolio »Sonntagsbilder«, Foto © Friedhelm Denkeler 2006
»Der Spreebogenpark mit Blick auf den Hauptbahnhof«, aus dem Portfolio »Sonntagsbilder«, Foto © Friedhelm Denkeler 2006

Anmerkungen zum Portfolio »Sonntagsbilder»

Der Versuch einer Definition: Was ist eigentlich ein Sonntagsbild? Ein »schönes« Bild (was auch immer das nun wieder heißen mag; der Autor legt den Titel quasi mit dem Foto fest); es ist in Farbe (jedenfalls bei meinen Sonntagsbildern); es passt in keine andere Kategorie; es gehört nicht zu einer Serie von Bildern und zu keinem Portfolio. Kurz gesagt: Es ist ein Einzelbild. Aber es ist kein Sonntagsbild im Sinne der Sonntagsmalerei.

Am 26. Februar 2012 erschien in meinem Blog das erste Sonntagsbild. Und jeden Sonntag gab es ein neues – Ausnahmen bestätigten die Regel. Die Sonntagsbilder stammen aus dem Portfolio »Sonntagsbilder«, das ich 2005 abgeschlossen habe. Aber der Titel Sonntagsbild ist einfach ein zu schöner Titel. Unter dieser Prämisse führe ich die Kategorie »Sonntagsbilder« in meinem Blog bis auf weiteres mit Fotos aus meinem Archiv und mit neuen Aufnahmen weiter.

Alles Kannibalen – oder was?

Von Friedhelm Denkeler,

»Consume, Produce, Die« im «me Collectors Room« in Berlin

Ich habe dich zum Fressen gern. | Auge um Auge, Zahn um Zahn. | Zum Anbeißen schön. | Liebe geht durch den Magen. | Auf die Zunge beißen. | Rache ist Blutwurst. | Ich habe einen Narren an Dir gefressen.

"Eat, Shit And Die" von Dan Attoe, 1975", Foto © Friedhelm Denkeler 2011
„Eat, Shit And Die“ von Dan Attoe, 1975″, Foto © Friedhelm Denkeler 2011

Die Ausstellung »Alles Kannibalen?« im Berliner me Collectors Room, der Privatkollektion des rheinländischen Sammlers Thomas Olbricht, zeigt in 100 Arbeiten von 40 Künstlern, wie sich die Kunst dem Thema Kannibalismus – im erweiterten Sinne – in Form von historischen Gemälden und Zeichnungen, alten Fotografien und Kultobjekten genähert hat. Gleich in der Lounge finden sich zwei Neon-Arbeiten »Consume, Produce, Die« von Claire Fontaine und »Eat, Shit And Die« von Dan Attoe (siehe mein Foto) zu diesem Thema.

Die meisten Werke bewegen sich zwischen soziologischer Einordnung und der Sensationsgier nach grauenerregendem oder schönem Fleisch, zwischen Francisco de Goyas anklagendem Grafikzyklus »Desastres de la Guerra« und den collagierten/ gemalten Bildern der Kenianerin Wangechi Mutu. Die beiden auf Zuckerwatte-Wolken gebetteten nackten Schönheiten verkörpern die Redewendung »Ich habe dich zum Fressen gern« und Cindy Sherman bietet dem zeitgenössischen Betrachter in »Maria lactans« analog zur christlichen Ikonographie ihre künstliche Brust dar. Und plötzlich steht man vor einem übergroßen Quader aus ekligem Kunststoff-Fleisch (John Isaacs, 1968).

Der Titel der Ausstellung »Alles Kannibalen« bezieht sich auf den Text »Wir sind alle Kannibalen. Das einfachste Mittel, sich mit dem anderen zu identifizieren, ist noch, ihn zu essen« des Anthropologen Claude Lévi-Strauss. Zur Vernissage soll es übrigens »Rotwein und Gehacktes« gegeben haben. Die Schau, die vorher in Paris zu sehen war, steht unter der kuratorischen Leitung von Jeanette Zwingenberger und geht morgen zu Ende.

Ich habe das Besucherbuch eben durchgesehen und dabei festgestellt, dass viele der Zeichnungen in diesem Buch den Kannibalismus als sexuellen Akt zur Schau stellen. Wäre das kein Anzeichen dafür, dass Kannibalismus heute beim Sex ausgelebt wird? Eine schockierende Einsicht. Ein Besucher

Die Hamburger Oberhafen-Kantine in Berlin

Von Friedhelm Denkeler,

Hamburgs schräge Kaffeeklappe am Hamburger Bahnhof in Berlin

»Hamburger Oberhafen-Kantine auf dem Gelände des Hamburger Bahnhofs«, Foto © Friedhelm Denkeler 2011
»Hamburger Oberhafen-Kantine auf dem Gelände des Hamburger Bahnhofs«, Foto © Friedhelm Denkeler 2011

Verrückt – im wahrsten Sinne des Wortes: Hamburgs einzige noch erhaltene Kaffeeklappe befindet sich in einer Replik des Hamburger Baumeisters und Künstlers Thorsten Passfeld zur Zeit auf dem Entwicklungsgelände an der Heidestraße in der Nähe des Berliner Hauptbahnhofs. Das 1925 entstandene Original, die windschiefe Kaffeeklappe in der Stockmeyerstraße auf dem Hamburger Hafengelände, ist sozusagen der Vorläufer von Starbucks und Caras.

Die Berliner Ausgabe wurde aus dem Holz von Abrisshäusern und Baustellen nachgebaut. Ein Symbol der Nachhaltigkeit, das mit Ausnahme des Grundgerüstes aus Abfallholz entstanden ist. Dank einer Hubkonstruktion soll sie genau so schief stehen können wie das Hamburger Original. Das Original in Hamburg ist allerdings aus rotem Backstein gebaut. Bei meinem anstehenden Hamburg-Besuch werde ich es mir ansehen. Zum neuen Kunstquartier siehe auch mein Artikel hier.

Wo ist die Blaue Blume von Jeff Koons geblieben?

Von Friedhelm Denkeler,

Die Neue Eiszeit kommt und Balloon Flower geht

"Blaue Blume im Schnee", Foto © Friedhelm Denkeler 2006
»Blaue Blume im Schnee«, Foto © Friedhelm Denkeler 2006

Nichtsahnend kämpfe ich mich auf den neuen, schneebedeckten Berliner Trampelpfaden durch den Großstadtdschungel. Gibt es nicht ein neues Gesetz, das besagt, dass der Schnee weggeräumt werden muss? Egal, es ist genauso schlimm wie im letzten Winter – und das ist erst der Anfang, der kalendarische Winter beginnt schließlich erst am 22. Dezember. Deutet sich schon jetzt an, dass dieser Winter so frostig wird, wie es der vergangene war? Die Klimaexperten befürchten, jedenfalls in Europa, eine neue Eiszeit.

Auch auf der S-Bahn das übliche Chaos. Zunächst einmal fällt eine S-Bahn aus, aber irgendwann lande ich doch am Potsdamer Platz. Langsam wird es Weihnachten und ich sollte an die Weihnachtsgeschenke denken. Schon kommt der nächste Schock, die Skulptur Balloon Flower (Blue) von Jeff Koons ist verschwunden. Die Plastik wurde im Jahr 2000 durch die Kunstsammlung der Daimler AG für 1,8 Millionen Euro direkt vom Künstler erworben und stand seitdem auf dem Marlene-Dietrich-Platz.

Die blaue Balloon Flower ist eine von insgesamt fünf Skulpturen aus Koons Celebration-Serie. Die anderen Blumen wurden in magenta, orange, gelb und rot produziert und sind inzwischen in der ganzen Welt verteilt. 2008 wurde die magentafarbige Skulptur bei Christie’s in London für den Rekordpreis von 19 Millionen Euro versteigert. Ähnliches hatte sich Daimler jetzt bei einer Auktion von Christie’s in New York mit Einlieferung der blauen Balloon Flower erhofft. Es wurden aber nur 13 Millionen Euro. So schön blau wie auf meinem Foto aus dem Winter 2006 wird es also nie wieder in Berlin glänzen.

Der US-Künstler Jeff Koons, 1955 geboren, hat in seiner Serie Celebration die Formensprache von Kinderspielzeug und Geschenkartikeln in großformatige Skulpturen umgesetzt. 2008 wurde die Celebration-Serie in der Neuen Nationalgalerie Berlin ausgestellt (siehe Video). Das fast 3 x 3 x 3 Meter große und fünf Tonnen schwere Kunstwerk „Ballon Flower“, das wie eine Blume geformt ist, die Clowns und Straßenkünstler häufig aus Luftballons knoten, ist aus hochglanzpolierten Edelstahlgussteilen gefertigt und in einem leuchtenden Blau lackiert worden (hier ein weiteres Beispiel: Balloon dog).

Ein besonderes Problem bei der Herstellung war die gewünschte Lackierung. Edelstahl wird in der Regel nicht lackiert. Die thüringische Stahlbaufirma Arnold-Diller ließ daher ein spezielles Lacksystem entwickeln, das alle geforderten Ansprüche seitens des Künstlers erfüllte – hohe Transparenz und Brillanz bei gleichzeitiger Licht- und Wetterbeständigkeit. Um den speziellen optischen Effekt zu erzielen, der die brillante Tiefenwirkung ergibt, wurde die blaue Lasur in vier Schichten aufgetragen. Diese wurden anschließend angeschliffen, um wolkenähnliche Strukturen zu vermeiden. In zwei weiteren Schichten wurde der Klarlack aufgetragen und mit Zwischenschliff lackiert. Zum Abschluss wurde auf Hochglanz poliert. Die Farbigkeit der Balloon Flower ist einmalig.